Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Balkonien versus “Naturzweckhaftigkeit”: Klappe halten beim Anblick der Balkonpflanzen aus dem Gartencenter (zufällig gerade meine “Ästhetische Theorie” auf dem Küchenregal wiederentdeckt)

“”Wird nach bürgerlicher Sitte Menschen als Verdienst angerechnet, daß sie so viel Sinn für Natur hätten – meist ist er ihnen bereis zur moralisch-narzißtischen Befriedigung geworden: wie gut müsse man sein, um so dankbar sich freuen zu können – , so ist kein Halten mehr bis zum Sinn für alles Schöne aus den Heiratsannoncen, als den Zeugnissen armselig geschrumpfter Erfahrung. Schwerlich ist etwas von ihr im organisierten Tourismus übrig. Natur zu fühlen, ihre Stille zumal, wurde zum seltenen Privileg und es wiederum kommerziell verwertbar. Damit jedoch ist die Kategorie des Naturschönen nicht einfach verurteilt. Die Abneigung, von ihm zu reden, ist dort am stärksten, wo Liebe zu ihr überlebt. Das Wort “wie schön” in einer Landschaft erletzt deren stumme Sprache und mindert die Schönheit; erscheinde Natur will Schweigen, während es jenen, der ihrer Erfahrung fähig ist, zum Worte drängt, das von der monadologischen Gefangenschaft für Augenblicke befreit. Das Bild von Natur überlebt, weil seine vollkommene Negation im Artefakt, welche dies Bild errettet, notwendig gegen das sich verblendet, was jenseits der bürgerlichen Gesellschaft, ihrer Arbeit und Waren wäre.”

Theodor W. Adorno, Ästhetische Theorie, Frankfurt 1995, S. 108

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