Teilnehmer- und Beobachterperspektive: Happy Birthday, Claude Lévi-Strauss
Happy Birthday auch von mir, Claude Lévi-Strauss! Habe Dich zwar nie gelesen, aber sehr viel über Dich. Und jene, die mich prägten, gerade jene von französischer Seite, sie haben Dich geradezu inhaliert.
Um so erstaunlicher ist, wenn man jetzt durch all die Glückwünsche im Feuilleton surft, wer sich wie den großen Ethnologen zueigen macht.
Konsens ist: Er gab den einst per „Völkerkunde“ Unterworfenen ihre Würde zurück – eine viel zu selten erzählte Geschichte, jene der „Völkerkunde“, noch in den 80er Jahren stand sie im Mittelpunkt akademischer Diskussionen, nun scheint sie verschwunden -, gerade, weil er das Unterwerfungsgeschehen selbst auch thematisierte.
Dann jedoch nutzt den Klassiker jeder so, wie er’s braucht, aber dazu sind Klassiker ja auch da. Setzen die einen eher den Schwerpunkt auf seiner Zivilisationskritik, so gibt die FAZ sich päpstlich – oder?
Was immer das sein mag, die „eigene Kultur“: Seitdem vermeindlich „Werte“ diese prägen, ist die diagnostische Weisheit eines Lévi-Straus ja dem Vergessen gerade mit Hilfe des FAZ-Feuilletons und all der Lammerts dieser Welt anheim gegeben.
Denn immerhin hat Claude Lévi-Strauss ihn ermöglicht, den „ethnologischen Blick auf die eigene Kultur“, dem all die Propagandisten gerade nicht folgen – bemerkenswert, daß der FAZ-Autor genau diese Versuche der Anwendung ethnologischer Methodik einst kurzerhand der „Mode“ zuschlägt:
Die Sprache schon: „Irrenhausinsassen“. Und gleich zwei mal „Mode“ in einem Absatz, stilistisch schön ist das nicht.
Die Abwehrreflexe greifen bis heute, was wohl darauf verweist, das die genannten Autoren tatsächlich was zu sagen hatten. Das „Missverständnis“ wird somit auch nicht aufgelöst, und wie die Genannten umgekehrt auf Lévi-Strauss sich zu beziehen wußten, das erfährt keinerlei Erwähnung.
Wenn ich mich recht entsinnen, dann war es der Kampf gegen das Universelle: Lévi-Strauss habe danach gesucht, den Autoren vielmehr ging es darum, die Strukturen selbst historisch zu dynamisieren und auf Brüche, Verschiebungen und dynamische Differenzgefüge zu verweisen. Auch auf die Frage nach der Praxis fand mancher von ihnen durchaus anknüpfungsfähige Antworten: Dem „universellen Intelektuellen“, gemeint war zumeist der Sartre der „Praxisphilosophie“, sei der spezifische Intellektuelle entgegen zu stellen, jener, der soziale Bewegungen mit Fach- und Faktenwissen versieht – dazu ist er da, damit verbringt er seine Zeit. Weniger Hybris, mehr Recherche.
Denn darauf verweist jeder Versuch des „ethnologischen Blicks“: Wie vermittel ich die Teilnehmer- und die Beobachterperspektive? Die Reflexion und die Handlung? Das Betroffensein und die Distanz?
Fast sehnsüchtig erinnert man sich an die Zeiten, als dieses Verhältnis noch diskutiert wurde und „teilnehmende Beobachtung“ in den Kneipenjargon einging – ist heute doch eher trendy, in Fragen der Ökonomie auf einen ojektivistischen Funktionalismus, ein totalisiertes Effizienzgeschehen zu setzen, in Fragen der „Kultur“ hingegen jenseits der je eigenen Perspektive rein gar nix mehr gelten zu lassen. Und das auch noch so, als habe beides nix miteinander zu tun.
Nur 68%!
Beschimpft mich! Selbst im Rahmen meiner Kernkompetenzen verbreite ich nur Porno und Halbwissen … nur 68% richtig geraten im 80er-Jahre-Video-Quiz!
Darum bin ich froh, …
… daß der Herr Clement die Partei, in die mein Vater Jahrzehnte seines Lebens investierte, endlich verlassen hat:
Diese Baggage rund um Schröder, Clement und wie sie nun mal alle heißen und hießen hat mit solcherlei organisierter Menschenverachtung, dem Klassenfeind im vorauseilenden Gehorsam sich unterwerfend, immerhin die Sozialdemokratie vollends ruiniert. Mit diesem albernen „Wir machen jetzt einen auf Tony Blair“ und all solchem Geschwätz haben sie eine Perspektive eingenommen, die völlig verdrehte Vorstellungen von „Wirtschaft“ und „Unternehmertum“ in der Verantwortungslosigkeit und dem totalisierten Eigeninteresse einer kleinen Schicht begründete.
Völliger Humbug, wenn andernorts jetzt geunkt wird, es sei die „Volksfront“ (da ist die Sprache schon verräterisch), die die SPD auf ihrem aktuellen Weg in die Bedeutungslosigkeit begleiten könnte – nö, die Spaltung ist ja erst geschehen, weil diese „Wirtschaftspolitiker“ alles dafür taten, jenes Kapital frei zu setzen, das als Finanzmarktsblase gerade platzt.
Hoffentlich folgen dem Clementschen Schritt noch andere, Gerhard Schröder zum Beispiel – daß ein Johannes Rau ausgerechnet den Clement einst zum Kronprinzen wählte, das habe ich eh nie verstanden. Wobei der Johannes Rau ja auch Josef Beuys die Professur gekündigt hat, wenn ich mich recht entsinne – vielleicht gibt es da ja zusammenhänge …
Und Kanzlerkandidat ist der Architekt von das Ganze. Schlimm. Ich leide.
„Dancin’ at the Foucault A Go Go“
Schön! Foucault Funk: The Michel Foucault Postmodern Blues. (via)
Hört sich zwar an, als hätte man The Au Pairs in einer Rückwärts-Projektion in’s endlose Wartezimmer vor Dr. Santana verfrachtet, aber wenn man sich das als Malerei vortsellt, wäre es ganz wundervoller Trash aus breit getreten Schlieren mit hübschen Akzenten Mittendrin. Hat mit der Text- und Gedankenstruktur des Denkers auch nicht wirklich was zu tun, aber die wäre wohl auch eher so, als spielte man die Neubauten rückwärts mit einem Symphonie-Orchester ein.
Noch seltsamer ja das hier: Da denkt man zwar unwillkürlich an die späten Fotos Foucaults mit Cowboyhut vor der Berkley-Arbeitsgruppe, breit grinsend zwischen Holzfällerhemden, sieht ihn mit einem dieser 70er-Jahre-Schlitten in kluftenreiche Schluchten jenseits des „kalifornischen Längstals“ (ja, so nannte man das noch, als ich zur Schule ging, über Obstanbau wurde uns da was gelehrt in diesem häßlichen Waschbeton-Gelände für 3500 Schüler) kurven, eine Rast auf verstaubten Felsen einlegen und in die Weite schauen – aber in dem Lied geht’s ja auch gar nicht um ihn, sondern seine Rezipienten, die anhand neuer Philosophie-Trips sich imer mal wieder neu erfinden. Und weil der Sänger dafür zu faul ist und stattdessen latent reaktionär auf altamerikanische Weisen setzt, hat er Bright Eyes eben einfach nicht verstanden und bleibt einfach der falschen Pose treu. Zitiert sei er trotzdem:
<„Darlin’ I’m gonna have to let you go
You keep a goin’ on about Foucault
Your infatuation’s gone too far
Last year it was Jacques Derrida
Buy a magazine and follow some fashion trends
Stop hangin’ ‘round with your literary friends
Na. Nörgeln kann ja jeder …
Herzlich Willkommen!
Welcome to WordPress.com. This is your first post. Edit or delete it and start blogging!
10 Kommentare