Na, immerhin ein Auswärtspunkt!
Habe mir ja selbst Liveticker und Fernguck-Verbot verhängt – Unglücksquote einfach zu hoch. Soeben die letzte Viertelstunde des Spiels in der Küche gehockt und gefleht: Bitte nicht sagen, wie’s steht, bitte nicht sagen, wie’s steht – den Sender, der das späte 0:1 in Frankfurt mir vor der Winterpause verkündet hatte, habe ich abergläubisch weggedreht. Bibbernd soeben dann nach Abpfiff bei kicker.de geguckt, und dann steht da sowas – scheint ein paar richtig spannende Minuten gegeben zu haben
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| 19:25
68. min |
2:2
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VfL Osnabrück – FC St. Pauli 2:2 F. Bruns (68., Elfmeter, Hennings) |
| 19:25
68. min |
0:0
|
Rot-Weiß Oberhausen – TuS Koblenz Spielerwechsel: Djokaj für Krontiris (TuS Koblenz) |
| 19:24
66. min |
2:1
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VfL Osnabrück – FC St. Pauli 2:1 Peitz (66., Kopfball, de Wit) |
| 19:22
65. min |
1:1
|
VfL Osnabrück – FC St. Pauli 1:1 Hennings (65., Rechtsschuss) |
Die Einheit der Vernunft in der Vielfalt ihrer Stimmen?
„Die Einheit dieser Vernunft ist nicht in die eine Perspektive des Vernünftigen zu bringen, weil die Rationalitätformen, in die sie sich teilt, nicht in einer diskursiven Prozedur versöhnbar sind. Der Wunsch nach einer solchen Aussöhnung übersieht, dass die theoretische Wahrheit über den Zusatnd der Welt, die praktische Wahrheit über die Angemessenheit des individuellen und kollektiven Handelns und die ästhetische Wahrheit über die Eminenz weltbildender Erfahrungen sich mit Notwendigkeit auf Voraussetzungen stützen, die nur jeweils anhand der alternatuiven Wahrheitsfragen geklärt werden können. Wie der Humor in seinen Verfahren, können auch das vernünftige Überlegen und Handeln keine der Positionen, auf die sie sich gleichwohl stützen müssen, unantastbar für sich bestehen lassen.“
Martin Seel, Über einige Beziehungen der Vernunft zum Humor. Eine Lektüre der „Korrektur“ von Thomas bernhard, in ders.: Die Macht des Erscheinens, Frankfurt/M. 2007, S. 204
Na ja, …
… der Witz im St. Pauli-Forum, dass Schalke ja nur Hallenfussball gewöhnt sei, der war dann trotzdem gut
…
Hatte mich so gefreut auf heute abend
… werde schon wieder ganz unausglichen in dieser langen Winterpause.
Gedanken und Gefühle zum gestrigen Obama-Day
Ein Fest für die Demokratie. Großartig. Verstehe voll und ganz, daß solche emotional aufgeladenen Massenaufmärsche auch Angst verursachen können; ein Gefühl jedoch, das bei den Montagsdemos in der DDR doch auch niemand hatte.
Habe schon oft in all den Blogs, in denen ich schrub, auf die eigene, popkulturell angloamerikanische Sozialisation verwiesen, daß eine Joan Baez, ein Hunter S. Thompson, „Saturday Night Fever“ und „Fame“ und „Hair“, ein Elvis Presley, Maze und die Commodores, die Talking Heads, Barbra Streisand und James Brown und Janis Joplin mir näher sind, mich tiefer prägten als ein Goethe, wenn auch nicht nachhaltiger als ein Kant oder Sartre oder Foucault.
Das war der Grund, warum ich an den transatlantischen Blog-Karneval-Paraden nie hatte teilnehmen können: Zu umfassend der Einfluß, zu nah das Sujet.
Freilich immer der Einfluß eines bestimmten Ausschnittes, Hollywood, Disco und wohl jenem, der in den USA mit „Liberals“ überschrieben ist, was ja meilenweit entfernt ist von dem, was hier so als „liberal“ auftritt und dann Kritik an Reaktionären wie Reagan reaktionär und scheinliberal als reaktionär und scheinliberal abtut.
Jene „Liberals“ in der Philosophie waren auch in meinem Studium wichtige Namen, die Auseinandersetzung rund um Rawls war prägend für Habermas beispielsweise – und so war es schlicht schön für mich gestern, so viele popularisierte Versatzstücke jener Denkkategorien, die mich einst beeinflussten, aus der Rede von Obama herauszuhören.
Muss diese freilich erst mal lesen, was also er jetzt eigentlich genau gesagt hat; aber jenseits der Gemeinschaftshuberei, die eher Kommunitaristen pflegten, meinte ich sehr viel Vertrautes zu hören – nachdem unter George W. Bush so vieles in’s Ensetzliche sich drehte in jener Nation, die uns einst befreite.
Folter, religiöser Fundamentalismus, Abbau der Bürgerrechte, Überwachungsstaat – all das, was man immer auch mit angloamerikanischen Argumenten kritisierte, erstand auf und machte diese aus all ihren popkulturellen Produkten so vertraute Nation so fremd und fern. Ich fand das schlimm, und gestern hat zumindest mir Obama den Glauben zurückerstattet.
Mir Fernseh-Heulsuse, die ich bin – und gerne bin – traten natürlich auch die Tränen in die Augen.
Einmal, als die so wundervolle Michelle Obama den kleinen, verwachsenen Bush noch mal knuddelte, bevor er in den Hubschrauber stieg – hat mich berührt, diese Geste.
Und dann natürlich, als die göttliche Aretha Franklin sang – da stiegen so viele Bilder auf, so viele Erlebnisse, das ist eine Generation von Künstlern, die die Luft erst erschaffen haben, die ich atme, die so viel näher mir sind als jeder Marsch, jeder Walzer und jede Polka. Was wurden wir euphorisch, damals, im Camelot am Hamburger Berg, wenn „Freedom“ gespielt wurde im Homo-Club!
Habe die Szene in „Blues Brothers“ - Respect! – immer als gewichtigeren (harhar) Feminismus erlebt als Alice Schwarzer, was sachlich mit Sicherheit falsch ist, von der Wirkung der Bilder her jedoch richtig. Der ganze Sound der Motown-Generation, das Duett mit George Michael, das und was draus wurd, das ist ja der Soundtrack meines Lebens - man, Danke, daß ihr uns den geschenkt habt.
Und jenseits aller politischen Prognosen hatte ich gestern das Gefühl, daß die symbolische Saat genau dieser Generation aufgegangen ist. Und das finde ich gut, komme was da wolle, denn ich bin auch ihr Produkt, und ich bin es gerne – ohne jemals in einer Gospel-Kirche gewesen zu sein …
Die Diagnose von Ring2 …
… zur Hessenwahl ist die tatsächlich treffendste: Hessen leidet am Stockholm-Syndrom.
Die wahrhaft deutsche Volksfront hat in Hessen einmal mehr gesiegt – eine Frage der Moral?
Also die traditional hierzulande wirksame Volksfront zwischen den Völkischen (Unterschriftensammlung gegen doppelte Staatsbürgerschaft und Anti-Ypsilanti-Al-Wazir-Wahlkampf z.B.) und den Wirtschaftslobbyisten.
Ist ja eigentlich auch weder überraschend, noch wirklich schlimm, weil sich mit der SPD nun auch nie irgendwas ändern wird, und kann man jammern, wenn TINA gilt? Kein Wunder, daß die Walhbeteiligung noch weiter weg gesackt ist, wenn doch immer die gleichen siegen, und wenn’s mal andere sind, diese die Politik der Immergleichen nur noch drastischer betreiben.
Die SPD ist ja tatsächlich endgültig unwählbar geworden. Eigentlich ja schon seit Schröder, aber seitdem sie nun auch noch zu blöd war, ein wenigstens rudimentär linkes Bündnis auf die Beine zu stellen da in Hessen, braucht man sie ja tatsächlich nicht mehr.
Kann es trotzdem nicht ertragen, nun ausgerechnet Westerwelle grienen zu sehen, also jemanden, der mit Leuten wie Koch und Rüttgers zu koalieren bereit ist, von „Charakter“ sprechen zu hören. Da könnte ja glatt auch Frau Goetsch sich dergleichen zusprechen. Charakter im positv wertenden Sinne, meine ich. Ansonsten haben die ja schon alle einen. Wie Weine. Und wenigstens ist der Guido seiner Schuhsohle ein Stück näher gekommen.
Und wo in Hessen neulich so ganz plötzlich wieder so viel von „Gewissen“ die Rede war – meines wurde immerhin einst amtlich geprüft – , und bezugnehmend auf eine Diskussion weiter unten, seinen hier mal kurz die „Stufen der Moralentwicklung“ nach Lawrence Kohlberg zitiert und zur Diskussion gestellt, mehr als Flucht in den Elfenbeiturm bleibt ja nicht angesichts der Realpolitik:
Stufe 1 – Gehorsam-Strafe-Orientierung
Stufe 2 – Naiv egoistische Orientierung
Stufe 3 – „Prima Kerl“-Orientierung
Stufe 4 – Ordnungs- und Pflichtbewußtseinsorientierung
Der Übergang von 5 zu 6 ist übrigens der von vertragstheoretischen Erwägungen zu Kant, der auch eine moralische Motivation, die in seinem Fall einen vernünftige ist, herzuleiten versuchte, während die reine Vertragsmoral darauf verzichten kann. Für Ayn Rand-Fans und solche, die Pflichten gegenüber sich selbst postulieren, sei erwähnt, daß die Höherstufigkeit hier aufwärts zählend behauptet wird.
Fand das früher mal alles gut und richtig und weiß nun auch nicht mehr, was ich von diesem Modell halten soll. Bezogen auf die Debatte weiter unten, die ja dann doch einer noch genaueren Erläuterung bedarf, sei die Reaktion auf dieses Modell von Carol Gilligan, Mitarbeiterin Kohlbergs, auch zitiert – sie sieht neben der Kohlbergschen Sicht – „Gerechtigkeitsperspektive“ – noch eine „weibliche“ als alltägliche wirken, eine, die ich mit zunehmendem Alter immer plausibler finde:
Die Auseinandersetzung mit Kohlberg findet sich im Verlinkten gut dargestellt – Danke, Petra Höfels!
Prinzip statt Mensch, so könnte man die Alternative auch formulieren, und betrachtet man Prinzipienreiter von Lenin bis Friedman, dann fragt man sich ja schon, ob eine Dosis weiblicher Moral nicht viel Unheil verhindert hätte.
So, und das beziehe man jetzt auf das Wahlergebnis in Hessen
…
Der „Boulevard der Marken“
Artikel 1
(1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.
(2) Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.
(3) Die nachfolgenden Grundrechte binden Gesetzgebung, vollziehende Gewalt und Rechtsprechung als unmittelbar geltendes Recht.Artikel 2
(1) Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt.
(2) Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Die Freiheit der Person ist unverletzlich. In diese Rechte darf nur auf Grund eines Gesetzes eingegriffen werden.Artikel 3
(1) Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.
(2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.
(3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.Artikel 4
(1) Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich.
(2) Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet.
(3) Niemand darf gegen sein Gewissen zum Kriegsdienst mit der Waffe gezwungen werden. Das Nähere regelt ein Bundesgesetz.Artikel 5
(1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.
(2) Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre.
(3) Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei. Die Freiheit der Lehre entbindet nicht von der Treue zur Verfassung.
Als überzeugter Verfassungspatriot finde ich ja schon großartig, was vor 60 Jahren niedergeschrieben wurde und noch immer gilt. Auch wenn ich den Einschub mit dem „Sittengesetz“ da in Artikel 2 für ein problematisches, hegelianisches Einsprengsel halte, ist der kantische Satz direkt davor eine bis heute einfach unübertroffene Errungenschaft der Geistesgeschichte. Die „Abschaffung“ des Asylrechtsparagraphen halte ich genau deshalb bis heute für einen Skandal.
Zu feiern gibt es nichtsdestrotz genug – wenn man über die Rechtsrealität auch vortrefflich streiten kann, so ist deren Grundlage schon enorm.
Liest man an jetzt jedoch Vorstellungen, Planungen und Fantasien zum Festakt, fragt man sich doch, ob das denn wahr ist:
Nicht wegen der Troika Merkel-Köhler-Lammert, die sind ja auch gewählt, wenn auch nicht von mir.
Sondern weil es schon seltsam anmutet, daß aus dem Schutz der Menschenwurde, der Anerkennung der Menschenrechte, der freien Entfaltung der Rersönlichkeit, der Glaubens- und Meinungsfreiheit nunmehr ein Marsch, ausschließlich an den Wirtschaftsinstutionen vorbei paradierend wie einst an Erich Honecker, geworden zu sein scheint: Die Niveawürde, die freie Entfaltung von Mercedes und die Meinungsfreiheit der Deutschen Bank, oder was soll das heißen? Auferstanden aus den Ruinen Thüringer Würstchen als Lammertsches Leitkultur-Fanal gegen Döner und Sushi? Rotkäppchensekt als Waffe gegen Tequila? Das liest ja so, als habe irgendwer das Kulturindustrie-Kapitel in der Dialektik der Aufklärung programmatisch gelesen … glatte Dystopie das.
Ich trinke ja auch oft und gerne mein Astra, auch zu Thüringer Würstchen, und plädiere für die Rechte der Deutschen Bank, habe auch nix gegen Lüttje Lagen, und trotz des eindeutigen Sexismus der Belabelung jener Getränke soll die Troika da an der Staatsspitze auch gerne treudeutsche Produkte wie Busengrapscher und Schlüpferstürmer süppeln, fall sie das wollen sollte, aber was ist denn das für eine Verhohnepiepelung der nun wirklich mal hehren Worte der Gründerväter dieser Republik, da eine Produktpalette aufzustellen und vorfahren zu lassen? Stimmt das etwa? Ist das wirklich so geplant? Habe eben ein wenig die Fassung verloren, als ich’s las … bin wahrscheinlich einer Satire auf den Leim gegangen.


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