Na, mal abgesehen von Peter Fox. Auf den lasse ich ja nix kommen. Aber ob’s Pochers strecken- und erstaunlicherweise komisches Dauerpöbeln war, weil der ja 90er-Ikone Harald Schmidt chronisch mißadaptiert, oder der plötzliche Anfall von Political Correctness bei Bushido, der sich für Frauenrechte einsetzen will und dann doch “Na, wo bleiben denn die Emanzen?” ausrief (und der’s schaffte, daß in Zeiten von Eva Herrmann und Frau von der Leyen mir das wie ein Aufruf zur Homophobie erschien, was natürlich Quatsch ist, aber was aussagt, erst recht, als die eigentlich ja ganz geile Sau v0n Prollrapper ritterlich an’s Mikrophon stürmte, um dieses arme Mädchen mit der Brille vor johlendem Publikum zu schützen, das sich verstieg, mit Lionel Ritchie den Soul gröhlen zu wollen und dabei souverän-väterlich deklassiert wurde): Dieses “höher, schneller, weiter” bei gleichzeitiger Reanimation dessen, was als “Big Name” gilt, das hat ja ’95 noch funktioniert. Sah ja alles aus wie ‘ne aufgeblasene BRAVO Supershow, ohne auch nur im entferntesten an die Coolness der MTV-Awards heranzureichen. Mein – sehr netter! – Steuerberater ist da schließlich auch hingefahren. Allein schon diese ausgestellte Nominierten-Lounge auf weißen Sofas, die aus guten Gründen sonst Backstage verbleibt: Das wirkte wie die feuchten Träume jener, die es einst ertrebenswert fanden, in den V.I.P.-Bereich des Trinity vorzudringen oder im p1 Promis zu gaffen. Bekenne auch, daß ich mich gestern sogar bestens unterhalten fühlte bei dieser seltsamen Nabelschau und Musealisierung untergegangener Pop-Reiche, aber Atlantis hat jetzt ja auch irgendwer bei “Google Sea” oder wie das heißt entdeckt.
Komisch, daß das gar keinem aufgefallen ist, daß es kein Zufall war, daß Lindenberg Mitte der 90er seinen Echo für das Lebenswerk erhielt und nun noch mal als “Bester Act National” gekürt wurde. Daß es genau die Rezepte jener Zeit sind, die gestern für ‘ne recht schwache Quote sorgten. Auch damals, so in der ersten Hälfte der 90er, waren Depeche Mode noch mal ganz groß, wurden die Die Toten Hosen endgültig Stadionrocker und Inbegriff der teutonischen Gröhl-Seele, Ballermann halt, und wurden U2 zu Unrecht noch mal so richtig bejubelt; der Sound, den man denen bei der Präsentation ihrer ausgesprochen langweiligen neuen Single gestern zumutete, war eine Frechheit selbst einem wie Bono gegenüber. Depeche Mode waren da schon pointierter, wie sie fast selbstironisch und herrlich knapp die Zeiten zitierten, als sie in Berlin Neubauten-Samples zu Welthits verwursteten, und daß Lindenberg da so unterhaltsam über die Bühne schlenderte, war eben auch nur ein Symptom dafür, daß der sowas wie der Peter Alexander der 40-50jährigen und darüber hinaus geworden ist. Zum Glück hat der lange schon keine Filme mehr gedreht, der eine, an den ich mich erinner, hatte ja auch die unfreiwillige Komik vom “Weißen Rössl” und “Graf Bobby”. Wo ja nie die intendierten Pointen lustig waren, sondern immer nur, daß die Macher wirklich glaubten, diese könnten lustig sein. Daß Jan Delay mit dem Lindenberg gesungen hat, werde ich ihm ja auch nie verzeihen. Die Scherben waren halt immer das, was im Deutschrock wirklich wichtig war, nicht Lindenberg, was ausgerechnet Westbam immer schon am besten begriffen hat.
Soweit zur Relevanz. Unterhaltungssauce, make it big und amüsant – aber was außer Razorlight hatte eigentlich gestern etwas zeitgemäßes? Die Scorpions mag ich ja sogar, nicht musikalisch, aber sonst, na ja, denen gönne ich schon alles; “Ich + Ich” arbeiten mit den gleichen Rezepten wie der Schlager einst, okay, das kann man noch zeitgemäß finden; Paul Potts stieß gesanglich doch allzu deutlich an seine Grenzen, und diese Schlager-Maus brachte das alles eigentlich unfreiwillig auf den Punkt, was “Leitkultur” in Deutschland wirklich bedeuten könnte: Schlechte Melodien auf Synthie-Mischmasch-Sound, und im Hintergrund tanzt wie eh und je das Fernsehballett.
Das war eigentlich die Sendung zur Finanzkrise, fett aufgeblasen, gebannt schauen alle zu und halten die Maschinereie am Laufen, dabei haben nur Handys überlebt, und öffentlich-rechtlich suvbventioniert werden vermutlich Veranstalter und TV-Produzenten ein fettes Minus eingefahren haben, wenn noch am Freitag morgen auf “Oldie ’95″ für den Kartenverkauf geworben wurde und Sponsoren-Einbindung öffentlich-rechtlich ja auch nur bedingt möglich ist.
Aber dann war da ja noch der deutsche “Grand Prix”-Beitrag: Was für eine grandiose Frechheit, das fand ich ja fast schon wieder gut, diese Unverschämtheit, Cab Calloway schlecht und treudeutsch zu recyclen, indem man ihn einmal durch den Catarina Valente & Silvio-Francesco-Wolf drehte, den “Mambo Nr. 5″ im Hinterkopf, und das ganze mit, na, was wohl, 90er-Sound-Saucen zu garnieren und was Mittelmäßiges dann ganz, ganz groß aufblasen: Wie die ganze Veranstaltung halt. Wenigstens den Sänger würde ich schon buchen, wenn er denn Edelstricher wäre und ich sowas täte, ist aber beides ja nicht der Fall, deshalb sei wenigsten die neue Frisur und die Brille von Laudator Joko Winterscheidt belobigend erwähnt. Sah gut aus. Aber der ist ja im Gegensatz zum Rest der Veranstaltung eh Zukunft und hat so jeden Applaus verdient …
Mit Veranstaltungen wie dem “Echo” gehen ich um wie mit dem Karneval: kann ja spaßig sein, aber ist absolut nie mein Ding gewesen.
Hinsichtlich Udo Lindenberg bin ich etwas anderer Ansicht: er *war* IMO mal wichtig – auch wenn das über 25 Jahre her ist … Abgesehen davon finde ich ihn als Typen, trotz oder wegen einer gewissen Peinlichkeit, sympatisch. (So ähnlich geht’s mir auch mit den Scorpions.)
Allerdings gebe ich Dir insofern recht, da die Scherben weitaus mutiger und sehr viel innovativer waren, als es Panikrocker Udo selbst in seinen besten Tagen nicht war.
Die Scherben haben auch andere, nachfolgend wichtige Musiker sehr viel nachhaltiger beeinflusst, darum ging’s mir primär …. und ich weiß ja, daß es eigentlich auch gemein ist, den zu dissen, aber dieser Pseudo-Hype aktuell nervt mich.
Im Kulturbetrieb arbeiten doch heute die, die sie bei den Werbern nicht genommen haben.
Dann haben die’s aber bald schwer, wenn die Werber alle arbeitslos werden … und wie kommst Du ausgerechnet beim Echo auf “Kulturbetrieb”?
Doppelsatire.
>>> “Soweit zur Relevanz”
… die Du hier ganz alleine für Dich gesucht + gefunden hast, ja? Denn Relevanz zu mir, Deiner Leserin, hat dieser Eintrag (dessen Dir charakteristische Form ich mag!) diesmal kaum, d. h. er berührt bei mir nur einen Punkt, ist also für mich mehr oder weniger ‘nur’ sich orientierender Aus-Fluss eines Szenebeobachters (-; …
Kam mir beim Lesen vor wie in den Orbit gebeamt – um von oben zu sehen, wie unten wieder mal eine am Gemeinwohl schmarotzende Promi-Clique sich selbst als schmarotzende Promi-Clique feiern konnte. Seitdem ich mich darüber ärgere, dass das auf Gebührenzahlerkosten geschieht und die Schmarotzer eigentlich in die Kniee gehen müssten, dass ‘wir’, die Öffentlichen, ihnen immer öfter immer mehr Platz machen, schaue ich nur noch weg, wenn sie dort ihre Personality-Shows abziehen.
Wenn das Pop ist – was ist Pop dann? Sag’s mir, bzw. sag’ selbst: wie soll sich da so etwas wie Qualität entwickeln + entfalten, wenn sie die Bühne immer + umsonst haben? Und wenn man ihnen Preise in den Allerwertesten schiebt, für die sie in freier Wildbahn, also bei den Privaten, hart arbeiten müssten? Für mich ist so ein ÖR-’ECHO’ eben nicht nur Anlass, über neue Hypes oder Retro-Hypes und ihre Protagonisten nachzudenken, sondern in erster Linie mal ein Fall von Veruntreuung öffentlicher Gelder, also Beschiss.
Das ist aber nun wieder das übliche Problem mit Leuten, die den liberalen Topoi wider besseren Wissens folgen wollen – das hat nicht viel mit Schmarotzen oder auch nicht zu tun, zudem im konkreten Fall auch unklar ist, wer da an wem schmarotzt, da, vermute ich lediglich, Veranstalter und TV-Produzent in diesem Fall bestimmt draufgezahlt haben und das so Relationen sind, die sich all den wirtschaftlichen Analysen sonstwo entziehen.”Schmarotzen” ist da ein schon deskriptiv völlig untaugliches, begriffliches Instrumentarium, wie ja sowieso jegliche konstitutiv ansetzende Unterscheidung zwischen Staat und privat in Warstchaftsfragen, das ist fast immer Unfug. Und die Veranstalter/Produzenten sind ja “privatwirtschaftlich” unterwegs.
Zudem mich immer erstaunt, daß ich nach Jahren der Blgosphäre drüben bei den B.L.O.G.s erstmal gelesen habe, daß sich jemand neben diesem Dumm-Topos von der hetzerisch-dominanten Linkspresse darüber Gedanken machte, wie Öffentlichkeiten funktionieren, und da gehört in der Tat so ein Event dazu, und da hat es auch Relevanz. Hat man im “eigenen Lager” ja auch nicht verstanden, daß sich das “90er” nicht auf konkrete Lebenswelten bezieht, sondern auf mediale Darstellungsformen, und da ist dieser Echo dann ein Krisensymptom, behaupte ich mal – keiner weiß mehr weiter, machen wir ihn extrabreit.
“wie soll sich da so etwas wie Qualität entwickeln + entfalten, wenn sie die Bühne immer + umsonst haben?”
Qualität und Fortschritt in der Kunst hat sich seit der Moderne genau dann entwickelt, wenn nicht auf Marktförmigkeit geachtet wurde, und alle Märkte, die da folgen, haben genau daran dann schmarotzt. Schopenhauer, van Gogh, Nietzsche, Sartre, die Neubauten, Elvis, die gesamte US-Black-Culture in ihren Anfängen waren Marginalsierte, die ihr Einkommen von woanders her bezogen haben. Diese Anreiz-Theorie trifft hier gerade nicht zu, und Markt sorgt fast immer für Qualitätsverlust. Und z.B. der Grand Prix-Beitrag ist ja nun ein Beispiel für das, was dabei rauskommt, wenn man nur auf’s Geld guckt.
“sondern in erster Linie mal ein Fall von Veruntreuung öffentlicher Gelder, also Beschiss.”
Dann ist auch Private/Public-Partnership an Universitäten Beschiss. Und beschissen hat uns sowieso immer Dein Klientel, Lina … die Form der Veranstaltung ist dem Markt geschuldet, da stecken ja Jahre Privatfernseh-Erfahrung drin.
>>> Dann ist auch Private/Public-Partnership an Universitäten Beschiss.
Ja, ist sie auch, seit sich so gut wie jede Unternehmung dieser Art in Städten + Gemeinden als (Selbst-)Beschiss der öffentlichen Kassen herausgestellt hat; viel darüber gelesen + gesehen (aber leider nichts Dokumentierbares in der Hand).
>>> Und beschissen hat uns sowieso immer Dein Klientel, Lina … die Form der Veranstaltung ist dem Markt geschuldet, da stecken ja Jahre Privatfernseh-Erfahrung drin.
Richtig, das mit der Privatfernseh-Erfahrung, die ö.-r. glatt übernommen wird. Ich als Gebührenzahler möchte diese Methode aber nicht finanzieren müssen, sondern erwarte Kontrast. Was ich den Öffentlichen unter ‘Beschiss’ ankreide ist ja, dass sie uns, weil vordergründig populär + lukrativ, dasselbe nochmal anbieten, anstatt wählerischer, kreativer zu sein als die Marktschreier. Insofern schmarotzen (doch!) genau die im Marktlager ‘gemachten’ Promis an meinem + Deinem Geld, wenn die ÖR ihnen meine + Deine Sendezeit ohne Ende einräumen. (Übrigens: wo, bei welcher Klientel verortest Du mich eigentlich immer wieder? Ich stehe weder hier noch dort, sondern sitze zwischen den Stühlen (-; …)
Ansonsten: volle Zustimmung für das, was Du über die Entstehungsmodalitäten von Qualität (in Kunst/Kultur) sagst, nur: warum funktioniert es nicht mehr? Wegen der Vermischung marktüblicher mit politischen (käuflichen) Kriterien?
“Ich als Gebührenzahler möchte diese Methode aber nicht finanzieren müssen, sondern erwarte Kontrast.”
Da sind wir uns einig! Und glaub mir, ich arbeite dran
…
“Ich stehe weder hier noch dort, sondern sitze zwischen den Stühlen”
Ja, aber hier, und das ist ja auch gut so, setzt Du Dich eher auf den gegenüber, aber sonst würde es ja auch langweilig.
“warum funktioniert es nicht mehr?”
Wegen der niedrigen Hartz IV-Sätze?
– die Leute müssen halt Bewerbungen schreiben, statt als neue Van Goghs sich zu positionieren. Und es kommen ja langsam auch hier Impulse aus den Immigranten-Kulturen, wenn auch im Falle Bushidos nicht die, die man gerne hätte.
Und ansonsten, weil zumindest bei den von ’85 bis 2001 entscheidend Sozialisierten halt Markt als entscheidendes Handlungskriterium propagiert wurde und ich ja auch eigener Erfahrung weiß, was das für ein immens aufreibender Windmühlenkampf ist, noch einen Hauch des Anderen im Gleichen zu behaupten.
Ich hoffe ja sehr auf die jetzt um die 20jährigen, weil die aus den Irrtümmern der Spacken davor hoffentlich lernen und Dank der Finanzkrise auch gar nicht anders können werden.
>>> … noch einen Hauch des Anderen im Gleichen zu behaupten.
(Schön gesagt!) – Du arbeitest daran? Prima! Dann mach’, ‘dass das Wunder geschieht’ (gerührt, nicht geträllert!
…
Das geschieht doch seit Jahren in regelmäßigen Abständen
…
Dann könntest du ja die Hände in den Schoss legen, astro-logisch gesprochen
…
Btw.: gerade erst beschimpft, muss ich die ÖR jetzt mal loben: Ein Klasse-Thementag auf ‘phönix’, wie ich sehe. Von Interesse?
http://www.phoenix.de/content/startseite/dokumentationen/226192
Das liest sich gut! Phoenix hat auch oft spannende Themen-Tage, wobei das ja auch immer reines Recycling ist, was aber nix macht. Die “Elvis’ 56″-Doku ist eher öde, das sind fast nur Fotos.
Ach, MR, come on… das war jetzt wirklich zu billig. Ich wüsste nicht, wer bei uns solche Sprüche bringen würde, und ich selbst wundere mich mehrmals explizit darüber, dass die Ränder die Presse immer von der Gegenseite beherrscht sehen. Geht ja in alle Richtungen, das.
Da zollt man Dir hier einmal explizit ganz explizit Anerkennung dafür, daß Du die (sehr richtige) habermassche Diagnose, es fehle an einer europäischen Öffentlichkeit, zitierst, und das trage zum allgemeinen Demokratiedefizit bei – und Du pickst Dir ausgrechnet die andere Aussage heraus
…
Habe über die Jahre in der Blogosphäre diesen Topos von der “linken Mediendominanz” in verschiedenen Varianten so dermaßen oft gelesen, daß ich jetzt noch nicht mal sagen könnte, ob es bei euch war oder nicht. Daß es in alle Richtungen gilt und man jeweils die Gegenseite am Ruder wähnt, ja, da haste recht.
Nur daß es weniger Zeitungen in der Hand linker Splittergruppen gibt als Medienkonzerne, die den Interessen ihrer Eigner folgen und die von Werbekunden leben. Während beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk wenigstens alle Parteien gleichermaßen rumlaufen, und gerade die katholische Kriche da auch gerne hinein wirkt. Herr Wulf und Frau Müller gemeinsam beim Echo, vom NDR produziert, waren ja auch ein deutliches Signal. Umd das ganze jenseits von Pauschaldiagnosen mal zu spezifizieren.
Was mich aber darüber hinaus wundert, und das ist ja das eigentlich viel interssantere Thema hinsichtlich dessen, worum’s in dem Text eigentlich ging, ist, wie das alles jenseits des Leitartikler- und SpOntums funktioniert und was da politisch ist und was nicht. Hatten wir ja auch gestern wider am Millerntor, daß es auf einmal Wechselgesänge zwischen unseren und den den Lautern-Fans bzgl. “Scheiß DSF” und “Scheiß DFL” gab, so als Reaktion auf das, was Medien bewirken – habe ich vorher noch nie erlebt, Wechselgesänge zwischen verschiedenen Fanlagern, die keine Beschimpfungen waren. Und da kann man ja schon fragen, auf welcher Ebene sowas politisch ist und ob überhaupt. Oder der Bremer Tatort neulich über die türkische Sippe, den immerhin 8 Millionen Leute gesehen haben, an dessen Drehbuch Thea Dorn mitwirkte, die ich sehr gut finde, die aber wiederum keine Skupel hat, Ulrike Ackermann in ihrer ARTE-Talkshow zu befragen, sowas wirkt viel umfassender als Herr Malzahn oder Herr Schirrmacher.
Und da würde ich schon behaupten, daß sowas im liberalen Lager viel weniger diskutiert wird und als Politikum auch nicht wirklich verstanden wird, und da Konservative und Linke traditionell mehr zu zu sagen haben. Mal so als These aufgestellt, die ja dazu dienen kann, mich eines Besseren zu belehren. Und, These 2, ich glaube, daß das an der Art eurer Begrifflichkeiten liegt und es mich somit um so mehr freute, als Du Habermas zitiert hast.
Ich hatte ja nur den Verdacht, dass du mein Habermas-Zitat meintest, aber schön, den hier bestätigt zu sehen. Ich weiß eben, wie ich einfach Punkte machen kann – schon beim Schreiben wusste ich dich auf meiner Seite
Klar, Habermas hat da recht, aber ich habe den vor allem deswegen “zitiert” (besser: das Zitat bei Jörg Friedrich geklaut), weil das schon immer einer meiner vielen Kritikpunkte am Konstrukt dieser EU ist. Nur klingt aus unerfindlichen Gründen ein Rayson-Zitat nicht so gut wie ein Habermas-Zitat
Ich halte es jedenfalls für witzig, dass du auch in der Blogosphäre auf nichts so sicher stößt wie auf die Behauptung, die Presse sei durch die von dir (jetzt nicht wirklich “dir”) dämonisierte Gegenseite kontrolliert. Egal, von welchem Rand das kommt. Mir gibt das jedenfalls einen Hauch Gewissheit, dass es so schlimm nicht sein kann. Den ÖR mal ausgenommen, aber da werden wir eh nie auf einen gemeinsamen Nenner kommen.
Interessant, was du vom Millerntor berichtest – wir könnten da eine Diskussion über IP lostreten, vielleicht mit überraschenden Fronten. Aber andererseits ist das “Scheiß xy”-Gesinge ja auch nicht unbeliebig, wenn es keine konkrete Alternative gibt. Oder will das Millerntor etwa Ernst Huberty zurück?
Da würde ich dir gerne eine klassisch liberale Antwort geben: Gut möglich, und wäre auch völlig ok so. Die entscheidende Frage stellt sich erst bei den Umsetzungskonsequenzen. Du magst in diesem Zusammenhang unsere Begrifflichkeiten kritisieren, aber du meinst in Wirklichkeit unsere Kriterien. Darüber ist jedoch leider nicht zu diskutieren.
>>> Die “Elvis’ 56″-Doku ist eher öde, das sind fast nur Fotos.
Also, die kann’s nicht gewesen sein, trotz der vielen Standfotos, oder? Ich fand sie toll, sehr dicht an ihm dran, ohne viel Kommentar sehr aussagekräftig.
Ich leg’ mich jetzt ins ‘Heartbreak Hotel’ und lass’ mir ein Lullaby singen, nein, doch lieber ‘Hound Dog’ … und darüber, also meine (Auswahl-)Kriterien diskutiere ich erst gar nicht, leider ((-; …
@Rayson:
IP? Was’n das?
Na, und Kriterien, da gibt’s ja ganz viele verschiedene, nicht nur die paar wenigen
– ist ja auch egal.
Und auf dem Betzenberg und am Millerntor will man lediglich Anstoßzeiten und Spieltagsfestsetzungen, die sich an denen im Stadion auch orientieren und nicht nur an denen vor den Bildschirmen. Und darüber hinaus zwar noch einiges mehr, aber das ist so das zentrale Problem.
Und Deine habermasiansischen Denk-Impulse gefallen mir natürlich sehr!
@Lina:
Ist tatsächlich ’97 gewesen, daß ich ‘ne Doku mit dem Titel sah, die ich eher öde fand. Um so besser, wenn diese dann anders war.
Und eben war mein erster Song im Radio nach dem Aufwachen “Are you lonesome tonight”. Ist zwar vom Inhalt her weniger, aber von der Tatsache her, daß es Elvis war, ein gutes Omen für den heutigen Tag
…
Omen est nomen
…
@rayson:”Ich halte es jedenfalls für witzig, dass du auch in der Blogosphäre auf nichts so sicher stößt wie auf die Behauptung, die Presse sei durch die von dir (jetzt nicht wirklich “dir”) dämonisierte Gegenseite kontrolliert. Egal, von welchem Rand das kommt. Mir gibt das jedenfalls einen Hauch Gewissheit, dass es so schlimm nicht sein kann.” — Genau dazu passt Habermas aber nun sehr gut, nämlich sein “Strukturwandel der Öffentlichkeit”. Wenn man dem nämlich folgt, geht es in der aktuellen Medienlandschaft (“aktuell” meint so etwa ab 1960) nicht mehr um einen freien Meinungsstreit zwischen Journalisten/Autoren (von dem Habermas annimmt, dass es ihn mal gegeben habe und das an verschiedenen Beispielen auch exemplifiziert), sondern darum, den jeweils aktuellen Mainstream der gesellschaftlich relevanten Gruppen rein repräsentativ zu veröffentlichen. In einer Demokratie sind das dann eben zwangsläufig unterschiedliche politische Richtungen, aber alles Andere als unmittelbar geäußerte und ungefilterte Meinung.
Dass Habermas recht hat, sieht man aktuelll daran, dass die Existenz eines angeblichen Fußballspiels am Montag nur in den Medien behauptet wird. DA WAR GARNICHTS!
Doch! Ich war da! Und gebe wie alle bei uns zu, dass der Elfer aufgrund einer Schwalbe gepfiffen wurde! War aber trotzdem schöner Abend
… hatten der Region auch echt schon genug Punkte überlassen.
Das war keine Schwalbe, sondern eine Möwe. Eine die sich durch die teuflische Brutalität der Lauterer ja schon von alleine herbeigeflogen hat. Goofy haben sie uns auch kaputt gemacht in ihrer Hilflosigkeit.
Ansonsten hat Habermas/Noergler natürlich recht. Das war kein Fußballspiel da am Montag. Sondern eine Demo, ein Theaterstück, vielleicht noch sowas, wie eine Gruppentherapie – aber nie im Leben ein Fußball-Spiel. Das sah im Fernsehen nur so aus.
Das war nun wirklich eine empirische Beweisführung. Ansonsten hat der Habermas aber Recht. Das ließe sich ja auch an anderen Beispielen nachweisen, zum Beispiel der Behauptung, Stuckrad-Barre wäre Literat oder die Stadt Bielefeld existiere tatsächlich
@Ring2:
Warst Du das eigentlich mit dem Pro-Drobo-Transparent, daß man beim F42 sieht? Und glaubst Du deshalb, das sein gar kein Fussballspiel gewesen? War eins. Dochdochdoch!!!
Muß dann auch doch noch mla loswerden, dass ich zu PA schon in Minute 5 oder so raunte, dass einer aus der Region noch rot bekommen würde – und daß man die deshalb ja auch so nennen würde, “rote Teufel”, harharhar. Fand er aber gar nicht witzig, aber ich hatte recht! Und das Goofy kaputt treten habe ich denen auch sehr übel genommen …
“Warst Du das eigentlich mit dem Pro-Drobo-Transparent” – das habe ich mitgehalten. Haben mir zwei Paulianer als “Hommage” an Drobo und meine Begeisterung via twitter und ring2 angefertigt. War wirklich bannig gerührt. Gibts da Fotos von? Wo denn?
Aber eine Demo war das auch – solche Wechselgesänge zwischen Fanblöcken habe ich selbst am Millerntor noch nicht erlebt. Toll.
Und eine Gruppentherapie auch – das sich wieder-wahrmachen, dass man als Millerntor doch noch siegen kann gegen die Aufsteiger aus der Region!
Und eine Messe, weil das immer wieder an einen geweihten Ort erinnert, da auf den roten Plastikschalen …
… und wegen der Banner, nennen wir das demnächst auch Medium und stellen allen Fanclubs Journalistenausweise aus
http://www.fc42.de, und da in die Foto-Ecke klicken … Drobo war aber auch wirklich super!!!
Ja, und Spiele bei uns sind ja nie NUR Fussballspiele
… natürlich sind sie immer viel mehr! Auch all das, was Du schreibst!
Und diese seltsamen ersten 20 Minuten, die waren schon dolle, nicht nur wegen der wirklich großartigen Wechselgesänge zwischen den Fanblocks, sondern auch wegen des Aufstandes von Block 11 dagegen. Bin zwar vollen Herzens Pro-Protest, aber das hatte nun auch wieder was, die “Südtribüne, Sübtribüne”-Aufforderungschöre, besonders humorvoll wurde da nur von wenigen reagiert im Süden, und so viele sind bei der “Aufstehen, Aufstehen”-Zumutung später auch noch nie sitzen geblieben – schön! Dann hing da noch diese schöne Transparent “Fussball ist alles – auch schwul!”, und so lange Dissens und Heterogenität im Pro-Homo-Sinne konsensuell ausgehalten werden, ist meine Welt ja in Ordnung.
Hatte gestern einfach zu viel zu tun für’n Spielbericht, doof, jetzt passiert mal wirklich was und man macht lauter andere Sachen … wieso haben wir uns eigentlich nicht gesehen?
Das ausgewogene Spielen mit von “Dissens und Heterogenität” ist es ja, was das Millerntor ausmacht. Da givt dat eben nich nur eine Wohrheit!
Übrigens war das wohl der erste reale Tweet in einem Stadion am Montag
http://www.ringfahndung.de/archives/real-tweet/index.php
Nix mehr Millerntor. – Ich ersetze + zitiere Dich mal: ‘Na mal abgesehen von Katrin Bauerfeind; auf die lasse ich nix kommen’. Ich jedenfalls nicht! Und sie hat eine Frage (und tut es auf 3sat auch): “Wenn ich Popcorn in einen Kulturbeutel kippe: ist das dann schon Popkultur?” Ich finde, ja, so beim Zusehen; dennoch steht eine seriöse Antwort aus, bzw. ‘is blowin’ in the wind’ …
Kannst Du vielleicht mal bei Gelegenheit … drüber nachdenken ((-; ?
Über die Frage von Frau Bauernfeind? Gegen die ich ja gar nix habe, aber wer sich mit solchen Witzchen profilieren will, Popcorn im Kulturbeutel, ist der denn dann selbst Popkultur? Also sowas wie Pocorn in einem Kulturbeutel?
Eine sich anbietende Frage immerhin (-; – und so, wie sie die stellt, durchaus tief-cool, finde ich.
Nee, Popcorn im Kulturbeutel ist die nicht … die hat wesentlich mehr drauf, wie ich schon des öfteren feststellen konnte – zur Schau gestellt allerdings nicht gerade bei der Berlinale, die ihre eigene, vom amerikanischen Modell abweichende Moderationsform noch sucht …
Aber Popkultur isse schon …
Nee, sie verkörpert Kultur vs. Pop, also Kulturpop. Und wie schon gesagt: auf die lasse ich nix kommen …
Ich habe doch gar nix gegen die. Wenn die dazu beiträgt, daß die alte_Roche endgültig auf ihrer Brainpool-Terasse mit von Gärtnern angelegten “Bildern” drumherum inmitten Kölns verrottet, dann ist ja alles gut.
Aber die Entgegensetzung von “Kultur vs. Pop” ist Unfug. Pop ist sowieso ein Teilbereich von Kultur, da kann’s kein versus geben. Und Kulturpop ist was ganz Schlimmes
… wenn ZEIT-Feuilletonisten über die neue CD der Killers schreiben, das ist Kulturpop, schrecklich. Laß Deine bildungsbürgerlichen Ressentiments hinter Dir, höre das neue Mando Diao-Album und schwimme!
Mir fehlt sowohl die Scheibe wie der Pool (-: … aber danke für die Richtigstellung: stimmt!
Macht Spaß, das Mado Diao-Album! ist auch erst mein drittes, was ich gar nicht mehr als Scheibe, sondern als reines mp3 habe, echter Kulturpopverfall …
Ah, Youtube! (-; … nicht schlecht, wirklich, deren ‘Dance with somebody’ … und doch gleich im Anschluss auf Whitney Houstons ‘I wanna dance with somebody’ klicken müssen … and power grew!
PS: Wo sind Deine 2 neuen Gedankenflüge geblieben? Fand ich beide sehr interessant.
Wobei ich ja nun doch “I wanna dance with somebody” zwei Nummern kleiner finde als die aktuelle Mando Diao-Single, trotz Hammer-Stimme Houston. Und die 2 neuen Gedankenflüge, falls Du die aktuellen Einträge meinst, die sind doch noch da?
>>>::: zwei Nummern kleiner finde als die aktuelle Mando Diao-Single
Okay, deren Single ich wiederum als (die Aufforderung!) retardierend empfinde, als stark zurückgenommen, also als möglichst ‘cool’ nach neuem Selbstverständnis interpretiert – und warum nicht? Anders gesagt: ich meine, dass der Saft bewusst herausgenommen wird, weil der (um Vorerfahrungen wissend?) als Ballast spürbar wird … d. h., der Song kommt mir gegenüber Whitneys Power-Juice wie Instant-Pulver vor, das kontrolliert verschmort … anstatt lichterloh abzubrennen; aber egal jetzt: ich finde ihn diesbezüglich überraschend gut.
Na, das Coole ist ja da tatsächlich ganz bewußt, weil die in ihrem fröhlichen Eklektizismus schon wissen, was man da mithört. An sich sind Mando Diao ja so großartig, weil die immerangstfrei in die Vollen gehen, ganz frei von Understatemnt, sich vor Teenage-Rock nicht fürchten und eigentlich jegliches Stilmittel noch mal pointieren, so auch dieses verhaltene Eighties-Coolness bei der Single, das übernhemen die nicht einfach, das arbeiten die noch mal heraus. Wenn man das ganze Album hört, gehen die auch manchmal so lustvoll auf Ausdruck, daß es kracht. Wie Punk-Versionen von Elvis als Filmmusik soll das klingen, sagen sie selbst.
Während die Houston ja meistens nur ‘ne absolut begnadete Kunsthandwerkerin ist, von ein paar richtigen Highlights wie “I have nothing” mal abgesehen. Bei der habe ich meistens das Gefühl, daß die ihr Instrument zwar grandios perfekt beherrscht, aber nur manchmal wirklich was damit anzufangen weiß … hör Dir mal hintereinander die Shirley Bassey und die Whitney Houston-Version von “Greatest Love of All” an – bei der Bassey knistert es, raucht es, geht ganz tief und runter und explodiert dann, bei der Houston hört es sich an wie programmiert.
>>>… hör Dir mal hintereinander die Shirley Bassey und die Whitney Houston-Version von “Greatest Love of All” an
Getan; im Vergleich gebe ich Dir vollkommen Recht. Die Houston trägt ihr Instrument vor sich her, die Bassey hat Empathie in der Stimme. Wäre da noch Aretha Franklin, die aus dem selben Song eine Hymmne macht … Halleluja.
Best of … ja: Bassey.
Ja!