Wie begründet sich neurologisch Neurowissenschaft, und welches Gen ist das Genforscher-Gen?
Sehr treffend der Kommentar von Werner Koeben zu einem dümmlichen Artikel in DIE ZEIT, den Bersarin angemessen in Form und Inhalt auseinander nimmt.
Genforscher und Neurowissenschaftler eint ja diese methodische Grundidiotie, die Foucault einst als „transzendental-empirische Doublette“ in „Die Ordnung der Dinge“ äußerst nachhaltig als unsinnig auswies und die Kant übrigens nicht treffen kann, weil der intelligible und empirische Welt strikt trennt und nicht im Empirischen selbst die Möglichkeitsbedingung von Empirie aufsucht, wie all diese verquatschten, naturalisierenden Theorien, die menschliches Verhalten und Denken und Sprechen und Hören biologistisch erforschen und daraus eigentlich Rückschlüsse auf die Forschung selbst ziehen müßten, dieses aber merkwürdigerweise unterlassen.
Im Falle des Artikels über Musik z.B. würde ja das, was über die „Hörbarkeit“ von Musik gefragt wird, auf wissenschaftliche Theoriebildung unter Umständen auch zutreffen, dieser Instinkt oder wie auch immer man das begreifen will, der Wiedererkennen sucht (wie eigentlich?) – aber wie verhält es sich dann mit der Wahrheit, soll heißen, auf welcher Ebene ist die konstatierbar? Ist Wahrheit Gewöhnung? Und wenn ja, wie und warum?
Trotzdem ist das Modell im ZEIT-Artikel immer noch intelligenter, weil es sich in der System-Umwelt-Relation bewegt und Lernen ja nicht ausschließt, als dieser diffuse Brei, der im dort verlinkten Artikel („dass noch nicht einmal eine Unterscheidung in “Rassen” notwendig ist, um einen entsprechenden Vorwurf zu konstruieren“ – ja, eben! Das biologische System Rayson erweist sich als lernfähig auf dem Wege zur Erkenntnis in Kommunikations- und Interaktionszusammenhängen!, und das trotzige Aufstampefen im Rest des Textes ist wahrscheinlich die letzte Weigerung vor dem Zustimmen) sich wieder findet.
Entweder ist die „genetische Programierung“ permanent lernfähig, dann macht es keinen Sinn, aus Genen aus irgendwas herausdeuteln zu wollen, oder sie wirken kausal, und dann muss man sich fragen, ob der verlinkte Text nicht selbst genetisch determiniert ist.
Was ja mal eine Forschung wert wäre: Die genetische Disposition der Gruppe der Wirtschaftsliberalen systematisch zu untersuchen!
Dass z.B. in Führungsetagen in der Wirtschaft Sozio- und Psychopathologien signifikant zunehmen im Vergleich zum Rest der Bevölkerung, das ist ja meines Wissens gut belegt mittlerweile; wenn diese, wie manche US-Forscher behaupten, schlicht ein anderes Gehirn haben und Verhaltensdispositionen mitbringen, die z.B Wirtschaftskrisen gerade notwendig hervor bringen, weil es sich um mangelnde Interaktions- und Reflektionsfähigkeiten handelt, könnte man das ja mal ganz vorurteilsfrei und jenseits dieser terroristischen Political Correctness einführen, als Bedingung z.B. für Vorstandsmitglieder von Unternehmen über 100 Mitarbeiter zunächst einen neurowisschenaftlichen Test, ergänzt durch einen Gentest, vorzuschalten. Und bei jedem bloggenden Zeitgenossen ein Genprofil beifügen, damit man den Inhalt besser einordnen kann.
Nur: Wer oder wie formuliert man die Kriterien, die Eignung bedeuten – zum Bloggen wie für Vorstandsetagen? Soll man dann die Psychopathen aussieben oder gerade fördern?Auch da kann man ja das Gen-Orakel befragen. Oder das übernimmt Christoph Drösser.
Weil man ja die genetische Pluralität ja nicht einfach so wertneutral abfeiern kann, spätestens bei der Evaluierung des Forschungsansatzes an Universitäten wird die Frage nach Zweck und Verwertbarkeit der Forschung sich stellen. Und angesichts des eh schon zu teuren Gesundheitssystems wäre es ja widersinnig, die Suche nun ausgerechnet auf Krankheiten beziehen zu wollen.
Wobei dann die privaten Krankenkassen noch bessere Chancen hätten, ihre Populationen rein und gesund zu halten, und die Frage nach der Abtreibung stellt sich ja schon bei Erbkrankheiten anders – anzuschließen wäre jedoch jene: Wie verhält man sich diesbezüglich, wenn man gerade zukünftige Psychopathen austrägt, die Vorstandsvorsitzender werden könnten?
@“Genforscher und Neurowissenschaftler eint ja diese methodische Grundidiotie“ — Eigentlich nicht. Eigentlich werden von den Feuilletons der Zeitungen bevorzugt vor allem die Ergebnisse der Genforschung oder Neuroanatomie veröffentlicht, die sich in Richtung auf Determiniertheit und Ungleichheit des Menschen interpretieren lassen, und von den sehr differenzierten Debatten innerhalb der Naturwissenschaft dafür oder dagegen wird keine Kenntnis gernommen.
Vgl. Hubert Walter, Populationsgenetik der Blutgruppensysteme des Menscghe, Luca Cavalli-Sforza, Verschieden und doch gleich oder auch schon Theodosius Dobzhansky, Vererbung und Menschenbild (pars pro toto, die Literatur zu solchen Fragen fülllt Regale).
Mehrheitsmeinung in der Anthropologie ist eher, dass die Wissenschaft kein Urteil über genetische Dispositionen des Menschen jenseits der Anfälligkeit für bestimmte Krankheiten fällen kann und angesichts der Vergangenheit, also nicht nur NS-Völkermord und „Rassenhygiene“, sondern auch „eugenische“ Zwangssterilisierungen und Zwangspsychiatriesierungen weltweit solche Urteile auch nicht fällen darf. Kann man sich auch mit Biologen wie Kattmann, Preuschoft, Seidler und Wess drüber unterhalten, die sich seit den 80ern darüber die Finger wund schreiben. Und Tolmeins „Wann ist der Mensch ein Mensch? Ethik auf Abwegen“ ist auch schon über 20 Jahre her. Das alles ist nebenbei anerkannte Wissenschaft, nicht wahr, mein Herr einige Blogs nebenan.
@“Wie verhält man sich diesbezüglich, wenn man gerade zukünftige Psychopathen austrägt, die Vorstandsvorsitzender werden könnten?“ —- Abtreiben und die ganze Familie bis zum dritten Verandtschaftsgrad sterilisieren. Sollte man mit der aktuellen Managementelite überhaupt machen, damit die sich biologisch einfach nicht mehr vermehren können und somit Aufstiegswege für Leute aus anderen Milieus offen sind. Wäre doch mal ein interessantes Experiment.
Mir ist allerdings auch bei den differenzierten Sachen, die mir da durchaus auch über den Weg gelaufen sind – und die ja auf Interaktionsmodi setzen – keine Antwort hinsichtlich des Beitrags von Gen oder Gehirn des Forschers zum Forschungsprozess des jeweiligen Wissenschaftlers bekannt.
Erstaunlich finde ich immer wieder, wie sehr manche Wissenschaftsjournalisten – unter denen die Medizinjournalisten hervorzuheben wären – am Positivismus im Stil des späten 19. Jahrhunderts festhalten. Mit den selben „Argumenten“, die Christoph Drösser in seinem Artikel aufführt, könnte man die z. B. die Quantenphysik von Tisch wischen.
Interessant fände ich es übrigens, einmal zu Untersuchen, wieso die Evolutionsbiologie unter deutschen Biologen eher unbeliebt ist (im internationalen Vergleich), hingegen die Neurobiologie gerazu „in“ ist. Genetische Ursachen dafür dürften weitgehend ausscheiden …
Nebenbei finde ich das hier erstaunlich:
„… seine Zwölftonserien haben ebenso wenig einen Eingang in die populäre Kultur gefunden wie die elektronischen Experimente Karlheinz Stockhausens …“ – Stockhausen Experimente haben keinen Eingang in die populäre Kultur gefunden? Dann gehören also die Beatles also nicht zur populären Kultur? Oder Kraftwerk? Und klar, Techno und Hiphop sind auch keine populären Musikrichtungen?
Der ganze Krautrock – also auch Can, Faust und so – kam direkt von Stockhausen, das stimmt, das ist mir gar nicht aufgefallen. Und die sind bis heute immens einflussreich. Noch der in den 90ern und frühen „Nullern“ so populäre „Sound of Cologne“ und ähnliche Strömungen sind auch daraus entstanden.
@che:
Der letzte Absatz war ja wohl in logischer Hinsicht autodestruktiv. Vgl.. – von der anderen Seite – dies: „If whites converted en masse to Islam, and this resulted in a return to traditional gender roles, strong natalism and a rise in birthrates, strict control of borders/immigration, etc., (things we generally see currently among many Muslim nations) then it might not necessarily be a bad result.“
Nichts da. Die endgültige Teilung Deutschlands ist unser Auftrag. Umerziehungslager für Leistungsträger, um Faulheit wieder zu erlernen. Ersetzung kommerzieller Warendistribution durch Sperrmüllabfuhr. Kokain für dieQueen.
Her mit der natürlichen Ordnung, weg mit der Geschichte! Her mit der natürlichen Ungleichheit, weg mit PC!
Weg mit der Geschichtsforschung, zurück zum Geschichtenerzählen! Grooooosssee Erzählungen!
Wobei die von Lyotard attackierte „große Erzählung der Emanzipation“ dann doch und tatsächlich mal wieder auf die Tagesordnung gehört …
Der Schlenker war ja auch eingebaut.
Fukuyama hat festgestellt, dass die Geschichte zu Ende ist, also gibt es keine andere Ordnung als die natürliche (auch keine spontane Ordnung, na ganz sicher nicht). In der natürlichen Ordnung sind Männer noch Männer, Frauen noch Frauen, und die kleinen pelzigen Tierchen von Alpha Centauri noch die kleinen pelzigen Tierchen von Alpha Centauri (und nicht politisch korrekt Gelenogarier). Alles ist so, wie Gott es nach Beratung mit Hegel, dem Weltgeist, dem Fliegenden Spaghettimonster, Walter Moers, Marx und der Partei festgelegt hat. Seine sexuellen Bedürfnisse lässt sich Momorulez vom Schwulmeister definieren, ich von der Heiligen Vagina, und der Witzbollah legt fest, über was gelacht werden darf.
Vor allem verbietet in einer natürlichen Ordnung endlich niemand mehr, rassische und geschlechtsspezifische Eigenschaften zu untersuchen und auszuprobieren, ob durch das Einpflanzen der Hoden richtiger Männer das Schwulmeistersein nicht doch zu heilen wäre!
Geht ja auch eigentlich nur um medizinische Fragen und nix sonst, wenn man solch natürliche Katgeorien wie „Rasse“ mal auf ihre Befähigungen und vor allem auch klimatische Tauglichkeit im Falle nordischer Breiten untersucht. So ganz im Allgemeinen untersucht. Und Individualität ist ja eh schon mal unnatürlich.
In den USA etablieren sich aber zum Glück wieder natürliche Ordnungen, da hat ein Friedensrichter gerade eine Mischehe verboten. Richtig so! Nicht minder natürlich auch seine Begründung: Die hielten ja eh nicht lange, und die Kinder würden eh nur unglücklich – „Rassenschande“ halt. War ja in den 50ern, als die Welt auch hier unter Globke und vor der 68er-Diktatur noch in Ordnung war – in den USA ja sowieso, da gab’s ja in jedem Bus eine natürliche Ordnung -, auch so, dass man die „Rassenschande“-Kinder lieber von den Müttern trennte, ganz human, und sie in spezielle Heime schickte.
(ACHTUNG SATIRE! Ich kriege hier sonst noch eine Anzeige wegen Volksverhetzung …)
Außerdem darf die Freiheit der Forschung durch gar nichts gebremst werden, auch nicht durch ethische Selbstbeschränkungen der Wissenschaftler selber, wie diese komischen Ethikkommissionen der Humangenetiker.
Wer an der Gravitationsbombe oder dem Virus Anthrax Leprosi Pi oder der multipel mutierenden Lungenpest forschen will, muss das tun dürfen. Die Intervallkanone wird sonst nie erfunden werden!
Zudem auch insbesondere jene Fragestellungen als besonders relevant, mit hoher Wahrscheinlichkeit wahrheitsfähig und deshalb ganz weit oben auf die Prioritätenliste gehören, die bereits Kolonialismus und Sklavenhaltung begründeten. Was gäbe es für eine natürlichere Kategorie als „Rasse“? Das SIEHT MAN DOCH! Und bei den Musels RIECHT MAN DAS SOGAR! Musste der Walraff sich schwarz schminken, hä?
Weil: Dann muss da ja was dran sein! Schon aus Gründen der Tradition! Und warum wollten die Linksgrünen sowas verbieten? Weil sie ganz genau wissen, was bei raus käme!
Dass nämlich Kaukasier besser Schach spielen, Afrikaner schneller rennen und Juden beser rechnen können!
Bis heute werden ja die Forschungsergebisse damals, die beim Schädelmessen 1936, gehen die nicht auf Hegel zurück?, nicht veröffentlicht, weil deren bahnbrechende Erkenntnisse dem gutmenschlichen Meinungsdiktat heute einfach in nicht in den Kram passen!
Und dann kommst Du mir mit Ethik-Kommissionen! Ethik ist was für Schwächlinge, die nur zu feige sind, der Wahrheit ins Auge zu sehen! Das sind die gleichen leistungsverweigernden Schmarotzer, die uns Produktiven das Geld aus der Tasche ziehen, die sowas behaupten und fordern wie „Gleichheit“! Das behaupten die nur, um UNS das Geld aus der Tasche zu ziehen! ‘nen Staat braucht doch nur, wer zu verweichlicht ist, sich selbst zu wehren! Niemand anders als der Massenmörder, nach dem Du Dich nennst, hat das doch besser gewusst!
Das Schädeln begründete Gustav Carus, der vor allem Verbrecherschädel sammelte. Hegel hingegen forderte, man solle allen, die meinen, aus der Schädelform Charaktereigenschaften ableiten zu können denselben einschlagen, damit sie selber feststellen könnten, wie sehr das ihren Charakter ändere. Für ihn war der Mensch eine individuelle Inkarnierung des Weltgeistes, die „Selbstverwirklichung in der Selbstverdinglichung“ eine Formwerdung des Geistes, der eben nicht als biologischer Mechanismus begriffen wurde. Wir werden übrigens sozusagen Blogaggregiert mit Beifallsäußerungen:
http://netbitch1.twoday.net/stories/6000810
Dann tat ich dem Hegel unrecht – und ja, bei Netbitch hatte ich gelesen und mich gefreut!
Irgednwie hat der Gedanke, dass man kein absolutes Ich sondern nur ein Primat ist, der den gleichen Gesetzen unterliegt wie eine Ameise und in die gleichen Ökosysteme eingebunden ist, wohl für viele Menschen (besonders solche, die Adorno oder Foucault gelesen haben) etwas höchst kränkendes.
Anders ist dieses Gefeixe wohl nicht zu erklären.
Nicht? Und wieso kränkend? Und wie würde das eine Ameise formulieren, was Du anmerkst?
Die Ameise würde brav auf einer Linie marschieren und dann schreiben:
Der AmeisenstaatDer Markt hat immer Recht.Eben – weil Ameisen weder ein Gefühl für den Offbeat, noch für Triolen haben. Marktliberale wollen nur marschieren. Anders ist das beim Jazz:
Jazz hörende Ameisen sind somit ein Widerspruch in sich!
Hingegen besteht bei Schönberg, Hindemith, Stockhausen, Cage, Ligety das Besondere darin, dass sich nichts überlagert, sondern möglichst Hörgewohnheiten entsprechende Klänge gar nicht mehr vorkommen sollen, in der Theorie zumindest. Das wäre dann wahrscheinlich Musik für Grashüpfer, Libellen und Flöhe, oder auch für Kolibris.
Hindemith hat beim Jazz geklaut! Und Adorno hat Synkope und Off-Beat verwechselt!
Na, verhängt Ihr wieder Denkverbote, Ihr primatären Ameisen?
In unserem Umerziehungslager wird zu Ligety-Klängen gefaulenzt. Wer nach drei Wochen noch ein identitäres Geschlechtsrollenverständnis hat, wird mit Philip Glass und Einstürzende Neubauten beschallt.
„Ligety? Ist das nicht der, der Dich immer nachmacht?“
Frau Xenakis zu Herrn Xenakis auf die Interview-Frage, was Herr Xenakis von Herrn Ligety hielte.
Einer der vielen Vorzüge guter Musik, ob Ligety oder Xenakis, von einiger räumlicher Komplexität ist ja, dass man von vielen Idioten und Arschlöchern auch in Ruhe gelassen wird, wenn sie wissen, dass einer diese Musik hört. Die kann wie ein Schutzwall wirken, was mir schon oft im Leben geholfen hat, wenn mir die biologären Anreiz-Theologen ohne Ohren und Augen zu nahe ans Gesicht zu kommen drohten.
@WILLY
wir wussten aber schon vor dir, dass auch künstlerische tätigkeit zum „menschlichen stoffwechsel mit der natur“ (marx) gehört.
komischerweise kommt hier niemand auf die idee, andere leute zu relativen primaten im ökosystem zu erklären.
faschisten und solche, die sich nicht trauen welche zu sein, tun das allerdings permanent und schwärmen von „tabubrüchen“. sie brechen immer andere primaten, nach möglichkeit nicht sich selbst. so kommt der nihilist auf den affen, weiss aber nicht, ob der auch ein nihilist ist, oder vielleicht musik hört, die der nihilist schräg findet, obwohl der primatenaffe auch ein hirn im ökosystem hat.
Das Endresultat solcher darwinistischen Gedankengänge ist es dann, andere aus dem Genpool zu entfernen. Kommt meistens bei raus, irgendwann.
Ja. Ich staune immer über diese Gedankemgänge, weil sie sich jetzt mein ganzes Leser-Leben lang schon als wissenschaftliche Neuheit verkaufen. Ich kenne aber Texte, die älter sind als ich, da steht das auch schon drin. Ich kann jetzt schon 44 Jahre lang lesen.
Als ich dreizehn war, habe ich zufällig was von dem deutschen Anthropologen Rosenberg gelesen, da ging es um jüdische Bakterien. Der war ja auch ein grosser Tabu-Brecher.
Diesen Rasse-Text im Handelsblatt kann ich gewissermassen schon auswendig. Immer wird behauptet, es handele sich um Wissenschaft. Dass Schönbergsche Musik und abstrakte Kunst zumindest Blödsinn, wenn nicht das Produkt jüdischer Irrenanstaltsinsassen sind, konnte man im deutschen und italienischen Sprachraum als „Wissenschaft“, die sich wegen der wahrnehmungsbezogenen Besonderheiten des Kunstgegenstands so gerne an Kunstwerken auslässt, mindestens seit den zwanziger Jahren lesen. Was ist an diesen Ergebnissen der „Neurologischen Forschung“ neu, und was ist an den Ergebnissen dieser Rasseforscher neu? Ich kann natürlich sagen, wenn die forschergenerationenweise immer zum selben Ergebnis kommen, dann wird schon was dran sein wie an Rosenberg und Himmler ja auch heftig was dran war.
Nein, was einen so ankotzt ist, dass diese Leute und ihre journalistischen Vermittler entweder nicht wissen, wie sie ihre Forschungen zu beschreiben hätten, was doof wäre, oder dass sie an der deskriptiven Ebene, wo einfache Mitteilungen über vermutete neurologische Zusammenhänge möglich wären, gar nicht interessiert sind, also den Drang haben, sofort gesellschaftlich praktisch zu werden. Hier werden ja Diskurse umgekehrt, umgestülpt und damit verhindert. Das wird ja alles unmittelbar praktisch.
Wie kommt der Zeit-Schreiber zu seinem gesllschaftlichen Wir, dementsprechend unsere Hirne alle gleich funktionieren? Ravi Shankar zB war für mich als sehr jungem Menschen eines meiner grossartigsten und schönsten Hörerlebnisse überhaupt, nie nur eine Sekunde war für mein mitteleuropäisches Gehör und Hirn daran irgendetwas schräg. Dieses kunstpfäffische Geschwätz ist autoritär wie unsere Grosseltern, die indische klassische Musik – im Gegensatz zu „ernster“, wie der da schreibt – für minderwertig hielten. Der hat auch jetzt keine Ahnung von anderen Musiktraditionen und ihrer jeweiligen jetztigen Moderne.
Na, jetzt hör ich auf.
Gibt es ein mitteleuropäisches Gehör? Ich kann mit arabischer, westafrikanischer oder chinesischer Musik sehr viel anfangen, Rock ist das Ergebnis einer Synthese aus europäischer Musik, ihrer Abwandlung in Nordamerika (auch Country, Backcountry und Hillbilly haben dazu beigetragen, in Backcountry gingen auch Musiken der Cherokee und Delaware ein) und schwarzer Musik. Ist nicht Klezmer eine Form mitteleuropäischer Musik? Meine Eltern, die noch in der NS-Zeit aufgewachsen sind, kannten Klezmer und Zigeunermusik als vom Regime verhasste, aber bei ihnen beliebte populäre Klänge. Das alles müsste man neu zusammensetzen.
Nee, wie ich Droesser verstehe, ist das alles schräg für Dich. Für uns.
Jetzt musst Du noch, wie bei Rayson und seinem Adjutanten Boche, Wissenschaftler erwähnen oder ziteren, die anderes sagen, und Du bist wieder ein antiwissenschaftlicher linker Gutmensch, der die Freiheit mit Denkverboten bekämpft. Was für ne Scheisse.
Ja, in der Tat. Es gibt gar keine falschen Fragen und richtigen Argumente in deren Diskurs, sondern nur ihnen Offenkundiges, das Andere permanent verschleiern und verhüllen wollen. Die haben da ein Wahrheitsprivileg.
Ja, und wer widerspricht, ist anormall. Darum geht’s doch gerade in allen Diskussionen – sich selbst als normal beschwören, um Andere ausgrenzen zu können. Reine Verteilungsschlacht.
Droesser spinnt ja auch. „Was für eine substanzlose Scheiße!“ dachte ich nach der Lektüre seines Zeit-Artikels.
Ach, hast Du ihn jetzt doch noch gelesen?
Schon, als er erschien:-)
Natürlich seid ihr alle Primaten, ich natürlich auch. Irgendwo muss euer Gehirn ja hergekommen sein, oder hat es sich selber geschaffen wie das Absolute Ich?
Übrigens ist es witzig, gegen andere den Faschismusverdacht zu erheben und sich gleichzeitig auf Marx zu berufen. Der hat mit dem Gulag natürlich nichts zu tun, anders als die Evolutionsbiologen mit dem Faschismus.
Na ja, Evolutionsbiologen wie Haeckel, Schallmayer, Ploetz, Fischer, Lenz,Verschuer und Mengele hatte in unterschiedlichen Abstufungen damit schon etwas zu tun. Der NS-Völkermord verstand sich selber ja als erbbiologisches Rassenreinigungs- und -Züchtungsprogramm. Was nicht heißt, dass die deutsche Rassenhygiene in der Vererbungsbiologie zwangsläufig angelegt gewesen wäre, da sind andere wie Haldane oder Montagu und Franz Boas ja völlig andere Wege gegangen. Aber diese unsägliche sozialdarwinistische Tradition gibt es nun einmal, und da sind die Argumentationsfiguren des Herren Sarrazin so furchtbar weit nicht von entfernt, oder die Bell Curve.
Einen Weg, der von Marx zum Gulag führt sehe ich hingegen tatsächlich so nicht. Der Zusammenhang Marx- Stalin – Berija ist auf jeden Fall nicht enger als Darwin – Himmler – Mengele, wenn man denn mit solchen Schablonen operieren will.