Metalust & Subdiskurse Reloaded

Kunst kommt nicht von Können

Veröffentlicht in Allgemeines, Camping, Für Hedonismus, Kolonisierung der Lebenswelt, Kunst, Ökonomie von momorulez am Februar 14, 2009

Parallel „Ein Amerikaner in Paris schauen und Rocko Schamonis „Sternstunden der Bedeutungslosigkeit“ lesen. Bei Büchern wie „Sternstunden der Bedeutungslosigkeit“ komme ich ja immer zu spät. Ist wohl schon 2007 erschienen.  Spielt da, wo ich lebe, erzählt, wie ich mal gelebt habe, aber das ist lange schon her.  Bin ja widerlicher Karrierist geworden und hänge Freitags bei Notaren rum, um die GmbH-Anteile mit der KG zu kaufen. Eklig. Dabei kenne ich noch’s so gut, verkatert und ziellos über das Schulterblatt zu schlurfen, nachmittags um halb 4, und wieder die Chance verpaßt zu haben, den aktuellen Schwarm angequatscht zu haben. Ist aber wirklich SEHR lange her …

Wie ja auch „Ein Amerikaner in Paris“, das ist ja noch länger her. Da waren Männer noch Männer, selbst wenn sie steppten, und bedrängten das Frollein einfach so lange, bis es hingerissen lachte. Während ältere Damen im Pelzmantel nicht begehren durften. In den „Sternstunden der Bedeutungslosigkeit“ hingegen ist der Antiheld ein Spanner. Eben einfach das Gegenteil des charmanten Baggerers, der Widerstände niederwitzelt.  Zunächst mal. Bin ja noch nicht so weit.

Überall ist Lehrbuch, ist, „wie man ein Thema macht“. Gestern in der Thalia-Buchhandlung war das so, und danach beim Bundesvision-Song-Contest auch. Popkurs-Teilnehmer und Creative-Writing-Buch-Adepten. Alle Lektoren machen das gleiche. Da schielen alle auf den Erfolg, und die, die über die „Nutzlosen“ schreiben, tuen das ja auch, indem sie das Grundaxiom „Niemals eine passive Hauptfigur!“ einfach umkehren. Dann überarbeiten, die Szene auf die Spitze treiben, kann man bei Irving lernen: Wenn ein Aquarium im Arzt-Wartezimmer steht, dann trinke es und laß es nicht einfach rumstehen. Und rede dann mit dem Fisch in Deinem Bauch, das spielt an auf den Babel-Fisch. Erwähne den „Titanic“-Typen bei „Wetten daß!?“, der Leser freut sich, daß er sich auch erinnert. Ansonsten sind die Sätze so geschreiben, wie sie geschrieben sein sollen: Kurz, im Präsens, Zitierfähiges eingestreut – „die edelste Nation ist die Resignation“, harharhar. Passt dann gleich Zitatesammlungen von Hollow Skai in der Popabteilung der Tahila-Buchhandlung, wo eifrig kanonisiert wird. In der Philosophenecke stehen auch Zitatesammlungen und „Best of!“-Sammlungen, jemand anderes dachte sich „Folge ich doch mal den 3 Regeln, einen verdammt guten Roman zu schrieben: Konflikt, Konflikt, Konflikt“ und gibt „Die großen Philosophenstreite“ heraus. Oder so ähnlich.

Steht gleich neben den 3 Regalbrettern von Herrn Schmid zur „Lebenskunst“, daß das aus dem Spätwerk von Fouacult nun wurde, wäre Grund für Brandanschläge. Na ja, nicht wirklich, nur fast – für eine emotional-intellektuelle Kernsnschmelze im Rezipientenhirn halt. Lebenweisheit – Kanon – Best of, eigentlich zieht sich das durch alle Regalbretter da in der Thalia-Buchhandlung, und das Schlimme ist ja, daß es darum auch in den „Sternstunden der Bedeutungslosigkeit“ geht, nur gegativ, wobei zum Glück bisher keine Songs auftauchen. Soweit es nicht den Wildwuchs von Krimi, Thriller, Fantasy betrifft, wo auch alle Klappentexte sich gleich lesen – hätte es wirklich so viele dubiose Geheimbünde gegeben, wäre die Realhistorie bestimmt lustiger gewesen.Und vor lauter Serienkillern gäbe es die Menschheit gar nicht mehr.

Und alles ist gut gemacht. Grauenhaft. Auch der bayrische Mundart-Pop, der viel zu wenig Punkte erhielt, auch diese langsame Piano-Passage bei diesen seltsamen Ruhrpott-Rockern, die Schröders Motto „Helfen kannste Dir nur selber“  stumpf martialisch als Kern von so vielem, was in Deutschland als „authentisch“ gilt, in Hardrock für Doofe umformartierten.

Dem Sänger von Fotos würde ich ja gerne fehlen, auch wenn ich das laut Frau Modeste gar nicht fühlen darf; aber wahrscheinlich würde ich dann auch nur zum neu-formtierten Zitat, die bringen’s ja sogar, noch beim Filmchen für Stefan Raab zu kommentieren, was es mit Band-Fotos mit Tieren auf sich hat, während sie sich mit Tieren drehen lassen, wie bewußt, aber wie soll man da noch fühlen? Kann einem da wirklich jemand fehlen, wenn man das eigene Gefühl für ein Zitat hält? Wenn man in Clips Damon Albarn zu Blur-Zeiten kopiert? Und jedes Riff vor Wissen strotzt?

Wenigstens waren Polarkreis 18 niedlich euphorisch, und dieser Herr für Rheinland-Pfalz, der auch einst mit Fettes Brot musizierte, das war sogar richtig gut – aber eben auch gut gemacht, ach, so betont intelligent, aber wenigstens gbt’s wieder dieses abgenähten schwarzen Jeans, die so sexy Männerbeine machen, und trotz alledem war es dann doch wie „Ein Amerikaner in Paris“, Face to face, Rücken an Rücken. Da hüpfen nämlich auch gerade Frauen in langen, roten Kleidern in Brunnen herum, im Hollywood-Studio-Paris, richtig gut choreographiert, Gene Kelly steppt sich durch den Nebel, und die Form-Analogie zum Bundesvision-Contest ist unübersehbar in Sachen „Choreographie“.

Daß der herr Fox das alles auch mit Affenmasken nicht brechen kann, das weiß er, und da kann er nix für. Wenigstens ist der kein Zitat, hat mich bei Seeed schon immer gewundert, daß so ein Typ in diesen theatralischen Kostümen den „Amerikaner in Paris“ nachtanzt. Der sieht einfach so dermaßen nach gar nichts aus mit seinem schiefen Mund und seinem roten Vollbart, ist herzergreifend unsympathisch in Interviews und legt da eine Performance hin, hat eine Präsenz, die alle anderen in den Schatten stellt – cool. Extrem guter Text, der war mehr als nur gut gemacht, der fand Bilder, als wäre er der wahre Erbe von Klaus Hoffmann. Das schreibt tatsächlich Lieder wie „Der Boxer“ fort, weiß gar nicht, ob diese Hip-Hop-Reggae-Sozialisierten heimlich Hannes Wader, Konstantin Wecker und Franz-Josef Degenhardt hören, selbst zur Hundescheiße in Berlin gibt es ja ein Lied von dem Hoffmann,  aber diese Zeile von dem, der inmitten toter Tauben schläft, auch der Titel schon, das weist ‘nen Weg und bricht auf die Form und wird wieder Inhalt und Gefühl.

Schade nur, daß so ein Lied über Hamburg gar nicht möglich ist. Weil Hamburg auch auf dem Nachhauseweg eigentlich nie häßlich ist …. uns durch diesen Bibo-Song da zu diskreditieren, das ging trotzdem zu weit.

15 Antworten

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  1. chezweitausendeins sagte, am Februar 14, 2009 zu 6:19

    @“weiß gar nicht, ob diese Hip-Hop-Reggae-Sozialisierten heimlich Hannes Wader, Konstantin Wecker und Franz-Josef Degenhardt hören“ —– Interessante Vorstellung;-) Aber warum heimlich? Nur weil die härteren Rapper einen auf cooler Gangsta machen, müssen doch nicht alle aus dem Genre deutsche Liedermacher und Chansoniers uncool finden. Ein befreundeter Metal-Fan und Ex-Headbanger liebt z.B. Klaus Hoffmann, das ist praktisch die einziger Nicht-Heavy-Musik, die der hört. Die meisten Hoffmann-Fans, die ich so kenne, stehen auch auf die Stones, die Doors und Queen, das scheint trotz völliger soundmäßiger Unterschiedlichkeit gefühlte Berührungspunkte zu haben. Vielleicht ist das ja alles gesungener Existenzialismus oder lyrischer Vitalismus, jetzt Wecker, Hoffmann, Mey, Stones, Doors, Queen, Meat Loaf. Und irgendwo müssen die Hip-Hop-Reggae-Leute ja texten gelernt haben, oder?

  2. MartinM sagte, am Februar 14, 2009 zu 7:46

    Gut beobachtet, aber die Krimi-, Thriller-, Fantasy- und (das hattest Du vergessen) Science Fiction-Schreiber muss ich in Schutz nehmen-
    „Soweit es nicht den Wildwuchs von Krimi, Thriller, Fantasy betrifft, wo auch alle Klappentexte sich gleich lesen -“
    Klappentexte bzw. Rückseitentexte haben in diesen Genres erfahrungsgemäß nicht viel mit dem Inhalt zu tun. Oft sind sie sogar regelrecht falsch – als ob die Autoren der Klappentexte niemals das dazugehörige Buch gelesen hätte. In meinem Blog hatte ich mal zu einem Klappentextgenerator für Mystery-Thriller a la Dan Brown verlinkt – die generierten Texte wirken sehr echt, weil auch bei realen Texten dieser Art immer wieder mit den selben „bewährten“ Textbausteinen gearbeitet wird. Wie fast überall, wo es um Werbung und PR geht.
    Da Problem in diesen Genres liegt weniger bei den Autoren, denen nichts origenelles mehr einfallen würde, als bei den großen Verlage (Faustregel: je größer, desto risikoscheuer). Das sitzen genau die Sorte Leute, die Frau Rowling erzählten, Kinderbücher über Magier und Internate würden sich heutzutage nicht mehr verkaufen, da hätte man Erfahrung, so was lesen die Kids heute nicht mehr.

    Es ist aber auch so, dass bestimmte Themen „den Nerv der Zeit treffen“, wenn auch manchmal leider so, wie ein ungeschickter Zahnarzt beim Bohren den Nerv trifft.
    „Verschwörungen“ und „Serienkiller“ umreißen ziemlich genau zwei zentralen, aber irrationale, Ängste unserer Zeit – die Verbindung aus beidem wäre das politische Angstthema Nr. 1, Terrorismus.

  3. momorulez sagte, am Februar 15, 2009 zu 9:47

    @Martin:

    Ja, hast ja recht, ist unfairr, vom Klappentext auf das Buch zu schließen – war nur richtig wütend irgendwann beim Stöbern, bei so vielen Büchern immer auf die gleiche Skizze zu treffen. Und die Serienkiller sind ja nur deshalb so beliebt, weil sich da der Plot am besten drumrum basteln läßt nach Lehrbuch – passieren halt immer wieder neue Morde, die neue Hinweise bedeuten, man kann Opfer in irgendwelche Keller sperren und dann die nächsten 50 Seiten verschweigen, was mit denen da passiert usw. – glaube gar nicht, daß das der Terrorismus ist, der dahinter steckt, „Schweigen der Lämmer“ als Film, das war ja schon 1990.

    Bei Science Fiction und Fantasy kenne ich mich viel weniger aus, aber ich wette mit Dir, daß auch da 98% nach den immergleichen Mustern geschrieben sind.

    Was mich ja eigentlich frustrierte, das war diees Gefühl, daß gerade „unsere Generation“, trotz allerbester Grundlagen, mal ab von den Ossis einfach nix ästhetisch dolles zustande gebracht hat, weil die ganzen Gebrauchskultur Schaffenden komplett assimiliert sind an diesen Formen-Fundus. Das sind ja all die die Leute, denen beigebracht wurde, daß Herr Thoma von RTL ein Popstar ist und der Erfolg Bohlen recht gibt es eben darum ginge, ihm nachzueifern. Wir haben die künstlerisch teils großartigen späten 70er und den ganzen Epochenbruch hin zu Punk und Disco erleben dürfen, den Mauerfall, waren trotz „Schwarzwaldklinik“ und „Dallas“ nicht so zugeschleimt mit Pilcher und Internet, aber bisher ist ja noch nix Bahnbrechendes zustande gekommen, behaupte ich mal. Ist alles professionel, und gekonnt, aber so müde und selbstlos (mit Ausnahme von dem Martin Suter vielleicht).

    Habe halt gerade „Kill your Friends“ von Herrn Niven gelesen, und das ist gegenteilig: Das ist sensationell, das Buch. Eine derart drastisch-komische Satire über die 90er haben ich vorher noch nicht gelesen. Und da kam mir dieser ganze Quatsch auf relativ hohem Niveau einfach unerträglich vor danach …

  4. Lina sagte, am Februar 15, 2009 zu 10:14

    Widerspruch … schwacher, geschwächter (-; …

    „Kunst kommt von Können, käme sie von wollen, so würde sie Wulst heißen“, hat Max Liebermann mal gesagt; Schwulst hiesse sie, wenn sie von schwellen käme, sag’ ich jetzt – wenn ich die vielen Schwellkörper betrachte, die sie hervorbringt. Und ich sag’s auch, um die derzeit anschwellenden Bocksgesänge von Bloggern (diese meta + subs hier ausdrücklich ausgenommen!) zu bezeichen, die ihre ‘Kunst’ des Bloggens gerade mal hier + dort von den Oberflächen in die Tiefen-Analysen treibt – um festzustellen (was jeder weiss), dass die Non-face-to-face-Kommunikation nur ein behelfsmässiges Medium mit Macken ist, um sich zu ‘expressen’ … und misszuverstehen, auch krass, auch absichtlich, das nämlich auch.

    Das macht Wind, scharfen + lauen, der ‘nous portera’ auch schon mal dahin, wo der Pfeffer wächst (während Schläger metamorphieren). Damit will ich rein gar nichts gegen Blogs gesagt haben, wirklich nicht, im Gegenteil. Immerhin sind sie deeeeeeer Ort, um politische Meinungen + persönliches Profil bis zur einnehmenden oder abstossenden Kenntlichkeit zu schärfen; das hat schon was (-: …

  5. Lina sagte, am Februar 15, 2009 zu 11:54

    PS: Sorry wg. OT, denn mein

    >>> das hat schon was (-: …

    … hat wenig mit Deinem Eintrag zu tun – wie ich aber erst Deiner Antwort an MartinM entnehmen konnte. Und da stimme ich Dir zu: über Bohlen & Konsorten zum Payback gewordenes Playback ist fast alles, was mir so zu Ohren kommt, nichts wirklich aufregend Neues – ‘trotz allerbester Grundlagen’, die ich im Übrigen bezweifle: Sattheit (im Verein mit zunehmend hingenommener politischer Ohnmacht) ist an sich kein Motor für Neuproduktionen; ein so paradoxes Verhältnis macht Künstler eher impotent, glaube ich. Was muss also passieren, damit sich das regelt? Ein Showdown im Wirtschaftlichen? Für heavens sake …

  6. momorulez sagte, am Februar 15, 2009 zu 12:45

    @Lina:

    Finde ja, was die Blogosphäre betrifft, alles Rumprobieren immer gut und oft am schlimmsten jene, die glauben, sie könnten’s – wie die Modeste oder manchmal auch Don Alphonso, den ich ja in letzter Zeit inhaltlich super finde, aber stilistisch unglaublich behäbig und aufgeblasen und altklug. Was dann auch nicht dadurch legitimerbar ist, daß es ja nur ‘ne Kunstfigur sei. Zudem ich bei Blogs auch die Spontanität wichtig finde, daß man’s gleich raushaut, hinterher nicht mehr groß korrigiert und auch nicht lange überarbeitet, wie man’s bei „richtiger“ Literatur halt zu tuen hat.

    Liebermann war abgesehen davon ‘nen Großer, nicht nur, weil er – tec hnisch – könnte, sondern weil er weder wie Salonmaler noch wie Monet, sondern ganz eigen sich Welt aneignend gemalt hat. Kann man jetzt selbst als Form des Könnens verstehen, aber Kunst kann ja nur das Technik Transzendierende sein, das ist ja eher meine These.

    Bohlen selbst stört mich auch gar nicht so, sondern eher, daß die, die in „cooleren Feldern“ unterwegs, oft genau so formatiert daher musizieren. Da waren der Finkenauer und Peter Fox am Freitag wirklich die einzigen, die einen Schritt weiter gingen, und Polarkreis 18 ja irgendwie auch. Gut, 3 von 16, gar keine soooo schlechte Ausbeute … zudem 2 davon auch noch ganz oben waren. Darüber konnte man sich ja sogar freuen …

  7. Lina sagte, am Februar 15, 2009 zu 5:13

    @ momorulez

    Auf Blogs spontan sein zu können, ist eine tolle Sache, aber nicht jeder kann es und oft stehen dem, anders als bei einem anberaumten persönlichen Gespräch, auch Zeitgründe/Verpflichtungen entgegen. Ausser bei Dir, wo Qualität oft aus lockerer Fülle, also aus der Quantität an Text entsteht (oder eben dadurch: ‘Mit Fremdworten um mich ballern will ich nur und hasse alles Populäre!’*), ist es doch meistens so, dass eine mitteilungsfähige + verhandelbare Form erst beim Schreiben entsteht – für den Fall natürlich, dass ein Blog als Diskussionsplattform verstanden wird und nicht nur als Forum zur Meinungsabgabe, nach dem Motto: mach damit, was Du willst, Du virtuelles Gegenüber …

    >blockquote>Kunst kann ja nur das Technik Transzendierende sein, das ist ja eher meine These.

    Ja, meine auch. Auf Liebermanns Arbeiten bezogen, heisst das m. E., dass sich Technik + Transparenz zu Können + Kunst vereinen. Und demnach käme Kunst eben doch von Können, bzw. nicht ohne es aus, wobei ich natürlich nicht nur so etwas wie die gekonnte Pinselführung meine. Ich glaube aber, dass die modernen Techniken des Medialen, deren sich ein Bohlen so marktbeherrschend bedient, Musikern kaum noch etwas anderes lässt als das Feld des quotenstarken Populären; das heisst, Andere, Gegen-den-Strom-Schwimmer, die das Zeug hätten, aber nicht durchdringen, bleiben (abgesehen von den Möglichkeiten des Internets) aussen vor. Du hältst dagegen, dass auch ‘Cooleres’ sich (wie bei diesem Contest, den ich nicht kenne) durchsetzt. Na gut, wenigstens 3, die am Bohlen-Standard vorbeiziehen konnten (-; …

    * Wieso kommt mir der Satz vom Duktus her so bekannt vor, in anderer Bedeutung zwar, aber …? Wo hast Du ihn geklaut (-; ?

  8. MartinM sagte, am Februar 15, 2009 zu 5:25

    @ momorules:
    Es kann gut sein, dass mein Bild der „Trivialliteratur“ von Krimi bis SF der „Auslese des Kenners“ unterliegt – also z. B. vor dem Buchkauf Rezensionen lese, mich mit anderen Lesern unterhalte und nicht zuletzt Erfahrungen mache, welche Autoren gut schreiben – und welche immer nur gut von sich selbst abschreiben. Z. B. wird der erfolgreichste deutschsprachige Fantasy-Auto, Wolfgang Hohlbein, von mir aufgrund schlechter Erfahrung gemieden. Auf dem Thrillersektor kann ich mit Dan Brown aus ähnlichen Gründen nichts anfangen – und auf dem Sektor der Krimis nichts mit „Häckelbüddelkrimis“ nach einem Schema, dass schon bei Agatha Christie leicht angestaubt wirkte. (Diese „Auslese der Kenners“ hat übrigens wenig mit der klassisch-bildungsbürgerlichen „Qualitätsauslese“ zu tun. Lange Zeit waren in Deutschland die Heftromane zugleich „Versuchslabor“ und „Talentschmiede“ der Genreliteratur. Seit etwa den 80er Jahren ist dieser Markt fast vollständig zusammengebrochen – wie zuvor in den USA der Markt der Story-Magazine. Beides wirkt sich meines Erachtens deutlich auf die durchschnittliche Qualität der Genreliteratur aus.)
    Auf dem Feld der Musik, dass Dir wahrscheinlich näher liegt, ist der entsprechende Faktor das „Clubsterben“.

  9. momorulez sagte, am Februar 15, 2009 zu 6:39

    @Lina:

    Nee, das , was ich mit „Können“ im obigen Fall meine, ist ja dieses „Wie schreibe ich einen Roman“-Ratgeber- und Popkurs-Wissen, und das ist doch meilenweit entfernt von Liebermann selbst dann, wenn man sich die Verhältnisse des späten 19. Jahrhunderts anguckt, oder?

    „das heisst, Andere, Gegen-den-Strom-Schwimmer, die das Zeug hätten, aber nicht durchdringen“

    Das Schlimme ist ja, daß das Gegen-den-Strom-Schwimmen genau so formatiert ist. Kannste genau so lernen, wie das Mit-dem-Strom schwimmen. Weil niemand den Strom infragestellt ;-) (das war jetzt aber hammerhart platt, meine Güte, und irgendwie stimmt’s trotzdem) oder sich auch nur zerrpiegelnd auf ihn einläßt. Das ist ja ein chronisches Realitätsdefizit in diesen ganzen Formen, schon da ist ein Liebermann völlig anders. Weil „Realität“ halt wie bei Rocko Schamoni dann darin besteht, daß man auch über die Penner schreibt, weil das sozial/politisch wichtig ist. Das kann’s doch aber nicht sein, sich immer über Formen des sozialistischen Realismus profilieren zu müssen, damit meine Mutter dann sagt „Ach, das ist jetzt aber politisch!“

    Vielleicht bin ich aber auch viel zu sehr selbst im Mainstream unterwegs und bekomme vieles gar nicht mit. Haben nur gerade eine Produktion hinter uns, wo uns mal keiner störte, und prompt ist sie für ‘nen ziemlich renomierten Preis nominiert ;-) … da haben wir auch Neuland betreten, ausnahmsweise.

    Dieser Satz – kann sein, daß ich da irgendwas zitiere, weiß aber gar nicht was. Habe irgendwann als Teenie mal ‘n Gedicht geschrieben „Ich fühl mich heut so sinophob und hasse alles Gelbe, und hasste ich das Blaue nur, dann hasste ich das Selbe“ oder so ähnlich geschrieben, das ging mir da durch den Kopf beim Schreiben, aber vielleicht war das ja schon zitiert …

    @Martin:

    Agatha Christie liebe ich aber ;-) …und ich brauche ja immer dieses „loslaufen und mal gucken, was da für mich liegt, wenn ich streune“. Deshalb mag ich auch das gezielt im Internet bestellen nicht. Glaube ja immer, daß Zukunft das ist, was auf mich zukommt, nicht das, was ich mir als Ziel setze ;-) – ich esoterische Kuh, ich.

    Und diese zusammenbrechenden Märkte liegen, glaube ich, an dieser seltsamen Form des Könnens, das als Marktgängigkeit sich behauptet. Das wird irgendwann unerträglich öde.

    Schade, daß das in den USA auch so ist. Habe ja immer das Gefühl, daß hierzulande die immer falsch rezipiert wurden, die Amis, die Hunter S. Thompsons und so. Die haben ja ‘nen T.C. Boyle, Bret Easton Ellis, ‘nen Auster, den ich allerdings, muß ich zu meiner Schande gestehen, nie gelesen habe – und wir haben Herrn Kracht und Frau Roche. Da stimmt doch was nicht. Um den Strunk mache ich auch immer ‘nen großen Bogen und weiß selbst nicht, warum, aber das scheint mir auch immer so „gemacht“. Da sitzen immer gleich verzückte Talkmaster ihm gegenüber. Kann ich mich aber irren. Selbst ‘nen deutsches Äquivalent zu Minette Walters fiele mir nicht ein. Irgendwie wird hier immer alles verlindenbergt und vergrönemeyert. Ohne, daß es jemandem gelungen wäre, da mal ‘ne Stärke draus zu machen.

  10. chezweitausendeins sagte, am Februar 15, 2009 zu 7:21

    @“Vielleicht bin ich aber auch viel zu sehr selbst im Mainstream unterwegs und bekomme vieles gar nicht mit. Haben nur gerade eine Produktion hinter uns, wo uns mal keiner störte, und prompt ist sie für ‘nen ziemlich renomierten Preis nominiert ;-) “ — Dann mal alles Gute dafür, und viele weitere inspirierende Ideen! Was gute Romane weit außerhalb des Mainstreams angeht, kennst Du eigentlich Stuart Home? Den las ich seinerzeit mit ziemlicher Faszination, gehört in die Ecke „Industrial“ (wiederkehrende Szenen werden bewusst aus Textbausteinen zusammengesetzt, um Entfremdung bzw. auch das „Gemacht werden“ eines Buches zum Ausdruck zu bringen und ähnliche Stilelemente, teilweise das literarische Äkquivalent der Einstürzenden Neubauten.

    http://www.edition-nautilus.de/proc.php?buecher/home/unt_wahnsinn.html

  11. Lina sagte, am Februar 15, 2009 zu 7:32

    @ momorulez: Den Liebermann hab’ ich nicht zum Vergleich, sondern zur Antithese von ‘Kunst kommt nicht von Können“ herangezogen, lieber Mann! Ich stell’ ihn jetzt wieder zurück, ja (-; ?

    >>>Weil niemand den Strom infragestellt ;-)

    Weil er als reissender halt über die Ufer getreten ist … und wenn Ihr ihm vor Produktionsbeginn einen Damm hinstellen konntet: Gratuliere, ehrlich!

  12. momorulez sagte, am Februar 15, 2009 zu 7:43

    Na ja, sind ja nur nominiert … vielleicht verschlingt uns der Strom ja doch noch ;-)

  13. lars sagte, am Februar 17, 2009 zu 1:01

    Untersteh’ Dich…

  14. momorulez sagte, am Februar 17, 2009 zu 2:38

    Liegt doch nicht in meiner Macht, Mönsch …

  15. lars sagte, am Februar 17, 2009 zu 4:24

    Stimmt auch wieder.


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