Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Die Sportschau erklärt Afrika

Gedächtnisprotokoll “Sportschau”: WM in Südafrika! Tiere spielen Fussball in toller Serengeti-Landschaft: Löwen, Affen, Elefanten! Schnitt auf die Architektur der neuen Stadien. Kein Mensch weit und breit. Schnitt auf weiße FIFA-Funktionäre mit Anzug und Krawatte. Dann Stadtaufsicht Johannesburg: Off-Text berichtet über massenhaftes Morden und unzählige Vergewaltigungen täglich. Nun sieht man auch Schwarze im Überwachungskameralook, die sich prügeln und nur leicht bekleidet sind. Danach FIFA-Funktionäre bei einer Pressekonferenz, die sagen, dass es dort “sicher” sei. Schnitt auf das Tafelberg-Panorama, kein Mensch weit und breit: Off-Text berichtet vom Tourismus und dass zu Zeiten der WM dort ja nur Winter sei, nachts nur 4 Grad, tags 17 – ganz schön frisch für den Winter. Gucke aus dem Fenster, sehe Schnee. Schnitt: Werbeaktionen an deutschen Flughäfen für den Ticket-Kauf werden gezeigt: Ein Schwarzer mit Trikot, überdimensionierter, gelber Brille und grotesker, entfernt “Stammeskopfschmuck” nachempfundener Kopfbedeckung macht alberne Faxen, daneben wirbt ganz souverän und ohne Faxen ein Weißer mit Anzug und Krawatte für Geschäfte. Und alternde HSV-Fans mit ekliger Rautenmütze äußern abschließend in der “Straßenumfrage” ihre Bedenken, in solch ein Land zu reisen …

10 Antworten auf Die Sportschau erklärt Afrika

  1. Loellie Januar 30, 2010 um 7:40 pm

    Wenns nur die Sportschau wär … ich kann kaum noch Dokus gucken. Das erinnert mich immer mehr an Grizmek und das nicht nur, wenns um “Urvölker” geht.
    Letztens lief was mit dem Zug durchs irgendwo und ich hab die ganze Zeit auf die possierlichen Nager gewartet.

  2. T. Albert Januar 30, 2010 um 8:52 pm

    Tja. So ist das mit der Aufklärung.
    Ich sags mal so: es laufen ja unglaublich viele weisse Menschen rum, die Kant usw., auch Habermas und Luhmann studiert haben, mit denen man aber kein vernünftiges Wort wechseln kann, wenn man vielleicht ein Kopftuchmädchen oder Neger ist.

  3. che2001 Januar 31, 2010 um 11:18 am

    Ich habe gerade mit unheimlich vielen Arabern und Nordafrikanern und Kurden und Thais zu tun, die darauf brennen, Adorno und Arendt und Solche mit mir zu diskutieren.

  4. Katzenblogger Januar 31, 2010 um 12:24 pm

    Hmmja. Wie würde es sich anhören, wenn in der ARD-Sportschau die Fussball-WM in Afrika mit Adorno und Arendt erläutert wird?

  5. momorulez Januar 31, 2010 um 12:37 pm

    @Katzenblogger:

    Auf jeden Fall besser als dieser nun wirklich krasse Scheiß da in der Sportschau.

    Den Text hier kann man ja gar nicht oft genug verlinken:

    http://www.uni-koblenz.de/~vladimir/breviary/afrika.html

    @T. Albert:

    Na, diese schriftlosen Völker halt …

    @Che:

    Auch wenn’s nervt – bei den Persern ist tatsächlich Habermas gerade recht bedeutend. Habe mich noch mal erkundigt, und für die Köpfe des Widerstands gegen Achmadingensbums ist dessen Denken durchaus ein starker Einfluss. Auch Arendt und Adorno sind ja solche, die eben nicht diese krude Einheit von Verkapitalismussung und Demokratie, wie sie von den Neocons vertreten wurde, während sie Bagdad bombardierten, verkörpern. Das ist schon irgendwie naheliegend.

  6. che2001 Januar 31, 2010 um 1:46 pm

    Meine wollen nicht in ihre Herkunftsgesellschaften zurück, sondern dauernd in Deutschland leben – und dann für sich intellektuell gesehen das Beste, was ihnen Deutschland zu bieten hat.

  7. T. Albert Januar 31, 2010 um 1:51 pm

    Perser-Habermas

    Das ist ja das Problem in der ganzen absichtlich aufrecht erhaltenen Nicht-Kommunikation mit denen, die als “Muslime” bezeichnet werden – die sind eben einfach alle doof und lesen nichts und haben von Philosophie keine Ahnung und bringen ja auch seit Ibn Rushd nichts mehr hervor und da gings auch nur um Aristoteles.
    Und wenn sie sich mal damit beschäftigen, dann aus rassistischen und antisemitischen Gründen, wie Küntzel herausarbeitet, in dessen neuem Buch mal klargestellt wird, dass das Interesse der Iranier als Ariern an deutschem Schriftgut von der arischen Ideologie herrührt, die sie mit den Deutschen teilen.

    Ich weiss auch nicht, irgendwie lebe ich seit dreissig jahren in einer völlig anderen Welt und all die wunderbar philosophisch gebildeten Perser und Türken, mit denen ich zu tun hatte bisher, die existieren gar nicht. Zum Verzweifeln ist das.

  8. che2001 Januar 31, 2010 um 2:10 pm

    Tröste Dich: Im Stern steht gerade ein Artikel, in dem es darum geht, wie völlig out of time und gegen die Meinung der Bevölkerungsmehrheit die FDP so ist. Und ich komme immer mehr dahin, dass die Bissigen Liberalen, Stefanolix, David und Karsten ausgenommen, so ein Verschnitt aus dieser geistig isolierten FDP und dem Weltbild der Fünfziger Jahre sind.

  9. momorulez Januar 31, 2010 um 3:37 pm

    @Che:

    “Meiner” würde da auch nicht zurück wollen. Der ist da aber trotzdem oft und sehr interessiert, was da so passiert, und macht auch viel aus diesem Wissen.Toller Mann, in jeder Hinsicht ;-) – übrigens auch kein Stück homophob, was der sich manchmal so von mir anhören muss, so wie der aussieht, ich glaube, das schmeichelt dem eher. Und wenn der alleine immer aus den ganzen exilranischen Zirkeln weltweit erzählt, das ist schon spannend. Da hat ja der T. Albert völlig recht, dass hier u.a. die, die vor Khomeni und dessen Nachmachern geflüchtet sind und deren Kinder, ständig abwechselnd Burkas angezogen und Antisemitismus vorgeworfen bekommen. Und wenn der aus Teheran zurück kommt, dann ist der immer eher entsetzt, dass da der Trend zur Schönheits-OP bei Frauen so ungeheuer massisv sei. Und Burkas, sagt er, gibt es eh eher in Saudi-Arabien, nicht im Iran, ja nun nicht unbedingt der Staat, der nun ständig auf der Agenda der Neocons ganz weit oben steht.

  10. che2001 Januar 31, 2010 um 3:43 pm

    Verglichen mit Saudi-Arabien ist der Iran eine Demokratie. Mein ägyptischer Freund Mohamed küsste in Kairo die ägyptische Erde, nachdem er ein Jahr Saudi-Arabien hinter sich hatte. Als die kuwaitische Königsfamilie während des Zweiten Golfkriegs in kairo einquartiert war wollten ägyptische Demonstranten denen ans Leder, so beliebt sind dort die öligen Emire.

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