Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Wenn Privilegierte wollen, dass sich auch ja nichts ändert

Die aktuellen politischen Diskussionen sind gespenstisch – seien es jene rund um die Ukraine, rund um die AfD, rund um die völlige Ineffizienz eines selbstgefälligen und selbstgenügsamen, sich als links verstehenden Widerstandes in den Städten. Ich denke, das liegt daran, dass alle Probleme so definiert werden, dass sie einfach nur die eigene gesellschaftliche Position absichern.

Symptomatisch ist hier einmal mehr Publikative.org. Vieles, nicht alles dort halte ich für so problematisch, da ähnlich wie bei manchen Formen der Gentrifizierungskritik Mehr von diesem Beitrag lesen

SMS nach Kreta: FC St. Pauli – 1860 München 1:2 (bzw. 2:2)

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“0:1 München 11-Meter – wir spielen trotzdem super bisher, viel energetischer”
“1:1 John Verhoek – Super-Tor, Willensleistung, nachdem der Münchener Torwart 3 Großchancen hielt”
“Schiri gab schon 2 (!!!) Tore nicht für uns”
“1:2 für München gibt er – schlecht verteidigt”
“Das gewinnen wir noch, Mannschaft ist prima drauf”
“Beinahe 2:2 zum zweiten Mal”
“Spiel ist leider deutlich abgeflacht, obwohl Budimir jetzt drin ist”
“Ein wenig verpfiffen werden wir schon …”
“60 schauspielert sich bis zum Sieg”.
“Meggle auf der Tribüne, Schiri Schieber, verloren.”
“Verloren, aber Beginn einer großen, neuen Ära!”

SMS-Protokoll einer trotz allem magischen Niederlage am Millerntor. Selbst urlaubsreife Freunde schalten hinsichtlich des FC St. Pauli ja nie ab. P.A. räkelte sich am Strand, derweil unsere Boys, gestern in weiß, revitalisiert und auferstanden, reanimiert und von Bleiwestenschwere befreit über den Platz jagten, sah aufs griechische Meer und prostete uns aus der Ferne zu, gebannt dem Flow der iMessages Mehr von diesem Beitrag lesen

Assoziationsräume, morgens getwittert: Back to the Future!

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Momo on the radio: Tales of St. Pauli – Neues aus den Metalustversum, September-Ausgabe. Montag, 8.9., 14-16 h, FSK Hamburg

Einmal im Monat geht die Plaudertasche noch mehr als eh schon alltäglich mit mir durch. Das Freie Sender Kombinat Hamburg ist so freundlich, mir dafür Sendezeit einzuräumen. Dies ist der Link zum Stream. Auch morgen schallt so die Stimme zum Text hier im Blog aus den Boxen, Kopfhörern und Computerlautsprechern derer, die ihr zuhören wollen. Und wie immer ist die Musik viel wichtiger als das, was ich zwischendrin erzähle.

Zumindest gelang es mir dieses Mal, nach formal-handwerklicher No Go-Anmoderation allerlei Texte zitierend und Worte dazu wie immer frei und spontan suchend und manchmal auch findend, nun da zu sitzen und die Folgen der Selbst-Irritation in mir arbeiten zu lassen :D – Selbst-Irritation ist ja ein anderes Wort für Freiheit. Die einzelnen Segmente verbinden sich derzeit in meinem Hirn immer wieder neu und stellen munter oszillierend allerlei Bezüge untereinander und zur gespielten Musik her, dass ich mich glatt mal selbst inspiriert habe. Kommt vor. Vielleicht ja auch den oder die andere HörerIn.

Dieses Mal geht es ganz allgemein um das Erzählen, nicht umsonst heißt die Sendung “Tales of St. Pauli”. Ausgehend vom Geschehen im Millerntor-Stadion erkunde ich so allerlei, was damit vordergründig gar nichts mehr zu tun zu haben scheint. Hat es aber. Wie auch immer.

Die Playlist, da ich die Songs nicht ansage:

Donna Summer – On the Radio (Erkennungsmelodie)
Rufus Wainwright – Cigarettes an Chocolate Milk
The Herbaliser (feat. Seaming To)  – Something Wicked
Mr. Fingers – Can you feel it (Martin Luther King Remix)
Femi Kuti – Fight to win
Georgette Dee – Im Zug nach Paris
Terez Montcalm  – Le Cinema
Thelonius Monk – Let’s Cool One
Kora Jazz Trio – Djelia
Noiseaux – Resonate my Dance
Crazibiza – Like that (feat. Jerome Robins & MC Flipside)
Billy Nichols – Give your Body up to the Beat (Larry-Levan-Remix)
Alicia Keys – Empire State of Mind, Pt. II
Nhan Solo – Tell You
Hildegard Knef – Augen in der Großstadt (ein vertontes Gedicht von Kurt Tucholsky)
Gustav Mahler – Symphonie Nr. 9 in D-Dur, IV., Adagio, sehr langsam (Ausschnitt)
Leontyne Price – Vissi d’arte (aus Puccinis “Tosca”)
Tired Pony – Get on the Road
Soko – I thought I was an Alien
Liza Minelli – At Last
Dieses Mal stehen auch allerlei zu zitierende Quellen im Focus; eine richtige Fussballsendung im Independant-Radio braucht schließlich eine Literaturliste. Ich finde, ja, dass der Millerton da regelmäßig kläglich versagt. Also:
Benjamin, Walter, Das Passagen-Werk, Erster Band, Frankfurt/M. 1982
Cole, Teju, Open City, Berlin 2013
Frey, James N., Wie man einen verdammt guten Roman schreibt, Köln 1997
Koschorke, Albrecht, Wahrheit und Erfindung – Grundzüge einer Allgemeinen Erzähltheorie, Frankfurt/M. 2012
Seel, Martin, Varianten filmischen Erzählens, in: Kracke, Bernd/Ries, Marc: Das neue Erzählen, Bielefeld 2013

 

Voran, FC St. Pauli …

Zunächst einen ganz herzlichen Dank an Roland Vrabec. Mag sich wie Krokodilstränen lesen, ich habe mich früh in die Reihen der Kritiker begeben, nachdem ich, wie viele andere auch, den Auftakt unter Vrabec zunächst prima fand.

Ich vermute lediglich, dass da noch Lernbedarf in der Personalführung besteht; das ist normal, wenn man in eine solche Rolle geschubst wird. Mit Sicherheit hat er voller Akribie und Engagement all seine Ressourcen in bester Absicht eingebracht. Und mit Sicherheit werden gerade die Kritiker, also auch ich, staunen, was er noch so alles reißen wird in der Zukunft. Wenn er die Erfahrungen verdaut hat und neu los legt, werden wir uns noch ganz schön die Augen reiben. Ich hoffe und wünsche ihm, dass weniger Gram als Erleichterung ihn befällt und er durchschnaufend nun Raum für Atem findend die für ihn schwierigen Situationen als Grundlage für zukünftiges Wachstum begreifen kann.

Rachid Azzouzi ist anzukreiden, dass er diesen Schritt nicht schon vor der Sommerpause vollzogen hat. Er geht, Mehr von diesem Beitrag lesen

Erosionen als zukunftsweisende Perspektive? Greuther Fürth – FC St. Pauli 3:0

“(Das Spiel des FC St. Pauli, MR) hat unterm Zwang der eigenen sachlichen Konsequenz die Idee des runden Werkes kritisch aufgelöst und den kollektiven Wirkungszusammenhang durchschnitten. Wohl hat keine Krise, nicht die wirtschaftliche und nicht die der Kultur, in deren Begriff der verwaltende Wiederaufbau mitgedacht ist, das offizielle (Vereinsleben, MR) zu unterbinden vermocht. Auch (im Fussball, MR) hat das Monopol der Tüchtigen überlebt. Vorm versprengten Klang jedoch, der sich dem Netz der organisierten Kultur und ihrer Konsumenten entzieht, wird solche Kultur als Schwindel offenbar.”

Theodor W. Adorno, Philosophie der Neuen Musik, S. 36

 

Ja, das habe ich von Brecht, diesem Banausen! Einfach in die heiligen Worte des Philosophen derart Profanes einzubauen. Und in Erosionsprozessen die Zukunft zu wittern ist immer zwiespältig – das Konzept der “schöpferischen Zerstörung” (Schumpeter) ist auch eines, das den Neoliberalen behagt, wie manche mit dem Sozialrevolutionären Kokettierende sich hinter die Löffel schreiben könnten.

Dennoch: Beim gestrigen Spiel in Fürth musste ich trotz der Ausmaße einer Tragödie der Lethargie an lauter gestrige und vorgestrige Theorieversatzstücke der  undogmatischen Linken denken. Während ja heute zumeist sich als heroisch inszenierender Aktionismus meckernd dem Strukturkonservatismus sich hingibt und jede Niederlage noch als Bestätigung des Falschseins des Ganzen freudig begrüßt wird, weil im Grunde genommen sie auch alle nicht wüssten, was zu tun wäre, würden Erfolge errungen, wieder andere weiterhin im Virtuellen wühlen, weil die Realität so hart ist, Dritte dann den ganzen Globus mit Analysen überziehen, weil sie sich hierzulande im Gerangel so gut eingerichtet haben, dass jeder Stellvertreter für fröhliches Projizieren willkommen scheint, angesichts all dessen erscheint manche Großartigkeit vergangener Debatten wie eine funkelnde Welt der, ja, Differenz im positiven Sinne.

Eben vor allem jene Versatzstücke, die in Brüchen, Dissonanzen, Diskontinuitäten, Dekonstruktionen große Erzählungen zertrümmerten und im Fragment, im Scheitern, im Auflösen der Sinnzusammenhänge bei gleichzeitiger Ortlosigkeit der Kritik, manche auch im reinen Flanieren (ganz wie manch Spieler gestern) die letzte Flucht wähnten vor dem, was gesellschaftlich quält.

Das entspricht ja bemerkenswerterweise ungefähr dem, was unter Vrabec, Mehr von diesem Beitrag lesen

“Wir sind gegen die Seilbahn und die Polizei ist doof!”

Ich habe nicht mit abgestimmt, obgleich ich als Bewohner des Bezirks “Mitte” ja gekonnt hätte. Über die Seilbahn. Weil ich mir schlicht unsicher war. Weil, wenn ich richtig informiert war, der Startpunkt des Bauunterfangens am unteren Ende der Wallanlagen gewesen wäre und es mir schon bei Hafengeburtstagen auf die Nerven fällt, wenn die Leute in meinen Vorgarten eindringen – was ja schon auch viel über meine eigene Jägerzaun-Mentalität aussagt.

Trotzdem merkte ich heute morgen Zorn in mir aufsteigen. Über dieses ewige “Dagegen” derer, die nun mit Sicherheit so gar nicht dafür zu sorgen, dass sich mal was in die richtige Richtung bewegt. Die unverdrossen glauben, ob im Zeckensalon oder bei  Celtic-Spiel-Rahmenprogrammen, ihre öden, weißen Indie-Kapellen, die sie in ihrer öden, weißen, heterosexuellen Macker-Welt nostalgisch pflegen, hätten nun irgendwas mit Zukunft zu tun.

Neulich im Golem: Die Haus-Jazz-Band Mehr von diesem Beitrag lesen

What now, my love? FC St. Pauli – Sandhausen 2:1 (und ein wenig Philosophie)

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Läuft hier gerade, dringt aus meinen Boxen: “What now, my love, now, that you’re gone …” – ist das ursprünglich von Gilbert Bécaud? Oder von Charles Aznavour?

“Nous sommes St. Pauli” singen wir ja immer frankophon vor uns hin zu Spielbeginn, ansonsten eher britisch orientiert. Was meine Vorliebe für den Existentialismus des frühen Sartre wie auch konträrer Philosophien des Poststrukturalismus nicht schmälern kann. Beides französischer Herkunft. “La vie ne fait pas de cadeau”, ich weiß. Aber quand on n’a que l’amour ist das auch nicht immer ausreichend.

Und beides, Existentialismus und Poststrukturalismus, tritt zumindest den Wortbedeutungen folgend ja unter Vrabec ins Rampenlicht: Dieses so merkwürdig existentielle Gefühl, dass da was verspielt wird. Trotz Sieg. Les Jeux sont faits, so hieß ein Drehbuch des frühen Sartre. Der deutsche Titel: “Das Spiel ist aus”.

Er wirkt allerorten im Stadion,

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Lost Highway. Oder wie Alicia Keys uns Wald und Mais entriss (Optik Rathenow – FC St. Pauli 1:3)

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„Jedes einzelne Element (…) muß auf Anhieb verstanden werden – und zwar verstanden auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner. Es ist eine wahre Schande. Es gäbe so viele Orte, an welche sich die Leute begeben könnten, wären sie nicht so eng an diese Beschränkung gebunden.“ (Interview im Rolling Stone, 6. März 1997)”

Orte In Brandenburg vielleicht? Herzsprung?

Das ist nicht zufällig Teil der Gemeinde HEILIGENGRABE.

Mit Sankt als Vorname ahnt die Crowd, in den Bus gepfercht, Fürchterliches.

In Herzsprung ist und west eine Pension. Unweit dieser: Ein See. Mit Bootsrundfahrt. Und nahe dessen ein Baumaschinenverleih. Da sieht man in der entfesselten Vorstellungskraft des Küstennähesiedelnden Einwohner, johlend und angestachelt von Bier und Korn blutige Jagden auf Eindringlinge mit Bagger und Dampfwalze veranstalten als Wochenendvergnügen …. drumherum Wald.

Nicht eine Ansammlung von Bäumen, nein: WALD.

Ein Begriff, in seiner Totalität Welt geworden. Kein Blick. Nur Stämme, Blätter schlucken Licht. Unterholz verschlingt.

Visionen keimen ins uns auf: Sollten wir,

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Teile, herrsche, projiziere! Diskurskonfigurationen in der bundesrepublikanischen Aktualität

Ich möchte so gerne wissen, wie die das immer wieder hinbekommen.

Die, die satt und unbefragt in den Zentren der Thematsierungsmaschinerien sitzen und Gruppen Anderer exkludieren, um an sie Unbill zu delegieren und es auf sie zu projizieren – im nächsten Schritt hetzen sie sie gegeneinander auf. Was oft genug gelingt. Und immer wieder neu stabilisieren so die Unbefragten ihre Macht.

Muslimische Facebook-Bekanntschaften fragten jüngst,

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