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… und auch sonstwo nicht!
Ja, völlig richtiger Schlusssatz!
Zu diesem Vorgang gibt es auch noch eine völlig andere Darstellung, und beide nebeneinandergelesen sind so unterschiedlich, dass ich für mich zu dem Schluss gekommen bin, mich zu diesem Sachverhalt mich nicht weiter zu äußern, da ich dabeigewesen sein müsste, um zu wissen, welche Version zutrifft. Aber dem Satz “Kein Antisemitismus! Nirgendwo!” schließe ich mich natürlich an.
http://www.sol-hh.de/dateien_fuer_index/B5-Stellungnahme-Antid.htm
Es gibt dazu auch einen 50-Seiten-Thread im St. Pauli-Forum unter “Unpaulitisch”.
Wenn ich dazu Zeit habe lese ich da gerne mal rein.
Habe den Thread jetzt gelesen, ist gar nicht so lang. Lohnt sich, ändert aber nichts an meiner Ratlosigkeit in dieser Angelegenheit.
Das im verlinkten Sol-Text wird im taz-Artikel ja erwähnt und überzeugt mich, ehrlich gesagt, wenig. Die Antideutschen und die Bahamas gehen mir nun auch ausgiebig auf den Senkel, aber das Zeigen eines Claude Lanzmann-Films mit “Checkpoints” zu bewehren, sorry, das ist doch albern. Gerade beim Thema Israel gerade in Deutschland kann man nun durch solche symbolischen Aktionen nun rein gar nix zu einer diffrenzierten Diskussion, die da not tut, beitragen und retrospektiv fordern, wie Herr Lanzmann seinen Film 1972 hätte gestalten sollen und ansonsten am Angucken hindern.
Hier die Ansicht von Claude Lanzmann selbst:
http://www.freitag.de/kultur/0950-lanzmann-interview
Ö Schröck, Herr Höss, äh, Böss denkt auch mal wieder und sagt uns, wie wir sind:
http://debatte.welt.de/weblogs/4881/boess%20in%20berlin/173000/linker%20antisemitismus%20schreibt%20sich%20antizionismus
Bald sitzt der neben diesem geleckten Spiegel-Übel mit seinem “Unter Linken”-Buch als Experte für Linkssein bei Maischberger und grinst.
Armes Israel, von solchen Hanswursten permanent instrumentalisiert zu werden. Auch ‘ne Form von Antisemitismus, glaube ich, was der da sabbelt.
Besonders überzeugen tut mich die Checkpoint-Aktion auch nicht, aber die unterschiedlichen Versionsgeschichten sind schon gravierend. Ob eine Filmvorführung durch Blockade verhindert wurde oder nur im Happening-Stil dagegen protestiert, ob es zu Gewaltanwendung kam oder nicht, ob antisemitische und homophobe Sprüche gefallen sind oder nicht ist schon ein gewaltiger Unterschied. Und ich bin voll wie ein belegtes Brot mit Erfahrungen eigener Aktionen, über die diffamierend und verzerrt berichtet wurde. Da wollte mal die Palästina-Gruppe Bremen mit dem irakischen Botschafter und dem Präsidenten des Roten Halbmonds Irak über die sozialen Folgen des Irak-Boykotts diskutieren. Daraufhin verfassten wir, die Antifa Südkurdistan, ein Flugblatt unter dem Titel “Der Krieg geht in Kurdistan weiter”, indem wir auf die Verbrechen des Saddam-Regimes hinwiesen und die Meinung äußerten, dass die Palästina-Gruppe Faschisten ein Forum biete. Wir kündigten auch an, dass wir gemeinsam mit noch einer kurdischen Gruppe an der Veranstaltung teilnehmen würden. Geplant war unsererseits, sie zu einem Tribunal über Menschenrechtsverletzungen im Irak umzufunktionieren, also ein entschlossener, aber friedlicher Protest. Die Veranstalter sagten aber die ganze Runde ab mit der Begründung, die Sicherheit der Referenten sei nicht gewährleistet. In der Gerüchteküche war dann davon die Rede, wir hätten die Veranstaltung gewaltsam verhindern wollen, und einige der Kurden wollten abgesägte Schrotflinten mitnehmen.
Ein anderes Beispiel ist unser “Spiel mit Grenzen”: Wir sperrten einmal einen Teil der Göttinger Fußgängerzone mit Flatterband ab, patrouillierten in Kampanzügen herum und teilten Passanten mit, dass sie einen Asylantrag stellen müssten, um zu Karstadt zu gelangen. Wer sich darauf einließ, bekam dann eine “Anhörung”, wo nur kurdisch und arbisch geredet wurde und wurde dann in die Herkunftsstraße abgeschoben. Ich stand auf einem Hochsitz und erklärte per Megaphon die Aktion als eine Form von Kunst. Wer nicht mitmachen wollte musste sich nicht drauf einlassen. Trotzdem entstand später das Gerücht, wir hätten Leute genötigt.
Als Wiglaf Droste 1996 in Göttingen las, machten wir eine Protestaktion vor der Lesung und verteilten an die BesucherInnen Flugbättern, in denen wir auf die von Droste unterstützte “Mißbrauch mit dem Mißbhrauch”-Kampagne hinwiesen und darauf, dass diese die Ergebnisse jahrerlanger Aufbauarbeit von Hilfsprojekten für vrgewaltigte Kinder kaputtmache. Daneben stand eine Reporterin und machte Fotos von Droste, BesucherInnen und unserer Protestaktion. Für die Mehrheit der BesucherInnen wurde daraus die “Tatsache”, dass wir sie alle einzeln abgelichtet hätten für eine “SexistInnendatei”, die wir wohl anlegen würden, und diese Version war aus den Köpfen nicht mehr rauszukriegen. Mit solchen Erfahrungen im Hinterkopf neige ich zu einer besonderen Art von Skepsis, wenn ich die beiden unterschiedlichen Darstellungen dieser Aktion nebeneinander lese.
… und dieser Böss und das Gekreisch darunter geht wirklich auf keine Kuhhaut. Dass z.B. “Revolte gegen die Vernichtung. Der Aufstand im Warschauer Ghetto” nur deshalb in deutscher sprache erscheinen konnte, weil die linksextreme “Materialien für einen Neuen Antiimperialismus” das Buch herausgegeben haben, davon ist da nicht die Rede. Allmachtsfantasien von Antifas…. Die meisten Antifas, die ich so kenne, pflegen eher eine absolute Selbstmarginalisierung im Sinne von “Unser einziger Halt ist unser Rücken zur Wand.”
Was aber ja alles nix dran ändert, dass es hanebüchen ist, einen Film von Claude Lanzmann mit einer solchen Aktion zu belegen.
Da sind wir uns dann wieder einig.
Hier
http://www.steinbergrecherche.com/09dieantilinken.htm
findet sich eine Darstellung, derzufolge es sich um eine traditionsbelastete Hamburger Sektenrangelei handelte.
Auch sonst fand ich’s recht lesenswert.
schmutzig, was der da treibt, der böss. oder doof. seine schweizer kumpane von der svp, edu, sd, sogar beschämende cvp-herren und die phallischen feministinnen sind schon weiter, wie sein weltwoche-kollege köppel auch. das lustige ist, dass realistischerweise noch niemand auf die idee gekommen ist, die ersten drei seien nicht antisemitisch. aber man kann temporär so tun als ob.
in hartaberfair tropfte köppel und cdu-bosbach der antisemitismus nachgerade aus den poren. jetzt müssen wir nur zuwarten, bis die weltwoche signal gibt.
erst mal arbeiten die aber brunner und der ausschaffungs-initiative zu, wofür menschenrechte in nachbearbeitung der minarett-abstimmung formal relativiert werden müssen, wieder mit dem demokratie-argument, schliesslich ist die weltwoche die svp-parteizeitung:
“”Das Diktat der Richter” Das Völkerrecht, Abgott aller undemokratischen Verlierer, ist fehlerbehaftetes Menschenwerk, wird willkürlich gesetzt und inflationär angewendet: Die vermeintlich gerechte höhere Instanz ist pure Machtpolitik. mehr…”
übrigens hab ich kürzlich in dem zusammenhang Rayson hier die frage gestellt, wie er das findet, wenn ein parteichef, toni brunner, fordert, die schweiz müsse aus der menschenrechtskonvention aussteigen, wenn das abstimmungsergebnis durch sie und völkerrechtlich nicht gedeckt wäre – keine antwort auf die einfache frage aus der alltagswelt.
das tolle ist, das diese deutschen liberalen und mit bosbach auch ein christdemokrat, diesen ganzen rasse-schund tatsächlich als liberal ansehen, wenn man sie liest und hört.
Wenn das, was dort über Lanzmann gesagt wird wahr ist, wäre das mal wieder so ein typosches Beispiel für vorher-nachher, wie meine alten Genossen, die heute für die Rüstungsindustrie arbeiten.
“Wer und wessen Werk wird hier eigentlich mit allen Mitteln als politische und moralische Autorität inthronisiert? Claude Lanzmann war als Schüler in der Résistance, später Kampfgefährte Jean-Paul Sartres und ist Regisseur des Dokumentarfilms „Shoah“, der wohl bedeutendsten filmischen Dokumentation des NS-Völkermords, so die gängigen Angaben zu seiner Biographie in den Medien. Dies ist eine selektiv verkürzte Darstellung. Was seine Anhänger verschweigen: Von den kommunistischen Idealen Sartres hat sich Lanzmann längst verabschiedet. Setzte sich Sartre bis zuletzt für die Entrechteten dieser Welt ein – Lanzmann hat sich auf die andere Seite, auf die Seite der Mächtigen gestellt. Der Geschützdonner ihrer gewaltigen Militärapparate und nicht der Klang der „Internationale“ lassen sein Herz höher schlagen. Wie der Regisseur der Welt anvertraute, vernachlässigt er in seinem filmerischen Schaffen dann auch die Perspektive der Wehrlosen vor den Panzern, die auf dem Platz des Himmlischen Friedens von der brutalen Kriegsmaschinerie überrollt wurden. Er richte sein Augenmerk auf den „Mann im Inneren des Panzers“, so Lanzmann – „wenn es sich um einen Israeli handelt.“ Dass dieser Panzerfahrer nicht Israel in seinen Grenzen von 1967 verteidigt, sondern den Weg freischießt für eine völkerrechtswidrige Eroberungs- und Besatzungspolitik, erwähnt der Lautsprecher für Liebermans Groß-Israel-Ideologie lieber nicht. So verwundert es auch nicht, dass Lanzmann keinerlei Mitgefühl mit dem palästinensischen Zivilisten vor dem Panzer kennt – Millionen von Menschen, die auf der Westbank und dem Gaza-Streifen ohnmächtig in die Kanonenrohre der Tanks einer der stärksten Armeen der Welt blicken müssen. Die arabische Bevölkerung des Nahen Ostens existiert für Lanzmann nur als Inkarnation des Barbarischen schlechthin. „Israels Feinde machen keine Gefangenen.“ Solche reißerischen Slogans, die mittlerweile zum Markenzeichen des Regisseurs geworden sind, erweisen sich als Propaganda-Märchen – diverse Gefangenenaustausche, die israelische Regierungen mit arabischen Kriegsgegnern verhandelt und durchgeführt haben (aktuelles Beispiel: Gilat Shalit), strafen den Regisseur Lügen. Lanzmann zeichnet ein kulturrassistisches Schreckensbild des mordlüsternen Arabers, dessen angesichtig nichts gelte, so Lanzmanns Plädoyer für ein noch rücksichtsloseres Vorgehen des israelischen Militärs, außer der Logik des Krieges: „Töten, um nicht getötet zu werden.“
Dass in Hamburg ‘Antisemiten jüdische Filmkultur verhindert haben’ – ganz so einfach liegen die Dinge eben nicht.
Es scheint mal wieder einer dieser Fälle, wo jegliches Parteiergreifen die Rutschbahn ist, auf der das Gehirn wegflutscht.
@Che:
Das hieß jetzt hier den “Nahost-Konflikt” diskutieren und all die Gründe für ein ja in mancherlei Hinsicht auch recht verständliches Aufrüsten Israels diskutieren, wollen wir das?
Es sind doch diese Holzschnitte, die da geschnitzt werden, auch z.B. in der Darstellung des von mir verehrten Sartre, die etwas zu simpel sind. Natürlich kann man aktuell jeden damit fertig machen, indem man behauptet, er würde ein “kulturrassistisches Schreckensbild des mordlustigen Arabers” zeichnen. Dazu muss man den Film aber gucken können, um zu überprüfen, ob das denn nun stimmt oder nicht. Das Irritierende für mich ist dann immer, dass in den Reden eines tatsächlichen islamistischen Hasspredigers, der ziemlich ausführlich mitgeschnitten auftauchte in der Doku eines mir bekannten Autors, leider genau die gleichen Topoi auftauchen wie im von Dir zitierten Text und damit dann Selbstmordattentate gerechtfertigt werden. Was ich den Zitierten nicht unterstellen will, derartiges vorzuhaben oder auch nur gut zu heißen, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Art der Diagnostik irgendetwas auch nur verständlich macht.
Ich bin der letzte, der sich zutraut, das alles aufzudröseln. Aber der Gestus des zitierten Textes ist mir einfach zu staatsanwaltlich. Und deutsche Empörung über Israel ist mir sowieso immer unheimlich.
@Nörgler:
Das gilt ja immer, dass die Dinge so einfach nicht liegen; ich fand den von Dir verlinkten Text auch spannend. Ich würde trotzdem immer eher für das Zeigen von Filmen plädieren und nicht für den Versuch, dieses zu unterbinden. Aber sonst haste ja recht.
” Ich würde trotzdem immer eher für das Zeigen von Filmen plädieren und nicht für den Versuch, dieses zu unterbinden.” Sehe ich genauso.
Ich plädiere ja gar nicht für das Unterbinden von Filmen. Ich lese nur, dass Lanzmann, einer, der für mich ein Titan der Sichtbarmachung des Grauens war, scheinbar genauso übel abgedriftet ist wie z.B. Glucksmann oder besagte Ex-Genossen, die heute Waffensysteme entwickeln. Und ich war im Nahen Osten, habe mich einige Jahre politisch in der Kurdistan-Solidarität betätigt und einen alten Genossen, der Israeli ist, in Tel Aviv lebt und einer der Exponenten des linken Flügels der israelischen Friedensbewegung ist und über sein eigenes Land als einen der letzten Kolonialstaaten schreibt. Und aus dieser meiner Perspektive ist das für mich eine andere Herangehensweise, die etwas mit dem Gefühl persönlicher Betroffenheit zu tun hat.
Ja, das weiß ich doch, dass Deine Herangehensweise da hochdifferenziert und erfahrungsgesättigt ist. Was mich ja stört, ist, dass das Zitat das nicht ist. Und dass es Glucksmann-Reflexe auslöst usw.
Ich kann im Falle Israels die ganze Struktur der Diskussionen schlecht ertragen.
Auch, weil die Bombe vor der Homo-Disco in Tel Aviv hoch gegangen ist und eine solche Disco meines Wissens in Saudi-Arabien nicht möglich wäre, auch wenn ich irgendwo gelesen habe, der israelische Justizminister habe dafür plädiert, antischwule Strafen auf Basis der Thora einzuführen. Was ich aber über den jordanischen Justizminister so gar nirgends lesen würde, und den Gouverneur oder Gouverneurin von Alaska vermutlich auch nicht, aber über Leute aus dem Bible Belt wahrscheinlich schon und den aus Theheran auch.
Nörgler hat doch recht: Das ist doch keine Frage für Flugblätter.
Das ist eine Frage für sehr anspruchsvolle Diskussionen oder für politologische Seminare. Bzw. wir haben früher solche Sachen auch in Flugblattform gebracht, aber eben nicht in diesem Platitüdenstil, und “Flugblatt” bedeutete dann Achtseiter mit Fußnoten. Es sagt aber eben auch etwas aus, dass man heute zwar die bundesweit erscheinende “Arranca” macht, ein Magazin mit vergleichbaren Inhalten als monatliches Szene-Info für eine Stadt aber nicht mehr läuft. Das mussten wir schon 2000 einstampfen, weil es niemanden mehr interessierte.