Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Monatsarchive: November 2008

Mal kurz Eigenlob …

… angesichts morgendlicher Freude: Wenn ehemalige Mitarbeiter, denen gegenüber man die Chef-Rolle auszufüllen hatte, aus ihrer Arbeitslosigkeit oder neuen Jobs heraus trotz ihres nicht zuletzt auch (aber nicht nur) wegen mir gekündigten Beschäftigungsverhältnisses “eigeninitiativ” Adventstreffen der ehemaligen Belegschaft organisieren, dann liegt das natürlich auch daran, daß allesamt weiter gerne mit mir Geld verdienen wollen, daß sie sich auch wechselseitig einfach mögen – vielleicht aber doch auch daran, daß “Teambuilding”, an dem alle beteiligt sind, auch jenseits von McKinsey-Deutsch-Verbrechen eine Aussage hat, die gar nicht so übel ist?

Teilnehmer- und Beobachterperspektive: Happy Birthday, Claude Lévi-Strauss

Happy Birthday auch von mir, Claude Lévi-Strauss! Habe Dich zwar nie gelesen, aber sehr viel über Dich. Und jene, die mich prägten, gerade jene von französischer Seite, sie haben Dich geradezu inhaliert.

Um so erstaunlicher ist, wenn man jetzt durch all die Glückwünsche im Feuilleton surft, wer sich wie den großen Ethnologen zueigen macht.

Konsens ist: Er gab den einst per “Völkerkunde” Unterworfenen ihre Würde zurück – eine viel zu selten erzählte Geschichte, jene der “Völkerkunde”, noch in den 80er Jahren stand sie im Mittelpunkt akademischer Diskussionen, nun scheint sie verschwunden -, gerade, weil er das Unterwerfungsgeschehen selbst auch thematisierte.

Dann jedoch nutzt den Klassiker jeder so, wie er’s braucht, aber dazu sind Klassiker ja auch da. Setzen die einen eher den Schwerpunkt auf seiner Zivilisationskritik, so gibt die FAZ sich päpstlich – oder?

“Die Parteinahme für die anderen Gesellschaften und gegen die eigene Kultur, die die Berufung des Ethnologen zu sein schien, hatte offenbar im Gefolge der in „Traurige Tropen“ dargestellten Enttäuschung ihre Schlüssigkeit eingebüßt. Offenbar konnte sich der Ethnologe, wenn er das globale Verhältnis der Kulturen ins Auge fasste, nicht durch eine konsequente Identifikation mit dem anderen aus dem eigenen Dilemma der Zugehörigkeit lösen. Auch um die Verschiedenheit der Kulturen zu respektieren und zu fördern, bedarf es der Identifikation mit der eigenen Kultur.

Das jedenfalls legen, zunehmend seit den achtziger Jahren, Äußerungen von Lévi-Strauss nahe, die es erlauben, geradezu von seiner Rückkehr in die eigene Kultur zu sprechen.”

Was immer das sein mag, die “eigene Kultur”: Seitdem vermeindlich “Werte” diese prägen, ist die diagnostische Weisheit eines Lévi-Straus ja dem Vergessen gerade mit Hilfe des FAZ-Feuilletons und all der Lammerts dieser Welt anheim gegeben.

Denn immerhin hat Claude Lévi-Strauss ihn ermöglicht, den “ethnologischen Blick auf die eigene Kultur”, dem all die Propagandisten gerade nicht folgen  – bemerkenswert, daß der FAZ-Autor genau diese Versuche der Anwendung ethnologischer Methodik einst kurzerhand der “Mode” zuschlägt:


“Es konnte so aussehen, als kündigte sich hier eine Befreiung an, vergleichbar jener der Irrenhausinsassen, die auf der Tagesordnung der sechziger Jahre stand. In der Buchhandlung Maspéro lag jedes neue Buch von Lévi-Strauss neben denen von Roland Barthes, Jacques Lacan, Michel Foucault und der anderen Modeautoren jener Jahre. Dass es sich nur um ein Missverständnis handeln konnte, war zu ahnen, wenn man in den Büchern von Lévi-Strauss blätterte, in denen kein Name der Kultfiguren jener Jahre auftauchte. Das Renommee des Strukturalismus verdankte sich vielmehr einer spekulativen Erwartung, dass es möglich sein sollte, die Modephilosophien der Zeit, den Marxismus und die Psychoanalyse, zu einer Synthese zu bringen, die nur strukturalistisch sein konnte – eine intellektuelle Sehnsucht, die mit dem Mai 1968 endgültig enttäuscht wurde.

Die Quittung für die Illusion einer neuen Philosophie unter dem Namen des Strukturalismus stellte der berühmt gewordene Spruch des Pariser Mai aus: „Die Strukturen gehen nicht auf die Straße“, der immerhin das Missverständnis deutlich artikulierte.”

Die Sprache schon: “Irrenhausinsassen”. Und gleich zwei mal “Mode” in einem Absatz, stilistisch schön ist das nicht.

Die Abwehrreflexe greifen bis heute, was wohl darauf verweist, das die genannten Autoren tatsächlich was zu sagen hatten. Das “Missverständnis” wird somit auch nicht aufgelöst, und wie die Genannten umgekehrt auf Lévi-Strauss sich zu beziehen wußten, das erfährt keinerlei Erwähnung.

Wenn ich mich recht entsinnen, dann war es der Kampf gegen das Universelle: Lévi-Strauss habe danach gesucht, den Autoren vielmehr ging es darum, die Strukturen selbst historisch zu dynamisieren und auf Brüche, Verschiebungen und dynamische Differenzgefüge zu verweisen. Auch auf die Frage nach der Praxis fand mancher von ihnen durchaus anknüpfungsfähige Antworten: Dem “universellen Intelektuellen”, gemeint war zumeist der Sartre der “Praxisphilosophie”, sei der spezifische Intellektuelle entgegen zu stellen, jener, der soziale Bewegungen mit Fach- und Faktenwissen versieht – dazu ist er da, damit verbringt er seine Zeit. Weniger Hybris, mehr Recherche.

Denn darauf verweist jeder Versuch des “ethnologischen Blicks”: Wie vermittel ich die Teilnehmer- und die Beobachterperspektive? Die Reflexion und die Handlung? Das Betroffensein und die Distanz?

Fast sehnsüchtig erinnert man sich an die Zeiten, als dieses Verhältnis noch diskutiert wurde und “teilnehmende Beobachtung” in den Kneipenjargon einging – ist heute doch eher trendy, in Fragen der Ökonomie auf einen ojektivistischen Funktionalismus, ein totalisiertes Effizienzgeschehen zu setzen, in Fragen der “Kultur” hingegen jenseits der je eigenen Perspektive rein gar nix mehr gelten zu lassen. Und das auch noch so, als habe beides nix miteinander zu tun.

Bin ich demnächst mein eigener Klassenfeind?

Man fragt sich ja schon sowas.

Wo ich seit heute einerseits offiziell dazu gehöre, mich also arbeitslos gemeldet habe das erste Mal in meinem Leben. So konnte ich wenigstens mal direkte Einblicke in das, worüber ich hier immer blogge, gewinnen.

Der Termin zuvor, da war ich richtig positiv überrascht aufgrund des kompetenten und hilfsbereiten Gegenübers, der Dame für die Existenzgründer. Auch sie hatte sich zwar so eine seltsame Erzieherinnen-Attitüde angeeignet, so einen eingeübten Witz, aber Gott, was soll man auch tun, wenn man da annähernd attentatsgefährdet diese ganzen Frischverletzten einsammelt und zu nötigen hat. Kenne ja aus eigener Erfahrung diese distanzierende Frische im Umgang mit anderen, die auch Pflegekräfte sich aneignen – immer ein wenig so, als müsse man ein unwilliges Kind per antrainierter Motivationskunst dazu animieren, sich doch noch die Zähne zu putzen. War aber alles in Ordnung, fühlte mich gut beraten und wußte danach Bescheid, und all die Menschen in den Behörden müssen ja auch für ihren psychischen Haushalt sorgen, gerade die.

Ein ganz anderes Kaliber die Frau K. heute. Da schlug dieser Pädagogen-Habitus fast – aber auch nur fast – um in einen Hauch von Hohn der Macht. Auch mit ihr möchte nicht tauschen, sie fertigt halt jene ab, die sich arbeitslos melden, keine Ahnung, wie viel das so sind am Tag – ständig neue Gesichter mit den immer gleichen Fragen, und sie steckt ihnen die immer gleichen Broschüren in die Finger und spricht die immergleichen Sätze. Da nun tiefes Verständnis zu erwarten, das wäre ja auch wirklich zu viel verlangt. Das hält ja kein Mensch aus.

Trotzdem: Da schien latent dieses a priori entmündigen durch. Dieser faschistische Gestus des “Du hast hier gar nix zu melden!” Da spürte man das “Du” im “Sie”, jenes, das z.B. schwarze Taxifahrer alltäglich zu hören bekommen, selbst wenn sie hart auf die 50 zugehen. Mit zusammengebissenen Zähnen schwang da ein “Ja, was glauben Sie denn eigentlich?” mit, als ich zu fragen wagte, ob das denn jetzt auch schon der Antrag auf’s Arbeitslosengeld sei. Natürlich nicht! Was denken Sie denn! Da kommen Sie bitte noch mal wieder, und dann sagt man Ihnen schon, ob sie überhaupt Anspruch haben und wie viel und wie lange sie das bekommen!

Daß ich überhaupt gewagt hatte, meine Existenzgründungssachbearbeiterin anzumailen, das lockte dann einen bösen und zugleich irritierten Blick hervor. Und bei der Anmerkung, wirklich hilfreich gemeint, daß ich all die Broschüren doch wirklich lesen solle, bevor ich unterschreibe, daß ich sie gelesen habe, da schwang sie mit, diese Drohung, der bis auf Milliarden-Erben die Gesamtbevölkerung sich ausgesetzt sieht: Da stehen nämlich all die möglichen Sanktionen drin, auf liberal heißt ja sogar sowas “Anreiz”. Der Anschluß-Termin wurde dann auch arrangiert, ohne daß ich gefragt wurde, ob ich da auch Zeit habe. Meine Zeit gehört jetzt ja denen. Kenne ich, zuvor gehörte sie meinem Arbeitgeber.

Ja, zwischendurch war sie ganz normal freundlich und hilfreich, ich will jetzt gar nicht zu sehr meckern, war schon okay, und wer weiß, auf wen die da so trifft den ganzen Tag.

Gibt im Improvisationstheater die Regel “Wenn einer Niedrig-Status spielt, dann begebe sich der andere in die Rolle des Hoch-Status”. Ein wenig war das so, ging fröhlich hin und her – noch, noch, war ja erst mein zweiter Termin,  einigermaßen status-sicher kann ich ja temporär den Spieß umdrehen, und sie eben genau so. Blödes Spiel. Das gäbe es in der klassenlosen Gesellschaft nicht. Und wer jetzt auf Orwells “Farm der Tiere” verweist, der wird gelöscht.

Nun sieht’s ja aktuell in meinem Fall so aus, als sei das alles wirklich nur ein Übergang, toitoitoi, nachts liege ich wach. Kann mich auch und vor allem über die Unterstützung von Handelskammer und den staatlich-privaten Interferenzinstitutionen so rein gar nicht beschweren, das rief reibungslos, das lief glatt und völlig selbstverständlich. Die Konditionen sind fair, die Zumutungen, was das Einbringen von Eigenkapital betrifft, die sind zu wuppen. Klar, “hafte” mit allem, was ich habe, aber wenigstens habe ich ja was dank Eltern im öffentlichen Dienst.

Was für mich durchgängig die Pointe ist: Diese ganzen Misch-Institutionen, die eigentlich weder in der liberalen noch in der linken Theoriebildung eine Rolle spielen, von denen bin ich aktuell wirklich ganz angetan. Da, wie im Amt, wo nur Staat agiert und Leute, die immerhin jahrelang durchaus relevant abgedrückt haben, erst mal zum Objekt gemacht werden, da fühlt sich das wirklich Scheiße an. Jene Instanz jedoch, die auch Ahnung von Privatwirtschaft haben muß, um Anträge zu genehmigen, die bringt den nötigen Respekt auf und zeigt sich hilfreich.

Die Banken: Ohne persönliche Kontakte eines Mitgesellschafters hätten wir da weit größere Probleme gehabt, solche, die wirklich jeder Grundlage entbehrten, wir sind super aufgestellt und bieten genug Sicherheiten.

Alle anderen Institutionen des “Zwischenreiches”jedoch: Super.

Da stimmt was nicht in der Beschreibung institutioneller Gefüge, die so kursieren – daß diese “Staat/Wirtschaft”-Dichotomie Blödsinn ist, das ist ja eh ebenso offenkundig wie der Quatsch vom “Volk der Unternehmer”, ein dümmeres Posting habe ich ja selten gelesen.

In der klassisch-marxistischen Analyse jedoch, soweit sie mir bekannt ist, geht das Gerangel rund um das “Eigentum an Produktionsmitteln”. Das trifft auf meine Zukunft nicht zu: Die paar Computer und Schreibtische, die ich meinen potenziellen, zukünftigen Angestellten (grusel, was schreib ich da?) hinstelle, das bißchen IT und Miete, das ließe sich auch in einem lustigen Zirkel aus guten Freunden von zu Hause arrangieren, wenn das nicht in der Außenwirkung schlecht ankäme. Geht ja eher um Haftungsfragen und administrative Möglichkeitsbedingungen wie Gesellschaftsformen einerseits, um meine Kontakte und mein Know How andererseits, daß die Interferenzzone mich so großartig unterstützt und mir diesen Schritt ermöglicht. Ansonsten läuft fast alles, was mit Produktionsmitteleinsatz zu tun hat, über Dienstleister.

Bin ich demnach eigentlich demnächst mein eigener Klassenfeind? Oder ist das eher sowas wie das Handwerk einst?

Nur 68%!

Beschimpft mich! Selbst im Rahmen meiner Kernkompetenzen verbreite ich nur Porno und Halbwissen … nur 68% richtig geraten im 80er-Jahre-Video-Quiz!

Darum bin ich froh, …

… daß der Herr Clement die Partei, in die mein Vater Jahrzehnte seines Lebens investierte, endlich verlassen hat:

“Die liberalisierte Leiharbeit ohne Zeitbegrenzung ist eine Idee der Schröder’schen Agenda 2010. So sollten Firmen bei guter Auftragslage schnell ein paar Arbeiter anheuern und auch wieder loswerden können. Es sollte eine Brücke in den Arbeitsmarkt für Geringqualifizierte und Langzeitarbeitslose sein.

Doch inzwischen leiden auch die Stammbelegschaften darunter. Jede dritte Stelle der seit 2003 entstandenen Jobs ist Leiharbeit. “Dass sich so ein reiches Land wie unseres Arbeiter als Sklaven hält, ist furchtbar”, sagt Dietmar Kupfer, Betriebsratsvorsitzender von Johnson Control in Bochum.”

Diese Baggage rund um Schröder, Clement und wie sie nun mal alle heißen und hießen hat mit solcherlei organisierter Menschenverachtung, dem Klassenfeind im vorauseilenden Gehorsam sich unterwerfend, immerhin die Sozialdemokratie vollends ruiniert. Mit diesem albernen “Wir machen jetzt einen auf Tony Blair” und all solchem Geschwätz haben sie eine Perspektive eingenommen, die völlig verdrehte Vorstellungen von “Wirtschaft” und “Unternehmertum” in der Verantwortungslosigkeit und dem totalisierten Eigeninteresse einer kleinen Schicht begründete.

Völliger Humbug, wenn andernorts jetzt geunkt wird, es sei die “Volksfront” (da ist die Sprache schon verräterisch), die die SPD auf ihrem aktuellen Weg in die Bedeutungslosigkeit begleiten könnte – nö, die Spaltung ist ja erst geschehen, weil diese “Wirtschaftspolitiker” alles dafür taten, jenes Kapital frei zu setzen, das als Finanzmarktsblase gerade platzt.

Hoffentlich folgen dem Clementschen Schritt noch andere, Gerhard Schröder zum Beispiel  – daß ein Johannes Rau ausgerechnet den Clement einst zum Kronprinzen wählte, das habe ich eh nie verstanden. Wobei der Johannes Rau ja auch Josef Beuys die Professur gekündigt hat, wenn ich mich recht entsinne – vielleicht gibt es da ja zusammenhänge …

Und Kanzlerkandidat ist der Architekt von das Ganze. Schlimm. Ich leide.

Die Erfindung von Traditionen

Wollte mein neues Blog ja eigentlich “sich neu erfinden” nennen. Habe mich stattdessen auf die Erfindung von Traditionen besonnen. Und jeder, der hier Identitätsdebatten führt oder sonst irgendwie da weiter macht, wo ich drüben mit guten Gründen aufgehört habe, wird sofort und ohne Ankündigung gelöscht.

Mobilität versus “sich neu erfinden”

“Dann zählt jeder Kilometer doppelt. Rauf aufs Rad, runter vom Rad: Die Erfahrung, das Mobilität erkauft werden muss, macht man eben viel unmittelbarer, wenn man den Preis in Schweißtropfen bezahlen muss anstatt mit der Kreditkarte an der Zapfsäule. „Immerhin“, sagt Schuster, „ist Sonne besser als Regen.“”

Sonne statt Reagan, das hat ja auch Josef Beuys damals gesungen, der meinte das aber ganz anders. Ist das eigentlich eine stete Erfindung meiner selbst durch Andere, wenn ich per Funk von einem Ort zu anderen gejagt werde? Formen die mein Verhalten – und BIN ich dann mein Verhalten?

Ja, ja, die Fragen sind uralt, und sie stellen sich ja auch, wenn mein Tagesrhythmus durch Kunden-Anrufe und verkürzte Brustmuskulatur, durch langsam sich stauchende Bandscheiben am Computer bestimmt ist. Und für das Herz-Kreislauf-System und die Verdauung ist das ja auch nicht gesund. Und für die Augen. Leben ist Verschleiß, für manche jedoch erheblich mehr …. ach Gott, ein altes Möbel bin ich auch.


Wie is’n das: Karrikieren die auf den Fitness-Fahrrädern eigentlich die Daseinsform des Fahrradkurriers?

“Wenn Du liebst” singt Klaus Hoffmann hier gerade – ja. Love is the answer. Wirklich.

Haligh, Haligh, A Lie, Haligh: Ach, …

weil’s so schön war, gleich noch mal.

Sowas paßt doch in die eisgrauen Vorweihnachtstage, wo man sich fragt, ob die Fahrradkurriere eigentlich frieren. Oder durch die ständige Bewegung gerade nicht. Ob sie irgendwann Gesichter haben werden wie friesische Bauern, oder ob bis dahin das Kniegelenk längst schlapp gemacht hat. Ob dann irgendwann lauter alte Männer an der Ecke Feldstraße/Glacischaussee stehen, man erkennt sie ja ganz wie Streifenwagen von weitem schon an diesem Piepsen des Funkgeräts, mit Thermoskanne in der Hand und all die Abenteuer ausbreiten, die sie in all den Jahren so erlebten, während die Knochen zu knacken begannen und jedes morgendliche Aufstehen zur Qual wurde  … to be continued.

“Dancin’ at the Foucault A Go Go”

Schön! Foucault Funk: The Michel Foucault Postmodern Blues. (via)

Hört sich zwar an, als hätte man The Au Pairs in einer Rückwärts-Projektion in’s endlose Wartezimmer vor Dr. Santana verfrachtet, aber wenn man sich das als Malerei vortsellt, wäre es ganz wundervoller Trash aus breit getreten Schlieren mit hübschen Akzenten Mittendrin. Hat mit der Text- und Gedankenstruktur des Denkers auch nicht wirklich was zu tun, aber die wäre wohl auch eher so, als spielte man die Neubauten rückwärts mit einem Symphonie-Orchester ein.

Noch seltsamer ja das hier: Da denkt man zwar unwillkürlich an die späten Fotos Foucaults mit Cowboyhut vor der Berkley-Arbeitsgruppe, breit grinsend zwischen Holzfällerhemden, sieht ihn mit einem dieser 70er-Jahre-Schlitten in kluftenreiche Schluchten jenseits des “kalifornischen Längstals” (ja, so nannte man das noch, als ich zur Schule ging, über Obstanbau wurde uns da was gelehrt in diesem häßlichen Waschbeton-Gelände für 3500 Schüler) kurven, eine Rast auf verstaubten Felsen einlegen und in die Weite schauen – aber in dem Lied geht’s ja auch gar nicht um ihn, sondern seine Rezipienten, die anhand neuer Philosophie-Trips sich imer mal wieder neu erfinden. Und weil der Sänger dafür zu faul ist und stattdessen latent reaktionär auf altamerikanische Weisen setzt, hat er Bright Eyes eben einfach nicht verstanden und bleibt einfach der falschen Pose treu. Zitiert sei er trotzdem:

<“Darlin’ I’m gonna have to let you go

You keep a goin’ on about Foucault

Your infatuation’s gone too far

Last year it was Jacques Derrida

Buy a magazine and follow some fashion trends

Stop hangin’ ‘round with your literary friends

Nobody cares just how much you know

You’re just another poser

Another hanger on

Dancin’ at the Foucault A Go Go”

Na. Nörgeln kann ja jeder …

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