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Den beschriebenen Symptomen nach müsste ich an ADH leiden. Bin aber ein im Job über lange Jahre hinweg erfolgreich gewesener Teamplayer. Im Übrigen lässt sich, die nötige Sorgfalt voraussgesetzt, jede beliebige Persönlichkeitsstruktur pathologisieren. Man könnte z.B. auch als geniale Programmierer gefeierte IT-Nerds zu Autisten umdefinieren.
Ja, das ist ja das Perfide.
Bin zunächst auf die Diagnose-Kriterien bei Kids gestoßen, die man dann mit Ritalin abschießt, und hatte auch da schon den Eindruck, daß zwar die “Hyperaktivitätskriterien” auf mich nur teils zutreffen, der Rest aber auch.
Habe dann lange mit jemandem aus der Phrama-Forschung telefoniert, der meinte, man könne da schon von sowas wie dem Gesamtbild einer behandlungsbedürftigen Störung ausgehen, dann wenn dieses “Bündel” extrem würde und “soziales Funktionieren” nicht mehr möglich wäre. Dass dieses “Bündel” (ich nenne das gerade so, er hat das anders genannt) sich aber wohl vor allem einer Mischung aus Bewegungsmangel, Vernachlässigung und medialer Reizüberfltung verdanken würde. Und damit die Kinder heil durch’s Schulleben kämen, könnte es eben Sinn machen, das auch zu behandeln, aber de facto ja eher aufgrund gesellschaftlichen Drucks und schulischer Erfordernisse (zu große Klassen etc.), nicht, weil das “an sich” pathologisch wäre. Und formulierte auch die interessante These, dass Pathologisieren oft auch Akzeptanz bei Eltern für Verhaltensweisen erzeugen würde – “ach, der ist halt krank, der Arme”, wo sonst widersinnig autoritär und verständnislos interveniert würde.
So weit, so gut. Daß man dieses Konstrukt dann aber auch noch auf Erwachsene überträgt, da bin ich eben beim Surfen fast vom Stuhl gefallen. Und das bei ja nun wirklich ziemlich “normalen” Verhaltensweisen.
Diese verlinkte Seite ist ja der Knüller. Vor allem wird heir tatsächlich auf drei Wegen vollfahren 1. Medikalisierung, 2. Therapeutisierung, 3. Selbstdisziplinierung. ADHS als Selbstprojekt. Mann, bin ich froh, dass ich Soziologe geworden bin und doch nicht Psychologe. Wer weiß, was ich mir da nagetan hätte mit der Disziplin.
P.S.: Was sind denn “körüerliche Störungen”? Verdauungsschwierigkeiten, meine links-rechts-Koordinationsproblematik, die rot-grün-Sehschwäche, Fehlhörigkeit, Lähmungserschweinungen (ach stimmt, das war vor Hundert Jahren ja noch Hysterie…)
Na ja, die real-existierenden Psychologen sind ja auch oft besser als ihr Ruf. Wobei mir bei all dem Rumgesurfe rund um die Serotinin-Wiederaufnahmehemmer und Ritalin schon die etwas seltsame Vorstellung von Person, Individuum, wie auch man das nennen will, auffällt. Selbst die Evolutionsbiologen merken langsam, daß es eines komplexen Interaktionsverhältnisses zwischen Umwelt und Organismus bedarf, nicht einer Ursache-Wirkungs-Relation zwischen Gen und Handlung, únd daß man da ansetzen muß, um den Organismus sinnvoll beschreiben zu können, aber genau dieses Relationale wird bei der ganzen Ursachensuche im Einzelnen komplett ausgeblendet bei all den populären Seiten zu diesen Stoffen. Wie üblich sind da die, die’s wirklich erforschen, 3 Schritte weiter und zudem viel skeptischer. So reine Selbstrelationen wie aud der verlinkten Seite, da kämen die gar nicht drauf (war Mitte der 90er noch anders).
Die oben beschriebenen Verhaltensweisen würde ich ja durchaus, zumindest bei mir selber, als problematisch und z.T. menschliche Defizite beschreiben. Aber im Sinne von Marotten, Schrullen und Merkwürdigkeiten, nicht als etwas mit Krankheitswert. Das sehen herrschaftliche Persönlichkeitsschrumpfer aber ganz anders. Ich hatte mal einen Vorgesetzten, der von mir verlangte, dass ich Bestandteile meiner Persönlichkeit wie spontan-heftige Reaktionsweisen, eine gewisse Hibbeligkeit und eine eher von Eingebungen, Assoziationen und total-different-ideas als vom Abarbeiten an der Agenda bestimmte Kreativität ablege und dagegen am Besten eine Therapie mache und stellte mir eine Frist von drei Monaten, um das hinzubekommen, andernfalls würde mir gekündigt. Ich ging dann von mir aus.
Das Sich-Optimieren mit Psychostimulanzien, jetzt nicht Ritalin, sondern Reactivan und Captagon kenne ich aber seit den Siebzigern alsw Methode, z.B. beim Lernen vor Prüfungen Nächte durchzumachen. Das ist nicht neu und z.B. mit Kiffen oder Trinken zum Abchillen durchaus kompatibel. Oder z.B. sexdoping.
“Die oben beschriebenen Verhaltensweisen würde ich ja durchaus, zumindest bei mir selber, als problematisch und z.T. menschliche Defizite beschreiben.”
Was ja immer die Vorstellung eines Menschen ohne Defizite voraus setzt, also irgendein Bild von Normalität. Das ist wie mit dem Markt, den’s ja auch gar icht gibt, weil der Staat ihn daran hin dert, wirklich zu sein.
Und dieses Sich-Optimieren mit Psycho-Stimulanzen steckt ja auch hinter dem Ecstasy-Gebrauch – sich funiktionsfähig für’s Feiern halten. Diese Pappnasen haben mir einst echt zu schaffen gemacht, als das aufkam bin halt jemand, der auch immer mal traurig ist, und das empfinden diese verstrahlten Feier-Optimierer dann als bedrohlich. Und das bigott-verlogene dieses ganzen System hier ist es ja, einerseits Drogen zu geißeln, aber umgekehrt schon Kinder mit ihnen voll zu stopfen, wenn sie denn zappeln und was anderes interessanter finden als die binomischen Formeln. Ritalin ist was ganz ähnliches Speed, ‘nen Amphetamin halt, und ‘ne Weiterentwicklung von einem Zeug, auf das man Bomber-Piloten im Zweiten Weltkrieg setzte, und von dem Böll z.B. meines Wissens abhängig war. Sartre auch.
“aber genau dieses Relationale wird bei der ganzen Ursachensuche im Einzelnen komplett ausgeblendet” – weil es eben Mühe macht und etwas kostet, nämlich Zeit.
Beides kann dieses Gesellschaft sich anscheinend nicht leisten und exaliert dann eben das Limit für eine Weile. Oder entlässt das Ergebnis in die Hände der Rostock Ultras ;(
… außerdem kann so eine ordentliche Holsten-Melancholie morgens an der Elbe auf den Strom schauend auch eine mächtige Erfahrung sein
“@Die oben beschriebenen Verhaltensweisen würde ich ja durchaus, zumindest bei mir selber, als problematisch und z.T. menschliche Defizite beschreiben.”
Was ja immer die Vorstellung eines Menschen ohne Defizite voraus setzt, also irgendein Bild von Normalität.” — Nein, sondern die Tatsache, dass sich andere Leute durch einen genervt fühlen oder man sich selber bei Zielen im Weg steht, die man gerne erreichen würde. Dafür braucht es keinen Normalitätsbegriff, um unzufrieden mit sich selbst zu sein oder sich weiterentwickeln zu wollen.
@Ring2:
“… außerdem kann so eine ordentliche Holsten-Melancholie morgens an der Elbe auf den Strom schauend auch eine mächtige Erfahrung sein
”
Du betrinkst Dich mogens an der Elbe?
– aber ja, in der Tat! Diese Chemo-Drogen sind ja eh nix gegen den guten alten Hopfen.
@Che:
Paradoxerweise nimmt man am besten ab, wenn man akzeptiert, dass man dick ist – und am schlechtsten, wenn man Schuldgefühle hat,dass man dick ist.
Die beste Methode abzunehmen ist: Man trinke auf dem Sinai Wasser aus einem Brunnen. In 48 Stunden war ich auf 56 Kilo
Ich gönne ja jedem seine Holsten-Melancholie,die will ich aber für mich nicht. Ich finde für michbesser, gegen Kater morgen eine Menge Chilies zu kauen,die innerhalb von Minuten den Kopf klar machen, dann einen etwas größeren Kaffee als sonst zu trinken und dann joggen zu gehen oder mit Gewichten zu trainieren um anschließend wieder voll auf der Höhe zu sein statt sich einen Tag lang zu fühlen wie ein Schluck Wasser in der Kurve. Und wenn ich ein Wochenende durchzuarbeiten habe mache ich lieber Samstag eine mit Guarana, Kawa Kawa oder Red Bull gestützte Doppelschicht, schlafe am Sonntag lange aus und belohne meinen Körper für die Strapaze von gestern mit der Sauerstoffdusche eines langen Laufes als mir beide Tage kaputt zu machen. Und wenn ein Rotwein am Abend okay ist, warum nicht auch Guarana oder Pocket Coffee, wenn ich ein schweres Wandstück vor mir zu klettern habe? Ich rede ja nicht dem selfmanagement by mothers little helpers das Wort.
Und wenn mir jemand rät “Akzeptiere Dich, wie Du bist!” sage ich allein schon aus Trotz “Ich will aber nicht!”
Ja, ja, und wir sind damals noch barfuß über Stoppelfelder gelaufen … und Du kritisier noch mal die Selbsttechniken des Neoliberalismus …
@ momorulez
Wie meinst Du das? Das hiesse ja (paradoxerweise?), dass Du dem Staat die unlautere Absicht unterstellst, den unlauteren Markt zu behindern. Und dass er besser die Finger davon liesse, damit der sich auch schön frei bewegen kann. Was wäre gewonnen, wenn einer der ‘Erpresser’, privat oder staatlich, sich vom anderen zurückziehen würde? Wo doch in Sachen Betrug keiner besser ist als der Andere und sie – jedenfalls in meiner Wahrnehmung – doch nur zusammen ‘stark’ sind (und das auch wissen!) (-; …
Ich glaube, dass Ritalin das Ergebnis wechselseitiger Beobachtung von Markt und Gesellschaft ist – der Staat als Kontrollinstanz lediglich Erfüllungsgehilfe bei einem Befund, der ihm gelegen kommt. Jeder Kontrolle steht ja die Norm als Ziel gegenüber: vom Staat ist sie besser beherrschbar, vom Markt leichter bedienbar; die Gesellschaft sucht sie in der Gleichheit. Ritalin kann man vielleicht das Pflaster auf die alte, neu aufgebrochene Wunde der Leistungsgesellschaft nennen – oder aber, wenn man gemein sein will, das Produkt eines mörderischen Komplotts …
Was wir mittlerweile bewusst + berechnend, aber verraten + verkauft erledigen. Ich stelle fest, dass ich melancholisch werde und zum Arzt muss (-; ….
“Das hiesse ja (paradoxerweise?), dass Du dem Staat die unlautere Absicht unterstellst, den unlauteren Markt zu behindern.”
Nein, das heißt, das “Markt”, so wie das gerade von manch Liberalem verwendet wird, eine reine Idealisierungi ist, sowas wie “intelligible Welt” bei Kant (nur das der sie ja auch nicht als Idealsierung, sondern als Voraussetzung betrachtet; glaube aber nicht, dass das so noch jemand vertritt – selbst bei Habermas/Apel gibt es ja nur die “kontrafaktische Antizipation” von Idealsierungen). Ebenso, wie der “normale” Mensch, der “gesunde Mensch”, der Mensch “frei von Defiziten” eben Idealisierungen sind, die den umgang mit dem, ws ist, nur erschweren. Das ist ja tatsächlich generll so: Therapeutische Effekte in Richtung “sich neu erfinden” kann man nur erreichen, wenn man sich hin nimmt und gar nix anstrebt. Die “Anonymen Alkoholiker” proklamieren zunächst ihre Machtlosigkeit.
Und der einzige Fall, wo solche idealisierten Sprechweisen Sinn machen, ist Moral, eben das “Sollen”, das da zwar hinein ragt, aber auf einmal als deskriptiver und nicht mehr als normativer Diskurs auftritt bei unseren vermeindlichen Marktforschern. Das ist manchmal so, als würde sie über die Güte des Wesens der Farbe Rot diskutieren.
Und “Staat” wird ja auch gar nicht emprisch betrachtet. Das ist ja eine so weit verzweigte, vielfältige, in sich widersprüchliche und auf enorm vielen Ebenen operierende Krake, das macht keinen Sinn mehr, sich da ‘nen Quasi-Akteur vorzustellen. Ich halte diese Diskussion in der Tat für hinfällig. Das ist Poesie, und noch nicht mal gute.
“Ich glaube, dass Ritalin das Ergebnis wechselseitiger Beobachtung von Markt und Gesellschaft ist”
Ich glaube ja eher, das ist zunächst Spieltreib und Basteldrang und tradiert sich dann auf verschiedenen Ebenen je nach historischer Situation.
“Jeder Kontrolle steht ja die Norm als Ziel gegenüber:”
Ja, in der Tat.
“Ritalin kann man vielleicht das Pflaster auf die alte, neu aufgebrochene Wunde der Leistungsgesellschaft nennen – oder aber, wenn man gemein sein will, das Produkt eines mörderischen Komplotts …”
Ja, auch von faulen Eltern und schiefen Menschenbildern und einer Kultur, die Körper nur als Objekt von Normierungen und Subjekt von Funktionen, nicht als etwas, was ausprobiert und Spaß machen und Sinnlichkeit leben kann, begreift.
An das Komplott gaube ich nicht mehr, seitdem ich mit dem Pharma-Forscher telefoniert habe … man weiß ja noch nicht mal, warum das Zeug wirkt, es hat niemand ein Patent usw. … er hat zudem von erheblichen Differenzen zwischen US- und europäischen Pharma-Märkten zu berichten gewußt, was vielleicht wirklich an der langjährig schwerfälligen Dominanz “staatlicher” Gesundheitsfürsorge liegt. Vielleicht hat die gerade in der Hinsicht was Gutes, dass sie NICHT so flexibel und kurzatmig ist …
@ “und Du kritisier noch mal die Selbsttechniken des Neoliberalismus …ausprobiert und Spaß machen und Sinnlichkeit leben” —- Exakt Letzteres tue ich mit dem, was ich da selber mit mir mache, etwas Anderes ist Sport (auch als Ausgleich nach durchzechten Nächten) für mich nicht. Die anonymen Alkoholiker halte ich in diesem Zusammenhang übrigens für ein ganz schlechtes Beispiel. Sie gehen von einem ideologisch festgelegten Alkoholismusbegriff aus, bei dem ein Alkoholiker ein Leben lang ein Alkoholiker bleibt (nichts mit sich neu erfinden) und das einzig erreichbare Ziel die lebenslange Totalabstinenz ist, also Verzicht und nicht etwa das Erlernen eines verantwortungsvollen Umgangs mit Alkohol. Zugegeben, die Meisten von denen sind körperlich Abhängige, denen kein anderer Weg mehr bleibt, trotzdem ist der alanon-Ansatz ein ritualisiertes Zwangssystem, das keine Alternativen zulässt.
Das Komplott war natürlich ironisch gemeint; sowas läuft unterirdisch, ohne grosses Zutun, aus einem Bewusstseins- und Bedürfnisgleichstand heraus oder dem, der er eben werden soll. Schuldig macht sich eigentlich jeder, der nicht durchblickt, der seine Zwangslage, die ihn zur Einnahme zwingt, nicht durchschaut; ist leicht gesagt, ich weiss …
Jedenfalls hat Ritalin insofern, als es eine Anpassungs-, bzw. Gleichschaltungsdroge ist, seinen Zweck erfüllt und ist mit oder ohne (?) Patent (was ich nicht glaube!) in den Rang eines vermeindlichen Allheilmittels für die kranke Gesellschaft aufgestiegen. Anstatt die Ursachen von Störungen dort zu suchen, werden sie symptomatisch personalisiert, privatisiert.
Also, das möchte ich stark bezweifeln (ist mir aber jetzt ein zu weites Feld). Differenzen zwischen Pharmamärkten spiegeln m. E. auch nicht unterschiedliche Systeme, sondern Mentalitäten. Um zu überspitzen: der amerikanischen, bewusst durch Pillen erzeugten + erhaltenen Sorglosigkeit steht ‘unsere’ Tradition des Durchbeissens, bzw. des gefügigen Aushaltens + Anpassens gegenüber. Deshalb, glaube ich, geben + nehmen ‘wir’ auch lieber Ritalin, anstatt ‘uns’ mit Prozac abzusetzen. Ich glaube, der Suizid, von dem Du sprichst, liegt ‘uns’ einfach mehr (-; …
Wobei die Folgen eines regelmäßigen Ritalin-oder Prozac-Konsums ähnlich verheerend sind, und ich meine, als die Stones “mothers little helper” schrieben waren Pervitin und valium gleichermaßen verbreitet. Silent hesitation is the english way….
@Che:
“Exakt Letzteres tue ich mit dem, was ich da selber mit mir mache, etwas Anderes ist Sport (auch als Ausgleich nach durchzechten Nächten) für mich nicht”
Ja, ich weiß, Du bist ja auch ‘ne höhere Lebensform. Jetzt geht das schon wieder los … schreib doch mal drüben bei Dir was über das Zwangssystem der Anonymen Alkoholiker!
@Lina:
“Differenzen zwischen Pharmamärkten spiegeln m. E. auch nicht unterschiedliche Systeme, sondern Mentalitäten.”
Ja und Nein. An dem mit dem “Durchbeißen” ist bestimmt was dran, das mit dem Anpassen glaube ich nicht, dass das hier stärker ist, und es gibt zudem aber auch ganz erhebliche Differenzen bei der Zulassung von Medikamenten. Mit Vor- und Nachteilen.
@”höhere Lebensform” — Wenn Du damit nicht umgehen kannst, dass ich zu Themen, die etwas mit Körperlichkeit oder Weltwahrnehmung zu tun haben andere Antworten gefunden habe als Du und dazu stehe, dass ich diese Antworten für mich – nicht für Andere- gut finde und zu leben bemüht bin, dürftest Du ein grundsätzliches Problem mit der Meinungsfreiheit haben.
Das “höher” und “nieder” spielt sich nur bei Dir ab, ich weiß nicht warum, wills aber auch nicht mehr wissen.
Tschüss.
@Che: AA
In den Schriften von AA ist natürlich eine Tendenz zu erkennen: die Trockenheit als Ziel (nur für heute allerdings, nicht lebenslang). Von einem ideologisch festgelegten Alkoholismusbegriff kann man aber nicht reden. Wer trinken will, der soll trinken. Und wer ein Problem mit der Sauferei hat, der kann Hilfe bei AA finden. Will man dies, kann man von den Schritten und den Traditionen der AA annehmen was man will. Oder es bleiben lassen. Man kann Pausen von der Sauferei machen, weitersaufen oder aufhören. Das kann und muss jeder für sich selber entscheiden. Druck gibt es an keiner Stelle. Trotzdem kann man an AA-Meetings jederzeit vollberechtigt teilnehmen. Der Begriff Zwangssystem für AA ist wirklich absurd. Die einzige Voraussetzung für die Zugehörigkeit ist der Wunsch, mit dem Trinken aufzuhören (aus der Präambel der AA). Das wars. Und wenn sich jemand neu erfindet, dann der klapprige Alki, der nach der x-ten Entgiftung in der Klinik sein Leben mit AA neu regelt und trocken bleibt.
Die Auffassung, dass kontrolliertes Trinken bei Alkoholikern nicht funktioniert, halte ich für empirisch auch ziemlich gut bestätigt. Und die körperliche Alkoholabhängigkeit ist dabei das geringste Problem. Die hat man relativ schnell im Griff. Und dann fangen die eigentlichen Probleme erst an.
@Che:
“dürftest Du ein grundsätzliches Problem mit der Meinungsfreiheit haben”
Das isses, Che! Ja! Gut, dass Du mir das gesagt hast! So geinne ich Möglichkeiten der Einsichtsfähigkeit!
Und Tschüss, ja, bitte. Bittebittebitte endlich Tschüss.
@Cut:
“Wer trinken will, der soll trinken. Und wer ein Problem mit der Sauferei hat, der kann Hilfe bei AA finden. Will man dies, kann man von den Schritten und den Traditionen der AA annehmen was man will. Oder es bleiben lassen.”
So wurde mir das auch berichtet. Wobei man das gleiche natürlich auch bei der Ritalin-Einnahme bei Erwachsenen behaupten könnte.
Was sehr gut zu der These der unterschiedlichen Mentalitäten und des daher unterschiedlichen Medikamenteneinsatzes passt:
http://blogs.psychologytoday.com/blog/side-effects/200904/the-bipolar-child-is-purely-american-phenomenon-interview-philip-dawdy
AHDS wird zwar auch in Deutschland gern diagnostiziert, aber von “bipolaren Störungen bei Kindern” im Zusammenhang mit “Konzentrationsstörungen” habe ich bisher noch nie etwas gehört.
Oh. Danke! Lese ich in Ruhe druch!
Typisch für eine leicht- bis mittelgradige persönlichkeitsstrukturelle Störung, welche zwischen Borderline und Narzissmus einzuordnen ist, ist das regelmäßige Zerstreiten mit ehemaligen Weggenossen.
Ganz ohne Häme: Eigentlich, Momorulez, bist du ziemlich grandios. Nicht zuletzt, weil das so ist, sollte es dir – auch in eigenen Interesse – leichter fallen, auf andere wieder zuzugehen. Die Größe solltest du haben – tja, und am Ende bist du sogar selber weniger verletzt.
Egal, ich könnte mich auch irren. Sicher ist nur: Du solltest gelegentlich Hilfe annehmen, Momorulez. Auch du bist keine Insel.
P.S.
Brauchst keine Sorgen haben, dass ich hier öfter vorbei schaue. Ich bin immer noch sattsam bedient. Also: Machs gut!
(und schreib Che eine nette Email – du kannst das…)
Ach Dean, Danke für die ach so freundschaftliche Ferndiagnose – ansonsten: Ich lebe ja nicht nur im Netz … und in letzter Zeit noch mal deutlich weniger. Ein gutes Zeichen, glaube ich.
So sehr unfreundschaftlich war das garnicht, Momorules! Das hätte dann ganz anders ausgesehen. Mir geht es nicht darum, hier irgendwen zu verletzen. Deinem Leben außerhalb des Netzes wünsche ich selbstverständlich gutes Gelingen – obwohl ich ja eigentlich denke, dass du als sinnenfroher, umgänglicher und unternehmungslustiger Mensch damit keine sonderlichen Probleme hast. Stell ordentlich was auf die Beine – und lass gelegentlich davon hören! Du gehörst schon zu den Leuten, von denen ich etwas Gutes erwarte.
Ciao!