Dem Revolutionär Jesus zu Geburtstag
Erich Kästner
Das ist ja alles noch viel doller!
Na, hat ihm das ein allseits bekannter Netz-Doktor diktiert oder doch vielleicht ein allseits bekannter und berüchtigter Wirtschaftsinstitutsmitarbeiter? Der Ratzinger ist echt gemeingefährlich. Als wäre nicht, wenn überhaupt, die Institution des Papstums selbst ein historisch verhängnisvoller Versuch, sich „von der Schöpfung zu emanzipieren“. Oder ist er sowas wie eine Ameisenkönigin?
Die Meldung kam ja fast auf Zuruf …
… bezogen auf den vorherigen Eintrag:
„Die Kirche soll die Menschen auch vor der Selbstzerstörung schützen“, erklärte der gebürtige Bayer bei seinem traditionellen Jahresrückblick am Montag.“
Die wertende Naturalisierung des Sozialen ist halt doch ein ziemlich deutliches Merkmal für faschistoides Denken. So schützt Frau Bätzing vor dem Alkohol und der Papst vor mir. Habe mir ja schon immer gedacht, daß es sich auf der Führungsebene der katholischen Kirche eher um sowas ähnliches wie eine schwarzmagische Sekte handelt.
Das hat Jesus nicht verdient, daß solche Leute sich auf ihn berufen …
„Das Verdeckte tritt an die Oberfläche. Die zunehmende Faschisierung der herrschenden Klasse ist offensichtlich.“
Bezieht sich zwar auf Russland, die Überschrift. Wenn jedoch Mitarbeiter vom Job aus ostdeutschen Metropolen zurückkehren und inmitten des Hochkulturbetriebs auf schwulenfeindliche Sprüche stoßen, dann verstört das doch. Auch, wenn in der gleichen Situation süffisant grinsend darauf verwiesen wird, daß in einer bestimmten Loge ja Hitler mal gesessen habe.
An anderem Ort wurde auf einen „Paradigmenwechsel“ verwiesen, dem ich mich hiermit anschließen will. Man braucht ja nur die Entwicklung in manchem „liberalen“ Blog verfolgen, wo plötzlich Kommenatoren auftauchen, die sich mit ihrer profunden Innenansicht der rechten Szene auch noch brüsten, um festzustellen, wo die Gefahren lauern: Daß im Zuge all der aktuell proklamierten Staatsinterventionen in der Wirtschaftskrise die Saat von Papst, Neo-Rauch-Ästhetik und anschwellenden Bocksgesängen gleich mit aufgehen könnte, auch, um mal wieder der Linken das Wasser abzugraben. Dagegen ist das Kosmopolitische, Menschenrecht und universale Moral fälschlich im Markt vermutende der Liberalismen von einst, also jenen vor der Finanzkrise, tatsächlich das kleinere Übel.
Daß aus dem ganzen „Kultur“-Geschwätz der letzten Jahre so ein typisch alldeutscher Sumpf aus Honoratioren-Klüngeln sich bilden könnte, der Staat und Wirtschaft fröhlich fusioniert, die Untertanen wieder so richtig Untertanen sein läßt und mit all den Beuysschen und Warholschen Visionen und ihrer Wirkung so richtig aufräumt (die ja selbst in „Jeder kann ein Unternehmer sein“, zwar pervertiert, doch noch mitschwingen): Hallelujah statt Happening, Bibel statt Bisexualität, Zucht statt Zelebration der Pluralität und ganz viel tiefes Tannengrün mit so richtig weißen Menschen davor – eine Comeback des wohlorganisierten Ständestaates, wo Naserümpfen angesichts all der Flaschensammler an die gute, alte Zeit erinnert, als unappetitliche Kinder und Tagelöhner noch Maikäfer sammelten. Wobei es unwahrscheinlich ist, daß ein neuer Reinhard Mey dann singen wird „Es gibt keine Ratten mehr“ …
Bißchen viel Visionen vielleicht angesichts der folgenden Meldung in der FAZ und doch nicht nur Unsinn:
Na, dann sammelt euch doch unter der Nordmanntanne und singet mal wieder kichernd „10 kleine Negerlein“ statt „O du Fröhliche“, ihr könntet Avantgarde sein. Denn daß in Krisenzeiten die Chancen eher für mehr oder weniger extreme Formen des Konservatismus sich bieten als für die Revolution, das ist ja kein historisches Novum.
War voll heute bei der „Agentur“
Die Vorhut von 2,7 % Wirtschaftsschrumpfung wohl.
Und ich kann diesen Gestus manchen Personals da physisch nicht ertragen. Bei allem Verständnis dafür, daß das echt kein lustiger Job ist.
Was die ganzen Leute sich anhören müssen in einem Tonfall von mancher Sachberarbeiterin, nee:
„Jetzt gehen Sie bitte in die Wartezone und füllen erst mal die Stellungnahme aus, wieso Sie zu den letzten zwei Terminen nicht erschienen sind!“
„Haben Sie denn überhaupt in den letzten zwei Jahren zwölf Monate gearbeitet? Na, das scheint mir aber nicht so. Das stellen wir schon noch fest.“
Fast staatsanwaltlich, die Attitüde. Okay, andere sind auch supernett. Kommt ja nicht nur auf die Systeme an, sondern auch darauf, was der Einzelne draus macht.
Viel szeniges Volk war da, um sich zum neuen Jahr oder auch kurz davor (einer zum 25.12.) arbeitslos zu melden. Wohl Internet-Prekariat und sowas, durchaus jüngere Leute, so um die 30, mit diesen Hip Hopper-“Schiebermützen“-Kappen, ganz trendy.
Bemerkenswerterweise ist der einzige von uns 3 Gesellschaftern, der sich den „Gründungszuschuß“ und das „Überbrückungsgeld“ nicht holt, jener mit der Banker-Karriere in seiner Vergangenheit. „Ich war noch nie beim Arbeitsamt!“, sagt er.
Na, das wird sich bei solchen Lebensläufen auch bald ändern … im konkreten Fall aber nicht!
Meine Meinung: Sabine Bätzing ist jugendgefährdend! Für ein Nationales Aktionsprogramm gegen die „Bundesdrogenbeauftragte“! Aber Nachtrag beachten! Dann nehme ich alles zurück!
Weiter geht’s. War ja klar. Nach Hartz IV und den Anti-Raucher-Gesetzen nun der Alkohol. Mit diesen Umerziehungsfantasien schreitet die Wandlung der SPD zu einer erzkonservativen Partei fort.
Ich plädiere dafür, doch lieber Sabine Bätzing zu drosseln. Verbietet sie einfach. Oder macht sie schwerer zugänglich. Erhebt eine Sabine Bätzing-Steuer. Sabine Bätzing ist viel zu gering besteuert. Jeder soll erst eine Sabine-Bätzing-Steuer entrichten, bevor er ihre Verlautbarungen zur Kenntnis nehmen darf.
Denn dieser Paternalismus ist jugendgefährdend und außerordentlich schlecht für die psychische Gesundheit. Prost!
NACHTRAG:
Lediglich wissenschaftlich untersucht werden solle, welchen Einfluss der Preis auf das Konsumverhalten habe. Das werden bahnbrechende Erkenntnisse sein, eine wissenschaftliche Revolution!
Staatlicher Zwang versus private Freiheit
War’s Noergler, der drüben geschrieben hatte, der Zwang zum Unterschreiben der sogenannten „Eingliederungsvereinbarung“ (dieses Wort alleine – für mich als Homo riecht das nach symbolischen Elektroschocks, also ein wenig nach verbranntem Fleisch) erfülle den Tatbestand der Nötigung? Kann ich juristisch nicht beurteilen, aber was die Schröderschen Gesetze, neoliberalen Indoktrinationen folgend, so alles angerichtet haben, das kann man in der aktuellen Rechtssprechung ganz gut nachvollziehen:
„Fördern“ ist da ja eine lustige Vokabel. Wie hießen noch diese Zwangsarbeitsmaßnahmen in der DDR?
„Guti“ und „Tschüssi“
Kein Wunder, daß kein Mensch mehr in der Lage ist, vernünftig deutsch zu lernen, der hierzulande hinzustößt – so lange Menschen in Bussen sitzen, die beim lautstarken Telefonieren Formulierungen wie „Ich dachte, Du wärest family-mäßig verpflichtet“ gebrauchen. Muß ich ja mal ganz konservativ einwerfen. Kann der nicht „familiär“ sagen? Da schwingt zwar auch das Französische mit, aber gegen dieses „-mäßig“, dieses Krückensilbenkonstrukt, ist ein Fremdwortreigen schlicht Poesie. Gegen all diese Kreol-Varianten, die Deutsch-Türken z.B. einführen oder all die Inversionen, die in Frankreich vollbracht werden, ist das einfach ein kultureller Rückschritt.
Und dann auch noch Gespräche mit „Guti! Bis dann! Tschüssi!“ zu beenden – kann der Kerl, der das sagte, nicht lieber ganz Kerl sein?
Liebe, Popkultur und den FC St. Pauli lesen ….
„“Wenn wir ein Buch lieben“, schrieb Catherine Simpson kürzlich, „lesen wir voller Energie. Wir glauben, das geliebte Buch würde uns, wenn es ein Mensch wäre, umarmen. Unser Gefühl ist intensiver als bloßer Spaß, einschneidender und heftiger als Freude, viel umfassender als Zerstreuung. Wir sind dem geliebten Text dankbar, daß es ihn gibt. Solche Bücher haben etwas von den aufwühlenden Reizen einer Liebesbeziehung an sich und vermitteln so das Gefühl, in einer anderen Welt als der zu leben, die uns sonst beschränkt. Wir erleben ein Hin- und Herschwanken zwischen Kontrolle und Selbstaufgabe, einen vergnüglichen und tröstenden Tanz und die Befriedigung von verborgenen Bedürfnissen.“ (Stimpson 1990, 958)
Dem ist lediglich hinzuzufügen, daß die Romantik des Lesens auch die Populärkultur bestimmt: Platten und Filme, Autos und Fernsehshows, Sportteams und Designerklmaotten werden geliebt.“
Simon Frith, Das Gute, das Schlechte und das Mittelmäßige. Zur Verteidigung der Populärkultur gegen den Populismus, in: Roger Brumley, Udo Göttlich, Carsten Winter (Hrsg.): Cultural Studies, Grundlagentexte zur Einführung, S. 213, Lüneburg 1999
Da stellt sich dennoch die Frage: Was unterscheidet ein Auto von einer Platte, ein Sportteam von Designerklamotten?
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