Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Homophobe sind Psychopathen

“Sie schreiben: “…Man ist homophob oder schwulenfeindlich wie man blond oder braunhaarig ist…” Nein, dem ist nicht so. Wie sehr seriöse wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, ist homophob sein oder gar Lesben hassen eher zu vergleichen mit einer Grippe- oder Krebserkrankung, je nach Grad der Schwere. Therapeuten haben immer öfter gute Erfahrungen bei der Veränderung von Homophoben zu eigentlich ganz umgänglichen und vor allem selbstzufriedenen Menschen gemacht.”

Ging ja durch allerlei Blogs, dieses hier modifizierte und mittlerweile dort gelöschte Zitat aus einem CDU-Forum, bei Somlu ausgiebig zitiert. Hat mich wirklich ergreifende Reaktionen provoziert - ich hätte zu Schulzeiten nie gewagt, offen zuzugeben, wen oder was ich gerade liebe und begehre. Flüsterte es engsten Freundinnen (!!!) zu, der Schwester auch, zögerlich dann der Mutter – die legte sich psychoanalytische Ratgeber zu, die Probleme in der Mutterbeziehung als “Ursache” konstatierten. Von da an hatte sie dann Schuldgefühle und ließ es mich spüren – dass Schuldgefühle ein Akt der Autoaggression sind, der sich ggf. auch gegen andere richten kann, das erfuhr ich so einmal mehr. Wer über bestimmte Varianten der “christlichen Kultur” schreibt und diese dahingehend beschwört, dass sie uns doch alle prägte, der sollte genau das mit bedenken, denn in der Hinsicht könnte er Recht haben. Jesus hätte das so vermutlich nicht gewollt und würde leiden unter dem, was in seinem Namen getrieben und proklamiert wird.

Nicht zufällig äußert sich Homophobie allerorten in Gewaltandrohungen und ganz realer Gewaltanwendung, ganz, wie sie ihm angetan wurde; noch die Massaker-Jungs vor 10 Jahren in der Columbine-Highschool riefen aus “God is gay!”, bevor sie ein Opfer mit Schusswaffen, ja, abspritzen!, schwer verletzten, das sich zu ihm bekannte. Und das, nachdem sie jahrelang als “Faggots” von den coolen Sportlern ihrer Schule beschimpft wurden – das zerrspiegelten sie widerlichst, sich als “Outcasts” feiernd und doch nur brutalstmöglich den Mainstream bedienend.

Auch kein Zufall, dass einer der beiden, Eric Harris, auf Air Force-Bases aufgewachsen ist. So geschah’s, dass er später Killerspiele wie “Doom” so gerne spielte. Sein Vater äußerte spontan bei dem ersten Polizeibesuch, nachdem sein Sohn und dessen Kumpel 13 Menschen killten, dann sich selbst,  nachdem sie sehr viele schwerst verletzten, dass es doch nicht erstaunlich sei, dass ein Junge, der zu den Marines wollte, sich für Bomben und Explosionen interessierte. Es war  nämlich herausgekommen, dass bereits zuvor die Eltern Rohrbomben, wie später sie in der Columbine Highschool die Täter um sich warfen, bei dem Jungen im Zimmer gefunden hatten.

Liest man anschließend, dass Obamas Initiative, offen schwule Karrieren  beim US-Militär auch zu ermöglichen, als Reaktion hoher Militärs die Angst vor Wehrkraftzersetzung nach sich zog, dann fragt man sich ernsthaft, ob die Propagierung von offener Homosexualität nicht der direkte Weg zum Weltfrieden wäre. Make love not war!

So ein Denken ist out, erstaunlicherweise. Noch die “Tuntenbewegung” in den 70er Jahren fand es selbstverständlich, sich mit den patriachalen Männerbildern und der ihnen inhärenten Gewalt auseinanderzusetzen. Daraus geworden ist, dass das allgegenwärtige “Voll schwul, ey!” vor allem feminin Konnotiertes bzw. Kodiertes bei Männern benennt. Finden aber alle “normal”. Bis auf Alice Schwarzer, die ich zwar noch nie ausstehen konnte, die aber deshalb so großartig ist, weil sie so wenig fürchtet, auch zunächst nur ganz schlicht und platt  Erscheinendes eben auch zu schreiben und dabei Recht zu behalten:

“(…) um die Ungeheuerlichkeit der Normalität klarzumachen: Die Norm ist, dass Männer Frauen ermorden (in 90 Prozent aller Mordfälle zwischen den Geschlechtern). Weibliche Amokläufer sind (bisher) quasi inexistent. Nicht etwa, weil Frauen die besseren Menschen wären. Nein, weil Frustration und Aggression sich bei Frauen traditionell anders Bahn brechen als bei Männern, nämlich weniger nach außen und mehr nach innen, weniger physisch und eher psychisch.

Reden wir also nicht länger drum herum, und warten wir nicht auf die Erkenntnisse von Ermittlern, die sich die zentralen Fragen noch nicht einmal stellen. Selbstverständlich hat die Tat von Tim K., dem Mädchenmörder, etwas mit seinem Verhältnis zu Frauen zu tun! Genauer: etwas mit seiner Art, ein Mann werden zu wollen, woran er gescheitert ist.

In der Genderforschung spricht man bei diesen gewalttätigen pubertierenden Jungen von einer »Konstruktion« der Männlichkeit. Denn die Verknüpfung von Männlichkeit und Gewalt hat eine jahrhunderte-, ja jahrtausendealte Tradition. Und schon lange warnen Studien, vor allem aus den USA: Die Männergewalt eskaliert bei sich verändernden Machtverhältnissen zwischen den Geschlechtern.”

Was Frau Schwarzer dabei freilich ignoriert, ist, dass jenseits von Winnenden, wo in der Tat erstaunlich ist, wie weggedrückt wurde, dass Tim ein Mädchenmörder war, Männergewalt gegen Männer so unüblich auch nicht ist – und das freilich aufgrund der gleichen Rollenkonstruktion.

Jene Rollenkonstruktion ist es auch, These, die hinter der Homophobie steckt und die alle Sphären gesellschaftlicher Gefüge durchdringt. Homophobie bei Männern  ist eine Form von Gewalt und eine drastische Form Psychopathologie zudem, weil sie sich letztlich gegen die eigenen, “weiblichen” Seiten richtet, sie insofern eine Form der Autoaggression darstellt. Wer sie fordert oder fördert, ist schlicht ein potenzieller Gewalttäter, der sich und andere gefährdet.

Was ich jetzt einfach mal loswerden mußte …  um ansonsten zu fordern, dass man sich lieber mal wieder verstärkt den Ursachen von Homophobie und Frauenfeindlichkeit zuwenden sollte als jenen, warum denn Individuen Individuen lieben und begehren. Ich hoffe ja, dass noch die finstersten Homophoben nicht heterosexuell lieben und begehren, sondern ihre Frau. Falls sie das können.

43 Antworten auf Homophobe sind Psychopathen

  1. MartinM April 28, 2009 um 11:46 pm

    Guter Beitrag. Die Überlegungen zur Schuldgefühlen und zur Autoaggressivität könnten von mir sein! (Ich will damit sagen: meine Überlegungen gehen in die selbe Richtung. Einschließlich der, dass sie sich aus unsere christlich geprägten Kultur erklären, und der Überlegung, dass Jesus diese bösartige und lieb-lose Entwicklung wohl schwerlich gewollt haben kann.)
    Ich bin mit Dir auch dahin einer Meinung, dass Homophobie sich in dem Selbstbild des “gewalttätigen Mannes” wurzelt, eines Mannes, der sich im noch besten Falle durch Hass, im traurigen Normalfalls durch Gleichgültigkeit, durch gefühlsmäßige Abstumpfung, durch ideologisch begründetes “Einsortieren” anderer Menschen statt durch “Einfühlen” auszeichnet. Des Mannes, der stolz darauf ist, immer hart gegen sich und andere zu sein. Homers Helden weinten, auch noch die Kriegerhelden des mittelalterlichen Nibelungenliedes weinten, der “Held” der Neuzeit hält Tränen für unmännlich. Wahrscheinlich halten Männer mit diesem gefühlsbefreitem Heldenideal sogar für unmännlich und ein Zeichen der Schwäche, lachend in den Tod zu gehen …weil Töten und Sterben auf “strafen” und “bestraft werden” reduziert sind.

    Ich vermute hinter der Homophobie ein Weltbild, das zutiefst zweckrational und anti-erotisch ist. Das Sex Spaß macht, ist in diesem Weltbild nur dadurch erklärbar, dass Gott (ersatzweise “die Natur”) einen “Ausgleich” für jene anbietet, die sich der Mühe der Elternschaft unterziehen. Jeder Sex, der nicht unmittelbar oder wenigstens mittelbar der Fortpflanzung dient (mittelbar als Mittel der Partnerbindung in der als Fortpflanzungsgemeinschaft gesehenen Ehe) ist in diesem wahlweise christlich-fundamentalistischen oder naturalistisch fehlschlüssigem Weltbild “Sünde”, “widernatürlich” oder “abartig”.

    Deshalb hege ich auch Zweifel, ob die finstersten Homophoben ihre Frauen wirklich lieben (im Sinne von “Eros”, “Agape” billige ich ihnen zu) – und sich nicht einfach nur “heterosexuell betätigen” bzw. “ihre ehelichen Pflichten erfüllen”.

  2. momorulez April 29, 2009 um 11:34 am

    “Ich bin mit Dir auch dahin einer Meinung, dass Homophobie sich in dem Selbstbild des “gewalttätigen Mannes” wurzelt, eines Mannes, der sich im noch besten Falle durch Hass, im traurigen Normalfalls durch Gleichgültigkeit, durch gefühlsmäßige Abstumpfung, durch ideologisch begründetes “Einsortieren” anderer Menschen statt durch “Einfühlen” auszeichnet.”

    In der US-Psychiatrie ist das ja auch, neben ausgeprägt manipulativen und verlogenen Seiten, das Verständnis dessen, was ein Psychopath sei, in Deutschland wird das etwas anders diskutiert.

    Gibt ja übrigens psychologische Studien, die belegen, dass auch in Chefetagen von Wirtschaftsunternehmen dieses Charakterbild besonders häufig anzutreffen ist …

  3. lars April 29, 2009 um 7:11 pm

    ja, Danke Dir, Momo!

    Die Einübung der Homophobie hat aber grundsätzlich auch auf der Aussenseite etwas mit der Verarmung des männlichen Ausdrucksrepertoires zu tun. Die Historiker des Geschlechts siedeln diesen Prozess übrigens erst im 18. Jahrhunderts an. Soll umgekehrt aber nicht heißen, dass es dafür keine Vorläufermodelle gab.

    Ironischerweise sind die Idealbilder des heterosexuellen Macho im US-Kino der 50er Jahre ja gerade Marlon Brando und James Dean gewesen.

    Ganz oben auf meiner to-do-Leseliste steht seit einigen Wochen übrigens das hier:

    http://tinyurl.com/dnbwmm

  4. bigmouth April 29, 2009 um 8:00 pm

    “Auch kein Zufall, dass einer der beiden, Eric Harris, auf Air Force-Bases aufgewachsen ist. So geschah’s, dass er später Killerspiele wie “Doom” so gerne spielte” die kausalität ist wenig überzeugend!

  5. momorulez April 29, 2009 um 8:15 pm

    “Die Einübung der Homophobie hat aber grundsätzlich auch auf der Aussenseite etwas mit der Verarmung des männlichen Ausdrucksrepertoires zu tun.”

    Ja, definitiv! Und Brando, Dean, Presley, vorher auch schon Clift, selbst in “Verdammt in alle Ewigkeit”, einer der schwulsten Filme aller Zeiten und trotzdem ‘nen Militär-Propaganda-Film, kurioserweise, später Jagger, Bowie usw., das sind ja trotz “The Wild Ones” immer schon Gegenthesen. Das ist ja das Schöne an der Popkultur, das die im besten Falle damit spielen kann, und im schlimmsten Fall – Bronson, Chuck Morris, Bushido usw. – eben gerade auch nicht.

    Ganz heftig sind so Typen wie Alain Delon, die ganz homoerotisch dann den “Eiskalten Engel” spielen. Und bei solchen Filmen wie “Verdammt in alle Ewigkeit” wird noch die Kameradschaftsnummer zelebriert, dagegen sind “Buddy-Movies” deutlich entschärft, das also auch zur Veramung des Ausdrucks-Repertoires, das so massiv auf Abgrenzung setzt, weil sich das so seit der Freigabe” der Homosexualität ja gar keiner mehr traut, das so zu inszenieren.

    Aber dazu muss man ja all das erst mal in Beziehung setzen zum “wahren Leben”, und das läuft ja trotz allem völlig anders als in diesen fimischen Codierungen.

    Columbine war eben nicht Rambo I, auch wenn die Jungs da in Littleton sogar ‘ne popkulturelle Ikonographie mitgeliefert haben, die das suggeriert, ganz gruselig.

    Das Buch kannte ich nicht, passt gerade gut in mein Thema ;-)

  6. momorulez April 29, 2009 um 8:37 pm

    @Bigmouth:

    Das ist ja auch keine Kausalität im engeren Sinne. Die Vorstellung von Kausalität in einem solchen engeren Sinne ist eh zumeist falsch. Das sind ja Motivs- und Eindrucksbündel. Und das soll auch nicht die These implizieren, dass Killerspiele zu Amokläufen führen.

    Dass man es aber nicht dabei belässt, wie wie ein Volldoofer am Computer rumzuballern, sondern auch ganz real seiner Knarre Kosenamen – dem Roman folgend, auf dem “Doom” wohl aufbaut, ich kenne das Spiel nicht – gibt und sie vor laufender Kamera knutscht für die Nachwelt, um später dann Kids mit eben dieser “Arlene” direkt in die Fresse zu schießen, das wird zumindest erleichtert, wenn man irgendwo aufwächst, wo Töten eben eine andere Rolle spielt als im Schulalltag. Und wenn man zudem noch mit Luvox vollgestopft wird. Sich beim Sozialdarwinismus und den Nazis eine Legitmationsideologie holt und dann “Natural Selection” auf sein T-Shirt schreibt, bevor man losballert. Selber Opfer üblen Mobbings war, das zumindest von Teilen der Lehrerschaft noch gestützt und gefördert wurde. Undundund.

    Ich hatte gerade eine Produktion, wo ein Vietnamskriegsveteran – ein Mann – erzählt, wie geil er es fand, damals im Dschungel Herr über Leben und Tod zu sein, wenn er ‘ne Waffe in der Hand hielt. Es ist zumindest zu vermuten, dass Eric mit solchen Leuten in der Kindheit zu tuen hatte, und äquivalente Formulierungen finden sich in seinen Tagebüchern zuhauf wie auch in Internet-Chats, an denen er teilnahm – dass er sich genau danach sehnte, gottgleich. Mußte beim Lesen immer an den Vietnamkriegskämpfer denken.

    Eric hat sich das Massaker bei der Vorbereitung auch ganz explizit vorgestellt wie “Doom”, so hat er’s zumindest aufgeschreiben. Ich sehe da schon Zusammenhänge, aber keine simplen Kausalitäten. Dylan, der andere, hatte ja einen ganz anderen Background.

    Beide einte aber auch, dass sie schlicht “nicht zum Schuß kamen”, und auch da findet sich ja bei Frau Schwarzer ein recht süffisanter Satz …

  7. lars April 29, 2009 um 9:30 pm

    Klar ist die Fiktion nicht mt der Realität zu verwechseln. Nannte es, weil Martin die alten Mythologien erwähnte. Es wären aber auch die Sandalenfilme zu erwähnen, die ja den Helden zumindest als Objekt einer schwulen Lust zugänglich machen.

    Und was Du zum Buddy-System im Film sagst, kann ich auch so unterstreichen. Obwohl es mir schon typisch für die männliche Sozialität unter amerikanischen Teenagern zu sein scheint. Soweit ich sehe, ist die gay ego-straight buddy-Dyade ein nicht unbedeutender topos in der schwulen Erotik-Literatur. Gerade im Kontext der Organisation der amerikanischen Schulen als Raum des Aufwachsens (High School und College) scheint mir das parallel zur Nerd-Jock-Kategorisierung laufen. Kann zwar überhaupt nicht einschätzen, welche Erfahrungshintergründe da reinspielen, aber auffällig ist das schon.

    Dass dann gewisse Narrative immer wieder auftauchen, ist schon bedeutsam: also z.B. das Verliebtsein in den besten Kumpel aus Kindestagen, was dann je nach Storyline romantisch oder tragisch endet; oder der Tausch Sex mit dem Jock (der eigentlich ganz tief im Schrank sitzt) gegen Hilfe bei den Hausaufgaben durch den Nerd.

  8. momorulez April 29, 2009 um 9:47 pm

    Ooops, da kennst Du Dich nun echt besser aus als ich … Nerd-Jock kenne ich ja seit kurzem sozusagen aus erster Nerd-Hand, und frage mich die ganze Zeit, was da nun wirkich das “deutsche Äquivalent” ist, weil’s hier eben zum einen diese Dreiteilung des Schulsystems gibt, zum zweiten aber auch die Sportler nicht die gleiche Rolle spielen wie zum Beispiel in Columbine.

    Abgesehen davon fand ich Monty Clift immer aufregender als diese Muskeltypen in den Sandalenfilmen ;-)

  9. lars April 29, 2009 um 9:58 pm

    Abgesehen davon fand ich Monty Clift immer aufregender… Sei Dir ja unbenommen. Mir ging es eher um die Bildstrukturen, die bestimmte Blicke auch erst möglich machen. Gibt dieses Buch von Susan Bordo über die mediale Inszenierung des männlichen Körpers, das zwar ein Tick zu psychoanalytisch, aber zum Teil eben sehr gute Einsichten liefert.

    Ja, so einfach auf den deutschen Kontext ist diese Jock/Nerd-Differenz nicht zu übertragen. Hängt wohl mit dem amerikanischen Modell der Sportlerkarriere zusammen, die schon auf der Ebene der High School anvisiert wird.

  10. vert April 29, 2009 um 11:23 pm

    männergewalt gegen (schwule) männer ist integraler bestandteil einer gesellschaft mit dem leitbild “hegemonialer männlichkeit”. devianz der sexuellen dispostion ist die deutlichste form einer abweichung von diesem muster und muss in der beknackten inneren logik durch größtmögliche marginalisierung der männlichkeit sanktioniert werden.

    diese vorstellung ist in connells “gemachtem mann” ausführlich ausgeführt und ich habe auch schon mal versucht, dieses modell zur erklärung der winnenden-morde heranzuziehen, übrigens auch an angestoßen durch einen artikel alice schwarzers.
    ich finde es mehr als bedauerlich, dass sie die konstruktion als “konstruktion” von männlichkeiten begreift und somit die historizität des konstrukts quasi leugnet, indem sie nonchalant mit “tradition” argumentiert.

  11. Lina April 30, 2009 um 8:02 am

    Ich weiss nicht, ob es richtig ist, nur auf die scheinbare Invariabilität von Männerbildern zu fokussieren.

    >>> ‘Sie wollten nicht mehr leben, weil sie schwul waren. Und unter ihrem Umfeld zu leiden hatten.’

    Abgesehen davon, dass das ‘Unter-dem-Umfeld-leiden’ in einer wehleidig gewordenen Gesellschaft inflationäre Anwendung findet, ein anderer Fall: Er war nicht schwul, er war anders als die anderen, nämlich still, in sich gekehrt und abgewandt. Warum, hat ihn keiner gefragt. Von zu Hause aus wurde er in die Schule ‘geprügelt’, die – dito, dito! – ein Ort der Folter für ihn war. Er war nicht ‘Schwuchtel’, sondern ‘Opfer’. Heute lebt er nicht mehr, er hat sich umgebracht. Mit einem Männerbild

    Was ich damit sagen will ist: ‘Ihr’ seid nicht allein und nicht allein ‘Ihr’ seid es, die ‘unter dem Umfeld leiden’. ‘Ihr’ seid aber offenbar diejenigen, an denen sich der Hass auf Fremdes am schärfsten benennen und ausleben lässt, angesichts derer er kulmininiert – bis in die unverschämtesten ‘parteiischen’ Überlegungen hinein, wie Euer Anderssein als ‘Krankheit’ angezeigt + kuriert werden könnte. Am schärfsten + ungleich perfide deshalb, weil vor allem aus Fremdem gewonnene Lust nicht gegönnt wird, sondern geneidet – vor Abstand, vor Reichtum, vor Erfolg! Es macht sie gemein und gehässig, es bringt sie zum Kochen.

    Und erklärt doch nur eines: sie alle, die da aufstehen, haben das Dulden von Fremdheit nie gelernt; sie kennen und können es nicht und rächen sich dafür, es, anstatt verstehen zu können, als verordnete Toleranz bewältigen zu sollen. An ‘Euch’, den Exponierten, ‘sublimieren’ ihnen Andere das blanke Rächen zur vermeindich wohlmeinenden, normierenden ‘Integration’. Sie sind (arme?) Schweine, die eine Lektion verdient haben. Deshalb: klärt auf – das vor allem! – und wehrt ‘Euch’, anstatt zu jammern!

    Btw.: Mont(gomer)y Clift war mein ‘Held’! In der ‘Brechung’ von Mann kann für Frau ein enormer Reiz liegen – was allerdings in Frau Schwarzers Häme den völlig ungeeigneten Ausdruck findet; sie ist eine Rächerin.

  12. momorulez April 30, 2009 um 8:07 am

    @Vert:

    Habe die Diskussion drüben bei Dir nur mal kurz überflogen, die ist ja ganz gut – aber Kuriosum ist wirklich, dass alle über Feminismus reden, aber nicht über Männergewalt. Als wäre die einzige Möglichkeit, sich eines solchen Themas anzunehmen, den Feminismus zu diskutieren.

    Connel kenne ich nicht, was man so alles lesen müßte, man gebe mir ein zweites, paralleles lLeben ;-)

    @Lars:

    “Mir ging es eher um die Bildstrukturen, die bestimmte Blicke auch erst möglich machen.”

    Das konkretisier mal. Ist ja mein Lebensthema, und obwohl ich da fortwährend dran arbeite und drüber grübel – ganz ehrlich, ich lande immer bei Inhalt und “Flow”, also Bildabfolgen, und nicht bei Bildstrukturen. Der Übergang von 4:3 zu 16:9 hat nun keine Revolution der mentalen Repräsentation von X hervorgebracht, mal polemisch überspitzt gesagt …

  13. lars April 30, 2009 um 8:12 am

    @vert: Dass Schwarzer so essentalisiert, rührt doch daher, dass sie noch einem älteren Feminismus anhängt und im Gegensatz zu Connell oder dem dekonstruktiven Feminismus das gemeinsame Subjekt “Frau” nicht aufgeben will. Kann sie biographisch auch nicht mehr.

    ZU FRagen wäre auch wäre es, ob die Amokläufer von Columbine oder Winnenden tatsächlich hegemobniale Mänlichkeiten verkörpern, oder ob es sich dann hierbei nicht um um komplizenhafte oder marginalisierte Männlichkeiten handelt, die Gewalt als Medium des Übertritts in Positionen hegemonialer Männlichkeit wählen. Wenn ich das Buch, von dem Momo spricht, richtig verstehe, so zuegen ja die darin versammelten Dokumente ja eher eine anome Form von rites des passages, die auch aus einem Leiden an nicht realisierbarer Männlichkeit (oder Abwertung der Täter als nicht-männlich durch die Schulkameraden). Dann müsste man letztlich zwischen der Connellschen Typologie (ganz kurz: Hegemonie, Unterordnung, Komplizenschaft, Marginalisierung) als Deutungsmuster und als verkörperte Praktiken unterscheiden. Wenn der Amoklauf sich schließlich als hegemoniale Männlichkeitspraxis artikuliert, welcher Dynamiken zwischen den Typen durchliefen dann die Täter?

  14. lars April 30, 2009 um 8:26 am

    @Momo: Der Connell ist aber ein Klassiker der antiessentialistischem Männerforschung (etwa im gegensatz zu diesenganzen mythopoetischen Ansätzen a la Blys Eisenhanns.

    Und Flow versus Struktur. Hat denn ein Flow keine Struktur? Egal, mir geht es dabei eher um das Genre, die narrativen Elemente, nicht bloß, dass in diesem oder jenem Film halbnackte Männer abgebildet werden. Ich suche die Argumentation und die Beispiele von Bordo heute abend mal raus. Bei Richard Dyer findet sich auch ein komplettes Kapitel über die Konstruktiond es weißen hegemonialen Manns sozusagen akls Gegenthese. Muss jetzt aber an die Uni.

  15. momorulez April 30, 2009 um 8:27 am

    @Lina:

    “Abgesehen davon, dass das ‘Unter-dem-Umfeld-leiden’ in einer wehleidig gewordenen Gesellschaft inflationäre Anwendung findet”

    Das ist jetzt aber so daher gesagt, dass es nix sagt, finde ich. Ich kann keine “Wehleidigkeit” bei Leuten, die von Mitschülern gequält werden, erkennen, sorry.

    Umgekehrt ist natürlich auch was dran, aber da lege ich lieber noch mal was nach in einem weiteren Eintrag.

    Und ich glaube auch nicht, dass es um Neid oder Rache geht, so gerne die ansonsten Neid Diskutierenden das ja hätten … den Kids wird 1.) Ekel beigebracht in einer heteronormativen Gesellschaft. Beim Savlog war mal das Video einer Hauptschule gepostet, in denen sie, glaube, ganz bescheiden “Brokeback Mounatin” oder sowas guckten. Auch die Mädels taten ganz angewidert, eine Reaktion, die Du übrigens bei einem lesbischen “Brokeback Mountain” zumindest von den Jungs dann nicht erleben würdest, wenn es den gängigen Bildern nach hübsche Frauen wären. und 2.) ist es die nackte Angst, Abgrenzungen nicht durchhalten zu können. Das “Andere” wird ja konstituiert, um Normalität zu generieren, beim Hartz IV-Empfänger wie beim Schwulen, um die Bevölkerungsmehrheit bei der Stange zu halten, Anpassungsdruck zu erzeugen. Und um das machen zu können, muss man halt Therapierbarkeit suggerieren. Und 3.) ist ja gar nicht das “Fremde” wenn man das eigene Geschlecht begehrt. Das stand auch so bei Spreeblick, das ist aber die gleiche “Abgrenzung aus Angst”, sowas als “fremd” zu behaupten.

    Abgesehen davon wehre ich mich doch hier, anstatt zu jammern … aber diese Verachtung von “Jammern” ist ja auch schon nur die Internalisierung dessen, was vert “hegemoniale Männlichkeit” nennt. Eric Harris hat – das freilich in’s Maßlose übersteigernd – auch “Stop Bitching” gerufen, als eines der Mädels jammerte, bevor er es erschoss (oder verletzte). Sorry. Passte aber gerade.

    Würde mich eh mal interssieren, was diese ganzen Ayn Rand-, Rothbarth- und Hoppe-Libertären zu Columbine zu sagen haben, ich glaube, da steckte viel von deren Ideologie in den Tätern. Wahrscheinlich, dass sich die anderen Schüler eben hätten wehren können, wenn sie denn auch bewaffnet gewesen wären.

  16. momorulez April 30, 2009 um 8:42 am

    @Lars:

    Schwarzer versteht sich nicht als Essentialistin. Die ist eher in varrierter Form insofern “alte Schule”, daß sie noch in einem sehr weit verstanden Sinne im freudomarxistischen Paradigma agiert, aber schon klar auf dem berühmten de Beauvoir-Zitat aufbaut. Ansonsten ist sie ja auch eher das, was man im Fussball “Kampfschwein” nennt, und das ist ja auch gut so. Solche braucht man auch in der Mannschaft ;-)

    “ZU FRagen wäre auch wäre es, ob die Amokläufer von Columbine oder Winnenden tatsächlich hegemobniale Mänlichkeiten verkörpern, oder ob es sich dann hierbei nicht um um komplizenhafte oder marginalisierte Männlichkeiten handelt, die Gewalt als Medium des Übertritts in Positionen hegemonialer Männlichkeit wählen.”

    Das haut bei Columbine schon hin, über Winnenden weiß ich weniger. Das schreibt Schwarzer ja auch: Natürlich sind das an hegomialen Konzepten Gescheiterte, die dann überkompnsieren, indem sie in einem erweiterten Suizid diese sozusagen überpointieren.Wobei der Großteil derer, die – ganz explizit – Columbine nachahmten, ja Einzeltäter waren (wobei das bei dem in Erfurt umstritten ist).

    Und die Dynamik zwische Eric und Dylan ist eines der ganz großen Rätsel – viele gehen davon aus, dass der eine den anderen sozusagen “verführte”. Bei den beiden denke ich aber ganz hypothetisch, dass sie sich vor allem wechselseitig beweisen wollten, dass sie’s wirklich durchziehen, was sie ein Jahr planten bzw. fantasierten, anstatt wehledig zu jammern. Und dass Dylan eher Psychoth denn Psychopath war, der war echt manisch.

    Das hat übirgens, um mal ein ganz anderes Bezugssystem aufzumachen, auch viel mit der R.A.F. zu tuen. Baader war doch auch so ein machistischer Waffenfetischist, und auch sonst ist die Legitmierungsform in mancher Hinsicht analog. Und da stellt sich Frage nach den Frauen dann auch noch mal anders …

  17. Lina April 30, 2009 um 8:49 am

    >>> ‘Ich kann keine “Wehleidigkeit” bei Leuten, die von Mitschülern gequält werden, erkennen, sorry.’

    Auf die habe ich mich nicht bezogen, sie sogar ganz ausser Acht gelassen, sondern auf das Jammern von sog. Randgruppen, dieses andere ‘Schweigen der Lämmer’ … wenn ich mir im Kontext mehr Aufklärung übers schwule Anderssein wünschen würde – damit sie es verstehen können …

    Ansonsten kann ich mich anschliessen – bis auf die mir als unangebracht erscheinende Konstruktion einer Fragestellung, wie Libertäre wohl zu Columbine stehen. Genauso wie Du (und ich), würde ich mit einiger Berechtigung annehmen; sie sind keine Unmenschen (-; …

  18. momorulez April 30, 2009 um 8:53 am

    Nö, Unmenschen nicht. Außer Hoppe, der schon ;-) … Aber die Frage muss schon erlaubt sein. Verlinke im Laufe das Tages noch mal ein ein Interview mit Jeff Kass, der hat gerade ein Buch über Columbine geschrieben, und der sieht da – indirekt – schon Bezüge.

  19. Lina April 30, 2009 um 9:10 am

    Na gut (-; … aber noch was:

    >>> … das ist aber die gleiche “Abgrenzung aus Angst”, sowas als “fremd” zu behaupten.

    Fremd erscheint es den mehrheitlich Anderen – nichts anderes war gemeint. Das Fremde im Eigenen zu suchen, ist das Abenteuer, das offenbar nicht verstanden wird.

  20. momorulez April 30, 2009 um 9:15 am

    Eher das Eigene im Fremden – das gilt ja im Positiven wie im Negativen.

  21. Lina April 30, 2009 um 9:20 am

    Genau – weshalb ich auch *(oder umgekehrt)* einfügen wollte …

  22. Lina April 30, 2009 um 10:32 am

    Kurz nochmal zurück, momorulez, weil mir das keine Ruhe lässt:

    >>> … ich glaube, da steckte viel von deren Ideologie in den Tätern. Wahrscheinlich, dass sich die anderen Schüler eben hätten wehren können, wenn sie denn auch bewaffnet gewesen wären.

    Nein, das halte ich sogar für gänzlich falsch. Libertäre als ideologische Ego-Shooter? Wenn wir schon Etiketten verwenden, dann sind es die Neocons, die waffengestützte Wehrhaftigkeit propagieren, und nicht die Libertären. Sie sind die Wehrhaften im Geiste (ihrer abstrakten Freiheitsphilosophie), aber keine Rächer.

    Anhängen kann man ihnen viel eher, Anhänger oder besser: BeFÜRworter eines auf ‘gut’ genormten Menschentyps zu sein, der m. E. erst erfunden werden muss … und dass sie sich um die realen Konflikte, die aus dessen vorläufiger Absenz rühren, wenig scheren … also ‘cool’ (oder borniert?) bleiben. Möglich, dass ich ihnen auch hier Unrecht tue und sie in ihrer Gut-Gläubigkeit einfach nicht ermessen (wollen), wie sie sich zu einer realen Explosion wie Columbine verhalten würden …

  23. momorulez April 30, 2009 um 10:48 am

    War’s Dr. Buffo oder wie der heisst, der bei den B.L.O.G.s genau dieses Argument brachte? Oder habe ich das woanders gelesen? Und mir geht’s ja auch mehr um die “Keine Emphatie, nur Egoismus, und Schmarotzer wie Intellektuelle und Homos sind überflüssig, die muss man halt ausschalten”-Nummer, wobei ich Uneingeweihter ersteres bei Ayn Rand, letzteres bei Herrn Hoppe verorten würde.

    Und da ich ja die Libertären immer als Vertreter einer Wild-West-Philosophie lese, kamen die mir wegen folgender Passagen in den Sinn:

    “BatteryBoulevard(Q) What sort of conclusions do you draw concerning that common denominator?
    Jeff_Kass(A) If you map out school shootings across the United States, they overwhelming occur in the South and West. And I came across studies done by psychologists before Columbine showing higher levels of violence in the South and West, namely when people feel their honor has been disgraced. Translation: I feel that school shooters have been placed at the bottom rung of the social ladder. They feel their honor has been violated, and retaliate with violence. There are other historical threads as to why the South and West are considered more violent regions, such as the tradition of solving your own problems – shown by the Southern saying of being a sheriff in your own hearth.

    senorjosecuervo(Q) How, then, do the Columbine shooters fit into this common denominator?
    Jeff_Kass(A) The Columbine shooters obviously live in the West. And to elaborate on the idea of shootings occurring in the South and West, the mentality of the Wild West remains. Jefferson County, where Columbine occurred, is chock full of tract homes and chain stores. It may not look like the Wild West of yore. But like many suburbs it is a place with few public squares. Few people use the sidewalks – if they even exist. There is the mentality of pulling yourself up by your own bootstraps. So if you have a problem – in this case, with the social order that makes you an outcast – you take it upon yourself to solve that problem with the West’s great equalizer: The gun.”

    Von hier: http://blogs.rockymountainnews.com/rockytalklive/archives/2009/01/jeff_kass_on_his_new_book_colu.html

    Popikonographisch haben die Jungs ja tatsächlich eine Mischung aus Matrix und Western auf die mediale Bühne gebracht mit diesen “Australian Dustern”, die zwar auch dazu dienten, die Waffen darunter zu verstecken, aber eben auch die Rächer im Western, die die staubige Straße inmitten der Ortschaft lang spazieren, bestens zur Darstellung brachten. Wenn Du Dir dieses “Hitmen for Hire”-Video anguckst, das sie in ihrer Videoklasse drehten, dann ist das recht offenkundig.

  24. Lina April 30, 2009 um 11:38 am

    >>> Und da ich ja die Libertären immer als Vertreter einer Wild-West-Philosophie lese

    Lustig, für mich aber erst zu verstehen, nachdem ich die beiden Kass-Statements gelesen habe: doch, da ist was dran am Vergleich der sichtbaren Aussparung von ‘Public Places’ etc. pp., gute Beobachtung! Da ich Libertäre letztlich aber doch nicht mit South/Western People & Areas zusammenbringe – da fehlt in meinem Bild eindeutig die ‘Gun’ zur Verteidigung von geheiligten Eigentum – dafür gibt’s schliesslich Rechts-Anwälte! (-; – schliesse ich noch immer nicht zu Deinem Gedanken von der ‘Mischung zwischen Matrix + Western’ auf – könnte mich aber anfreunden (-; …

    >>> War’s Dr. Buffo oder wie der heisst, der bei den B.L.O.G.s genau dieses Argument brachte?

    Verstehe nicht ganz, was Du mit ‘genau diesem Argument’ meinst.

  25. momorulez April 30, 2009 um 11:58 am

    Na, dass auch Liberale eigentlich für die Möglichkeit, Waffen tragen zu dürfen, sein müssten, damit man sich halt ggf. verteidigen kann. Wurde von den B.L.O.G.s auch deutlichst zurückgewiesen.

    Das mit Matrix und Western, das versteht man auch nur, wenn man diese Filmchen gesehen hat, die kann man bei Youtube, dailymotion und so gucken, und die sind auch in die teils ganz guten Dokus geschnitten, die man allerorten findet. Die haben in ihrer Videoklasse einen Film gedreht, in dem sie einen unterdrückten und gequälten Schüler für Geld beschützen, indem sie einen “Jock”, also ‘nen coolen Sportler, abknallen – da freilich noch mit Spielzeugwaffen. Und da haben sie die Outfits an, die sie später auch nutzten. Der Film wurde im Columbine-Schulfernsehen gezeigt, und alle fanden den total witzig …

  26. lars April 30, 2009 um 12:02 pm

    @Momo: Essentialistin ist die Schwarzer insofern, als sie auf dem gemeinsamen Subjekt Frau beharrt, das es zu befreien gelte. Dagegen richtete sich ja die Argumentation etwa von Butler.

  27. momorulez April 30, 2009 um 12:16 pm

    @Lars:

    Ja, aber sie begreift es als sozial konstituiert. Finde manchmal, daß die “Butler-Ecke” dazu neigt, andere Positionen auch so zurechtzupointieren, dass die Kritik dann auch ja greift. Gute, alte existentialistische Weisheiten haben ja manchmal auch was für sich ;-) …. übrigens gerade auch im konkreten Fall, wo man woanders schon wieder so denkfaul ist, mir hier simple Kausalbeziehungen zwischen Killerspielen und Militärvätern einerseits und Amokläufen andererseits anzudichten. Man kann ja nun “rational choice” mit sehr guten Gründen kritisieren, manchmal ENTSCHEIDEN sich Leute aber auch einfach unter Sozialisationbedingungen anders als andere, ohne dass Welt das nun verursacht hätte, und die Sozialisationsbedingungen tragen zu einer Entscheidung trotzdem bei.
    Bei meiner Sozialistion wäre der weit häufigere, schlichte Selbstmord schlicht nahliegender gewesen in meinen Teenie-Frustphasen.

    Manche diskutieren immer so, als sei das Soziale auch nur sowas wie ein “verursachendes Verbrechergen”. Völliger Quatsch.

    Habe Schwarzer auch immer im Sinne des Sartreschen Engagements und dessen Praxisphilosphie als Aktivistin, nicht als Theoretikerin verstanden. Und da hat sie ihre Sache meistens gut gemacht, von dem Islam-Thema vielleicht abgesehen, aber selbst da bin ich mir nicht so sicher. Gefreut hat es sie bestimmt nicht, dass PI ihre Fans wurden.

  28. lars April 30, 2009 um 12:29 pm

    @Momo: Einverstanden. Wobei es ja ein Unterschied ist, ob man Entscheidungsspielräume berücksichtigt oder ein RC-Modell zugrunde legt. Sozialisation ist ja was anderes als bloß die Einwirkung der Umwelt auf den Einzelnen, sondern ist ein komplexes Verhältnis auch der bearbeitung der “Sozialisationsbedingungen”

    Und die Schwarzer, naja bei aller Liebe für den Feminismus, hat sich ja in den letzten Jahren schon als Koalitionärin des Konservativismus positioniert. Die Unterstützung Merkels als Kanzlerin hat sie bei mir einiges an Sympathie kosten lassen. Nicht zuletzt, weil sie damit dezidiert anti-feministische Frauen- und Familienpolitik unterstützte. Und ihre Por-No-Kampagne war auch nicht unumstritten.

    Bin dieser Person und ihren Strategien äußerst ambivalent

  29. momorulez April 30, 2009 um 2:01 pm

    @Lars:

    Wollte jetzt auch nicht zum RC-Propagandisten werden ;-) – mir geht es nur auf den Geist, wenn selbst “im eigenen Lager” so krude monokausale Modelle überhaupt diskutiert werden. Das, was Du über Sozialisation schreibst, hat ja kein Schwein mehr auf dem Zettel.

    Ach, und bei Frau Schwarzer habe ich zumindest meistens gegeglaubt zu verstehen, warum sie so agiert, ohne die Gründe zu teilen. Schreibe ich ja im Eintrag: Mögen tue ich die auch nicht, und ihre EMMA hat meiner individuellen Sozialisation ganz nachhaltig geschadet, aber es war und ist einfach wichtig, dass es sie gab/gibt, finde ich.

  30. lars April 30, 2009 um 2:17 pm

    Ja, diese Dichotomie Anlage-Umwelt ist ganz schön bescheuert. Und zwar nicht, weil man sich auf die eine oder andere Seite zu schlagen hätte oder jeweils erklärende Varianzen zu berechnen hätte, sondern weil man dabei die Aneignung des Außen völlig außer betracht läßt. Man hat nicht umsonst mit dem Container-Modell der Gesellschaft aufgeräumt, dennoch denkt man sich Sozialisation zumeist immer noch so, als müsste da ein babarisches Wesen in die Gesellschaft hinein integriert werden, indem man ihm Werte vermittelt, Grenzen setzt, diszipliniert usw.

    Dass es wichtig ist, dass es jemanden wie die Schwarzer gibt, auch okay. ich bin ihr aber wegen Merkel immer noch nachhaltig böse. Weil ich das ja auch im Universitätsalltag zunehmend erfahre, dass das Gender Mainstreaming eben auch seine Nachteile hat, weil es allzu häufig abstrakt verfährt, ohne dass damit dem eigentlich wichtigen Anliegen Rechnung getragen würde. Und in meinen Umfeld sind die meisten Frauen mittlerweile fast vollständig anti-feministisch eingestellt.

  31. Lina April 30, 2009 um 2:30 pm

    @ momorulez

    >>> Der Film wurde im Columbine-Schulfernsehen gezeigt, und alle fanden den total witzig …

    … was ich ganz uncool finde – wegen des mitlaufenden Beispiel- oder Vorbildcharakters, der sich allein durch Vorzeigen im Betrachter manifestieren und Inhalte zur Nachahmung freigeben kann; dabei ist mir klar: zurückgehalten werden kann solches Material auch nicht, von keiner Instanz; schliesslich stellt es eine freie Meinungsäusserung dar.

    Hier jedenfalls, am ambivalenten Fall, beginnt bei mir die unüberwundene Spaltung, eine Art moralischer Rechtsgüterabwägung, denn: solche Clips (wie ‘Hitman for Hire’) können einerseits gut gemachte Ikonografie für diejenigen sein, die sie als deskriptives Kulturprodukt verstehen, andererseits aber in ihrer Attraktvität auch Motivation + Legitimation für eine kriminelle Tat bieten – was die derzeitige Diskussion um Zensur im Internet berührt; aber das ist ein anderes grosses Thema …

  32. momorulez April 30, 2009 um 3:21 pm

    @Lars:

    “Und in meinen Umfeld sind die meisten Frauen mittlerweile fast vollständig anti-feministisch eingestellt.”

    Was mich allerdings erschüttert, obwohl ja bekanntlich an anderen Tagen auch mal zum Feminismus hassen neige … irgendwie sind wir wieder in den 50ern angekommen. Ganz gruselig. Was ich in anderen Zusammenhängen ja auch täglich merke. Alles “Neue Mitte” ohne Ecken, Kanten, weichgeschliffen, schematisiert, grauenhaft. Wir brauchen ein neues ’68. Oder wenigstens Punk.

    @Lina:

    “solche Clips (wie ‘Hitman for Hire’) können einerseits gut gemachte Ikonografie für diejenigen sein, die sie als deskriptives Kulturprodukt verstehen, andererseits aber in ihrer Attraktvität auch Motivation + Legitimation für eine kriminelle Tat bieten”

    Die haben ja auch tatsächlich Nachahmungstäter inspiriert (wobei das, gesehen auf die Gesamteenagerzahl, ja immer noch verschwindend wenige sind). Und richtig sowas wie Heldenverehrung provoziert.

    Aber ist das ein Argument? Sonst würde sich das, was hintersteckt, einfach andere Ventile suchen, wenn’s diese Littleton-Ikonographie nicht gäbe.

    Man hat ja auch umgekehrt für Littleton Marilyn Manson (den nur einer von beiden überhaupt gehört hat, und das wohl auch nur gelegentlich), KFMDM, Rammstein (da war Eric tatsächlich Fan) und sogar “Lost Highway” verantwortlich machen wollen, Tarantino undundund – das greift aber genau deshalb zu kurz, weil es die aktive Aneignung, die völlig unterschiedlich ausfallen kann, ignoriert. Ich gucke ja “Lost Higway” ganz anders als Dylan Klebold, ich ärger mich da einfach nur, weil’s die reine veraschung ist. Tarantino kann ich gar nicht gucken. Usw. ….

  33. Lina April 30, 2009 um 6:42 pm

    >>> Aber ist das ein Argument? Sonst würde sich das, was hintersteckt, einfach andere Ventile suchen, wenn’s diese Littleton-Ikonographie nicht gäbe.

    Andere Ventile? Na ja, sicher. Wobei ich Nachahmungen eben mehr auf die Masse der medialen Vervielfältigungs- und Aufbereitungsmöglichkeiten zurückführe als auf die singuläre Qualität eines Ereignisses, das vielleicht gerade deshalb nicht singulär geblieben ist. Als (‘unfassbares’) Einzelphänomen hat es angefangen und übergegriffen und geht nun als ‘School Shooting’ in die Annalen und in die Begriffswelt ein. Als Begriff (und als gesellschaftliche Krankheit, was nicht zu vergessen ist!) verliert es samt seiner unmoralischen Qualität aber auch seine ‘unfassbare’ Brisanz, wird (nachdem sich wochenlang kontrovers aufgeregt wurde) als Zeiterscheinung wahr- und hingenommen und abgelegt.

    Aber kann es das (gewesen) sein und sollte nicht eigentlich Ursachenklärung zum Zweck der Verhinderung das Ziel sein? Ich mein’ ja nur …

    Aus dem Erklärungsnotstand wächst dann ein Symptom, indem zur normverletzenden, aber behandelbaren Krankheit erklärt wird, was scheinbar nicht zu erklären ist (siehe Homosexualität) – jedenfalls nicht von den Politpsychopathen, die aus Ressentiments ihr Handlungspotential und ihre politische Legitimation schöpfen. Die kontrollierbare Norm ist der Körper, an dem sich alles misst. Ich fürchte, da helfen weder Punks noch neue 68er; beide dürften vor der globalen Grösse der Aufgabe kapitulieren (-; …

  34. lars April 30, 2009 um 7:30 pm

    Also zu den Sandalen- und Bibelfilmen. Susan Bordo schreibt über den Film “Die zehn Gebote”:

    “Chuck Heston was boring. Too pompous. Too stiff. Too wholesome to be sexy. Too wholsem to be exy? Where did I get that idea? I realized I got it it from the movie itself. It gave sexual atmospherics, knowledge, consciousness – and promise of pleasuring the woman – to the sleazy Ramses. Moses? He was the movie’s hero. In mid-fifties movies, pursuing sex, caring about it more than saving the world, was not considered an activity appropriate to such a noble being.
    Heroes could be undressed, racked, whipped, and stripped of their dignity, however, and in a highly eroticized way, Abd they were, often. [Except for the occasional punishment of a slave girl, it’s men, men, men whipping and being whipped by each other.) Thanks to fifties biblical epics, my ideas about sex were tinged with S&M from the start. Those movies are full of captive, semi-naked, spread-eagled heroes. Their masters stzand there, also bare-chested, legs apart, stomachs sucked in, stiff and pumped up as they could make themselves in those days, wielding their instruments of torture.
    (..)
    A film whose S&M ambiance made a big impression on me – I was thirteen – was Stanley Kubrick’s Spartacus. In the movie, Kirk Dougla’s gleaming body is on full display, as slaves dealers and pamperes Roman royalty inspects his suitability as a potential gladiator. The first scene finds him streched on a rock, nearly dead; he’s spared only because slave dealer Peter Ustinov, inspecting Spartacus’s teeth and other parts, sees that he’s special.”
    (S. Bordo. 1999: The Male Body. A New Look at Men in Public and Private. 126 ff.).

    Sorry für dieses lange Zitat, der Abschnitt geht noch ein paar Seiten weiter.

  35. momorulez April 30, 2009 um 8:32 pm

    @Lina:

    Na, ich glaube schon, dass die Jungs da an der Columbine Highschool von anderer “Qualität” waren als ihre Nachahmer – das ist ja das Verstörende, wenn man deren Texte liest und dann wochenlang nicht bloggen kann. Nicht, weil man auch nur irgendwas an der unfassbaren Grausamkeit gut fände, mit der sie die Mitschüler liquidiert haben, und das war wirklich unfassbar brutal, sondern weil das vor diesem Grauen ausgesprochen schlaue, differenzierte und reflektierte Jungs waren, die ja auch gekriegt haben, was sie wollten: Ruhm. Und da hin zu kommen, solch einen Mythos zu begründen, das ist ja auch ‘ne “Leistung”, ich beschäftige mich ja auch gerade mit denen, und dieses ganze Geschehen ist so vielschichtig, das hat ja auch eine Faszination. Hast ja selbst vom “Schweigen der Lämmer” oben geschrieben, und Hitler ist immer noch Deutschlands medialer Exportschlager, deutlich vor Boney M..

    Deswegen ist ja wohl zu Recht die wichtigste Strategie zur Bekämpfung auf der Ebene der Berichterstattung zu finden. Eigentlich müßte man sowas wie Columbine totschweigen, dazu isses allerdings zu spät.Dann doch lieber auf die Vielschichtigkeit einlassen.

    So gibt es ein sehr umfangreiches Paper des F.B.I., das sich der Vielschichtigkeit auch animmt, auf für die Tat förderliche Familienmuster verweist usw., das suche ich zur Verlinkung noch mal raus.

    Und zum Dritten gilt halt: Setzt diese gewalttätigen Männerbildern andere entgegen und kümmert euch um die Ausgegrenzten. Ganz einfach.

    Letzteres ist bei vielen Eltern von Opfern und Familien rund um die ja bis heute teils heftig leidenden Opfer der beiden Attentäter deren Programmatik, dass sie den Impuls im wesentlichen im Mobbing begründet sehen, dem die Jungs ausgesetzt waren und das von den Lehrern und wohl auch dem Schulleiter nicht nur toleriert, sondern eher noch befördert wurde. So kam ich ja zu diesem Eintrag, nachdem ich bei nach21 gelesen habe, was der so erlitten hat, da bot sich an, das zu verknüpfen.

    Das Gruselige ist, wenn man deren Tagebücher etc. liest, das man erst mal tief in die Identifkation rutscht, wenn man sich selbst irgendwann in diesem Leben ausgegrenzt fühlte (wobei ich nie so was erleben mußte wie nach21, habe zeitweise eher selbst gemobbt und schämte mich nun im Nachhinein dafür, noch mehr für manches Wegsehen, wenn die “Goofy-Typen” gequält wurden).

    Das ging zum Glück allen Rezensenten genau so, diese Identifikation, man wundert sich dann ja über sich selbst, das wurde sehr breit rezensiert, Joachim Gärtner, “Ich bin voller Hass und liebe es”, der hat das als “dokumentarischen Roman” ganz hervorragend zusammen gebaut, die ganzen verschiedenen Texte von den Jungs, und auch ein sehr gutes Nachwort geschrieben. Die waren sprachlich teils wirklich ganz enorm gut drauf, das ist schon beeindruckend für 17jährige. Er hat das aber auch gut übersetzt.

    Und dann kommst Du an die Stelle, wo sie ihre Mitschüler in der Bibliothek abknallen, und hast das Gefühl, Dir knallen sie jetzt auch gerade symbolisch den Kopf weg. Weil Du es nicht fassen kannst, dass Leute, die Dir – mal ab von den Nazi-Anleihen zum Schluß – so ähnlich sind, sowas machen. Mich hat das völlig und ganz nachhaltig verstört, und das geht weltweit erstaunlich vielen Leuten genau so, wenn man mal rumsurft.

    Was das allerperfideste daran ist, ist, daß dadurch das teils wirklich ganz schlimme Leid, das sie angerichtet haben, da sitzen Leute im Rollstuhl, sind in Psychiatrien gelandet, leiden unter ähnlichen Syndromen wie Afghanistan- und Irakkriegsteilnehmer, die Mutter eines Opfers hat sich umgebracht, Eltern schickten ihre Kinder morgens zur Schule und hatten mittags keine mehr, dass all das dadurch völlig dominiert wird, dass die Täter auf irgendeine Art so charismatisch waren.

    Was dann wohl auch Teil der Antwort ist: Das zu thematiseren, das Leid, ganz unmännlich, und eben nicht nur in deren Köpfe gucken.

    Und es nicht einfach von anderen Gewaltphäniomenen abzukoppeln, sondern mit ihnen zuammen zu denken, ohne zu simpliifizieren. Es gibt ja Viertel Chicagos, da ist sowas Alltag. Da hängen bei den paar Hilfsbüros gegen Gewalt dann Zettel “Seit 3 Tagen keiner erschossen!”, und am vierten Tag ist der Zettel weg. Passiert wohl aus Mangel an Eigenverantwortung. Jetzt ist die Rassentrennung schon so lange vorbei, und die tuen immer noch so, als ob … sowas kann man dann ja immer in liberalen Blogs lesen. Manchmal auch in jenen, die jubelten, dass es sich in Bagdad dann noch schlimmer lebte … an Tel Aviv habe ich auch gesacht, und dan den Süden Libanons. Das war ja ein Selbstmordattentat in Littleton.

    Ein weiterer, ganz anderer, ziemlich unheimlicher Punkt ist, dass bei den Amokläufer die Anzahll derer, die Luvox, Prozac und Ähnliches in sich hatten, SSRI-Wiederaufnahmehemmer (die was ganz anderes sind als Ritalin und so, letzteres sind ja Amphetamine mit paradoxer Wirkung), wohl recht hoch ist.

    Noch unheimlicher ist, dass dieser wohl wahre Hintergrund, bei Eric Harris nachweislich, vor allem von Scientologen, Waffenlobbyisten und Antisemiten verbreitet wird. Habe dann lange mit jemandem in der Pharmaforschung, also jemand, der wirklich dran glaubt, an Medikamentierung und deren Wirkung, der sehr hochrangig forscht, telefoniert, den ich zufällig kenne, und der hat bestätigt, dass bei um die 4% der Jugendlichen, die dieses Zeug nehmen, zu extremer Feindseligkeit, Depressionen und manischen Zuständen entszehen können. Und das auch dann, wenn man sie nicht etwa plötzlich absetzt, wo es ein allseits bekanntes, sehr schlimmes “Absetzsyndrom” gibt, sondern eben auch so. Am schlimmsten zu Beginn, aber auch danach.

    Auch mein Kumpel war nun mit mir nicht der Meinung, dass Medikamente alleine sowas Greuliches auslösen kann, wie Scientologen gauben machen wollen. Aber es wohl ein weiterer Faktor.

    So, da haste die ewig lange Grundsatzantwort ;-) – um noch mal den Eindruck zu lindern, ich würde hier die simple Killerspiel-These verbreiten.

    Das sind aber alles Faktoren, die auf Menschenbilder verweisen: Mediale Reizüberflutung (das allerdings inklusive Computerspiel), ein gestörtes Vertrauensverhätlnis zu Eltern und Lehrern, extremes Mobbing durch Mitschüler, Popkultur und Medien, Medikamentierung statt Psychotherapie, ein wohl sehr demütigendes Aufeinandertreffen mit der Poliezi von Jefferson County (die haben in einen Lastwagen eingebrochen, wurden verhaftet und dann in ein staatliches Anti-Agressionstraining gesteckt), die simple Erfahrung, daß man mit Lügen und manipulativem Verhalten schlicht Erfolg hat, Frustration im Sexuallleben, eine Kultur, in der Waffen als cool und Kriege als Lösung gelten, und all das kann bei ganz vielen trotzdem zusammen kommen, ohne daß sie herumballen.

    Und ran muss man, glaube ich, tatsächlich an die Menschenbilder, die all das zusammen halten.

  36. momorulez April 30, 2009 um 8:33 pm

    @Lars:

    Danke! Muss ich langsam lesen, bei englisch dauert das manchmal bei mir ;-)

  37. Lina April 30, 2009 um 9:23 pm

    @ momorulez

    >>> Das sind aber alles Faktoren, die auf Menschenbilder verweisen …

    … die Du da ansiedelst, wo die natürliche Hemmschwelle aus Gründen gefallen ist, die praktisch irreversibel erscheinen – nachdem sie sich nicht nur im Einzelnen, sondern gesamtgesellschaftlich als akzeptierte Ohnmacht manifestiert haben. Und dass die ‘Hersteller’ dieser Ohnmacht zu benennen sind, aber nicht belangt werden können. Das ist es, was mich beschäftigt.

    Danke für Deine ausführliche Antwort, die mir vor Augen hält, dass ich mich nicht ausreichend mit den Hintergründen befasst habe, durch den blutigen Vordergrund damals regelrecht davor zurückschreckte und mich schnell abwandt habe – erfühlend, was die Tat ausgelöst haben mag, das schon.

    Dass Du die ‘simple Killerspiel-These’ verbreiten würdest, habe ich übrigens nicht angenommen (-: …

  38. momorulez Mai 1, 2009 um 8:08 am

    Das sind vor allem Gewaltverhältnisse in einer durchhierarchisierten, auf Status und Ego-Durchsetzung aufbauenden Welt, in der ein ganz gravierender Mangel an Mitgefühl ALLES durchdringt …

  39. Lina Mai 1, 2009 um 9:10 am

    “Aber die Verhältnisse” – um, wie besonders in Not- und Krisenzeiten Empathie zu entwickeln – “die sind nicht so” … nämlich anders, einerseits.

    Andererseits: sollte diese ‘Gabe’ im Zug der egozentriert und pseudofriedlich laufenden Zeit nach und nach gar aus den Genen verschwinden … evolutiv, meine ich? Mir kommt es so vor.

  40. netbitch Mai 2, 2009 um 3:19 pm

    @Ganz heftig sind so Typen wie Alain Delon, die ganz homoerotisch dann den “Eiskalten Engel” spielen. Der ist so homoerotisch wie Salma Hayek als Vampirdämon in “From Dusk till Dawn”- Pas du tout. Mit gleicher Berechtigung könnte ich sagen “Der spielte den Killer so erotisch, dass Frauen im Publikum feucht werden sollen”, aber auch das stimmt nicht. Es ging Melville um ine Charakterstudie des schizoiden Soziopathen an sich, und die Erotik Delons in dem Film ist die Erotik der Bestie, die Erotik des Tigers vom Typus “Man Eater”. Was Du da machst liest sich für mich so: Delon in dem Film ist heftig erotisch (ist er für mich als Hetera auch), Du selbst bist schwul, also verbindest Du beides miteinander und interpretierst die Art, wie Delon die Rolle spielt als homoerotisch. Eindrucksvolle Demonstration, wie Projektion funktioniert;-)

    Übrigems glaube ich auch nicht, dass Hardcore-Macho und Zuhälterfreund Delon bewusst mit homoerotischen Elementen gespielt hätte.

  41. momorulez Mai 2, 2009 um 5:56 pm

    Netbitch! Schön dass Du rumschaust! Und meine Wahrnehmung Delons ist dann doch sehr durch “Nur die Sonne war Zeuge” geprägt, und da versuch das jetzt auch noch mal ;-) … – das haben Matt Damon/Jude Law dann ja später expliziter durchdekliniert.

    Beim “Eiskalten Engel” kannste aber sogar recht haben. Wobei das natürlich schon auch nur im Rahmen und aus der Perspektive des Heteronormativen funktioniert, was Du schreibst. Ansonsten isser eben einfach erotisch, und gut ist. Was Du ja wahrscheinlich auch sagen wolltest.

    Übrigens bin ich mir sehr sicher, dass Hardcore-Macho und Zuhälterfreund Delon zumindest in frühen Jahren ganz außerordentlich bewußt mit homoerotischen Elementen gespielt hat. Natürlich ranken sich um den sehr viele Mythen, aber dass er nun gerade nicht im Rahmen des Heteronormativen agierte, sondern sehr offen war, das habe ich häufiger mal gelesen, auch jenseits von schwulem Wunschdenken, auf das andere einen dann ja gerne mal zurechtweisend hinweisen ;-)

  42. Thommen Mai 3, 2009 um 5:31 pm

    Die Diskussion sollte nicht nur über Männer, sondern auch mit Männern geführt werden!

    Die Männer, die Gewalt an Frauen ausüben, haben wirklich reale Probleme mit Müttern/Frauen (gehabt). Die traditionell-sexistische Art, Frauen aus diesem Zusammenhang herauszunehmen, indem man sie nur in ihrer “letzten Rolle” als Opfer betrachtet, muss aufgegeben werden.
    Frauen als Täterinnen haben in den letzten Jahren aufgeholt und ihre “Taten” sind sichtbarer geworden.

    Warum schaffen es fast alle schwulen Jungs nicht, ihren Müttern zu sagen, dass sie homosexuell empfinden? Diese schweigen es einfach tot, obwohl es nicht soviele Tussis geben kann, die nicht merken, wohin ihr Sohn hin schaut…

    30 % von befragten Bisexuellen in Australien würden sich lieber selber umbringen, als ihren Frauen zu sagen, dass sie auch homosexuelles Verlangen haben. Frauen kokettieren öffentlich und unverschämt damit!

    Es gibt von einem österr. Autor ein Buch über Mütter und was sie ihren Kindern antun (Autor ist mir leider entfallen)

    Frauen tun nichts. Das stimmt! Und dafür müssen ja auch nicht die Verantwortung übernehmen. So einfach ist das.

  43. momorulez Mai 3, 2009 um 6:48 pm

    “Die Männer, die Gewalt an Frauen ausüben, haben wirklich reale Probleme mit Müttern/Frauen (gehabt).”

    Na, dann ist ja alles in Ordnung, dann sind Männer ja nur Opfer und schlagen zurück ;-) … und das mit der Vantwortung halte ich für zu billig. Ich kenne eher Frauen, die sich grundsätzlich immer für alles schuldig/verantwortlich fühlen und das die Welt dann spüren lassen …

    Klar ist da einiges bei, was eigener Reflexion und Diskussion bedarf – hat hier ja durchaus auch schon stattgefunden, Lina ist da immer bereit, auch Gegenpositionen zu beziehen, was ich sehr freundlich meine. Hebt nur die anderen Probleme nicht auf.

    Wobei meiner Erfahrung nach Homos mit ihren Vätern weit mehr Probleme haben als mit ihren Müttern, was das “Coming Ourt” betrifft. Meiner ist auch gestorben, ohne es von mir erfahren zu haben. Lag aber auch dran, dass er sich einfach zu früh vom Acker machte Richtung Jenseits und meine Eltern geschieden waren.

    Und wenn bisexuelle Männer sich nicht trauen, ihren Frauen das zu erzählen, kann da ja nun noch mehr hinterstecken als nur eine bösartig intolerante Frau. Das mit dem Kokettieren verstehe ich nicht.

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