Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

“Dorfpunks” oder Die Banalisierung der eigenen Biographie aus reiner Feigheit angesichts verdrängter Lust und Wut

War ja alles gar nicht so wichtig. Man darf die Rolle halt nicht überschätzen – jene der Popkultur. Doppelschwurbel: Tilge das Soziale der 70er und entwerte den Ästhetizismus der 80er, so stößt Du auf die nichtige Provinz und feierst froh den Sinn-Verzicht, die Banalität des Alltags. Dagegen ist jede “Bianca”-Tele-Novela geradezu subversiv. Horkheimer und Adorno hatten schon recht, dass das Kino auf die Verdoppelung des Alltags hinaus läuft, auch wenn sie das eigentlich anders meinten.  Die eigene Bedeutungslosigkeit bedeutungschwängern: Alberner Trick. Wie wasche ich Hände in Unschuld und lasse Lust und Wut nur noch flackern wie’ne Funzel beim Stamm-Italiener? Man gucke “Dorfpunks”, dann weiß man, wie das geht. Ganz familienfreundlich.

Weil man die Zeit danach ja auch nicht mochte, verbleibt man in den Achtzigern, behauptet sie als letzte Idylle aufgrund ihrer Langeweile – gut, wie zur Rechtfertigung prügeln auch mal kurz Skins und Rocker, wieder nur Flackern. Zum Einstieg gibt’s Tritte in die Fresse, die stärkste Szene muss ja als Einstieg herhalten, um die Zuschauer hineinzuziehen, gähn. War wohl der Fernseh-Redaktuer, der das forderte.

Billy Wilder wußte noch, dass man mit einer Explosion einsteigt und dann langsam steigert – dies Prinzip einfach umzudrehen, immer mehr nachzulassen, das ist Trend, weil: Familienfreundlich. Warum auch durch Intensität Fragen stellen? Dass die Anti-Intensiven siegten, ist eben auch Kohlismus, nicht enden wollender.

Man zelebriere die Ratlosigkeit so nachhaltig, dass doch nur dessen Adenauer-Sehnsucht bleibt: Halbe Halbstarke und ganz viel Landschaft, grün ist die Heide, weit der Norden unweit der Ostsee. Man drehe das Ganze noch in einer Bildästhetik unweit von “Neues aus Büttenwarder” – klar, kann man legitimieren, ist ja ‘ne Provinzgeschichte, spielen wir doch mit den Stilmitteln der N3-Tristesse und deuten Ironie nur an. In der Provinz sind alle weiß und fahren Trecker.

Plötzliche Einsprengsel von Witz – unter dem Banner “Kulturnacht” in einer Schulaula entsteht, das Publikum bepöbelnd, des Sängers Erkenntnis, dass das punkigste Punk-Konzert ist, gar nicht erst Musik zu machen. Zwischendurch mal Insider-Witze über Whitesnake und Prefab Sprout eingestreut, und ganz plötzlich liebevoll die Teenie-Fete im Partykeller bis in’s Detail der Zeit da einst, die in “Dorfpunks” noch nicht mal wirklich karrikiert sich findet, nachinszeniert: Da sitzt der weiße Pulli der Korpulenten, selbstgestrickt und über die Schulter gerutscht, wirklich wie bei der Konfimantenfeier ’81, und die Popper-Frisuren sehen auch genau so aus aus, wie’s war.

Aber ansonsten:Wie in diesem strunzdämlichen Buch von Jan Off, “Vorkriegsjugend”, eine einzige Kasteiung dessen, dass man den Punk-Trip in der eigenen Jugend überhaupt relevant fand. Beim Kino-Machwerk, auf dem Schamoni-Buch basierend, spürt man zu allem Überfluss ganz wie Zahnschmerz, wie das Lektorat Spuren der Dramatisierung hinein redigiert hat, “fast ertrunken auf der Ostsee, existentielle Krise, Wendepunkt, Junge will nun wirklich Musiker werden, aber seine Freunde machen nicht mit”. Autsch. Wodurch dieser verstaubt-verdrängte Selbsthass der Macher – genau der ist es ja, den sie verschütten unter ihrem Willen zum Banalen - in Form eines Filmes, der trotzdem die Landschaft liebt, endgültig auseinander fällt. Ein Trauerspiel. Nee, legt einfach alte Östro 430-, D.A.F. -, Hans-A-Plast und Goldene Zitronen-Platten auf, dann wißt ihr es: Dieser Film lügt.

2 Antworten auf “Dorfpunks” oder Die Banalisierung der eigenen Biographie aus reiner Feigheit angesichts verdrängter Lust und Wut

  1. ring2 April 18, 2009 um 10:28 am

    Bist Du sicher, dass Du hier nicht in eine Psychonalysefalle fällst ;)

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