Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Adorno und Homophobie – 1.) Minima Moralia

“Ein zähes Nachleben sollte dieses Stereotyp und die Idee eines inneren Zusammenhangs zwischen Nationalsozialismus und Homosexualität in den von psychoanalytischen Ansätzen beeinflußten linken Theorien haben. Der Literaturwissenschaftler Andrew Hewitt arbeitet in seiner Untersuchung “Political Inversions – Homosexuality, Fascism an the Moderbist Imaginary heraus, dass die “Homosexualisierung des Faschismus”  – die in Adornos Diktum “Totalitarismus und Homosexualität gehören zusammen” in “Minima Moralia” gipfelte – in den Theorien der Frankfurter Schule eine zentrale Rolle gespielt hat.”

Homosexualität und Staatsräson: Männlichkeit, Homophobie und Politik in Deutschland 1900-1945
Von Susanne Zur Nieden
Veröffentlicht von Campus Verlag, 2005, S. 43

Na, wo jetzt Benno Ohnesorg von der Stasi erschossen wurde, können wir ja ruhig wieder den §175 einführen. Weil: Vor ’68 war die Welt ja völlig in Ordnung und spießig schon mal gar nicht. Das kam alles erst dann. Die Nazis ware die Anti-Spießer mit ihrem Gehorsam, ihren Uniformen,  ihren Mütterkreuzen und ihren Keulen schwingenden BDM-Mädchen mit deren langen, blonden Zöpfen, und danach war wieder alles gut, aber nicht spießig. Weil’s  im Adenauer-Deutschland Privileg Adornos war, homophob zu intrigieren; dass dies möglich war, überhaupt durch derartige Anspielungen Professuren zu verhindern, hat die damals schon gültige Herrschaft der Kritischen Theorie im akademischen Kontext bewirkt (Heideggerianer prusten bitte: Jetzt!).

Konservative und Christen fochten derweil fröhlich und libertär  für die Homo-Ehe, die wirtschaftliche Unabhängigkeit der Frau vom Manne, retteten masssenhaft unehelich Schwangere vor dem Freitod, schubsten Arbeiterkinder in Universitäten,  und vollbrachten – so Guido Knopp – eine gigantische Integrationsleistung durch Wiedereingliederung der Nazis in Behörden, Staatssekretariate und Justiz, was dann eigentlich nichts anderes war als ein Versuch, Homosexuellen den roten, sorry, war nicht so gemeint,  Teppich im neuen Staat auszurollen.

Doch dann kam der Mief in Gestalt von Dutschke und Konsorten über uns wie das Unheil in die Heide, und die Orgie war vorbei. Ist ja eh bei jeder Lektüre von Gaywest zum Beispiel offenkundig, dass Schwulenfeindlichkeit ein linkes Projekt ist seit des “Apostel” Paulus Zeiten, dieser olle Sozi mit seiner Sympathie für das griechisch-heidnische Erbe im Zuge des Jüdisch-Christliche-Traditionen-Begründens, die Aufklärung von langer Hand vorbereitend: Das ist Europa!

Kenne Frau Zur Nieden nicht und habe googlend eben nur jene Passage ihres Werks gelesen; diese Theorie ist in der Tat mir persönlich aus feministischen Zirkeln zu Ohren gekommen in den 80ern, an allerhand Spuren dieser Topoi in Schriften zum Faschismus von Adorno und seinem Umfeld meine ich mich zu erinnern – aber wie unten in der Kommentarsektion bereits gesagt: Recherchiere ich noch.

Ansonsten kenne ich das eher aus der BILD, die zu Beginn des neuen Jahrtausends eine Biographie zitierend Hitler für schwul erklärte – bei Erich Fromm galt der noch als nekrophil -; auch von Kommentaren Konservativer in diversen Blogs, die der These, das “3. Reich” sei ein schwules Projket gewesen, nur allzu willig folgen, um zugleich wutrot sich zu erregen, dass es eine Frechheit von den Arschfickern sei, sich mit Juden auf eine Opfer-Stufe zu stellen, die Perversen seien ja noch nicht mal in richtigen KZs gewesen und sollten gefälligst ihre Klappe halten, wo da eh meistens ein Schwanz drin steckt.

Nun reibt man sich angesichts diesen Adorno-Zitates oben im Text zunächst erschrocken die Augen, blättert nach – in der Stelle, die soeben ich fand, steht: “Totalität und Homosexualität gehören zusammen.” Vielleicht steht das Zitat oben ja woanders.  Ist von Adorno vermutlich auch nicht freundlich gemeint, aber dann doch was anderes, oder irre ich?

Er ereifert sich über “Tough Guys”, die im Smoking Whiskey-Soda trinken und ihre Unabhängigkeit demonstrieren, während allein sie abends in die Wohnung selbstzufrieden zurück kehren, diese Isolationisten ohne Weib, verdächtig,  um dann – ich stückel jetzt – sich weiter hin zum Folgenden zu assoziieren:

“Wenn alle Lust frühere Unlust in sich aufhebt, dann ist hier die Unlust, als Stolz sie zu ertragen, unvermittelt, unverwandelt, stereotyp zur Lust erhoben: anders als beim Wein, läßt jedem Glas Whiskey (Nörgler, Du bist gemeint!), jedem Zug an der Zigarre der Widerwille noch sich nachfühlen, den es den Organismus gekostet hat, auf so kräftige Reize anzusprechen, und das allein wird als die Lust registriert. Die He-Männer wären also ihrer eigenen Verfassung nach, als was sie die Filmhandlung meist präsentiert, Masochisten. Die Lüge steckt in ihrem Sadismus, und als Lügner erst werden sie wahrhaft zu Sadisten, Agenten der Repression. Jene Lüge aber ist ist keine andere, als daß verdrängte Homosexualität als einzig approbierte Gestalt des Heterosexuellen auftritt. (…) Am Ende sind die tough guys die eigentlich Effiminierten, die der Weichlinge als ihrer Opfer bedürfen, um nicht zuzugestehen, daß sie ihnen gleichen. Totalität und Homosexualität gehören zusammen. Während das Subjekt zugrunde geht, negiert es alles, was nicht seiner eigenen Art ist (das kenne ich aus liberalen Blogs). Die Gegensätze des starken Mannes und des folgsamen Jünglings verfließen in einer Ordnung, die das männliche Prinzip der Herrschaft rein durchsetzt. Indem es ohne Ausnahme, auch die vermeintlichen Subjekte, zu seinen Objekten macht, schlägt es in die totale Passivität, virtuell ins Weibliche um.”

Theodor W. Adorno, Minima Moralia, S. 72-73, Frankfurt/M. 1951

Wozu braucht der denn da eigentlich die Homosexualität? Für seine dialektischen Schlenker? Und wieso ist das Weibliche passiv? Er meint wohl, in den Augen der He-Men sei das so, und man kann ja doch froh sein, das es mittlerweile auch Frau Schwarzer und Frau Butler gab, wenn man das liest. Und  hätte Adorno sich mal mit Frau de Beauvoir und Herrn Sartre ernsthaft beschäftigt, anstatt den Existentialismus sich über angeklebte Bärte zu erschließen,  dann hätte die Passage doch eigentlich die Chance gehabt, gar nicht so blöd zu sein – wenn man diese Albernheiten über das, was der Herr sich unter Homosexualität vorstellte (und wie mancher sie zu seiner Zeit wohl auch leben mußte, der Teddy  konnte ja nicht mal eben in der Wunderbar oder von mir aus auch im “Tom’s” vorbeischauen, schade, die Texte wären ein Spaß geworden, die dabei rausgekommen wären!,  und kannte vermutlich auch all die damaligen Treffpunkte nicht, sondern nur Golo und Thomas Mann) und den dämlichen Satz mit der Totalität streicht, dann kann ich mit dem Gedankengang schon was anfangen …

47 Antworten auf Adorno und Homophobie – 1.) Minima Moralia

  1. chezweitausendeins Mai 22, 2009 um 10:55 pm

    Unterbreche reumütig meinen Abschied. Klasse Beitrag, einfach geil!

  2. Lina Mai 23, 2009 um 9:25 am

    >>> Indem es ohne Ausnahme, auch die vermeintlichen Subjekte, zu seinen Objekten macht, schlägt es in die totale Passivität, virtuell ins Weibliche um.

    Woraufhin Du fragst, wieso das Weibliche passiv sei. Als Frau würde ich es sowieso nicht passiv, sondern hinnahmefähiger (als das Männliche) nennen – was ja an sich ein schöner Zug ist, und zur gewollten Aktivierung von Abwehrkräften hat es imho – anders, als Du es siehst – Beauvoir oder Schwarzer nicht unbedingt gebraucht – eigentlich den ganzen Feminismus als ‘ismus’ nicht, der in seiner ‘ismen’-Rigorosität nun, wie man hört, den Effekt einer dramatischen Schwächung des wiederum anderen Geschlechts zeigen soll. Meine (verwegene?) Theorie dazu ist ja, dass der als betont männlich geltende Südländer, der sog. Macho, auch der Schlägertyp, als Antipode des Geschwächten überlebenstechnisch (von ‘Unsichtbarer Hand’?) hereingeholt werden ‘musste’, um die alte Homogenität der Geschlechter, respektive deren Vermehrung zu gewährleisten. Gehe ich hier der Evolutionsbiologie auf den Leim … oder kann man es nicht auch als ‘Laie’ so sehen?

    Ich persönlich finde das zwar bedauerlich, fühle mich aber in diesen undurchsichtigen Dingen, auf den Meta-Ebenen der Geschlechterbeziehungen sozusagen, nicht wirklich zuständig. Fragt sich nur, wer oder was zuständig ist; die Natuuuuur? Ich glaube, Pascal hat das zyklisch Notwendige von Exzessen (wie der exzessive Feminismus imho einer war) – um zu einer ‘Mitte’ zu kommen – als durch ‘Gotteshand’ gegeben begriffen und beschrieben. Wäre also die Frage, was Gott gerade will, hierzulande? Vermehrungsstopp durch alternative Modelle oder doch nur wieder den alten Stiefel … ? Oder erwächst ‘Segensreiches’, was + wie auch immer, nuuuur aus der mal zeitlupenhaft, mal zeitrafferisch laufenden Evolution ;-) ?

    (Guter Artikel übrigens, und guuuut, nebenbei die inkriminierten 68er auf süffisante Weise rehabilitiert zu haben! Ich roll’ Dir den echten, roten Teppich dafür aus … )

  3. momorulez Mai 23, 2009 um 10:43 am

    @lina:

    Na, zumindest hat es Schwarzer und de Beauvoir und Butler schon mal im Rahmen der Theoriebildung gebraucht, ganz ab von der lebensweltlichen Wirkung. Und man muss, glaube ich, nur an die “Frau am Steuer” und “Frauen dürfen kein eigenes Giro-Kontop haben”-Diskussionen denken, reine Pimp-Debatte, deshalb nimmt man das den Hip Hoppern ja so übel, an die “Die Ehe muss vollzogen werde, und wer’s nicht tut, liefert schuldhafte Scheidungsgünde”-Diskussion zurück denken, um zu begreifen, dass es ja nicht darum geht, ‘nen scharfen, potenten Typen abzubekommen, die der Feminismus dann angbelich allesamt entsaftet hätte, und schon gar nicht um “Natur” oder “Gott”, sondern soziale Fragen, die hinter der Geschlechterdiskussion stehen.

    Und wer bei Sinnlichkeit und Begehren an Effzienz und Vermehrung zuallererst denkt, der ist eh tief im Sumpf des Heteronormativen und somit immer auch Homophoben längst versunken, da taucht dann immer der Topos der “Toten Sexualität Schwuler” auf, weil da keine Kinder bei rauskommen, und das ist einfach nur ein kruder Funktionalismus.

    Kühnen und andere Neonazis – ist ja nicht so, dass es da keine Schwulen gäbe – haben sich in ihrem geballten Schwachsinn im selben Dispositiv bewegend dann einfach als “höhere Stufe der Evoltuion, von der Fortpflanzungstätigkeit und Kinderaufzucht enthoben” verstanden, was eben alles einfach nur dämlich ist.

    Wer beim Ficken an die Evolution denkt und nicht an den Partner, der hat schlicht einen an der Waffel.

    Deine “alte Homogenität der Geschlechter” hat es doch nie gegeben, das ist eine bürgerliche Erfindung, und was meinst Du, wie die Trümmerfrauen abgekotzt haben, als ihre Kerle aus dem Krieg wiederkamen, und um diese zu unterjochen unter anderem wurde dann die “alte Homogenität der Geschlechter” erfunden.

    Gibt es ja tolle literarische Werke, “Die Erfindung der Currywurst” zum Beispiel, ich mag auch die Verfilmung von “Kalt ist der Abendhauch”, und “Draußen vor der Tür”, was ja irgendwie verschwunden ist aus Diskussionen, zeigt dann die andere Seite.

  4. lysis Mai 23, 2009 um 10:52 am

    Da kannst du dich aber noch mit einigen Zitaten mehr auseinandersetzen:


    “Im faschistischen Kollektiv mit seinen Teams und Arbeitslagern ist von der zarten Jugend an ein jeder ein Gefangener in Einzelhaft, es züchtet Homosexualität.” (DdA, 290)

    “Das in Aggression umgesetzte Verpönte ist meist homosexueller Art. Aus Angst vor der Kastration wurde der Gehorsam gegen den Vater bis zu deren Vorwegnahme in der Angleichung des bewußten Gefühlslebens ans kleine Mädchen getrieben und der Vaterhaß als ewige Ranküne verdrängt. In der Paranoia treibt dieser Haß zur Kastrationslust als allgemeinem Zerstörungsdrang.” (DdA, 217 f.)

    “Die pathische Projektion ist eine verzweifelte Veranstaltung des Ichs, dessen Reizschutz Freud zufolge nach innen unendlich viel schwächer als nach außen ist: unter dem Druck der gestauten homosexuellen Aggression vergißt der seelische Mechanismus seine phylogenetisch späteste Errungenschaft, die Selbstwahrnehmung, und erfährt jene Aggression als den Feind in der Welt, um ihr besser gewachsen zu sein.” (DdA, 218)

    “Solche, von den Oberen, weltlichen wie geistlichen, einst sorgfältig gezogene und gehegte Feindschaft der Untersten gegen das ihnen verkümmerte Leben, mit dem diese, homosexuell und paranoisch, durch den Totschlag sich in Beziehung setzen, war stets ein unerläßliches Instrument der Regierungskunst.” (DdA, 268)

    “So zeigen Homosexuelle eine Art Farbenblindheit der Erfahrung, die Unfähigkeit zur Erkenntnis von Individuiertem; ihnen sind alle Frauen in doppeltem Sinne ‘gleich’.” (GS Bd. 8/I, 84)

    Gibt sicher noch viele Stellen mehr, Stoff für noch so manchen philologischen Aufsatz. Ich hab immer dafür plädiert, sie als Dummheit abzutun und der Vergessenheit zu überantworten: “Schwamm drüber, Dorno! Wir alle haben schon mal Mist gebaut. Ich selber habe auch so manches geschrieben, für das ich mich eigentlich schämen sollte. Auf Schwule herumzuhacken in dieser Zeit höchster Verfolgung und größter historischer Pein, das war wenig couragiert. Aber damit waren Sie nicht gerade eine Ausname.”

    Worauf ich jedoch extrem allergisch reagiere, ist die Bemühung mancher schwuler Apologeten, exakt diesen Mist wieder auszugraben, über den jeder andere Leser, weil es ihm unwichtig erscheint, achtlos hinweggeht; ihn auszugraben mit der Absicht einer nachträglichen Ehrenrettung und theoretischen In-Recht-Setzung, weil man in diesen Zitaten, ließe man zu, dass sie am Ende nichts als dummes Zeug und schäbige Denunziation wären, eine prinzipielle Gefahr für das Dogma Seiner Unfehlbarkeit sehen müsste.

    Dorni kann ich diese Stellen leichten Herzens vergeben, weil sie nur Marginalien geblieben sind, Dannecker, Krahl und Kunstreich, die daraus ganze apologetische Abhandlungen gezimmert haben, aber niemals.

  5. noergler Mai 23, 2009 um 1:54 pm

    Adorno meinte selbstverständlich sprittig-scharf schmeckende Billigware, nicht jene schottischen Spitzen-Malts, die selbst mit über 60 % Alc. keine Schärfe haben, nicht kratzen, und nach Alkohol weder riechen noch schmecken.

    Hast Du Dich bei den Seiten vertippt? In meiner Ausgabe, die die gleiche wie Deine scheint, ist es p 51 f, der Text “Tough Baby”.

    Adorno sagt, wenn ich ihn nicht gänzlich mißverstehe:
    Je wirkmächtiger die homophobe Ideologie in einem Hetero-Mann ist, um so drastischer müssen die Mittel sein, mit dem er das homophile Element in sich bekämpft (so, wie Platon in seinem Idealstaat Homer verbieten wollte, da er selber noch mit einem Bein in der Bilderwelt des Mythos steht). Daher ein bestimmtes Gehabe; daher der Schwulenhaß. Die notwendig masochistische Selbstbekämpfung betätigt sich nach außen als Sadismus. Diese autoritär-aggressiv-repressive Disposition ist Moment des Totalitären. In diesem Sinn sagt Adorno: “Totalität und Homosexualität gehören zusammen”. Das reibt er gerade nicht den Schwulen, sondern deren Verfolgern rein. Denn die verdrängte und in Folge aggressiv-pervertierte Homosexualität paßt gut zu einem System totaler Herrschaft.

    Es geht aus dieser Stelle und auch aus keiner anderen hervor, daß Adorno der Homosexualität als solcher eine Nähe zum Totalitarismus nachgesagt hätte. Das wäre auch etwas, wogegen sein ganzes Denken ja gerade steht.
    Marcel RR sagt richtig, dass H/A gegen G. Mann nicht eine eigene Homophobie, sondern die der anderen eingesetzt haben, zu Zwecken, die mit schwul/nichtschwul überhaupt nichts zu tun hatte. Das ist dann immer noch eine üble Aktion (sofern es den Brief tatsächlich gegeben hat), es ist aber keine Aktion übler Homophober. Die üblen Homophoben sind die anderen, bei denen der Trick funktionierte, was seinerseits diejenigen nicht entschuldigt, die den Trick anwandten.

  6. momorulez Mai 23, 2009 um 3:29 pm

    @Lysis:

    Oh, Danke für die Zitate, ich fing ja gerade erst an, die mal wieder hinauszusuchen. Und ich denke schon, dass man gucken muss, wo die sozusagen “in’s Herz” der Theorie vorstoßen, diese Gedankensplitter, was ja dann genau das ist, was Du und Foucuault und ich, als ich noch dazu kam, als “Freudomarxismus” eben für obsolet halten. Ich picke mir da mal welche raus für eigene Einträge, um das vielleicht an Beispielen vertiefen zu können, was da so gemeint ist, weil ich glaube, dass da eventuell doch mehr in alltäglichen politischen Diskussionen auftaucht, als man das so glaubt.

    Und ich bekenne ja, die von Dir Genannten mal ab von dem Krahl – war’s nicht Adorno, der an die Wand sprühte ei der Institutsbsetzung “In diesem Krahl heulen die Wölfe?”, falls der gemeint ist – gar nicht zu kennen, also Dannecker und Kunstreich :-( … um ja ansonsten es sogar mit Adorno für unsinnig zu hlaten, ihn nun für unfehlbar zu erklären. Der war zwar hoch elitär und hat sich gerne in die Position des Sehers begeben, darin – rein vom Gestus, nicht von der Rationalität des Denkens her – Heidgger gar nicht so unähnlich, aber wenn man das Prozessuale seiner dialektischen Denkbewegungen außer acht läßt und somit zu einer adornitischen Dogmatik vorstößt, dann ist das widersinnig und deutlichst gegen Adorno, zumindest, den späteren, gedacht.

    Was mich ja sehr erschrocken hat, ist, was bei Dir im Blog z.B. über die Diskussionen in Griechenland stand. Das also die Topoi im Eingangszitat gerade reanimiert werden. Das ist ganz schön gruselig.

    @Nörgler:

    Nee, die stimmen, die Seitenzahlen, ich habe hier einen Nachdruck der Originalausgabe von 1951, der zum 50. Jahrestag 2001 erschienen ist. Mit weißer Schrift auf Terracotta, den Titelschriftzug betreffend.

    Und so sympathisch mir Deine Deutung ist, und sie kann ja wahr sein und passt freilich auch zu meinem sonstigen Adorno-Verständnis, passt, ich lese das schon ganz platt, dass, wenn die weibliche Ergänzung fehlt, auf die Begehren der Vollständigkeit halber sich zu richten hat, eben diese Sadomasochismen losgehen, die das Innermännliche umkreisen:

    “die das männliche Prinzip der Herrschaft rein durchsetzt”

    und so lese ich auch die anderen Zitate da oben – dass es “homosexuelle Aggression” gäbe, nicht etwa nur die der Heten gegen Schwule, und diese sich aus einer pathologischen Entwicklung in diesem Fall im Rahmen der Vaterbeziehung verdanken würde, Ödipus lief schief, so ist ja die Freudsche Herangehensweise an Schwule, was zur Nicht-Kenntnis des Weiblichen führte und somit in wechseitige Unterwerfungsspiele.

    Wirkt ein wenig wie Idealisierung des Ewig-Weiblichen, liege ich da richtig, oder habe ich einfach nur meine Balkonpflanzen im Kopf (endlich dunkelviolette Petunien in den Kästen!!! Im Pflanzencenter gewesen!)?

  7. Lina Mai 23, 2009 um 5:02 pm

    … unter anderem wurde dann die “alte Homogenität der Geschlechter” erfunden.

    Also mal halblang: als seien Mann und Frau nicht in Verkörperung zweier unterschiedlicher Prinzipien (na, dämmert wenigstens das I Ging?) ergänzungshalber füreinander ‘gemacht’ … mit der Möglichkeit, sich selber ein paar Nachkommen zu ‘machen’. Du musst mir schon zugestehen, mir ein paar über das ‘Ficken’ hinausgehende Gedanken zur Evolution zu machen, die sich wohl keiner, auch ich nicht, während desselben macht (-; …

    Und was die rechtliche Seite der Frauenbewegung angeht: da waren andere vorn, vor Beauvoir, Schwarzer oder Butler, die in zäher parlamentarischer Arbeit Wahlrecht, eigenes Konto, neues Scheidungsrecht etc. pp. durchgeboxt haben. In Deutschland z. B. ganz vorne die LIBERALE Hamm-Brücher (kürzlich ein eindrucksvolles Interview mit der 88jährigen gesehen) zus. mit einigen hartnäckigen konservativen (!) Frauen, lange bevor Schwarzer sich erfolgreich für die Abtreibung stark machte.

    Und Du weisst, ja: in seinem Extrem ist das weibliche Prinzip für mich mindestens genauso angreifbar wie das männliche (wenn nicht mehr … aber das hatten wir schon), weshalb ich (ja, tatsächlich!) lange und noch ganz ohne Theorie davon ausgegangen bin, dass schwule Männer ganz einfach die Klügeren seien, wenn sie sich sowas nicht antun wollen. Enttäuschenderweise isses aber gar nicht so, nö, sie imitieren sie sogar, eifern ihnen nach und hören Putschiiiiini wie sie (-; – what the hell veranlasst sie dazu, da gelegentlich sogar noch einen drauf zu machen ((((-: ?

    Na ja, IRONIE sagst Du, plus Verehrung … *grin* …

    Aber Petunien sind OK :-)

  8. noergler Mai 23, 2009 um 6:50 pm

    Vorweg der Hinweis, dass ich mich schon mit versäulenheiligungsbeflissenen Adorniten geprügelt habe, als Lysis noch nicht mal das gierige Glitzern in den Augen seines Erzeugers war.

    “Im faschistischen Kollektiv mit seinen Teams und Arbeitslagern ist von der zarten Jugend an ein jeder ein Gefangener in Einzelhaft, es züchtet Homosexualität.”
    Dass Bedingungen Verhalten beeinflußen, ist banal. Adorno sagt hier nicht, dass Schwule die natural born Nazis sind. Zu den Teams des Glaubenslagers St. Pölten kommentierte Jutta Ranke-Heinemann, die kath. Kirche verdammt die Schwulen, um hinter diesem Verbalvorhang ihre homophilen Biotope zu schützen. Ist die Frau jetzt auch homophob?

    “Das in Aggression umgesetzte Verpönte ist meist homosexueller Art.” Genau so. Wer Homosexualität verpönt, setzt das in Aggression um. Der Satz richtet sich nicht gegen Schwule, sondern gegen deren Verfolger. Ist doch nicht so schwer zu verstehen, oder? Anders gefragt: Wenn der Text selbst keine Schwierigkeiten bietet, und es dennoch nicht verstanden wird – was ist der Grund?

    “Die pathische Projektion ist eine verzweifelte Veranstaltung des Ichs, (…): unter dem Druck der gestauten homosexuellen Aggression vergißt der seelische Mechanismus seine phylogenetisch späteste Errungenschaft, die Selbstwahrnehmung, und erfährt jene Aggression als den Feind in der Welt, um ihr besser gewachsen zu sein.” (DdA, 218)

    Man muß sich, obwohl das am Ende des Satzes (ab “und erfährt …”) gleich miterläutert ist, klar machen, was bei H/A “pathische Projektion” bedeutet. Es ist ein Verfahren, das Negativeigenschaften in andere hineinverlegt, um diese Eigenschaften an ihnen bekämpfen zu können (‘Jude ist raffendes Kapital und Volksschädling’). Die gegen Schwule gerichtete pathische Projektion verdankt sich “dem Druck der gestauten homosexuellen Aggression” dessen, der eigene homophile Tendenzen verdrängt, was zu “Druck” und “Stau” führt. Er erfährt diese seine eigene Aggression dann als den externen homosexuellen Feind in der Welt, um der Welt besser gewachsen zu sein.

    Jetzt haben wir schriftenübergreifend schon drei Stellen (inkl. der MM-Stelle), welche die Kontinuität Adornos in diesem Punkt zeigen. Vom “Herumhacken auf Schwulen” jedenfalls kann keine Rede sein.

    Das Zitat “Solche, von den Oberen, weltlichen wie geistlichen, einst sorgfältig gezogene und gehegte Feindschaft der Untersten gegen das ihnen verkümmerte Leben, mit dem diese, homosexuell und paranoisch, durch den Totschlag sich in Beziehung setzen, war stets ein unerläßliches Instrument der Regierungskunst” (DdA, 268 (?)) – da ergibt “homosexuell” für mich überhaupt keinen Sinn, nicht mal einen homophoben, offenbar weil ich den Zusammenhang nicht nachlesen kann.

    Auch bei “So zeigen Homosexuelle eine Art Farbenblindheit der Erfahrung, die Unfähigkeit zur Erkenntnis von Individuiertem; ihnen sind alle Frauen in doppeltem Sinne ‘gleich’.” (GS Bd. 8/I, 84) würde mich das Davor und Danach interessieren. So wie es da steht, klingt der erfahrungsgehemmte Schwule allerdings durchaus nach dem kulturunfähigen Neger. Ich hatte noch nie ein Problem, Scheiße zu schreien, wenn Adorno Scheiße schreibt. Allerdings ist die Alternative zum Säulenheiligen nicht dessen 180-Grad-Drehung.

    Die These vom homophoben Adorno kann Lysis bisher nicht belegen. Vor der Gefahr der pathischen Projektion müssen wir uns wohl alle hüten.

    Mit der “Ordnung, die das männliche Prinzip der Herrschaft rein durchsetzt”, meint er den Spätkapitalismus, die Ordnung des vollständig durchgesetzten Kapitals. Das wiederum klingt ein wenig nach den Theorien der “Exit”-Gruppe (R. Kurz), wo man schon mal lesen kann, dass “das automatische Subjekt nicht geschlechtsneutral ist”. Die Geschlechtlichkeit des Kapitalbegriffs muß so was Ähnliches sein, wie “theoretische Ebenen” und “gesellschaftskritische Projekte”.

  9. momorulez Mai 23, 2009 um 8:29 pm

    @Lina:

    “Also mal halblang: als seien Mann und Frau nicht in Verkörperung zweier unterschiedlicher Prinzipien (na, dämmert wenigstens das I Ging?) ergänzungshalber füreinander ‘gemacht”

    Ja, ja, wie die Lego-Steine, vernünftig, praktisch, gut – wenn Du Dich als solcher fühlen willst, dann mal ran an das Stecksystem. Gibt dieses herrliche “Penis, Vagina” von Max Goldt bzw. “Foyer des Artes” ;-) … Walter, Giller, Nadja Tiller: Penis, Vagina! …. muß auch ‘ne Triebkraft sein, die Phonetik, Namen, wie füreinander gemacht. Nett auf der Platte, “Ein Kuss in der Irrtumstaverne”, ist auch das unvergessene “Eingecremeter Arbeiter”. Und “Könnten Bienen fliegen”, wo betrauert wird, das Pferde gar nicht mehr galoppieren, sondern im Rollstuhl sitzen und Selbsgedrehte rauchen. Sorry, aber ein wenig kommt mir Deine Kosmologie da pferdisch vor …

    Was jetzt übrigens auch nicht heterophob zu verstehen sei, für mich gibt#s nur Individuen, und wie schwer das zu denken ist, auch das kann man bei Adorno lernen, weil das falsche Allgemeine sich überall reindrängt wie Nervengift.

    Das ist auch im “kosmologischen I Ging” nicht so, wie Du schreibst, weil Yin und Yan, das Schöpferische und das Empfangende, da nun gerade kosmische Prinzipien sind, die mit Frau und Mann zunächst mal gar nix zu tun haben, sondern eher mit Himmel und Erde. Alles weitere hat dann Konfuzius verbrochen, der Banause.

    Daß beim heterosexuellen Beischlaf Kinder bei rauskommen können, das ist ja ‘ne feine Sache, seitdem es die Pille und andere Verhütungsmittel gibt, daraus nun aber nun eine kosmische Bestimmung füreinander zu machen, das ist mir als Kosmologie doch zu biologistisch. Klar, Heten brauchen sowas, um sich ganz eins mit der Welt zu fühlen, ganz, als brauche man eine Legitimation zum Vögeln, aber so katholisch wollen wir in diesem Blog doch lieber nicht sein.

    Puccini war übrigens ein Mega-Macho, ein Don Juan, und dessen Musik nun als kosmologisch “weiblich” zu deuten, das ist die nackte Angst vor den eigenen Gefühlen … womit wir wieder bei Adorno wären. Schreckliches hat das selbstbeherrschte Subjekt sich antun müssen … komm, geh an den Mast, Odysseus!

    @Nörgler:

    “kommentierte Jutta Ranke-Heinemann, die kath. Kirche verdammt die Schwulen, um hinter diesem Verbalvorhang ihre homophilen Biotope zu schützen. Ist die Frau jetzt auch homophob?”

    Ja, in der Hinsicht tatsächlich, obwohl sie es ja gut meint.

    12jährige vergewaltigen und schlagen und demütigen – gerade bei irischen, christlichen Internaten ja aktuell groß diskutiert, für Jungs wie für Mädchen – ist ja nicht homophil, sondern Scheiße.

    Man macht ja auch an ihre Töchter befingernden Familienvätern keine Aussage über Familien und Heterosexualität als solcher und im Allgemeinen fest, in Linas Kosmologie tauchten all die besoffenen, unrasierten Onkels, die auf kleine Nichten losrauschen, seltsamerweise auch nicht auf. Dabei könnten die ja kosmologisch füreinander bestimmt sein …

    Und die Züchtung von Homosexualität in faschistischen Teams, ich bitte Dich – auch wenn Umstände natürlich was mit Menschen machen, die sich drin aufhalten, ist das doch eine etwas krude Kausalvorstellung.

    Zudem sich da schon wieder der Topos der nicht-beziehungsfähigen Schwulen einschleicht, “Einzelhaft” + “Homosexualität” zusammen gedacht, das ist auch so eine Freud-Verseuchung und zielt wieder darauf ab, dass es unversehrte Intersubjektivität nur zwischen Man und Frau geben könne. Ich glaube, dass dem normalen Heterosexuellen auch nicht bewußt sein kann, was für ein Psychoterror gerade auf dem Gebiet ausgeübt wird, und als Dean mir hier neulich Narzißmus und Borderline diagnostizieren wollte, habe ich das ganz selbstverständlich als homophob rezipiert, obwohl es das noch nicht mal gewesen sein muß, das ist aber der Klassiker, “Schwule sind narzißtisch” – rein instinktiv habe ich so reagiert, weil diese weit verbreiteste Form der Homophobie immer als Glücksdiskurs auftritt, und das können ja nur die Massen von Gesunden sein, glücklich. Deshalb ahben sich all die heterosexuellen Feuilleton-Redakteure ja auch so gefreut, die unglückliche Homosexualität des Golo Mann so breit treten zu dürfen, bis in Details hinein, die bei keinem heterosexuellen Historiker jemals auch nur Erwähnung fänden.

    Das zieht sich z.B. durch den Streit um das Adoptionsrecht für Schwule hindurch wie ein roter faden, dass ja nur Mann und Frau zusammen glücklich sein können, so als kosmologische Ergänzung, und alles andere Kindern schlicht nicht zuzumuten sei.

    Weil die Schwuppen ja ein Psychogenese wie in der HJ hinter sich haben und nicht der warmem und fühlenden Weiblichkeit sich aussetzten, sondern stattdessen beziehungslos in innerer Einzelhaft in irgendwelchen Darkrooms vögeln. Nicht ist wirkmächtiger als genau das, und ich denke schon dass das bei Adorno mitschwingt, im Einzehaft-Zitat ebenso wie bei “Tough Guys” im Smoking. Wer keine Gretel hat, ist unvollständig und somit von der utopischen Versöhnung in Natürlichkeit entfernter als andere.

    Das mit dem Verpönten kann man auch anders lesen. Dass die Aggression selbst homosexueller Art ist, und sei sie auch verpönt, was ja so ist, und damals nochmehr war.

    Das ist aber wie mit der “pathischen Projektion”,die mir sehr wohl geläufig war, ich bin inmitten dieser ganzen Scheiße, also inmitten von Psychoanalyitikern, Sozialarbeitern und solchen aufgewachsen und habe gewußt, was “katatymes Bilderleben” ist, bevor ich die Abseitsregel kannte (wobei ich ersteres wieder vergessen habe, letzteres nicht), und bei uns zu Hause hat man nicht “Du Arschloch”, “Zicke”, “Setz Dich ordentlich hin!” gesagt, sondern “Du bist aber auch neurotisch!”, “Du projizierst!”, “Das ist eine Deckerinnerung!”, “Komm, das ist jetzt aber pathologisch!”, “Wir sind aber auch alle agressionsgehemmt (und das ist auch gut so)”, und “Gib’s doch zu, dass Du jetzt eigentlich gerne onaieren würdest!”.

    Ich muss, wie Du ja auch schreibst, einfach noch mal in den Kontext gucken, um das genauer zu formulieren, was ich meine, und finde meine “Dialektik der Aufklärung” nicht. Das ist verzwickter, als Du es schreibst, gerade in den Passagen mit den “”pathischen Projektionen” in den “Elementen des Antisemitismus”. Ich mach da noch mal was draus, wen ich diese doofe Buch endlich wieder finde, habe hier nicht genug Regale und Stapel neben Stapel umrunden mein Sofa, ich kann es einfach nicht entdecken …

  10. Lina Mai 23, 2009 um 9:51 pm

    @ momorulez

    >>> … daraus nun aber nun eine kosmische Bestimmung füreinander zu machen, das ist mir als Kosmologie doch zu biologistisch.

    Bestimmung aus der Biologie, ja – aber ‘kosmische Bestimmung’? Wo hätte ich sie behauptet? Und ‘Konfuzius, der Banause’, ist für gewachsene hierarchische Strukturen nicht verantwortlich zu machen; er hat sie nur abgebildet. Aber es kommt noch besser:

    >>> Klar, Heten brauchen sowas, um sich ganz eins mit der Welt zu fühlen, ganz, als brauche man eine Legitimation zum Vögeln

    … vom Aspekt des Katholischen ganz zu schweigen! Es nervt ein wenig, in der Ausschliesslichkeit des Homo-Klischees vom selbstbeherrschten Hetero einfach so veratmet zu werden … so formt man ein Bild nach seinem Bilde, ein Zerrbild, dass mit der Wirklichkeit des virtuellen Gegenübers kollidiert als ware es ein cosmicComic. Dann bringst Du noch die Nummer mit Putschiiiini; ein Mega-Macho soll der als gewesen sein. Na also: Kitsch wird dadurch nicht besser, dass Schwule ihn goutieren.

    Da bekomme ich doch gleich ‘die nackte Angst vor den eigenen Gefühlen’ … so als zeitgenössische Penelope, die sich (wie die Mosu-Frau) nur wenig Gedanken darüber macht, wo Odysseus, der Gatte, geblieben ist; sie weiss: am Mast ist, biologisch-periodisch gesehen, sein Platz …

    Na, wenigstens bei den Petunien sind wir uns einig ;-)

  11. momorulez Mai 23, 2009 um 10:28 pm

    @Lina:

    “Bestimmung aus der Biologie”

    Sorry, aber wenn Du nicht begreifst, dass es diese biologistischen Naturmetaphysiken waren, die in’s 3. Reich führten, dann lern noch mal was Richtiges, bitte. “Prinzipien, die ergänzungsmäßifg füreinander gemacht sind”, zeig mir mal ein Prinzip in der “biologischen” Wirklichkeit.

    Padonnez-Moi, aber es gibt auch Grenzen hinsichtlich dessen, was ich in meinem Blog zu veröffentlichen bereit bin, sowas kannst du bei Leuten wie Steffen H. posten, aber nicht bei mir. “Bestimmung aus der Biologie”, was soll denn das sinnvoll heißen? Ist Zahnschmerz “Bestimmung aus der Biologie”? Aber Du kannst es auch gerne weiter im Sinne von Zahnschmerzen treiben, viel Spaß.

    Eric Harris hatte “Natural Selection” auf seinem T-Shirt stehen, als er Mädels mitten in die Fresse geschossen hat.

    “Kitsch wird dadurch nicht besser, dass Schwule ihn goutieren.”

    Was ist das für eine beknackte, rhetorische Figur? “Jürgen Drews wird dadurch auch nicht besser, dass Heterosexuelle ihn goutieren”, so ein Satz würde tatsächlich auch nur wenigen aus den Tasten drängen … war aber wahrscheinlich biologische Bestimmung, dass er passierte, der Puccini-Satz. Bildungsbürgerlicher Distinktionsmist ist ja irgendwie auch genetisch bedingt, wahrscheinlich.

  12. Lina Mai 24, 2009 um 5:58 am

    Autorenkino. Wenn Du das, was Du hier unter beleidigend irrwitzigen Bezügen inszenierst, richtiger- und freundlicherweise tiefer gehängt hättest (nämlich dahin, wo es hingehört), dann würde Zahnschmerz wie Phantomschmerz wie Weltschmerz seine ‘Bestimmung aus der Biologie’ ohne weiteres behauptet haben. Aber der Film sollte statt einer Komödie (Lubitsch oder Dante) ein billiges Melodram werden; definitiv nicht mein Genre, schade.

    Petunia non olet :-)

  13. momorulez Mai 24, 2009 um 8:36 am

    Ja, geh Du mal weiter Deinen Naturzwecken nach, und dass Beleidigung immer das Privileg der Anderen ist, das ist ja auch nicht neu … abgesehen davon war Douglas Sirk ziemlich klasse und wußte mehr über jene Themen, die hier zur Diskussion stehen, als sehr viele Biologen …

  14. Lina Mai 24, 2009 um 9:54 am

    Das noch: Auch Geist oder Ungeist leiten sich her aus Funktionen des Biologischen; man kann sie nicht abkoppeln – unglücklicherweise! Heute z. B. trage ich ein T-Shirt mit der Aufschrift im Kasten: ‘Thick of it all’; morgen kann es wieder ein anderes sein. Aber was ist das für eine Basis für einen Diskurs?

    Adorno hat Recht: ‘Wie schön!’ zu sagen, genügt nicht nur nicht, sondern entwertet … was auch ich (wie auch Du) aus einer Laune heraus auch mal vergesse, sorry! Also: “Ich bin dann mal weg’ …

  15. Lina Mai 25, 2009 um 8:22 pm

    Ach, sorry, doch noch was: ‘Sick of it all’ stand auf dem T-Shirt von gestern, und auch drunter war’s mehr ‘sick’ als ‘thick’; Das wollte unbedingt korrigiert sein … des Zerrbilds wegen, das Andere sich von einem formen könnten; man ist ja nicht unempfindlich.

    ‘There is only one thing in the world worse than being talked about, and that is not being talked about”, sagte Oscar Wilde. Anyway (-; …

  16. Michel Mai 26, 2009 um 12:06 am

    “Eric Harris hatte “Natural Selection” auf seinem T-Shirt stehen, als er Mädels mitten in die Fresse geschossen hat.”

    Hätte er sich auf Buben beschränkt, wäre es natürlich nur halb so schlimm gewesen.

  17. momorulez Mai 26, 2009 um 8:14 am

    Nee, war nicht minder grausam, schlimm ist, wenn man glaubt, Biologie und Soziales seien identisch oder letzteres sei gewissermaßen das Oberflächenphänomen biologischer Tiefenstukturen – dann kommt kurz darauf immer irgendwer an und meint, im Sinne dessen auch handeln zu müssen oder zu dürfen …

  18. MomoRules Mai 26, 2009 um 8:56 am

    @Lina:

    Ja, in der Tat, man ist nicht unempfindlich, und bei Deiner Kanonade schwulenfeindlicher Grundmuster, die Du hier nach und nach geparkt hast, kannst Du auch nicht erwarten, das man Dir zujubelt und ausruft “Mönsch, super!”

  19. Lina Mai 26, 2009 um 9:32 am

    Geschenkt, momorulez …

    Erkennbar vorsätzliche + kanonenbewehrte Paranoia des Hauseigentümers wäre eine Erklärung für Parkversuche missliebiger Fahrzeugtypen auf Privatgrund.

  20. momorulez Mai 26, 2009 um 10:10 am

    Klar, ist nur Paranoia, wenn als biologische Naturprinzipien Mann und Frau als Ergänzung zueinander gehören, kurz: Schwule sind widernatürlich und defizitär; Schwule sind weibisch, frauenfeindlich (durch Reproduktion falscher Role-Models) und können kitschverliebt nur emotionalisieren, weil sowas zu wahren Gefühlen ja gar nicht fähig ist – die ekelhafteste Selbstgerechtigkeit in Sachen Heteronormativität ist es, dann jenen, die sich mit genau dieser Scheiße ein Leben lang rumschlagen, auch noch Paranoia zu unterstellen. Weil man die da doch eigentlich gütig toleriert. Auch wenn natürlich Kitsch selbst dann doof, wenn Schwule ihn goutieren – sorry, aber solche Sätze sind so dermaßen Scheiße, dass meine Kommunikationsbereitschaft prompt erlischt. Gehöre da nicht zur Liga mit schwulem Selbsthass, die sich auch no0ch mit Dreck bewerfen läßt.

    Aber keine Sorge, Leute wie Du werden schon dafür sorgen, dass irgendwer glaubt, er habe das “Schwulen-Gen” entdeckt, weil:

    “Das noch: Auch Geist oder Ungeist leiten sich her aus Funktionen des Biologischen; man kann sie nicht abkoppeln – unglücklicherweise!”

    und dann löst man das ganze Problem halt im Zuge pränataler Diagnostik …

  21. Lina Mai 26, 2009 um 12:10 pm

    Q.E.D. – aber darauf darf nach diesen mir schamlos verdreht (und Deiner Paranoia passgerecht) in den Mund gelegten Worten nicht gehofft werden. Deine Ausfälligkeit beweist nur, dass vertrauensvolle Offenheit plus Selbstironie nicht Dein Fach ist; meines isses.

  22. momorulez Mai 26, 2009 um 12:17 pm

    Ja, klar, Du bist da natürlich klar der bessere Mensch, muss biologische Überlegenheit sein … notfalls ist halt immer alles Verdrehung. Kenne ich ja von den B.L.O.G.s. Lauter integre Über- und Mustermenschen (da kommt bestimmt als Antwort: nee, einfach nur normal, im gegensatz zu Dir :-D ), die auf besessene Paranoiker treffen. Ein hartes Los …

  23. Lina Mai 26, 2009 um 1:44 pm

    Wirst Du gerade verbindlich, oder täusche ich mich – wg. des angefügten ‘harten Loses’, meine ich, das Du denen da ‘drüben’ als der emotional Bessere doch bestimmt nicht wünschst, hmm? Ring’ Dich doch einfach durch zur Erkenntnis (wie ich), dass auch ‘integre Über- und Mustermenschen’ (*pah!*) fehlbar sind; sie geben’s bloss nicht zu … was aber auch so jedem auffallen muss, der sich ernsthaft auf sie und ihren hirnförmigen Rechnungsschlüssel einlässt. Das macht übrigens auch den Unterschied von denen zu mir – wenn ich in meiner outstanding ‘biologischen Überlegenheit’ darauf hinweisen darf (-; …

    Was regst Du Dich auf? Die mehrfach gesättigten und damit besseren Argumente (zum Markt …) hast immer noch Du.

    (Nö, wollte nicht ablenken, nur klären.)

  24. momorulez Mai 26, 2009 um 2:02 pm

    Ich bin auch nicht emotional besser, ich bin zickig, rachsüchtig, launisch, grundsätzlich unverbindlich, eifersüchtig, neidisch, chronisch frustriert, polemisch, ein Besserwisser, habe ein massives Nähe- und Distanzproblem – aber ich weiß das wenigstens alles im Gegensatz zu den Von-Sich-Selbst-Abstrhierern vom liberalen Ufer, dass ich eben auch nur als ganz normaler Mensch unterwegs bin.

    Und ich würde Dich dennoch bitten, nicht einfach als Paranoia abzutuen, was tatsächlich nix anderes als hochallergische Reaktionen auf in der Tat homophobe Stereotype sind und somit reine Selbstverteidigung. Die müssen einem auch gar nicht klar sein, und sie wirken doch.

  25. Lina Mai 26, 2009 um 6:47 pm

    >>> Und ich würde Dich dennoch bitten, nicht einfach als Paranoia abzutuen, was tatsächlich nix anderes als hochallergische Reaktionen auf in der Tat homophobe Stereotype sind und somit reine Selbstverteidigung.

    Das hättest du auch gleich so sagen können, anstatt zu unterstellen, mich Dir gegenüber und zum Schaden Deines Blogs bewusst homophober Stereotype zu bedienen; das würde ich nie tun wollen – ich wollte ‘spielen’, spielend klären, genau genommen.

    Was ich aber lernen musste, ist, dass man sich Dir gegenüber (so wie Du Dich oben beschreibst) rein gar nichts erlauben darf, was auch nur einen Verdacht auf Vorurteile + Abgeneigtheiten erregen könnte, der – sorry! – dann aber doch paranoide Züge trägt (-; …

    >>> Die müssen einem auch gar nicht klar sein, und sie wirken doch.

    Die sind mir schon klar; unklar ist mir dagegen, warum man sich für seine sexuelle Orientierung immer noch verteidigen</b< muss. Ich bin für lockeren Umgang zwischen den Gegen- und Gleichgeschlechtlichen; so viel wie möglich spielerisch in Erfahrung bringen vom jeweils Anderen, um zu verstehen. Das kann auch hier nicht falsch sein, dachte ich … fälschlicherweise. Es tut mir leid!

  26. Lina Mai 26, 2009 um 6:49 pm

    Sorry für’s Fette – in seiner ungewollten Verlängerung.

  27. momorulez Mai 26, 2009 um 11:07 pm

    “Die sind mir schon klar; unklar ist mir dagegen, warum man sich für seine sexuelle Orientierung immer noch verteidigen</b< muss."

    Sorry, Lina, aber das ist etwas weltfremd. Da ist typisch für dieses völlig verfehlte Selbstverständnis aktueller, bundesrepublikanischer Debatten- und Gefühlslagen. Gib mal bei Youtube "schwul" als Stichwort ein. Das entspricht der gesellschaftlichen Realität nicht, dass das "nicht mehr" nötig sei. Das als "Paranoia" abzutun nutzt allenfalls jenen, die sich Realitäten verweigern wollen.

    Was meinem Blog nutzt oder schadet, das ist mir ziemlich schnurz. Und wenn Du "antischwule" Sterotype bedienst dann mußt Du hier schon damit rechnen, dass man Dich deutlich darauf hinweist …

  28. Lina Mai 27, 2009 um 9:33 am

    >>> Und wenn Du “antischwule” Sterotype bedienst …

    … dann fällt mein Hinweis auf die fehlende Absicht zu solchem ‘Bedienen’ unter den Tisch …

    Nee, lieber ‘weltfremd’, als mich weiter mit stereotyp wiederholten Anwürfen oder – unter Hinweis auf YouTube! – mit standardisierten Vorurteilen vernageln zu lassen; da halte ich mich lieber offen und zugänglich nach dem Motto: ‘Jedweder Paranoia keine Chance!’

    Schwulsein sei kein abendfüllendes Thema, sagt Corny (nehme an: Littmann) … ‘zu Recht’, sagst Du (-; …

  29. momorulez Mai 27, 2009 um 10:32 am

    Na, das ist jetzt aber die Diktatur des Vorurteils über die Offenheit, was Du schreibst … die komplette Negation des Anderen, sozusagen. Du willst mir meine Erfahrungen ausreden und wegtheoretisieren, ganz wie die Liberalen, die reale Offenheit durch deren Prinzip ersetzen …

  30. Istvan Mai 27, 2009 um 11:35 am

    Naja, wenn Frauen und Männer nicht biologisch zusammengehören würden wäre keine(r) der hier Anwesenden auch nur geboren worden. Dass Vermehrung und Sexualität etwas miteinander zu tun haben lässt sich wohl auch kaum bestreiten; aber – nicht nur. Die Heterosexualität als positive Norm und die Homosexualität als “Abweichung” ist eben ein herrschaftliches Konstrukt zur Erzeihung, Kontrolle und Reglementierung der Massen, damit sie im Sinne kapitalistischer Zweckrationalität funktionieren. Und dann stecken da natürlich auch allerlei Bürgerängste dahinter, die Angst des Biedermanns vor dem eigenen Unbewussten, die Unsicherheit dessen, der sich über seine unreflektierte eigene Rolle sehr sicher zu sein vermeint, dessen Identität aber eine eher aufgesetzte ist. In diesem Sinne treffen die Worte des Nörglers wirklich zu:

    Je wirkmächtiger die homophobe Ideologie in einem Hetero-Mann ist, um so drastischer müssen die Mittel sein, mit dem er das homophile Element in sich bekämpft (so, wie Platon in seinem Idealstaat Homer verbieten wollte, da er selber noch mit einem Bein in der Bilderwelt des Mythos steht). Daher ein bestimmtes Gehabe; daher der Schwulenhaß. Die notwendig masochistische Selbstbekämpfung betätigt sich nach außen als Sadismus. Diese autoritär-aggressiv-repressive Disposition ist Moment des Totalitären. In diesem Sinn sagt Adorno: “Totalität und Homosexualität gehören zusammen”. Das reibt er gerade nicht den Schwulen, sondern deren Verfolgern rein. Denn die verdrängte und in Folge aggressiv-pervertierte Homosexualität paßt gut zu einem System totaler Herrschaft.

    Daraus ergibt sich allerdings nicht, dass in der Selbstverständlichkeit, in der Heteros im Allgemeinen ihr heterosexuell sein akzeptieren bereits Homophobie angelegt wäre. Zwischen pathischer Projektion einerseits, Normalisierungs/Anpassungsdruck/Vorurteilen zweitens und schwule Befindlichkeiten einfach nicht kennen zum Dritten liegen kategoriale Unterschiede.

  31. Lina Mai 27, 2009 um 11:52 am

    >>> Du willst mir meine Erfahrungen ausreden und wegtheoretisieren, ganz wie die Liberalen, die reale Offenheit durch deren Prinzip ersetzen …

    Nein, will ich nicht! Und hör’ auf, denen, die sich kontrollierter äussern als andere, pauschal ihre Erfahrungs- und Lebensfähigkeit abzusprechen; das haben sie so nicht verdient, auch wenn sie sich nicht (wie gewünscht) als offen + zugänglich erweisen; können ja auch nicht alle auf ein so beachtliches Register an ex- und implosiven Eigenschaften verweisen, wie Du sie für Dich reklamierst, äussern sich also nach ihren Möglichkeiten.

    Man könnte meinen, Du hättest nie was von RadiXXen gehört (-; …

  32. noergler Mai 27, 2009 um 11:53 am

    @ Momorulez

    Die typischen Areale des Täterschutzes
    Die Nähe des Begriffs des Biotops zum Pflanzlich-Tierischen und insoweit Subhumanen mag Dich dazu bewogen haben, in Ranke-Heinemanns Bemerkung über die “schwulen Biotope” der kath. Kirche Homophobes zu sehen.
    Nun fiel die Bemerkung im Zusammenhang mit St. Pölten, einem Horrorkabinett an Priesterseminar, in dem Saufgelage mit Nazi-Parolen und Kinderpornos gefeiert wurden, Vorgänge, die innerhalb einer kath. Kirche stattfanden, die traditionell, unausgesetzt und global flächendeckend durch Doppelmoral, Heuchelei, Vertuschung, Leugnung, Aktenverfälschung, Beweisunterdrückung und Opferbedrohung ein System installiert hat, das als Biotop zu bezeichnen ein Euphemismus ist, weil es sich tatsächlich um institutionalisierte Areale des Täterschutzes handelt, die Täter jeglicher sexueller Orientierung schützen, wobei die Orientierung in St. Pölten nicht eine jegliche war, weswegen Ranke-Heinemann aus gegebenem Anlaß von schwulen Biotopen sprach.

    Die schwulen Negerjuden: typisch
    Dass eine gewisse Mentalität stets auf dem Sprung ist, Verfehlungen von Schwulen, Juden, und Ausländern als sortentypisch zu identifizieren, indem die Verfehlung dann der Norm der jeweiligen Gruppe entspricht, während der Herr Fritzl mit seinem Inzestkeller umgekehrt gerade als Abweichung von der Familien- und Hetero-Norm gedeutet wird – das ist leider nicht zu ändern. Aber wir unterlassen auch nicht die Kritik des Landraubs durchgeknallter Siedler, nur weil der NPDler dann “So sind sie halt, die Juden” sagt.

    Das Verbrechen: typisch unschwul
    Nicht Ranke-Heinemann – die Pöltener Schwulen selber bedienten die homophoben Klischees.
    Das ist die Stelle, an der sich das Auge befindet, auf dem Du blind bist: “12jährige vergewaltigen und schlagen und demütigen (…) ist ja nicht homophil, sondern Scheiße”, ist ein problematischer Satz, weil er auf der bloßen Umkehrung von “typisch schwul” beruht, und genau so falsch ist, wie das, was er nur umdreht: Während dem Homophoben das Verbrechen integraler Bestandteil des Schwulengens ist, erscheinen Dir von Homosexuellen begangene Untaten als radikal getrennt von den Tätern und ihrer Sexualität.

    Das Sexualverbrechen: typisch asexuell
    Das aber ist präzise jene fatale Denkweise, die es erlaubt, die Monstrosität des heterosexuellen Familienvaters Fritzl abzuspalten von Heterosexualität und Familie – eine Figur der Apologetik, die das Monströse verkleinern möchte, indem sie es von seinen Grundlagen emanzipiert: Fritzl beging seine Taten als Heterosexueller, in der Familie mit Familienmitgliedern, zugleich sollen seine Taten mit alledem aber nichts zu tun haben. In der kath. Kirche begehen Homosexuelle Straftaten, indem sie ihre Homosexualität betätigen; die jedoch soll, nach Deiner Lesart, mit ihrer eigenen Betätigung nichts zu tun haben. Denn das ist “ja nicht homophil, sondern Scheiße”. Ich aber sage Dir: Es ist homophil und Scheiße, da es sich um eine beschissene Art der Praktizierung der Homophilie handelt. Asexuelle Sexualverbrechen gibt es nicht; vom Sexualtäter kann dessen Sexualität nicht weggelassen werden

    Dass homo-, hetero- und familiensexuelle Scheußlichkeiten weder umstandslos identisch sind mit Familie und sexueller Orientierung, weil dann jegliche Sexualität ausschließlich als Verbrechen vorstellbar wäre, noch abstrahiert werden kann von der Sexualität, die nicht nur in den Scheußlichkeiten, sondern als diese sich verwirklicht, erzeugt eine Ambivalenz, die von sich aus die Versuchung provoziert, die Ambivalenz nach einer Seite hin aufzulösen. Dieser Versuchung ist zu widerstehen.

    _____________________

    Deine Invektive gegen Lina halte ich für überzogen.

  33. momorulez Mai 27, 2009 um 12:02 pm

    @Istvan:

    Uffz, nach dem ersten Satz habe ich ja ‘nen Schreck bekommen ;-) – ich will ja hier auch nicht homonormativ werden, auf keinen Fall, und natürlich gibt’s Kinder und “Fortpflanzung”, aber bei allem anderen, was unmittelbar dann kommt, stimme ich Dir ja zu. Lina hat aber die These der prinzipienhaft naturmetaphysichen Ergänzung betont, und das impliziert, dass eine solche zwischen Männern dann nicht möglich sei, wenn man das dann noch durch Kosmologien wie dem I Ging stützt.

    Da ist Fortpflanzung nicht möglich, aber sonst ja eine ganze Menge. Ich ifinde auch diesen Vemehrung- und Arterhaltungs-Naturzweck-Brimborium, der dann ja gerne mal kommt, für ein völlig verdrehtes und auch unzulässiog verkürztes Naturverständnis, das Erfahrungsmöglichkeiten einschränkt und einen Kurzschluß zwischen fachwissenschaftlichen Thesenbildungen und lebensweltlichen Dimensionen bewirkt, der fatal ist. Braucht sch doch nur nacheinander Bilder von Cézanne und Caravaggio angucken, und man ist schlicht erschlagen von den Möglichkeiten menschlicher Wahrnehmungsfähigkeit. Im “Schimmelreiter” gestern im Kino, lustiger Film, kann das Watt vor Dithmarschen auch klasse rüber – wer denkt denn da an Fortpflanzung, wenn er das sieht?

    Ich teile ja auch des Nörglers und Deine Ansicht hinsichtlich der beschriebenen Mechanismen, ich bin mir aber ziemlich sicher, dass Adorno da drüber hinaus geht, weil “Totalität” da eben auch das männliche Herrschaftsprinzip als solches meint, und dann mann-männliche Beziehungen in diesem Sinne dem auch nicht entrinnen können. Ja, kann bei Adorno sowieso gar nix, entrinnen, aber Hoffungsschimmer gibt’s schon, wenn das Weibliche in’s Spiel kommt.

    Und jetzt die Selbstverstänldichkeit, mit der Heten ihr Heten-Sein annehmen, anzugehen, das macht ja auch keinen Sinn. Fragwürdig ist aber, dass z.B. in allen jugendlichen Lebensentwürfen Homo- oder Bisexualität als Möglichkeit gar nicht vorkommt. Aber Deiner Conlcusio wiederum stimme ich zu.

  34. momorulez Mai 27, 2009 um 12:08 pm

    @lina:

    Sorry, ich spreche Dir im Generellen gar nix ab, wie sollte ich, kenne Dich doch gar nicht, sondern im Konkreten, weil Du eine für mich wichtige und prägende Erfahrungsdimension als irrelevant abtust.

    Außerdem kann ich ja nix dafür, dass so viele Andere so langweilig sind und gar nicht implosiv oder explosiv :-D … Leute, die sich immer kontrolliert äußern, sind doch doof. Jedes Mal, wenn Rayson hier eindeutige, emotionale Reaktionen zeigt, die hinter dieser arroganten, stilistisch ausgefeilten Ironie aufbrechen, freue ich mich zum Beispiel ;-) – weil ich ihn mag.

  35. noergler Mai 27, 2009 um 12:09 pm

    Ich habe vor 15 Minuten einen etwas eingehenderen Kommentar gepostet, der wohl irgendwo festhängt. Wir hatten dieses technische Problem neulich auf SR. Als ich soeben es nochmal posten wollte, kommt eine Systemmeldung, dass ein Duplikat entdeckt worden ist; ich hätte dies schon einmal gepostet, was ja stimmt.

  36. momorulez Mai 27, 2009 um 12:11 pm

    Nörgler, Du bist irgendwie im Spam-Ordner gelandet, habe Dich aber gefunden! Sach bei sowas einfach Bescheid!

  37. noergler Mai 27, 2009 um 12:22 pm

    Kein Probelm. Schaltest Du es jetzt frei, oder soll ich noch mal schicken?

  38. momorulez Mai 27, 2009 um 12:27 pm

    @Noergler:

    Für mich besteht einfach ein so fundamentaler Unterschied zwischen einvernehmlichen Sex zwischen Erwachsenen und einer Begierde, die sich auf Kinder richtet, dass ich das nicht miteinander identifzieren kann, nur weil die Geschlechterdiffferenz als Nonplusultra der Weltbeschreibung gilt. Wenn jemand jetzt ‘nen 17-jährigen vergewaltigt, dann ist das ein Verbrechen eines Schwulen, aber in den Internaten sind das ja noch Kinder, die da gequält werden. Und Lieblingsstrategie eben jener katholischen Krcrhe mit ihren “Biotopen” aktuelle isses, diese Differenz zum Verschwinden bringen zu wollen. Kann man alles in den Kommentaren beim A-Team nachlesen, das das sogar funktioniert, da isrt dann halt jeder Homo ein potenzieller Kinderschänder.

    Ich bin auf vielen Augen blind, klar, wer nicht, aber ich käme jetzt auch nicht dazu, alles Schwule idealisieren zu wollen, waeum denn?

    Herr Fritzl hat das auch nicht ALS Heterosexueller gemacht, sondern als konkrete Person.

    Worauf ich ja eigentlich hinaus wollen würde in utopischer Hinsicht, ist das, was Lina als Realität unterstellt: Dass solche Kategorin und Grenzziehungen sich auflösen und gar keine Rolle spielen. Es gibt ja keine kompakten Identitäten, die mit der jeweiligen “Objektwahl” in sexuellen Fragen verknüpft wären. Es gibt aber Erfahrungen mit unsinnigen Zuschreibungen, zu denen man sich dann verhalten muss, ob man will oder nicht. Was ich als durchaus adornitisch begreife als Gedankengang, da treffen sich übrigens auch Fouacault und Adorno, was Lysis, glaube ich, überliest.

    “Dass eine gewisse Mentalität stets auf dem Sprung ist, Verfehlungen von Schwulen, Juden, und Ausländern als sortentypisch zu identifizieren, indem die Verfehlung dann der Norm der jeweiligen Gruppe entspricht, während der Herr Fritzl mit seinem Inzestkeller umgekehrt gerade als Abweichung von der Familien- und Hetero-Norm gedeutet wird – das ist leider nicht zu ändern.”

    Na, vielleicht ja doch, ich arbeite daran ;-) – allerdings nicht daran, Verhalten, was andere für überzogen halten, aktuell zu korrigieren.

  39. momorulez Mai 27, 2009 um 12:28 pm

    Ist freigeschaltet!

  40. noergler Mai 27, 2009 um 12:57 pm

    Jetzt haben wir Deine Antwort auf meinen Kommentar vor dem Kommentar. Ich schreibe das nur, dass die Leseschaft das dann zuordnen kann.

  41. noergler Mai 27, 2009 um 12:59 pm

    Ach so, ah, nee, sehe ich erst eben, Mist. Mein Kommentar steht oben unter 11:53.

  42. noergler Mai 27, 2009 um 3:02 pm

    “Herr Fritzl hat das auch nicht ALS Heterosexueller gemacht, sondern als konkrete Person.”
    Genauer: als konkrete heterosexuelle Person. Fritzl war schließlich nicht desexualisiert, leider.

    Sexualität ist zwar allgemeine Bestimmung der Spezies, aber nur über die Bestimmtheit der Exemplare als Sexualwesen. Es gibt keine Real-Sexualität oberhalb des Exemplars.

  43. momorulez Mai 27, 2009 um 3:14 pm

    @Nörgler:

    Nö, der war nicht desexualisiert, aber die Seinsweise “heterosexuell” wäre mir ebenso wenig bekannt wie die ALS Homosexueller – das ist einfach eine Generalisierung anhand eines Merkmals, “Geschlecht des Objekts, auf das sich Begierde richtet”, die man zum einen genau so gut auch anders vornehmen könnte (bevorzugte Stellung, bevorzugte Fetische, eben auch Alter, Schuhgröße des Objektes oderwasweißich), die zudem so allgemein ist, dass sie nicht allzu aussagekräftig ist.

    Die “Ontologie der sexuellen Eigentlichkeiten” hätte ich von Dir ja auch am wenigsten erwartet ;-) … zudem ich ja verstehe, dass die Betonung des Heterosexuellen bei Heterosexuellen ALS Heterosexuelle auch nur dem psychischen Überleben in einer heteronormativen Gesellschaft dient.

  44. noergler Mai 28, 2009 um 5:25 pm

    Wieso bestreitest Du so krampfig, dass ein Sexualstraftäter die Tat im Rahmen seiner sexuellen Orientierung begeht? Selbstverständlich hat Fritzl seine Taten als Heterosexueller begangen. Als was denn sonst? Als Pumuckl?
    Sicherlich können wir Herrn Fritzl und die Mitglieder der katholischen “Lasset die Kindlein zu mir kommen”-Fraktion auch unter dem Aspekt betrachten, daß sie Schuhträger, Bratwurstesser und Luftatmer sind. Nur: Sie pflegen ihre Opfer nicht mit Schuhen, Bratwürsten oder Luft zu traktieren.

    Von einer “Seinsweise ‘heterosexuell’” redet außer Dir niemand. Das sind jetzt ein paar Papperlapapp-Sprachtricksereien, mit denen Du lavierst:

    Aus meiner simplen Feststellung, daß ein Sexualtäter seine Taten nicht unabhängig von seiner Sexualität begeht, er vielmehr in der Untat seine Sexualität gerade betätigt – daraus unterschiebst Du mir zuerst eine “Seinsweise”, von der bei mir keine Rede war, um dann, ausgehend von dem von Dir selbst herbeigeredeten Begriff der “Seinsweise”, mir noch Ontologisierung anzuhängen, und schließlich – Tataaa! – damit zu enden, dass da ein Hetero-Seelenproblem von mir zum Ausdruck kommt.

    Aber nicht jedes Argument, das Dir nicht gefällt, ist darum schon typisch Hetero. Wir glauben ja auch nicht dem Henryk mit dem Herrentäschchen, dass alles, was ihm nicht paßt, darob schon antisemitisch sei.

  45. momorulez Mai 28, 2009 um 7:52 pm

    Nanana, lieber Nörgler, “krampfig” ja schon mal gar nicht, und wenn Du weder Seinsweise noch Ontologie gemeint hast, ja wat denn dann?

    Vertiefen wir doch mal, was “sexuelle Orientierung” da nun heißen soll. Auf was für einer Ebene operiert das denn bitte?

    Von Foucault gibt es diesen schönen Satz, dass das, was in der Antike als Knabenliebe praktiziert wurde – was nach heutigen Maßstäben ja Pädophilie wäre, allerdings nicht mit 5-, sondern mit 14-jährigen – sich von dem, was wir heute mit “Homosexualität” meinen, so gravierend unterscheide, dass man schlecht von der gleichen Erfahrung sprechen könne. Was auch daran lag, dass sie ihre unterdrückten Frauen zu Hause parallel ja auch noch schwängerten. Was in China meines Wissens auch so war: So lange der Herr dem Haushalt vorstand, konnte er ansonsten vögeln, wen er lustig war, da gab’s noch nicht mal ‘nen Wort für “schwul”, allenfalls Anspielungen. In der Türkei “ist” man meines Wissen nur dann als “homosexuell” vom Militär auszuschließen, wenn man sich ficken läßt, nicht, wenn man Männer fickt. Usw.

    Was mich bei all diesen Diskussionen rund um die “soziale Konstruktion von Homosexualität” dann immer wundert, wieso das bei Heten keine Anwendung findet. Ich finde es einfach nicht sonderlich überzeugend, die Menschheit wie in Nichtraucher und Raucher einst bei der Bundesbahn und nun bei Lebensversicherungen in zwei Lager einzuteilen, und im Rahmen dieser Einteilung vollzieht man dann seine Handlungen. Wer weiß, ob ich nicht auch mal lustige Zeiten mit Frauen verbracht hätte, wenn es nicht diesen Zwang gäbe, sich zu entscheiden, in welchem Rahmen man denn nun sexuell orientiert sei. Begehren richtet sich von konkreten Personen auf konkrete Personen und nicht im Rahmen einer Abstraktion. Das ist auch keine Papperlapaap-Sprachtrickserei (weiß übrigens immer gar nicht, wieso solche Formulierungen bei mir grundsätzlich unangemessen sind, aber alle ständig erwarten, dass ich mich prügeln lassen sollte).

    Bin mir z.B. ziemlich sicher, dass ich auf Dich nicht stehen würde, kann mich da irren, und wenn nicht, bin ich dann situativ nicht homosexuell oder aber eigentlich doch, aber gerade mal nicht, oder einfach gerade mal nicht sexuell, aber wenn ich dann auf Istvan stehe, doch wieder homosexuell, zumindest “als Rahmen meiner sexuellen Orientierung”? Ich finde diese Etikettierungen doch eher hinderlich.

    “Aber nicht jedes Argument, das Dir nicht gefällt, ist darum schon typisch Hetero. Wir glauben ja auch nicht dem Henryk mit dem Herrentäschchen, dass alles, was ihm nicht paßt, darob schon antisemitisch sei.”

    Ja, so weit, so gut, ich finde es nur immer auffällig, dass Heten so ungeheuer inständig auf der strikten Trennung der “Rahmen sexueller Orientierung” bestehen und dann im Grunde genommen bei gedanklichen Zugangsweisen landen, die sie ansonsten und theoretisch strikt ablehnen. Sobald irgendwo “schwul” steht, dauert es nicht lange, und irgendwer fängt einen Satz an mit “Also, ich als Heterosexueller”.

    Ist mir bei Dir konkret als Person nun allerdings noch nicht aufgefallen. Aber die Deanschen hysterischen Kastrationsängste, wenn’s um Frau Butler geht, gehen ja manchmal auch in eine solche Richtung. Wobei es durchaus sein kann, dass bei ihr viel Unsinn steht, das will ich damit gar nicht ausschließen …

  46. noergler Juni 18, 2009 um 9:02 pm

    “Begehren richtet sich von konkreten Personen auf konkrete Personen und nicht im Rahmen einer Abstraktion.”
    Selbstverständlich findet dies im Rahmen einer Abstraktion statt. Ich zeige nachfolgend im Rahmen welcher Abstraktion, und ich zeige, was der Zusammenhang im einzelnen ist.

    Es liegt hier einer jener zahlreichen Sachverhalte vor, die nicht nach ihrer konkreten oder abstrakten Seite hin auflösbar sind. Vielmehr haben wir es mit der dialektischen Figur der Verschränkung – hier: des Konkreten und des Abstrakten – zu tun: Der Trieb als Eigenschaft der Spezies abstrahiert objektiv vom Exemplar, einfach dadurch, dass er (a) allen Exemplaren zukommt, und dass er (b) potentiell auf alle Exemplare sich zu richten vermag. Richtig: “Begehren richtet sich von konkreten Personen auf konkrete Personen”, besonders der von Dir gebrauchte Plural (!) ist dabei richtig, denn da steckt die Abstraktion schon drin: Es ist je eine Person, auf die sich das richtet, zugleich ist diese eine Person irgendeine; es könnte auch eine andere sein.
    Was dem ausschließlich Liebenden der ersten Emotionalisierungsphase als radikal Konkretes erscheint, macht in Eifersucht, Untreue und Verlassenwerden nach der Seite seiner Abstraktion sich geltend: Der Trieb des geliebten Menschen, der mich verläßt, ist unverändert. Sein Trieb ist nur die Abstraktion, die eine andere Konkretisierung sich sucht.

    Soviel zum Thema “Begehren richtet sich von konkreten Personen auf konkrete Personen und nicht im Rahmen einer Abstraktion.”

    Ich will versuchen, nächstens weitere interessante Motive von Dir aufzugreifen, wie sie sich in Deiner letzten Kommentierung hier darstellen. Es kann jedoch abermals dauern, stehen wir doch alle unter der Hegemonie der “alten Scheiße” (Marx).

  47. momorulez Juni 18, 2009 um 9:43 pm

    Der Plural ist eine Abstraktion, da haste recht. So schwer ist’s, das Besondere zu denken – aber meine Denkfehler sabottieren keinesfalls das Gemeinte: Ist ja auch im Singular formulierbar. Dass es eine andere Person sein KÖNNTE, ist ja kein Argument: Ist es ja nicht. Das ist diese eine, konkrete Person in dieser einen, konkreten Situation (und ggf. darüber hinaus).

    Man kann jetzt wiederum einwenden, dass “Person” auch eine Abstraktion usw., dann tauscht man aber den Begriff gegen die Erfahrung ein. Und diese Erfahrung ist schlicht auf einer anderen Ebene angesiedelt als ein Satz wie “Trieb ist die Eigenschaft der Spezies”, zudem es sich ja gar nicht um eine Eigenschaft handelt, “triebhaft” wäre eine.

    Und zu sagen “X ist triebthaft”, also “XP”, ist eine schlichte Prädikation aus der Perspektive der 3. Person. Das ist keine dialektische Verschränkung von Konkretem und Abstrakten, sondern das Zusprechen eines allgemeinen Terminus, eines Prädikats, auf etwas Einzelnes, Identifzierbares.

    Du hast insofern recht, dass XP-Sätze keine Zusammensetzung aus X und P sind sondern in der Tat nur dann verständlich, wenn man beides zusammen formuliert, “triebhaft” alleine sagt ja nix.

    Das ist aber die Relation “Einzelding – allgemeiner Begriff”, der völlig ungeeignet ist, die Qualität von Erfahrungen in Worte zu fassen.

    “Otto hat Zahnschmerzen” sagt ja nix aus über die Erfahrung, Zahnschmerzen zu haben. Das formuliert man in Termini wie “Aua!” oder “Da tut es mir weh”, wobei das “mir” da schon von entscheidender Bedeutung ist.

    “Ich bin geil auf Dich” ist nicht das gleiche wie “Urfaust ist geil auf Hamed”, und das ist auch nicht aufeinander reduzierbar. “Urfaust ist geil auf Araber” und “Ich bin geil auf Araber” sind da schon eher aufeinander reduzierbar, weil die Verwendung eines so allgemeinen Begriffs wie “Araber” gewissermaßen das Eindringen des Alllgemeinen in die individuelle Erfahrung bewirkt und somit immer auch das Eindringen der 3. Person in die erste Person. verzeih mir die latente Obszönität der Formulierungen, das passt gerade so schön ;-) – und da ist mir doch lieber, in Hamed einzudringen oder den in mich eindringen zu lassen, als 3. Personen, oder?

    Und, wiederum verzeih mir, weil ich gerade keinerlei Veranlassung habe, zickig zu sein: “Der Trieb” als “Abstraktion”, der sich “konkretiseren will”, das ist mir einfach zu verdinglichend.

    Da sitzt mir ja nicht irgendwo ein abstrakter Trieb in mir rum, der dann konkret wird, wenn mir Hamed über den Weg läuft. Der lächelt mich so nett an, hat so einen tiefen Blick, in dem ich alle Geheimnisse des Universums witter, packt mir an die Schenkel, und dann bin ich ggf. erregt. Von und durch Hamed, nicht, weil mein abstrakter Trieb sich konkretisiert. Sex ist doch keine Prädikation.

    Gbt natürlich Spezialfälle, das sei eingeräumt, wie Leute, die in’s Pornokino gehen, um sich einen runterholen zu lassen, oder zu einer Prostituierten, um irgendwelche körperlichen Spannungen abzubauen. Aber auch da muss Dir schon jemand über den Weg laufen, der Dich als Person erregt. Vielleicht ist das ja bei Heterosexuellen auch anders als bei mir ;-) … bin ja von der Fortpflanzung befreit, sozusagen.

    Schwierig und Wasser auf “eure” Mühlen sind Dispositionsbegriffe, also solche wie “zerbrechlich”. Die sind verwandt mit “Neigungen”, also das Glas neigt dazu, zerbrechlich zu sein, Hamed neigt zu Wutausbrüchen. Aber auch das ja nicht einfach nur so. Da muss schon was hinzutreten, damit der in Wut ausbricht. Und täte er das bei Allgemeinbegriffen, sollte er mal schleunigst zum Therapeuten. Eine “Spinnenphobie” ist ja nun nx, was einen psychisch weiter bringt, sondern etwas, das verstellt, ‘ne problematische Mutterbeziehung zum Beispiel, und das ist wieder eine konkrete Mutter, nicht “die Mutter an sich”.

    Gilbert Ryle nannte solche “Redeweisen” wie “der Trieb” Kategorienfehler: Formulierungen wie “Mein Wille regiert in mir”. Er meinte, das sei so, als würde man annehmen, dass der Mannschaftgeist mit auf dem Rasen steht und Fussball spielt. Das sind aber Sprachformen auf unterschiedlichen Allegmeinheitsnveaus, und teilweise auch eher Metaphern.

    Danke aber, und das meine ich ganz ernst, dass Du am Thema dran bleibst und Dich ernsthaft damit auseinandersetzt, auch mit Pausen, Nachdenken!!!

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