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Nur so ein Gedanke: “Vielleicht reagieren wir so kotzig auf diese Ausdrücke, weil wir sie – anders als Amerikaner und Engländer, Australier und Dänen – nicht in ganz normalen, menschlichem Kontext verwenden, sondern immer in so einem schlimmen Prozesssprech (McKinsey oder ATKerny oder via auch schlimmen deutschen Managerreden)
Das Wort “team” scheint mir ein geeigneter Kandidat.
Ja, ist ja so. Wobei im Falle des Fußballs ja auch kein Schwein Probleme mit diesen Begriffen hat.
Sind aber immer auch zwei Bedeutungebenen selbst dann, wenn man identische Begriffe nutzt: Bei McKinsey tarnt es einfach die Nutzbarmachung zur Kapitalvermehrung Dritter, und wenn man selbst so ein Team baut und steuert, dann kann ja man ja noch wählen, ob man das nun nur aus funktionalen Gründen macht oder eben auch, daß die Leute, die den ganzen Tag miteinander verbringen, sich auch wohl fühlen miteinander. Was übrigens ungleich aufwändiger ist und normalerweise nicht bezahlt wird.
Aus einer bestimmten Perspektive kompensiert man damit freilich auch nur die “Strukturen der Lohnsklaverei”, agiert also systemstabilisierend. Aber das ist wohl eher ein Thema der Theoriebildung als der Lebenspraxis … in revolutionärer Perspektive müßte ich ja allesamt möglichst so dermaßen schlecht behandeln, daß sie möglichst reif für die Revolution werden.
@revolutionäre Perspektive: Das behaupten die von Krisis auch immer, das schlecht behandeln. Kann mich noch an so eine absurde Diskussion im AStA erinnern, wo ernsthaft jemand forderte, den Bewohnern im Zuge der drohenden Studiengebühren erstmal Wasser und Heizung zu sperren, dann würden dire schon mitmachen bei den Portesten…
es fehlt: ” Bewohnern der Studentenwohnheime”
Oooops, damit hatte ich jetzt noch nicht mal gerechnet, daß das Leute wirklich fordern
– meinte das eher so als Witz. Weil’s für mich natürlich gerade ein massiver Konflikt ist, das, was ich hier baue, mit meinen politischen Überzeugungen in Einklang zu bringen.
Ich denke, Revolutionen gedeihen nicht aus Verelendung, sondern eher aus steigenden Ansprüchen, deren Erfüllung verweigert wird.
@”Weil’s für mich natürlich gerade ein massiver Konflikt ist, das, was ich hier baue, mit meinen politischen Überzeugungen in Einklang zu bringen.” —- Das geht mir anders. Ich sehe mich im Berufsleben eher als Agent im Feindgebiet. Und habe den Vergleich zu früheren Jobs, wo ich richtig mit Herzblut hinterstand, z.B. als Enthüllungsreporter, als Dozent oder als Pressereferent einer NGO.
@Momo: Na so ganz gewitzelt scheint es ja nicht zu sein. Das Du das nicht willst, war schon klar. Das Problem stellt sich ja trotzdem: Behandle ich die Angestellten gemäß meiner Vorstellung vom guten Leben resp. guter Organisation der Arbeit? (Jetzt schreit mein innerer Klaus Türk: Aber Organisation ist doch Herrschaft!). Und was wenn nicht? Ist das vertretbar? Oder beute ich sei gerade aus, weil Strukturen nicht mehr klar sind? Wie kündeige ich jemandem, mit dem ich auf “Du” bin und gemeinsam Karaoke gesungen habe? Das ist in Deiner Branche ja nochmal extremer als z.B. hier an der Uni.
@Lars:
Ja, das sind auch ernsthafte, faktische Konflikte. So einfach wie Che kann ich’s mir da auch nicht machen. Das ist ja dann sowas wie “innere Emigration”, und die habe ich als Angestellter schon nur bedingt betrieben, warum sollte ich’s als “Arbeitgeber” tun?
Wobei bei uns ja schon alle so darauf gedrillt sind, daß sowieso alles über Projektverträge läuft – an Unis ist das ja mittlerweile ähnlich. Insofern ist die “Kündigung” einfach das Projektende, bis zum nächsten Mal, und wenn man sich gut verstanden hat – was ja immer ein “gut funktionieren” auch mit meint, aber eben nicht nur, das ist ja auch gemeinschaftlich verbrachte Zeit, und wenn das eine auch schöne Zeit ist, dann ist das eben schlicht Lebensqualität, weil’s ja nicht stimmt, daß Arbeit nur Mühsal ist, bei uns ist das nicht so, und man ist da nun mal 40+-Stunden in der Woche -, dann sieht man sich schon bald wieder.
Nur daß bei uns auch jeder versteht, daß zumindest ich in den ersten 2, 3 Jahren – anders als meine bisherigen Chefs – auch nicht mal 2 Monate auf “eigene” Kosten überbrücken kann, dazu starten wir viel zu schmal budgetiert, und wir haben für uns als Gesellschafter/Geschäftsführer jetzt nicht so richtig erheblich mehr als für die anderen eingeplant. Und tilgen ja zunächst mal eine ganze Weile unsere Wunden, äh, Schulden, von denen wir ja auch die Gehälter der anderen bezahlen.
Ich breite das hier auch gar nicht aus privaten Gründen aus, das sind ja für alle linken Theorien essentiell wichtige Fragen, beim Toyotismus hatten wir das drüben ja auch schon.
Zudem sich auch die ganze “Mehrwert-” und “Produktionsmittel-”-Frage bei uns anders stellt. Die Produktionsmittel sind im Grunde genommen so billig geworden, daß die keine so erhebliche Rolle mehr spielen – global wohl schon, , keine Ahnung, wer all die Computer montiert und wo Menschen dafür gekillt werden, daß sie Silicium oder wasweißich abbauen -, aber im Binnemarkt nicht so dolle.
Wobei dann, es lebe die Industrie, durch die Einführung von HD auf einmal doch wieder diesbezüglich Probleme für uns auftreten, die’s gar nicht geben müßte.
Und ansonsten mache ich ja oft genau das gleiche wie meine zukünftigen Angestellten, nur schneller und besser
– wirklich! Es geht da schon auch ujm Kompetenzen! -, nur daß bei mir noch wat obendrauf kommt: Insbesondere die Fähigkeit, verkäufliche Konzepte zu schreiben und überhaupt konzeptionell gestalten zu können, ein gewisses “politisches” Talent und die Fähigkeit, bestimmte Kundenkontakte gut pflegen zu können. Und ‘ne geerbte Eigentumswohnung. aktuell auch ein wichtiger Faktor.
Greifen da dann noch die klassischen “Mehrwert”-Theorien?
Wobei ich jetzt “Organisation ist Herrschaft” so als Slogan auch etwas plump finde – dann ist jede Arbeitsteilung Herrschaft. Und Kultur und Gesellschaft überhaupt.
Gesellschaft sowieso. Und an der Gleichung Kultur = Herrschaft arbeite ich ja auch momentan
Natürlich ist es plump, ich zitierte dass ja nur, weil das eben so das Credo bei unseren Organisationssoziologen war.
Ob da die klassischen Mehrwerttheorien noch greifen? Ehrlich gesagt keine Ahnung, die politische Ökonomie war ja nie meine größte Stärke. Vermute aber mal, dass man dann auf unterschiedlichen Ebenen unterschiedliche Bedingungen des Kapitalkreislaufs ausmachen kann. Und eben auch verschiedene Handlungsräume. Solange Du jetzt icht gezielt zum BoBo oder Lobo wirst, ist das ja auch okay. Und wenn die Aufträge fließen, könnt ihr ja immer noch eure Ausstattung sukzessive auf öko und fair produziert umstellen.
Ansonsten generelles Kopfnicken
@Produktionsmittel: Jedenfalls wären die Produktionsmittel noch Anfang der 1990er unter einer Million DM nicht zu bekommen gewesen – Betacam mit Schnittplätzen und Spezial-Workstation zur Digitalisierung der Filme. Das ist ja die einzige Fernsehtechnik, die ich selber im Einsatz kennengelernt habe. Aber ich sehe nicht, wieso sich irgendetwas am Wertgesetz oder an der Entstehung und Abschöpfung von Mehrwert geändert haben sollte. Im Gegenteil, die Verbilligung der Produktionsmittel durch die soundsovielte digitale Revolution, das Zusammenfließen frührerer Berufsbilder wie Drucker, Setzer,Grafiker, Kameramensch und Redakteur zu einer Person (Redakteur in Mediengestalter) und das Sich neu erfinden in neuen Firmenmodellen, ist das denn so viel anders wie die Verbilligung der Produktion durch die Dampfmaschine, das Zerfallen von Zünften und das Entstehen einer aus klassischen Hierarchien herausfallenden literarischen Boheme im 19. Jahrhundert? Ich meine, sind die zugrundeliegenden Gesetzmäßigkeiten heute andere? Ich bezweifle das.