Metalust & Subdiskurse Reloaded

Assoziationen zum Iran

Veröffentlicht in Antifaschismus von momorulez am Juni 21, 2009

„Am 28. November 2000 verbot ein iranisches Gericht zum Beispiel die Zeitschrift „Irana Javan“. In einem Beitrag über das Kino hatte das Jugendmagazin mit der höchsten Auflage ein paar nichts sagende Fotos aus einem Hollywood-Blockbuster veröffentlicht, die in den Augen des Gerichts obszön waren“.

Nasrin Alavi, Wir sind Iran – Aufstand gegen die Mullahs – die junge persische Weblog-Szene, Köln 2005,  S. 238

Von solchen Instrumenten träumt Frau von der Leyen wahrscheinlich auch gerade. In dem Buch, dass mir eine Weile vor den aktuellen Vorgängen im Iran geschenkt wurde, steht als Widmung „Ich bin ab heute ein großer Adorno-Fan“, was einer gewissen Komik nicht entbehrt – hat doch keiner die „Westliche Popkultur“ nachhaltiger gegeißelt als Adorno, die jetzt zu dem beiträgt, was im Iran vor sich geht. Die Zeile steht dort als Widmung, weil ich neulich einen deutsch-iranischen Kumpel im Vorfeld etwas beraten habe, als er seine Diplomarbeit über die aktuelle, persische Musikszene verfasst hat. Das Buch war das Dankeschön.

Und jetzt sitze ich hier, noch immer spuken seine Recherchen in meinem Kopf herum, ich habe Angst vor dem „Platz des himmlischen Friedens“ und hoffe doch so sehr, dass sie die Mullahs endlich vom Thron stoßen.

Durch jenen deutschiranischen Kumpel habe ich von aktuellen Lebenswelten  in Teheran etwas mehr mitbekommen als aus anderen Regionen dieser Erde; erstaunlich ist nicht, was dort gerade passiert, wenn ich mir all diese Berichte über den Lebens- und Erlebnishunger der jungen Bevölkerung ins Gedächtnis rufe. Habe im Rahmen meiner publizistischen Tätigkeit auch recht gewichtige Einblicke zusammen mit jenem Kumpel in die Welt gesetzt, bemerkenswerterweise hat sich noch vor 2 Jahren kein Schwein dafür interessiert, wurde ein Flop. Offenkundig wollten die Leute entweder Berichte von Steinigungen auf dem Lande, durchgeknallten Schiiten im Blutrausch,  die wüst gegen Juden und die USA hetzen, oder aber von gefolterten Regimegegnern frei Haus geliefert haben. Wir berichteten stattdessen von einer ausgefächerten Kulturszene im Kampf mit den Zensurbehörden, ohne auch nur irgendetwas zu verniedlichen, was dieses Regime so furchtbar macht. War der sich auf Muslime einschießenden Bevölkerung hierzulande schon zu viel und zu nah, wurde nicht zur Kenntnis genommen.

Klar sollte werden, dass die Modernisierung im Iran längst und vor allem sehr lange schon angekommen ist, vielfältig und kreativ – und dass sie sich unter spezifischen Systembedingungen ähnliche Pfade sucht wie die Kunst- und Musikszenen in der DDR einst.

Leidenschaftliche Diskussionen führten wir darüber, dass es zu simpel sei, nun z.B. die Kritik an der haarsträubenden Unterordnung von Frauen dort als „Islamophobie“ zu deuten, zu solchen Reflexen neigte mein Kumpel aus guten Gründen, wurde ihm doch gelegentlich aus vorbeifahrenden Autos von den Lesern jener Blogs, die jetzt für die iranische Opposition bloggen und demonstrieren wollen, ein „Geh doch in den Busch, wo Du herkommst“ hinterher gerufen. So dass er manchmal Tendenzen hatte, plötzlich das Zerrbild sich anzuziehen, das hierzulande Menschen von seinesgleichen zeichneten, aus reiner Gegenwehr. Aber nur ganz manchmal. Denn kaum saß er irgendwo am Tisch, hatte er auch schon eine Homophobie-Debatte am Hals, unweit des „Jesus-Centers“, dabei hat nie zuvor jemand meine Avancen – süßer Kerl – so elegant und charmant abgewehrt wie er. Soll jetzt Homo-Hatz im Iran keineswegs wegdiskutieren, was mich ja wunderte, darum geht’s mir,  ist, wie schnell all jene, die noch vor kurzem Leute wie meinen Kumpel und seine Freunde in Teheran als kleine Satans zum Teufel geschrieben haben, ihnen  nunmehr zujubeln.
Ich jubel da aber gerne mit. Diese junge, kreative Masse im Iran, die ist nun offen kritisch geworden, ich fürchte und fieber mit ihnen. Es passt zu allem, was ich in den letzten Jahren von dort erfuhr, und der Crossover aus Tradition und Moderne, der kulturell in Avantgarden längst sich vollzogen hat, ist spannend, ist aufregend, ist bereichernd. Und,  so trivial sich das liest: Bin da voll und ganz solidarisch und wünsche alles Gute. Im Wortsinne. Warum nur sind solche Formulierungen so diskrediert?

Wenn rechts bei Google geworben wird …

Veröffentlicht in Alltagsbeschwerden von momorulez am Juni 21, 2009

kommen solche Stilblüten dabei raus:

„Homosexuelle

3 – 2 – 1 – meins! Homosexuelle
suchen und gleich zuschlagen.“