Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Die Einheit der Vernunft in der Vielfalt ihrer Stimmen?

“Die Einheit dieser Vernunft ist nicht in die eine Perspektive des Vernünftigen zu bringen, weil die Rationalitätformen, in die sie sich teilt, nicht in einer diskursiven Prozedur versöhnbar sind. Der Wunsch nach einer solchen Aussöhnung übersieht, dass die theoretische Wahrheit über den Zusatnd der Welt, die praktische Wahrheit über die Angemessenheit des individuellen und kollektiven Handelns und die ästhetische Wahrheit über die Eminenz weltbildender Erfahrungen sich mit Notwendigkeit auf Voraussetzungen stützen, die nur jeweils anhand der alternatuiven Wahrheitsfragen geklärt werden können. Wie der Humor in seinen Verfahren, können auch das vernünftige Überlegen und Handeln keine der Positionen, auf die sie sich gleichwohl stützen müssen, unantastbar für sich bestehen lassen.”

Martin Seel, Über einige Beziehungen der Vernunft zum Humor. Eine Lektüre der “Korrektur” von Thomas bernhard, in ders.: Die Macht des Erscheinens, Frankfurt/M. 2007, S. 204

About these ads

4 Antworten auf Die Einheit der Vernunft in der Vielfalt ihrer Stimmen?

  1. Lina Januar 28, 2009 um 3:59 nachmittags

    “Über einige Beziehungen der Vernunft zum Humor” – ja, auch diese Beziehung erfordert Aufmerksamkeit *g* – zumal, wenn der Buchautor sie an Bernhards ‘Korrektur’ abhandelt, wo es redundant und im Stil eine Litanei um die Angelegenheiten einer Person geht, die in der ‘Höller’schen Dachkammer’ in den Wahnsinn driftet – über die Kippkante der Vernunft sozusagen, da wo der Humor übernimmt, wo er beginnt, so etwas wie eine Schutzfunktion gegenüber der alle Einheit verlassenden Vernunft auszuüben …

    Wie kommst Du jetzt darauf, bzw. was willst Du uns damit sagen (-;?

  2. momorulez Januar 28, 2009 um 7:16 nachmittags

    Das war eine Ergänzung zum vorherigen Eintrag, weil in dieser Passage des Herrn Seel – mein Prüfer einst, übrigens – dieses verzwickte Relation zwischen Ästhetik, Moral und Erkenntnistheorie bzw. theoretischer, praktischer und, ja, da wird’s dann immer schon schwierig, weil ästhetische Praxis wohl am umfassendsten funktioniert, na der ästhetischen Dimension der Erfahrung in ihrem wechselseitig aufeinander-bezogen-sein und trotzdem in ihrem unauflöslichen Widerstreit so schön deutlich gemacht wird. Und weil der das ja viel besser kann ich, aber der wird ja auch dafür bezahlt ;-)

    Das macht mich immer irre, insbesondere in diesen sich “wissenschaftlich” gebenden Blog von liberaler Seite, daß z.B. die Differenz zwischen einem Satz, der eine Absicht zum Ausdruck bringt, und einem solchen, der etwas über etwas in der Welt aussagt, gar nicht wahrgenommen wird.

    Da wird alles, egal, ob es um Moral geht oder um die zweckmäßige Praxis im Fall einer Insolvenz oder eine wirtschaftswissenschaftliche Untersuchung im Grunde genommen gleich behandelt, wie ein Aussagesatz, und den stellt man sich dann wie ein Abbild vor. Hanebüchen. Zettels Traktat drüben trieft auch vor Verzicht auf solche Unterscheidungen, und Ästhetik kommt schon mal gar nicht vor, wie in Männerbünden üblich.

    Habe nun natürlich gerade,was der Herr Seel über Humor bei Bernhard schreibt, nicht zitiert, Schande über mich, aber das lohnt sich auch, sich das Buch zuzulegen, das ist ein Guter, der Seel. Der argumentiert auch strikt fernab jeglicher Tagespolitik oder politischen Zuordnung.

  3. Lina Januar 28, 2009 um 9:00 nachmittags

    … daß z.B. die Differenz zwischen einem Satz, der eine Absicht zum Ausdruck bringt, und einem solchen, der etwas über etwas in der Welt aussagt, gar nicht wahrgenommen wird.

    Das ist wahr – das kann ich aus eigener (echt leidvoller!) Erfahrung bestätigen, habe mir aber inzwischen eine Haut zugelegt, die dick genug ist (oder sein will), um bei Bedarf auch dagegen anzurennen (-; …

    Mit der Serie des ‘weissen Mannes’ (Zettel) ging es mir übrigens ähnlich, und wenn Du (im Beitrag) schreibst:

    … ich war schon häufiger nah dran, da mal reinzugrätschen

    *g* … dann tust Du das jetzt auf autonomer Plattform sehr kenntnisreich und überzeugend. Ich selbst hatte beim Lesen ein (wie üblich …) meinem Empfinden entsteigendes, mangels ausreichender Kenntnisse aber nicht leicht definierbares Unbehagen; das hast Du mir mit Deinem grossen Monolog rekonstruieren und gleichzeitig begründen können; nett von Dir, danke (-; !

  4. momorulez Januar 28, 2009 um 9:25 nachmittags

    Na, das freut mich dann aber ;-) – wobei das natürlich alles andere als erschöpfend war, weil man Zettel halt zugestehen muss, auch komplexe Vorlagen zu liefern und man hätte auf noch viel mehr eingehen müssen. Aber dann war’s gestern schon nach 0.00 h, ich musste heute für meine Verhältnisse viel zu früh raus, und dann habe ich halt einfach auf “veröffentlichen” gedrückt und heute morgen den Seel nachgeschoben ;-)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.

Schließe dich 801 Followern an