Metalust & Subdiskurse Reloaded

Viva la Diva, hahaha ….

Veröffentlicht in Antifaschismus von momorulez am Juni 12, 2009

Einen von La Dottoranda hole ich noch rüber, weil das so entlarvend ist:

„Vielleicht herrscht unter den jungen Männern “mit Migrationshintergrund” ja eine schöne Toleranz für Dinge vor, die von ihrer Norm abweichen. Und wenn das nicht so ist, reicht vielleicht ein ganz dolles Wollen aller progressiven Gutmeinenden, die die Unvereinbarkeit ihrer Ideale, gleichzeitig die Zuwanderung aus muslimischen Ländern großartig zu finden und mehr Rechte für Schwule zu fordern, nicht wahrnehmen dürfen und deshalb als Unterstellung böser Rechter hinstellen müssen. Oder vielleicht wird es irgendwann Gesetz, daß alle Babys ihren Eltern weggenommen und nach Staatsräson tolerant erzogen werden.

Ich glaube erst dran, wenn Rapper händchenhaltende Jungs besingen statt Gangstas oder Deutschland.“

So wie im Musikantenstadl, wo Schwuhplattler (die gibt’s wirklich) die Krachlederne präsentieren und Frauen im Dirndl sich wechselseitig Liebeslieder singen? Oder in Pilcher-Verfilmungen, wo jede fünfte Folge sich um schwule Liebesgeschichten dreht? Wie bei dieser Leipziger-Serie, wo Tyrone Ricketts als Schwarzer ständig Frauen verführt, sein weißer Mit-Komissar aber keine Männer? Was gab es für einen Aufschrei beim ersten schwulen Kuß der Lindenstraße, das ist gerade mal 20 Jahre her, und während ja immer seltener sich Heten über den Bildschirm poppen, schade, wird man in Mainstream-Fiction-Produkten in homoöpathischen Dosen  mal schwulen Sex in ähnlicher Form bewundern dürfen. Aber Gewalt ganztägig und in allen Varianten auf allen Kanälen, übrigens zumeist von Männern gegen Männer, da hat Frau Schwarzer ja teilweise Unrecht, zumindest bei Tötungsdelikten sind ganz erheblich häufiger Männer Opfer von Männergewalt, und die vermeindlichen „Ehrenmorde“ haben wahrscheinlich eigentlich den Hintergrund, dass es die deutsche Volkseele empört, wenn mal nicht Männer sich wechselseitig abmurksen. Was sie nun aber auch nicht besser macht.

In Torchwood auf RTL 2, da gibt’s auf einmal selbstverständlich schwule Küsse, war auch ‘ne zeitlang trendy, das bei Vorabendsoaps mal nebenbei aufblitzen zu lassen, über Frau Folkerst redete auch die Nation – aber dass sich aus dieser Perspektive dann ein Plot generieren würde, das ist eher Seltenheit. Und den schwulen Komissar auf SAT 1 wollte auch keiner sehen, ebenso wenig die „Sex & Tthe City“-Adaption auf ProSieben, wo gleichwertig ‘ne Schwule und ‘ne Hetero-Storyline ins Bild gesetzt wurde. Aber bei Bullys doofen Schwulenwitzen rennt die Nation in’s Kino, als gäb’s da was umsonst …

Mir fällt sowieso jenseits von Mark Medlock (na, La Dottoranda, dämmert’s? Treudeutsch ist der doch aus Deiner Perspektive auch nicht, oder? Da kann er ja noch so sehr hessisch babbeln) -  und „Rosenstolz“ kein offen schwuler Künstler hierzulande ein, und der aus Berlin hat ja vorsichtshalber eine Frau an der Seite, die dann Männer besingt. Was sehnt man sich nach Zeiten, als ganz selbstverständlich ALLE zu It ain’t necessarily so“ von Bronski Beat tanzten! Tokio Hotel hingegen werden vermutlich auf den Schulhöfen der Republik, ob in Winnenden oder Emdstetten, als Schwuchteln verhöhnt.

Gibt in den USA übrigens eine Gay Hip Hop-Fraktion voll mit Latinos und Schwarzen, bemerkenswert, dass das hier niemanden interessiert. Gab hier in Hamburg meines Wissens das „Oriental Kitchen“, war da nie, war aber – man kläre mich auf, ob ich irre – eine Veranstaltung für Schwule mit „Migrationshintergrund“.

Diese bigotten Externalisierungen von La Dottoranda sind einfach nur erbärmlich, und jetzt mal ganz im ernst, welcher Deutschtürke ist denn bitte so bekloppt, einerseits sich mit Integrationsforderungen konfrontiert zu sehen ganz unabhängig davon, was er real so treibt,  um dann gleichzeitig den hehren Kämpfern gegen die Homo-Ehe ein Coming Out zu präsentieren? Das doppelte Stigma ist natürlich ein attraktives Lebensziel …soll der sich in die Stereotype aus der Bully-Parade „integrieren“, damit der Heizpilz ihn dann pervers finden kann?

Was mir hingegen sehr oft auffällt, das ist die körperliche Selbstverständlichkeit, mit der z.B. deutschtürkische Jungs körperlich miteinander umgehen – und nein, das deute ich nicht als schwul. Die gehen Arm in Arm durch den Park, begrüßen sich mit Küßchen – aber spätestens die Vierte Generation wird den Abgrenzungsbedarf der „deutschen Gesellschaft“ wahrscheinlich endgültig internalisiert haben. Im Einbürgerungstest dann „Ich finde Schwule voll dufte!“ ankreuzen und beim Fusssball den Schiri als Schwuchtel beschimpfen. Das alles ist Deutschland … voll integriert.