Trauer um Jacko, den „King of Pop“
Seltsam. Da bloggt man, noch immer trauernd, zum 25. Todestag von Michel Foucault, und fast zeitgleich stirbt Michael Jackson. Einer, der das Motto „Sich neu erfinden“ wohl am radikalsten mißverstanden hat. Eine Jahrhundert-Künstler, ein unübertroffener Musiker und Entertainer, ein Gigant. Wahrscheinlich ist ihm der Schock über Zensursulas Gesetzgebung so in die Glieder gefahren, hat ein weiteres Opfer gefordert – ja, ich weiß, ist geschmacklos, an solchen Tagen solche Witze zu reißen. Weil die Tragödie dieses Genies ja so offenkundig ist und weltweit so schmerzhaft und zäh zelebriert wurde wie eine auf Jahre ausgedehnte Wurzelkanalbehandlung. Weil er selbst sowas wie ein multiples Mißbrauchsopfer war, erst des Ehrgeizes seines Vaters, dann der Unterhaltungsindustrie als solcher. Der Mann wurde wirklich zu Tode amüsiert.
Jon Bon Jovi, ansonsten keiner meiner Favorites, hat Elvis Presley mal als „First Prisoner of Rock’n'Roll“ bezeichnet – Michael Jackson saß tief im Hochsicherheitstrakt des Pop-Systems und ist nun darin ganz wie Elvis tragisch umgekommen. Jacko hat schon als Kind „Ain’t no sunshine“ so gesungen, als sei er als Untoter Jahrtausende durch’s Universum geirrt als Bündel reinen Gefühls ohne Erfüllung. Der hat so viele Menschen, ganz trivial und doch durchgreifend wahr, so glücklich gemacht mit seiner Musik, dem gebührt ein Ehrenplatz im kollektiven Gedächtnis – gleich neben James Dean und Marilyn, Janis und Jimi, Kurt Cobain und Montgomery Clift. Und natürlich Elvis. Ich trauer.
Farah Fawcett ist Vorgestern auch gestorben …
Ja, auch so eine Ikone unserer Jugend
. Warst Du „3 Engel für Charly“-Fan? Und erinnerst Du Dich noch an den Streit mit Bo Derek, wer die schönste Frau der Welt sei? (Das war jetzt schon wieder etwas despektierlich, sorry, ich habe im Moment einen leichten Hang zum Tourette-Syndrom).
Bei Michael Jackson finde ich das zu meinem Erstaunen wirklich richtig traurig … selbst bekennende Black-Metal-Fans wie jener, mit dem ich eben beim Essen saß, guckte völlig bedröppelt und angegriffen, als ich es ihm erzählte, der hatte das noch nicht mit bekommen …
Ich muss ja sagen, dass ich um Farah Fawcett mehr trauere, aber das ist nun gehupft wie gesprungen. Beides schlimm…
Ich? Charlies Angels Fan? Na … ich sach doch immer, soooo schwul, dass ich da keine feuchten Träume gehabt hätt und am liebsten mal dazwischengehüpft wäre, bin ich dann doch nicht.
„der hatte das noch nicht mit bekommen“ sowas ist mir auch durch den Kopf gegangen … „Hat er’s endlich hinter sich“
Trauerkonkurenz ist natürlich morbide, das was da gerade im Unterschichtenfernsehn läuft, ist aber auch nicht gerade Pietät in vollendung.
Ich glaub ja sowieso, dass dem eine seiner OPs schief gelaufen ist. Wie bei dem von ‘Dead or Alive’. Dem ist das Gesicht regelrecht abgefallen und hat dann 15 Jahre Lange ständig auf der Intensivstation gelegen.
Ich glaub, am meisten trauern wir gerade darüber, dass uns alten Knackern die Kindheits und Jugendhelden wegsterben und uns dadurch bewusst wird, wie lange das her ist.
Die MM-Verkäuferin strahlt gerade, dass in 3 Std alle Jackson CDs ausverkauft waren …
(und seit Thriller mocht ich seine Musik eh nicht mehr)
PS, mein Engel war ja Jaclyn Smith
@“Ich glaub, am meisten trauern wir gerade darüber, dass uns alten Knackern die Kindheits und Jugendhelden wegsterben und uns dadurch bewusst wird, wie lange das her ist.“ —- Na klar, hat sich was mit forever young, und selbst forever punk ist ja ewig her. Selbst „Der 40 Jahre alte Hippie“ war ein Comic in meiner Jugend, das hältste doch im Kopp nicht aus…
Als „Thriller“ herauskam erstaunte mich, wie all die 16 Jährigen darauf abfuhren und merkte zum ersten Mal, dass ICH nicht mehr ganz jung bin, und kaufte dann aus Trotz „Stealing Fire“ von Bruce Cockburn.
Nee, das mit den 16jährigen fand ich von daher nicht, weil ich den, als er und ich noch Kinder waren schon im Regal stehen hatte. Bei mir warns die Prolls, aber in erster Linie, weil ich Thriller als ziemlichen Absturz im Vergleich zu dem grossartigen ‘Off The Wall’ empfand, was wiederum für mich 79 in eine Umbruchphase fiel, von der Kinderdisco in der Ami-Kaserne über die Disco in der Tanzschule zu den Schwulen in die Subkultur. Dann wurde Thriller in der Disse in der ich gearbeitet habe so totgenudelt, dass ich echt Aggro am schieben war. Na, und irgendwann tat er mir halt nur noch leid.
Da ist mir Farah, obwohl ich die für ihre Frisur hasste, weil alle Mädels auf der Schule auch so aussehen wollten, irgendwie näher geblieben.
Als ich heute morgen meinem Zeitungslesenden Mann über die Schulter sah und ihr Bild gesehen hab, sach ich doch glatt „ach .. die gibts auch noch“ … sachter „nee, eben nicht“
Und, Momo, Bo Derek wär’ ja sogar eher mein Typ gewesen, fand die aber trotzdem doof und bin da meiner Marsha Hunt, die sehr zum Aerger meiner Mutter nackend in Lebensgrösse über meinem Bett hing, treu geblieben.
@che „Als “Thriller” herauskam erstaunte mich, wie all die 16 Jährigen …“ – da war ich 16 oder so.
Hatten Farah Fawcette und Jacko nicht denselben Chirurgen?
da oben sollte vorher stehen und danach ;(
och mensch wp filtert alle meine tags ;(
Ich mochte ja die „3 Engel“ gar nicht sooooo sehr, gebe ich hier als Sakrileg zum Protokoll, und fand die auch eigentlich nicht gar nicht schön. Bo Derek aber auch nicht unbedingt. Wenn überhaupt, dann hatte ich sowieso klischeebedingt eher was für reifere Frauen über
– Sophia Loren fand ich auch schick, aber die weiblichen Blondinen, nee, die wirkten immer so blond und nichtig. Bei männlichen Blondinen ging mir das immer schon anders
…
Zu dem von Dead Or Alive muss ich gleich mal was mailen.
Und Jacko war selbst beim Earth-Song noch sowas von allerfeinster Pop, man, groß, ganz groß. Und ich mochte das „Bad“-Album immer am liebsten, wobei natürlich „thriller“ und „Of the wall“ die Meileinsteine waren. Und besser als Bruce Cockburn war nun wirklich alles,was er gemacht hat
… die alten Jackson Five-Geschichten sind auch toll. Nee, der ist einfach unerreicht. Mein Black-Metal-Fan hat mal die Gitarristin interviewt, die immer mit Jacko auf Tour war, tolle Frau, und die meinte wie alle anderen auch, das sei halt einfach der talentierteste Musiker gewesen, den sie je erlebt hätte. Der konnte einfach alles.
Habe trotzdem lieber Prince gehört damals
…
Und dieses Abtauchen ins Sein als Phantasiefigur, was soll man denn sonst machen, wenn man Michael Jackson ist?
Habe im Fernsehen heute zum Glück noch gar nix dazu gesehen, ist bestimmt schrecklich …
Prince war für mich auch so eine Art Alternativ-Michael-Jackson, und „Purple Rain“ habe ich geliebt.
@“Und dieses Abtauchen ins Sein als Phantasiefigur, was soll man denn sonst machen, wenn man Michael Jackson ist?“ —- Geht gar nichts Anderes, nicht umsonst wurde ja bei „Men in Black“ gefragt, ob er nicht aus einem anderen Sonnensystem stamme. Übrigens (komischer Vergleich) ganz wie E.T.A.Hoffmann, der in einer Spießerwelt lebend niemals als der akzeptiert wurde, der er war und sich dann bizarre Traumwelten erschuf.
Fahra finde ich aber nicht in erster Linie als Charlies Engel gut, sondern wegen ihrer Rolle in „Extremities“, bin auch Mastrosimone-Fan.
War doch nur ein Spiegel des Neoliberalismus, der Michael, also dessen, was ich hier fortwährend propgiere. Monama will mich ja deshalb auch lobotomieren. Bin ja der Meinung, dass Psychoanalyse genau so unter Strafe stehen müßte wie Kindesmißbrauich, das ist nämlich was ganz Ähnliches.
Aber zu Prince: Ein bißchen ungerecht Michael Jackson gegenüber war das ja schon immer, dass Leute wie wir sich auf die sichere, weil nicht ganz so poppige Bastion Prince zurück gezogen haben. Nicht, dass das Michael Jackson ökonomisch irgendwie geschadet hätte, die Fluchtmöglichkeit in Credible hatte der aber nicht.
Was jetzt aber nichts daran ändert, dass „Sometimes there’s snow in April“ die wundervollste Kitsch-Ballade aller Zeiten ist und „If I was your girlfriend“ heute keine Chance mehr in den Charts hätte. Da haben die Identitätspolitiker ganze Arbeit geleistet.
Na ja, ich fand einfach, dass Prince die bessere Musik machte. Das hat nichts mit Credibility zu tun, im Gegenteil, sein erster Video wurde als extremst Un-PC und frauenverachtend betrachtet. Wobei sowohl Prince als auch Michael Jackson in meinem Musikuniversum randständige Erscheinungen waren.
„Na ja, ich fand einfach, dass Prince die bessere Musik machte.“
Inwiefern denn besser?
Prince war bei mir schon zentral, Michael Jackson jemand, den man bewunderte und respektierte, um dessen unglaubliches Potenzial man wußte, den man aber nicht so mochte wie Prince. Wobei zu „Thriller“ oder „Bad“ zu tanzen, das war schon toll. Das ist sind ja Hammer-Dance-Songs. Großartig.
Übrigens auch ein Punkt zu weiterhin umstrittenen „sich neu erfinden“ – bin von kleinauf mit keinem besonders guten Körpergefühl gesegnt, wie das bei den meisten „Mißbrauch von Kindern durch Psychoanalyse“-Opfern der Fall ist. Da wurden ja Generationen von Therapeuten-, Lehrer- und Sozialpädagogen-Kindern mit gequält und psychisch gefoltert.
Und Tanzen bot da einen Ausweg: Wenn ich so loshoppelte und mit den Hüften schwang, dann war das Gefühl zu mir selbst ein völlig anderes, fühlte mich schön und ganz eins mit mir,nicht mehr reflexiv gespalten und Zuschreibungen unterworfen, was allmählich in das Alltagsgefühl einsickerte und mich wirklich nachhaltig verändert hat. Und da war Jackos Musik ein grandioser Soundtrack, das erfahren zu können.
Tja, das machte ich zu Punk, Metal oder den Doors. Pop und Disco waren für mich insgesamt untanzbare Musiken, weil Tanzen für mich ausschweifendes Rumgrooven bis zur Extase bedeutet und für mein ganz persönliches Körpergefühl geht das mit Popklängen nicht. Eher schon wieder mit orientalischer Musik, habe mich ja auch mal im Original-Derwisch-Stil in Trance getanzt. Oder auch Abreagieren im Sinne von Pogo oder Headbanging, da kommt meine Vorliebe für härtere Musik zum Teil auch her, aber eben auch nur zum Teil. Abgefahren bin ich damals einerseits auf sehr schwurbelige Psychedilc-Musik, der Beat zum guten Joint, so Tangerine Dream, Eloy, Anne Clark, Robert Wyatt, Amon Düül und 3 Mustafa 3, dann Zappa, bestimmte Punk- und Metal – Stücke, und die Verbindung aus Psychelic und Hardcore, noch dazu mit guten Texte stellten für mich die Doors dar. Finde auch jammerschade, dass es nicht mehr Musik in der Richtung gibt, Iron Butterfly und Blue Oyster Kult fielen mir da noch ein, jedenfalls was die Verbindung Hardrock und Psychy und oft makabre, anspruchsvolle Texte angeht, und heutzutage The Vision Bleak, die Heavy Metal, opulente Klangwolken und Texte im Umfeld von Lovecraft, E.T.A.Hoffmann und E.A.Poe zusammenbringen.
Ach, ich behaupte jetzt einfach mal, dass das, was ich meine, nur mit „schwarzen“ Rhythmen geht, weil nur die in marginalsierten Kulturen der Domestizierung zu entrinnen vermochten. Bei orientalischen Klängen gibt’s das partiell auch, bei den Sachen aus dem Punk- und Hardcore-Kulturen ist das einfach eine Reproduktion patriarchaler Schemata, die Sex in Wut verwandeln. Bei Iron Butterfly steckt’s allerdings auch drin. Die These, Pop und Disco seien untanzbar, ist einfach Ausdruck von Entfremdung
… ätsch. Eben die Abspaltung als „weiblich“ konnotierter Symbolgehalte wie auch die reflexive Spaltung, „Kommerzkritik“ körperlich leben zu müssen.
Abspaltung als „weiblich“ konnotierter Symbolgehalte steckt da bei mir, im Alter 17-20 sozusagen gefühlte Frau, nun sicherlich nicht drin. Sorry, aber die Art und Weise, wie welche Musik mir ins Tanzbein geht und wie nicht stellt sich mir auch unabhängig von theoretischen Diskursen; ich mag auch Pfeffer nicht deswegen, weil da irgendjemand etwas Kluges drüber geschrieben hat und trinke auch Rotwein nicht wegen meiner Gesinnung, sondern weil er mir schmeckt. Natürlich spielt es da schon eine Rolle, wie diese Musik in meinem früheren Umfeld kultiviert wurde – da tanzte man zu Heavy oder Psychy Mucke, und Pop, insbesondee Jacko und Prince, liefen etwas leiser im Hintergrund, wenn nicht getanzt, sondern erzählt wurde, das war für uns Cocktailmusik.
… und zum Anderen habe ich auch wieder zu Funk getanzt, etwa Fun Key B. oder Kid Creole, und ganz viel zu Reggae und Ska. Die Dychotomie, die Du da vornimmst, sehe ich so nicht.
Doch,ich bin mir ziemlich sicher, dass die Dichotomie sehr richtig ist und in Deutschland noch richtiger als anderswo.
Wobei das mit Funk natürlich auch geht. Level 42 waren ja damals auch der Knaller, auch Heaven 17 und so.
Und wegen Dub & Reggae sind ja die frühen Sachen der Clash, „White Riot“ und so, viel schlechter als die von London Calling und Combat Rock. Und Disco wurde in Deutschland einfach von den falschen Leuten rezipiert, das hat schlimme Folgen für die Gesamtkultur gehabt.
Bei Funkey B.-Konzerten war ich übrigens auch ständig, ‘ne zeitlang machte man das so in Hannover
… weiß gar nicht, wie oft ich die gesehen habe, einmal sogar in der MHH, kurioserweise, bei irgendeiner Mediziner-Party.
Bevor ich das bei Dir gelesen habe wäre ich nie auf die Idee gekommen, dass Disco irgendetwas mit schwarzer Musik zu tun haben könnte. Ich hatte Disco-Sound damals an aus Tonkonserven am Mischpult zusammengemixte Konserven- und Plastikmusik wahrgenommen, und einige der größten Disco-Hasser in meinem Umfeld waren Reggae-, Dub- und Rapfans, oder hörten so ganz und gar schwarze Sachen wie Highlife, Marimba und Soca. Ich stimme Dir ja zu, dass der Haken dann bei der Rezeptionsgeschichte liegt, aber die hat in meinem persönlichen Umfeld nichts mit schwarz oder schwul zu tun, sondern eher mit der Ralph-Siegel-Ähnlichkeit der späteren Disco-Produzenten mit ihren Full-Playback-Castingbands. Donna Summer oder Carl wie nochmal, na ja, Kung Fu Fighting halt fand man dann ja doch gut. Und dann waren die Discofans in meiner sichtbaren Umgebung einfach die falschen Leute – brav angepasste Popper, die 1982 Kohl zujubelten, krass apolitische Konsumkiddies und Harzer Landeier, mit denen man über kein vernünftiges Thema reden konnte. Ich glaube schon, dass für uns cliquenintern die Musik auch einfach deshalb uncool war, weil die uns bekannten Leute, die darauf abfuhren uncool waren.
Sorry, aber, unabhängig davon was einem nun für Musik gefällt oder nicht, um sagen zu können, dass die quasi Essenz von Tanzmusik nicht tanzbar sei, da muss man sich aber schon so heftig verrenken, Che, dass du das selbst merken müsstest.
Und dass eine gefühlte Frau zum Headbanger mutiert, trau ich mich garnichtmehr zu kommentieren.
Auch der schreiende Wiederspruch, Dichtomie so nicht sehen wollen um dann wertend und abwertend, nach stringend rassistischen Mustern, Kukturgeschichte zu revidieren, ist genau der Grund, weshalb so angeblich unpolitisch konsumierende Leute wie Mir Leute wie Ihr als Reaktionäre beschimpft haben. Zu recht.
Wenn du subkulturelle Gegenbewegung aufgrund patriachaler Ressentiments als kapitalistische Unterwerfung wahrnimmst, ist das Dein Problem.
Das aus Divine und Sylvester sich diese fürchterliche „High Energy Pampe“ mit Musikladen Eurotops als Folge entwickeln konnte passt gar herrlich in diese Denke und ist identisch.
Wie sich das liest, würd ich mich glatt wundern, wenn du DAF, die ja auch Disco waren, nicht als Faschokapelle wahrgenommen hättest.
„die 1982 Kohl zujubelten“
Ich kenn überhaupt keinen einzigen Menschen der Kohl zugejubelt hätte. Ich kenn noch nichtmal jemand der zugeben hätte den gewählt zu haben. Nichtmal welche von denen die auf meiner „Abschussliste“ gestanden hätten.
@Momo
„Doch,ich bin mir ziemlich sicher, dass die Dichotomie sehr richtig ist und in Deutschland noch richtiger als anderswo.“
Meinst du wirklich, dass das zB bei den Franzosen nicht genauso war? Frag ich mal, weil du da ja kontakte gehabt hast oder noch hast, gerade weil auch mir gerade ein Typisch Deutsch auf der Zunge liegt.
„bei den Sachen aus dem Punk- und Hardcore-Kulturen ist das einfach eine Reproduktion patriarchaler Schemata, die Sex in Wut verwandeln. … Die These, Pop und Disco seien untanzbar, ist einfach Ausdruck von Entfremdung
… ätsch. Eben die Abspaltung als “weiblich” konnotierter Symbolgehalte wie auch die reflexive Spaltung, “Kommerzkritik” körperlich leben zu müssen.“
Manchmal hasse ich dich wenn du solche Sachen schreibst. Jaja, ich weiss dass das blanker Neid ist
@Che:
„Ich hatte Disco-Sound damals an aus Tonkonserven am Mischpult zusammengemixte Konserven- und Plastikmusik wahrgenommen“
Neulich hast du noch abgestritten,sowas jemals gesagt zu haben
– das ist der Mythos „handgemacht“ und „authentisch“ und „das ist wenigstens noch richtige Musik“. Moroder war ein Revolutionär, Baby!
@Loellie:
Frankreich ist da eni ganz schwieriges Thema. Weil’s da zum einen eine ganz wundervolle Disco-Welle gab und ja dem Grundgestus der Franzosen schon was irgendwie Androgynes anhaftet, die sind ja ungeheuer verspielt und tuntig in ihrerm Humor, in der festen Überzeugung, mehr Stil als der Rest der Welt zu haben – und so richtig „Dirty Punk“ geht da gar nicht. Auch das Chanson war da ja immer popfähig, und ist zwar einerseits auch diese körperlichfeindliche Bildungsbürgergehabe, das hier die „Indie“-Hörer reproduzieren, ist aber a priori viel sinnlicher und femininer.
Auf der anderen Seite haben die die schlechteste Rock-Tradition, die jemals eine Nation hervor gebracht hat und zu seltsamen Vergottungen echter Grusel-Acts führte, guck mal bei Youtube nach Indochine, zum Beispiel, das war für die Wave und füllt da aktuell wieder die Stadien. Und die ist genau so geradeaus wie in Deutschland, diese Schiene. Gibt ja auch von Wiglaf Droste dieses herrliche „Grönemeyer kann nicht tanzen“, und das gilt für diesen Rockpop in Frankreich auch.
Bei denen kamen halt ab Mitte der 80er statt der US-Black-Music und karibischen Sounds, die in GB so durchdrangen, RAI und Hip Hop hinzu und haben ja dolle Sachen hervorgebracht. Einerseits das, was mit es Negresses Vertes begann. Weiß nicht, ob Du dieses so unglaublich großartige „Arabesqeue“-Album von Jane Birkin kennst, das ist so eine Spätfolge, wo dann kurioserweise klassisches Chanson und arabische Sounds aufeinandertreffen und das hat eine Sinnlichkeit, liest sich krude, aber das ist Sex der feinen und zerbechlichen Art.
Und im Hip Hop haben die ja so grandios hingelangt, die Franzosen, das sind ja Sachen in den Banlieues entstanden, die mal ab von der Sexismus/Antisemtismus-Diskussion musikalisch teils einfach nur grandios sind, und auch, was die mit Sprache machen, diese ganzen Inversien und Sprach-Mutationen, koppelt man das von den Inhalten ab und begreift es als Form, dann ist das toll. Allerdings eben auch patriarchal-agressiv, das stimmt schon.
Und seit den 90ern haben die ungaublich tolle House-Geschichten.
„Manchmal hasse ich dich wenn du solche Sachen schreibst.“
Ich mich ja eigentlich auch. Das passiert mir auch eher. Das steht dann da auf einmal.
Och neeeeeeeeeee …. gefühlte drei stunden hab ich mir gerade die finger gebrochen um momo vorsätzlich ins offene kommerzkritikmesser zu laufen … bloss damit mein browser sich aufhängt und jetzt isses weg
heuljauljammerwinsel
Loellie, ich habe nicht behauptet, dass Discomusik an sich nicht tanzbar sei, sondern für mich persönlich vor über 20 Jahren nicht tanzbar war, weil Tanzen damals für mich entweder schwofen oder mich mehr oder weniger in Trance tanzen oder aber mich Austoben bedeutete, und das ging für mich am Besten zu psychedelischen Sachen oder aber zu sehr harter und schneller Musik. Das sind jetzt zwei völlig verschiedene Paar Schuhe: Meine persönlichen Tanzgewohnheiten und die allgemeine Disco-Ablehnung in meinem damaligen Freundeskreis, so im Alter von 17-19, die ich lediglich retrospektiv geschildert habe. Wie ich das heute sehe ist ein ganz anderer Film, da folge ich ohne Weiteres so einigen Dingen, die Momorulez über Disco geschrieben hat. Deswegen wird das immer noch nicht meine Musik. Wobei dann zu fragen wäre, wo genau Disco anfängt oder aufhört. Ich kann mich auch daran erinnern, dass ein US-Historiker, der damals eine Weile bei einer Mitschülerin von mir wohnte, etwas über die emanzipativen und hedonistischen Impulse der Disco-Musik erzählte und wir ihn nur groß anglotzten, weil wir uns gar nicht vorstellen konnten, dass es diese Impulse gäbe.
@Kohl zujubelten: In der Tat, unsere ganze Schülervertretung bestand aus solchen Leuten, das waren diejenigen, die die von mir in der Schulaula aufgehängten amnesty-Plakate abrissen. Und die hörten Disco und bezeichneten Hardrock als „Asoziale Härtner-Prolomucke“ und Reggae als „Negermusik“. Und waren in der Jungen Union oder der Liberalen Schüler-Aktion.
http://www.youtube.com/watch?v=yODRNUlPmCg
Ist jetzt gerade der Gassenhauer vom Arabesque-Album, aber man bekommt vielleicht eine Ahnung dessen, was ich meine …
Hier noch was:
http://www.youtube.com/watch?v=by1Q_8AEkfA&feature=related
Den Bezug zu Jacko herzustellen, das überlasse ich mal dem Leser
…
Loellie, was ist denn weg von? Da oben steht doch ganz viel …
@Che:
„Wobei dann zu fragen wäre, wo genau Disco anfängt oder aufhört“
Um die Frage so zu formulieren, dass eine Antwort unmöglich wird – wie willst Du sowas denn beantworten? Meistens fängt es an, wenn das DJ-set oder der TRACKS losgeht, und hört auf, wenn man nach Hause geht oder der I-Pod-Akku leer ist …
Zudem ich hier nicht auf der Ebene, welche Szene welche Musik hörte, argumentiere, sondern auf der, was das mit Körper und Emotion macht, wenn man sich auf sie einläßt, diskutiere. Und da ist halt der Headbanger dem Marsch näher als jemand, der selbst im P1 inimitten von Schickis zu „Love To Love You Baby“ abgeht.
Ich glaub, um französischen HipHop gut finden zu können muss man das auch verstehn oder frankoviel sein … wobei beim Thema Frankreich und Musik ich ja auch zum Vollrassisten mutiere … da hängt aber auch ein Kindheitstrauma dran.
Das die über die Banlieuse da über karibisch-arabische Einflüsse angefangen haben sehr spannende Sachen zu machen hab ich leider nur aus dem hintersten Augenwinkel mit bekommen, weil ich seit über 6 Jahren keine urheberrechtlich geschützten Sachen mehr anfasse, ganz grundsätzlich, und auch praktisch überhaupt keine Musik mehr höre ausser dem alternativ Radio, was aber zur Hundeberuhigung läuft.
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Worums mir ging, und eigentlich gehört das zur Diskussion um evangelikale, aber auch liberal-konservative Medien- und Kommunikationstrategien … also das zB die homophobe ‘Disco Sucks’-Nummer hier als Anti-Kommerzkritik wahrgenommen wurde, eigentlich ja nach dem Stille-Post-Prinzip bis ins Gegenteil verzerrt wurden, wo Kampagnen heute 1 zu 1 übernommen werden. … sorry, ich lass das mal als halbsatz stehn, mein Alter quengelt weil er sein Schnitzel will , und ich mich eh verschwurbel weil ich mich noch immer zu sehr über den abgestürtzten kommentar grad eben ärger.
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Trotzdem noch schnell „Das passiert mir auch eher. Das steht dann da auf einmal.“
Da bin ich aber froh das ich nicht der einzige bin der sich manchmal über sich selbst wundert
„Loellie, was ist denn weg von? Da oben steht doch ganz viel … “
Aber nicht mein Jacko vs Prince Elaborat … wenn ich hier schon wieder Flashbacks zum Stilfaschisten durchlebe
Hast Du mal gehadbangt? Ich weiß nicht, was das die Haarmähne ausschütteln mit Marsch zu tun haben soll, und zwischen der straighten Macho-Pose von Jon Bon Jovi und den Klangwolken von Bury Me Deep oder der durchaus vorhandenen Melancholie und Romantik von Deep Purple liegen auch noch mal Welten. Wäre aber jetzt ein ganz anderes Thema, insofern lasse ich das hier einfach mal stehen und schreibe bei Gelegenheit bei mir drüben etwas über meinen eigenen Zugang zu Musik. Macht so wahrscheinlich mehr Sinn, als uns hier in einem an sich alten Kommunikationsknoten zu verheddern.
@Loellie:
Der franzöische Hip Hop ist auch rhythmisch einfach unglaublich großartig, will aber ja gar keinem was aufschwatzen – und ich glaube auch, dass das Disco-Thema in den Kontext gehört, den Du aufmachst. Weil man hierzulande nämlich eigentlich was gegen Gospel hat
– das ist aber ein sehr weites Thema. Was aber direkt zum Warehouse in Chicago überleitet …
@Che:
Ja, ich habe geheadbangt, hatte ja mal ganz lange Haare, und der Haupteefekt ist, dass man vergißt, dass man auch ‘n Arsch hat und nicht nur einen Kopf und Stiefel an. Außerdem macht das rammdösig. Marsch ist das, weil da nix groovet.
Habe lustigerweise ausgerechnet mit Jon Lord mal lange über die körperfeindliche Tradition in der Rezeption klassischer Musik diskutiert, und das hat den so beeindruckt, dass der danach über’s Management tatsächich mehrfach ein Dankeschön ausrichten ließ
… um mal kurz anzugeben. Der war echt von den Socken und hochinspiriert Das zum Thema „Deep Purple“. In der Rock- und Indie-Schiene tradiert sich halt das, was Bildungsbürger über den Rock’n'Roll sagten.
Habe hingegen mal eine Inszenierung von Monteverdis Popea, eine Barock-Oper, gesehen, wo mal die Rhythhmik ausgearbeitetwurde, auf der das basiert, die genuin volkstümliche, wollüstige, ja!, also auch Bongos Einsatz fanden usw. Großartig. Da konnte man viel über Rassismus und deutsche Rocker lernen
… und auch über Michael Jackson.
Die italienische Ausstattungsoper, in der ja die Klassik eine ihrer Wurzeln hat, war ja nun in der Tat eine ungeheuer sinnliche Veranstaltung. Ich fahre ja momentan auf Folk-Jazz-Mischformen ab, z.b. Balkanrap mit afrikanischen Trommeln, und das groovt wirklich. Habe von Disco wahrscheinlich nur die dümmeren Spätformen mitbekommen…
Zu Calypso-Klängen hatte ich übrigens tatsächlich mal mit dem Arsch gewackelt mit dem Resultat, dass ein schwuler Genosse mich bat, doch bitte mal stehen zu bleiben und mich vorzubeugen. Er klatschte mir dann auf den lederbehosten Hintern und meinte „Mit dem Arsch kannste was machen!“. Tja, da war ich noch superschlank und knackig. Ich empfand das als Kompliment, fühlte mich also nicht angemacht, ihn aber auch nicht attraktiv. Diese spielerische Art, miteinander umzugehen, in den Achtzigern, vermisse ich heute. Da spielte die Frage „Hetero – Homo“ oder auch „ernsthaftes sexuelles Interresse – Spaß“ auf Parties nicht so die große Geige. Nicht ohne Grund erwähne ich öfter die Tatsache, dass eine Genossin, mit der ich dann eine Liebschaft hatte, mir auf einem Plenum einfach an die Eier fasste, und so kamen wir zusammen – das ging damals. Nicht zuletzt, weil wir alle mit einem Grundvertrauen auf uns zu gingen, das es später nicht mehr gab. Das macht mich ja so sehr ständig fertig, dass in meinem Erlebniskreis bestimmte Selbstverständlichkeiten des sinnlichen Miteinanders plötzlich wegbrachen und Vergleichbares nie wieder erstand.
Hätte jetzt ‘ne Hetera auf Deinen Arsch reagiert und der schwule Genosse Dir an die Eier gepackt, hätte ich die Geschichte noch deutlich besser gefunden – das isses doch schon wieder: Kaum bemerkt ‘ne headbangende Hete, dass sie ‘nen Arsch hat, kommt auch schon ein Schwuler um die Ecke und will rein.
Gestern Abend, gerade als ich das Essen anrichten wollte, steht unsere Prinzessin, mein Schatz auf, hustete, kippte vom Sofa und blieb minutenlang regungslos am Boden liegen.
Ich bin sofort von unserer Nachbarin zum Tierarzt gefahren worden und trotz Spritze und Medikamente, sollte es nur der erste Infarkt von fünfen sein die sie in meinen Armen während der längsten Nacht meines Lebens erleiden musste. Der dritte mitten in der Nacht war dann so heftig dass wir alle wussten … seitdem bin ich nur noch Rotz und Wasser.
Um 10Uhr heute früh, haben wir das arme Tier dann gehen lassen.
Das Wir, das Uns und das Zusammen ist jetzt weniger, es stimmt nicht mehr.
Ich finds ja selber blöd, wenn solche Sachen in Blogs auftauchen, aber dass mich Che rhetorische Frage wens denn als nächsten trifft, ein paar Stunden später so erbarmungslos und ohne die geringste Vorwarnung einholt. … Zwei Wochen nach der Knochenkrebsdiagnose unseres anderen Windhundes …
Falls sich jemand wundert, warum von mir mal wieder nix mehr kommt, so mitten im Gespräch …
Och Mönsch, Loellie, wirklich mein ganzes Mitgefühl! Weiß ja, wie nahe, wie intensiv man mit den Viechern zusammen lebt, wie viel man von ihnen lernt, als seien sie kosmische Lehrer, wie wichtig sie sind!!!
Bin ganz bei Dir. Halt Dich wacker!
Ach Mist, da auch mal von mir meine ganze Empathie. Ich habe wiederum von einer alten Freundin erfahren, dass ein gemeinsamer Freund lauter Metastasen im Körper hat – dabei ist erst gerade ein Genosse an Krebs gestorben…..
loellie, ich kenne dich ja kaum aber auch von mir mein Mitgefühl. Unserer Kater, Adrian, ist letztes Jahr umgekippt und war tot, das steckt mir immer noch in den Knochen. Die Süssen sind so loyal.
Bin echt beeindruck über die hier vorherrschende Popmusikkompetenz. Michael Jackson hat natürlich auch mich begleitet aber ich war eher in der Princefraktion. Sein Revolutionkonzert in Frankfurt erlebte ich an meinem 18. Geburtstag. Das war wirklich der Hammer gewesen. In der Eissporthalle, schön klein und fast schon intim
.
Was tanzbar ist: ich habe früh schon orientalischen Tanz gelernt, das geht in den Körper und verlässt dich nicht mehr, entsprechend muss Musik rythmisch die Vielfalt mitbringen, die ich beim Tanzen brauche. Und alles quer beet, lateinamerikanische, spanische Einflüsse ebenso wie orientalische, hauptsache ich kann die Hüften schwingen. *g* Ich bin da auch nicht sonderlich speziell, wenn es eben Mainstream-Popmusik ist, die mir Spaß macht zu tanzen, dann eben diese.
Wenn ich es recht überlege, ist das meiste, auf das ich gerne tanze schwarze Musik, oder eben stark von ihr beeinflußt. Oder eben Worldmusik mit afrikanischem Einfluß. Habe ich mir bisher kaum Gedanken darüber gemacht.
Ach ihr lieben, Danke …
@Loellie:
Halt Dich wacker!!!
@Che:
Hört sich doof an, aber als neulich mein Kiefer beim Zahnarzt geröntgt wurde, hatte ich Hardcore-Raucher vorher richtig Panikattacken …
@Somlu:
Verdiene ja in einer kleinen, feinen Nische u.a. sogar mein Geld mit Popmusikwissen
… gibt dann aber oft viele, die schreiben, dass ich ja gar keine Ahnung hätte. Kann ich jetzt hier nicht vertiefen …
Das mit den schwarzen Rhythmen ist aber, glaube ich, tatsächlich so, dass die einfach befreiend sind. Kenne mich jetzt meinerseits nicht so mit Weltmusik aus, und auch diese orientalischen Geschichten viel zu wenig. Wobei ich auf all diese „Oriental Kitchen“-Sounds, die man hier z.B. in türkischen Imbissen hört, ziemlich abgehe.
Der Herr Wicke vom Popmusik-Institut in Berlin an der Humboldt-Uni, der hat das mal so erläutert, dass die schwarzen Gospel-, Blues- und Spiritual-Kulturen der Sklaven und ihrer Nachkommen in den USA als marginalisierte, randständige (Sub-)-Kulturen in Sachen Körperlichkeit nicht den gleichen „Domestizierungs- und Disziplinierungsformen“ wie der weiße Mainstream unterlagen. Die bekamen zwar die Peitsche, aber nicht die Tanzschule, sozusagen – kannst Du in all den frühen House-Tracks z.B. hören, diese Relation, die sind ja durch und durch vergospelt. Und haben eben auch anders dialogisiert mittels Musik, während sie beim Bahnschwellen festhämmern dann den Backbeat erfanden und auch als Rhythmus des Arbeitens nutzten. Um dann in den Kirchen und Gemeinden einen Kommunikationsraum vorzufinden, wo sich diese Rhythmik tradierte – deshalb habe ich es ja immer als latent rassistisch erlebt, wenn Leute wie Zettel dieses „Yes, we can!“-Gerufe im Obama-Wahlkampf als prämodern geißelten, weil das ja Formen sind, die in solchen Kontexten entstanden sind und auf die Obama explizit anspielte. Das gibt es in „westlichen Kulturen“ halt als Restbestände im Karneval oder in der Folklore oder in Fussballstadien, nur da schon zur gröhlenden Horde mutiert.
Spannend ist aber gerade in letzteren, z.B. bei unseren Ultras, wenn da „Black Music“ rezipiert wird. Dieses „That’s the way we like it“, was bei uns immer gesungen wird, das ist von der Rhythmik her viel schwieriger, aber auch viel weniger militant als all die Märsche, die man so so in Stadien hört, weil’s eben groovet. Aber Wechselgesänge gibt es überall.
@loellie, ich weiß, es tut so weh.
@momo, ich habe noch ein bisschen nachgedacht. Die letzte Interpretin, die in ihrer Musik so ziemlich alles mitbrachte, was ich zum Tanzen brauche, war/ist Shakira. Die Mischung aus Pop, lateinamerikanisch und orientalischen Einflüßen ist wirklich brilliant. Allerdings nur bis zum Album Laundry Service. Was danach kam fand und finde ich langweilig. Wahrscheinlich zu domestiziert.
Was die Körperlichkeit angeht, so war das ja auch immer das Bild des virilen schwarzen (gefährlichen) Mannes. Ein Gegenentwurf zum komplett domestizierten weißen Gentelman (Gegenstück: Ashley Wilkes aus Vom Winde verweht).
Was den orientalischen Tanz und die Musik angeht. Die Tonalität ist natürlich für das ungewohnte Ohr sehr fremd. Die verwenden regulär Vierteltonschritte, wenn ich mich richtig erinnere. Der Tanz entwickelte sich ursprünglich in geschlechter separierten Räumen und ist ein Gruppenerlebnis. Man tanz gemeinsam und immer wieder wechselt eine in den Mittelpunkt. Je nach Land sind die Frauen auch voll bekleidet. Das heutige Bild der „Bauchtänzerin“ ist ursprünglich durch amerikanische Einflüsse geprägt.
Ich mag den „Kitchensound“ auch aber bei der orientalischen Klassik kann ich mich kaum ruhig halten, bei lateinamerikanischen Sambarythmen ebenso wenig. (Ich sollte dringend mal wieder tanzen gehen).
Ich interessiere mich immer mehr für „fremdartige“ Musik. Wobei man dazu wissen muss, dass ich 6 Jahre klassischen Gesang gelernt habe. Kürzlich lernte ich Musik in der Tradition osteuropäischer Frauengesänge kennen. Das war sehr beeindruckend. Und ich kannte diese Musik zumindest als Einfluß, von einer Frankfurter Frauenband (Kick la Luna), die früher ganz vorzügliche Weltmusik machte. Und im übrigen ausgesprochen tanzbare.
Ich mag den „Kitchensound“ auch aber bei der orientalischen Klassik kann ich mich kaum ruhig halten, bei lateinamerikanischen Sambarythmen ebenso wenig. (Ich sollte dringend mal wieder tanzen gehen).
Hiphop und auch Techno allerdings haben mir den Spass am Tanzengehen nachhaltig versaut.
Das mit der Herkunft der gesamten Grundrhythmik von Rock-und Pop Musik aus Spiritual, Work-Song und Gospel habe ich in der Schule im Musikunterricht gehabt, und mit der Genese von Reggae, Ska, Funk und Hip Hop aus afrokaribischer bzw. westafrikanischer Musik habe ich mich später mal redaktionell beschäftigt. Nur diese Verbindung Phillie-Sound zu Disco war, bevor Momorulez mal auf Shifting Reality etwas darübr geschrieben hatte mir überhaupt nicht bekannt. Wobei der Artikel auf Wikipedia zu dem Thema wirklich lesenswert ist. Ich war in letzter Zeit ja auf verschiedenen Festivals mit Crossover-Musik aus osteuropäischem Folk, Klezmer, Jazz und Balkan-Rock bzw. Balkan-Punk. Sehr interessante Mischungen, wirklich. Das hier finde ich dann ebenfalls höchst spannend:
http://www.amazon.de/Panama-2-Various/dp/B00278FSKK
@Somlu:
„Was die Körperlichkeit angeht, so war das ja auch immer das Bild des virilen schwarzen (gefährlichen) Mannes“
Ja, das schöne an der These von Wicke ist ja, dass dieses rassistsch naturalisierende Muster da sozial fundiert und somit denaturalisiert wird.
Und ansonsten sind es ja alles afrikanische „Ursprünge“, in Südamerika oft noch „indianisch“ gemischt, die in Samba, Rumba etc. sich tradieren, und da gibt es dann auch Brücken zu dem „Orientalischen“ – habe neulich mal hintereinander bulgarische Schlager und äthiopische Musik gehört und war verblüfft, wie ähnlich da die Relation Gesang und Rhytmus war, oft auch über sinti und Roma vermittelt, die ja bis zu Czardas auch europäische Folklore prägten. Kick la Luna kenne ich sogar! Und auf Gesangsausbildungen bin ich immer neidisch
…
Hip Hop finde ich teilweise schon sehr cool, gerade die ganze Posse rund um Dr. Dre aus den frühen 90ern, da gab es großartige Geschichten. Und Techno bzw. House, da gibt es ja so viele Facetten … viele von den Vocal-House Geschichten mochte ich schon auch, aber immer nur dann, wenn es groovete
…
@momo, nur kein Neid, singen ist ja eines der wenigen schönen Künste, die du immer erlernen kannst. Lehrer suchen und anfangen. Ich habe das leider jahrelang vernachlässigt. Seit dem Konzert, das ich erwähnte, versuche ich einen Einstieg in dieses Singen zu finden. Glücklicherweise scheinen hier in Köln einige MusikerInnen dieser Richtung ansässig zu sein. Auf der Seite der Gruppe, die ich hier hörte, muss die Technik vollkommen anders sein, weil die ohne Vibrato singen. Bin mal gespannt, wenn ich dann mal die Chance bekomme.
Kick la luna waren/sind (?) ja auch nicht so klein aufgestellt, obwohl das aus „unserer“ Perspektive schon mal so aussehen konnte.
Manchmal wünschte ich, ich hätte mehr Zeit (und Geld), es gibt soviele hervorragende Bands jenseits des Mainstreams. In Frankfurt kann man da immer in der Brotfabrik fündig werden. Für Köln habe ich das noch nicht so rausgefunden. Wird schon. Hätte ja es derzeit kaum Gelegenheit.
Singen immer erlernen können? Ich würde von mir sagen, dass ich total unmusikalisch bin, obwohl ich Musik liebe. Andere widersprachen mir und meinten, das habe etwas mit Übung zu tun, aber wirklich unmusikalisch sei niemand. Wie siehst Du das?
@che, also, ich habe gehört, dass es wirklich Menschen geben soll, die nicht singen lernen können, also überhaupt nicht aber ich glaube das nicht wirklich. Aber im allgemeinen sagt man, das Singen 5% Talent und 95% Training ist. Letztlich ist gerade der klassische Gesang eine Art Leistungssport. Die Muskulatur muss erst mal aufgebaut werden, u.a. die „Stütze“ also die Zwerchfellmuskulatur aber nicht nur diese. Man fängt in einer sogenannten mittleren Stimmlage an, außer man ist sehr eindeutig, was meist bei den Bässen so ist und im Laufe des ersten Jahres und regelmäßiges Training vorausgesetzt, lässt sich sagen, wo jemand stimmlich hingehört. In meinen besten Zeiten hatte ich einen Umfang von 3,5 Okatven, das heißt ich kann auch tief singen, es liegt mir aber nicht, am leichtesten fiehl mir die Sopranlage und da „glänzte“ meine Stimme auch am meisten.
Ein anderer Aspekt ist, dass man sich selbst nicht richtig hört (es soll Ausnahmen geben) der Körper muss erst lernen, was richtig ist. Während du singst, musst du fühlen, was richtig ist. Im allgemeinen sind für die westliche Musik die klassischen Grundlagen auch die Grundlage für alle SängerInnen, egal was sie dann singen.
Alles was die Stimmbänder belastet, z.B. scharfe Pfefferminzbonbon, Kaffee, Tee, usw. sind vor Auftritten tabu. Rauchen eigentlich auch, aber es wurden inzwischen spezielle Trainings für Raucher, die singen entwickelt. War ein rauchender Opernsänger, der beiden nicht lassen konnte.
Ausprobieren. Möglicherweise gibt es Menschen, deren Gehör so schlecht ist, dass sie die Vorgaben vom Klavier nicht übernehmen können, aber ich glaube, das ist sehr sehr selten, das jemand tatsächlich unmusikalisch ist. Vielleicht ohne geschultes Gehört, ohne Stimmbildung, ohne entsprechende Sprechausbildung und vielleicht hat der Mensch im Chor immer so tun müssen, als ob er sänge und zweifelt an sich.
Danke dafür, das orientiert mich so halbwegs!
btw: Anfang der Woche starb auch Pina Bausch, was mich überraschender Weise wirklich tief berührte. Ich hatte ja nur zwei Stücke von ihr gesehen – die waren aber großartig…
Da bekenne ich mich komplett unwissend
– ich weiß, dass sie außerordentlich bedeutend war, aber Tanztheater ist so weit weg von dem, womit ich was anfangen kann … kann mir aber sehr gut vorstellen, dass, wenn man da Zugang hat, eine so gewichtige und prägende Person eine Riesen-Lücke reißt, die weh tut …
Ja, Pina Bausch ist auch gestorben, die war fürs Tanztheater wirklich superwichtig, auch wenn ich die nur aus der Glotze kenn, also ihre Sachen.
Ich hatte es mich noch garnicht getraut zu schreiben, bzw, war noch garnicht fähig, aber am gleichen Tag, am Dienstag, mussten wir unsere Grosse dann auch noch gehen lassen. Dieser Horror am Wochenende war zuviel für das angeschlagene Tier … jetzt sind die beiden Unzertrennlichen wieder zusammen, fliegen anstatt über Felder und Wiesen durch den Hundehimmel und kriegen soviel Katzenbraten wie sie fangen können.
So langsam gehts auch wieder mit der Normalität auch wenn mir noch immer ständig Knaller passieren wie vorhin als ich im Supermarkt an der Kasse steh, plötzlich ein Platzregen losgeht, ich an die Stelle guck wo sonst immer die Tiere warten und denke „gut dass ich die Hunde zu Hause gelassen hab“ …
Mann, Mann, Loellie, da ist es aber dicke bei euch gekommen, ja, die sind jetzt im Regenbogenland, aber weh tut es halt trotzdem, tut mir echt leid. Ich hab schon einen Horror davor, wenn unsere beiden mal alt werden – mir bricht es immer so das Herz
Ich habe da auch schon ganz schön Angst vor, wenn mein Zottel sich irgendwann vom Acker macht
… ach, Mönsch, Loellie, da hilft auch nur trauern. Und dass man sich ernst nimmt in ihr und sich nicht einreden lässt, dass es ja „nur“ um Hunde geht.
Kennt ihr noch „Wo der rote Farn wächst“? Ist richtig ein Kindheitstrauma von mir …