Mal was Grundsätzliches
Ich zitiere mal was, weil, glaube ich, nicht jedem Mitdiskutanten manchmal klar ist, in welchem Paradigma ich mich zum Teil argumentierend bewege:
Der Begriff Heteronormativität beschreibt Heterosexualität als ein zentrales Machtverhältnis, das alle wesentlichen gesellschaftlichen und kulturellen Bereiche, ja, die Subjekte selbst durchdringt. In der gängigen Rezeption referiert der Begriff auf die wechselseitige Verwiesenheit von Geschlecht und Sexualität und hebt die Erkentnis hervor, dass vorherrschende Geschlechterdiskurse in mehrfacher Weise heterosexualisiert sind: Sie basieren zum einen auf der Annahme von zwei klar vonneinander abgrenzbaren, sich ausschließenden Geschlechtern und zum anderen auf der Setzung von heterosexuellem Begehren als natürlich und normal. Dabei bringt die das diskursive Regime hegemonialer Heterosexualität normative Annahmen über „gesunde“ Körperlichkeit und angemessenes Sozialverhalten sowie normalisierende Identitätszuschreibungen hervor, die allesamt den vorherrschenden Glauben an die Natürlichkeit, Eindeutigkeit und Unveränderlichkeit von Geschlecht und sexueller Orientierung fundieren. Enstprechend geht die vermeintliche Normalität heterosexueller Geschlechtlichkeiten und Begehrensstrukturen mit der Konstruktion von Homo- und Bisexualitäten sowie transgender, transsexueller oder intersexueller Körperlichkeit als Abweichung einher.
Die hegemonilae Annahme heterosexueller Zweigeschlechtlichkeit durchdringt und erschafft hierarchische Beziehungen in vielen gesellschaftlichen Bereichen. Im Zusammenspiel mit anderen Machtfaktoren bestimmen heteronormative Erwartungen die Lebenswelten von Individuen. Darüber hinaus findet Heteronormativität ihren Niederschlag wie erneuten Ausgangspunkt in wissenschaftlicher Forschung und Theoriebildung. Die Naturalisierung von Heterosexualität zeigt sich beispielsweise in der Selbstverständlichkeit, mit der heterosexuelle Paarbildung als Ursprung und Grundlage aller sozialen Beziehungen angesehen und in Diskurse über Körper, Familie, Reife, Gesundheit, Generatitivät, Erziehung und Nation eingeschrieben ist.“
Jutta Haarmann, Christian Kleese, heteronormativität,. Empirische Studien zu geschlecht, Sexualität und Macht – eine Einführung, in: dies. u.a., Heteronormativität, Wiesbanden 2007, S. 9
Soll heißen: „Heteronormativ“ ist keine Eigenschaft von Personen, sondern ein kulturelles und gesellschaftliches Ordnungsraster, in dem Individuen ihr Platz zugewiesen wird. Das ist was anderes als „homophob“ oder auch „heterosexistisch“. Wenn ich also schreibe „das ist heteronormativ“, dann meine ich, dass der , der was schreibt, sich im Rahmen dieser Diskurse und Denkweisen bewegt, nicht, dass er oder sie etwas Schwulenfeindliches sagen will (!!!!) - er reproduziert lediglich eine gesellschaftlich wirksame Grundstruktur, Grundordnung, Weltsicht. Die allerdings für heterosexismus und Homophobie die notwendige Voraussetzung bildet.
Typisch, wie Michel Focualt gezeigt hat, für diese Matrix ist, dass die Abweichung Gegenstand der wissenschaftlichen und alltäglichen und politischen Diskussionen wird, während das Zentrum, das „Normale“, aus dem Blickpunkt gerät, doch als unhinterfragte Voraussetzung dennoch wirkt.
Das ist praktisch, weil im Anschluß dann ggf. alles Böse wie Gute wie Originelle wie Schlimme gleichermaßen in diesen Abweichungen untergebracht werden kann, weil ja die Normalität das ist, was man sich selbst zuspricht, zumindest aus heterosexueller Perspektive. So entstehen dann die Stereotypen, die als Eigenschaft irgendeines konstanten und invarianten, „wesenhaften“ Verhaltens oder Daseins, die von dieser Abweichung dann „abgeleitet“ wird, interpretiert werden.
Meines Erachtens ist das auf rassistische Diskurse übertragbar, selbst dann, wenn man gar nichts negativ Konnotiertes in diese hineinträgt. „Schwarze können besser tanzen“ ist so ein Beispiel. Das ist dann notwendig in Relation zur weißen Normalität des Nicht-so-gut-Tanzens gedacht. Auch zunächst so Neutrales wie „Schwarze kommen aus Afrika“ kann fiese Folgen haben.
Meiner Ansicht nach muss man diese Muster selbst sprengen, wenn man wirklich für Freiheit ist. Um mal wieder bei einer recht plakativen und pathetischen Pointe zu landen.
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