Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Lost Highway. Oder wie Alicia Keys uns Wald und Mais entriss (Optik Rathenow – FC St. Pauli 1:3)

20140817-124018-45618389.jpg

„Jedes einzelne Element (…) muß auf Anhieb verstanden werden – und zwar verstanden auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner. Es ist eine wahre Schande. Es gäbe so viele Orte, an welche sich die Leute begeben könnten, wären sie nicht so eng an diese Beschränkung gebunden.“ (Interview im Rolling Stone, 6. März 1997)”

Orte In Brandenburg vielleicht? Herzsprung?

Das ist nicht zufällig Teil der Gemeinde HEILIGENGRABE.

Mit Sankt als Vorname ahnt die Crowd, in den Bus gepfercht, Fürchterliches.

In Herzsprung ist und west eine Pension. Unweit dieser: Ein See. Mit Bootsrundfahrt. Und nahe dessen ein Baumaschinenverleih. Da sieht man in der entfesselten Vorstellungskraft des Küstennähesiedelnden Einwohner, johlend und angestachelt von Bier und Korn blutige Jagden auf Eindringlinge mit Bagger und Dampfwalze veranstalten als Wochenendvergnügen …. drumherum Wald.

Nicht eine Ansammlung von Bäumen, nein: WALD.

Ein Begriff, in seiner Totalität Welt geworden. Kein Blick. Nur Stämme, Blätter schlucken Licht. Unterholz verschlingt.

Visionen keimen ins uns auf: Sollten wir,

Mehr von diesem Beitrag lesen

Teile, herrsche, projiziere! Diskurskonfigurationen in der bundesrepublikanischen Aktualität

Ich möchte so gerne wissen, wie die das immer wieder hinbekommen.

Die, die satt und unbefragt in den Zentren der Thematsierungsmaschinerien sitzen und Gruppen Anderer exkludieren, um an sie Unbill zu delegieren und es auf sie zu projizieren – im nächsten Schritt hetzen sie sie gegeneinander auf. Was oft genug gelingt. Und immer wieder neu stabilisieren so die Unbefragten ihre Macht.

Muslimische Facebook-Bekanntschaften fragten jüngst,

Mehr von diesem Beitrag lesen

“I liked my mem’ries as they were, but now I’ll leave rememb’rin’ this f*ckin’ Aalen-Spiel …”

Es gab und gibt sie ja, die Phasen, da die realen Männer, die ich traf und kennenlernte, mir derart langweilig erschienen, dass ich mich stattdessen lieber in die imaginierte Leidenschaft des Emotionalisierens hinein begab. Am liebsten zu pathetischer Musik. Ja!!!

Dann startete und starte ich die Streisand ein oder Shirley Bassey oder sogar Musicals, Schmachtfetzen, triefend vor übergroßem Gefühl, “Last night I watched him sleeping”, “J’avais revé d’une autre vie, mais la vie a tué mes réves”. Was ich an Florian Bruns so toll fand, war, dass er diese große, dramatische Geste voller Pathos immer mal wieder auf dem Platz probierte. Zauberhaft.

Ja, ich höre in solchen Zuständen sogar manchmal heimlich, nie würde ich davon jemandem erzählen, Hymnen von Andrew Lloyd Webber. Die aus “Sunset Boulevard” zum Beispiel. “As if we never said goodbye”. Das ist das Musical zu dem berühmten Film, da zu Beginn eine im Swimming Pool treibende Leiche rückblickend die Geschichte erzählt.

Ich frage mich, was unsere dahin siechende Mannschaft wohl erzählen würde, Mehr von diesem Beitrag lesen

Momo on the radio: Tales of St. Pauli – Neues aus dem Metalustversum, August-Ausgabe. Mo, 11.8., 14 h, FSK Hamburg

Morgen um 14 h ist es wieder so weit – meine Stimme dringt, von viel besserer Musik umgarnt, aus den Boxen der Radios und Computer derer, die sie hören wollen. Wie immer beim Freien Sender-Kombinat!

Eine weitere Ausgabe voller Versprecher, Wort- und Silben-Verschlucker und -Doppler bis Verdreifachungen, Flüchtigkeitsfehler (das “Gefahrengebiet” verlagere ich vom Winter in den Herbst, zum Beispiel)  rund um Themen, die auch in der Fanszene des FC St. Pauli diskutiert werden. Ich mühe mich, diese akustisch zu verschwulen und musikalisch White Supremacy auszutreiben mit Hilfe von House- und Black-Music und deren Verwandten.

Morgen wende ich mich unter anderem noch einmal kritisch der Ausstellung “Fuck you, Freudenhaus” von 1910 e.V. zu und behandele zudem das Dauerthema Appropriation und die Gegenwehr von Joshua Redman und José James. Ich diskutiere wie immer und unaufhörlich, so lange, bis sich etwas ändert, wer spricht und wer nicht im Widerstand – zudem führe ich aus, wieso das Wirken von Roland Vrabec, (Noch-)Trainer des FC St. Pauli, so ganz und gar nichts mit den Tipps und Regeln zu tun hat, die Ratgeber für Krimi- und Thriller-Autoren formulieren. Um final George Lee Moore, den Philosophie-Professor mit der Gitarre aus Brooklyn, dem Massenpublikum vorzuspielen.

Wie üblich hier die Tracklist, da ich nur teilweise die Titel ansage – es geht auf jeden Fall sehr liebevoll zu dieses Mal:

 

Georgette Dee – Fürstin der Nacht (Auszug) – aus dem Musical “Beiß mich, ich will das Leben spüren”, Schmidt’s Tivoli 1992/1993

Donna Summer – On The Radio (Erkennungsmelodie)

Artenvielfalt & The Project – I’m Done (Marlon Hoffstedt & HRRSN Remix)
Hildegard Knef – Und wenn ich wage, Dich zu lieben (Markus Guentner-Remix)
Feed me & Crystal Fighters – Love Is all I Got (Larse Remix)
Bebel Gilberto – August Day Song
Boy George – Love’s Gonna Let You Down (Popcorn Mix)
CeCe Peniston – Finally
Patrick Wolf – The Sun Is Often Out
Ella Fitzgerald & Miguel Migs – Slap That Bass (Miguel Migs Petaplusher Remix)
Y’akoto – Forget
Joshua Redman – The Ocean
José James – Angel
José James – While You Were Sleeping
Gene Ammons – Jungle Strut
Nuclear Family – Rise
George Lee Moore – Niobe
Georgette Dee –  Fürstin der Nacht (Auszug 2)
Viel Spaß beim Hören, wer auch immer das mag und will!

“Stonewall was a riot, not a Party”

Ja, ich Krieger, ich.

Jedem Ende der Enthaltsamkeit jederzeit zustimmend, als Plädoyer formuliert, ist meine Trinkfestigkeit dennoch dem Verfall anheim gegeben. So folgte ich wie so oft meinen eigenen Forderungen nicht. Und sah im Anschluss an ein biergeschwängertes Nickerchen nach dem Spiel gegen Ingolstadt auf ARTE zwei Dokus über Boy- und Girlgroups, anstatt mich in die schwülen Nächte der Pride Week zu stürzen. Eine gute Doku und eine schlechte Doku.

Die gute wusste Spannendes zu berichten Mehr von diesem Beitrag lesen

“Fuck you, Freudenhaus”?

Sonntagmorgen. Heute nacht Geräusche in der Stadt, wummernd, laut, aufbrandendes Martinshorn. Klingt kurios, dieser Krach aus der Ferne; so, als seien Aliens gelandet.

Ich mag das englische Wort “alienated”. So habe ich mich oft genug gefühlt. Eine Frau schluchzt laut im Hinterhof, morgens um 6. Es ist hell. Ich dämmere wieder weg.

Sonntagmorgen. Habe den Ventilator eingestartet. Muss dabei immer an eine Passage aus Stephen Kings Autobiographie denken. Nach einem schweren Unfall – das Auto, das ihn fast tot fuhr, hat der große Erzähler später gekauft, um es genüsslich verschrotten zu lassen – von Schmerzen geplagt, im Rollstuhl sitzend, spürt “seine Frau”, dass er wieder arbeiten muss, um nicht in völligem Verdruss zu enden. Sie richtet ihm einen Platz zum Schreiben im “hinteren Flur” ein. Ich frage mich immer, wie in Kings weltberühmten Haus in Maine mit den zwei verschiedenen Türmchen wohl der “hintere Flur” aussehen mag. Sie stellt Fotos von seinem Sohn auf den Schreibtisch und ihm einen Ventilator dazu. Es ist ein heißer Sommer in Maine, und Stephen King genießt es, im Kühlen wieder arbeiten zu können …

Sonntagmorgen. Einst, als ich noch die Nächte auf dem Kiez saufend mir um die Ohren schlug und gelegentlich auch jemanden mitnahm, war das “Or” in der Gerhardstraße mein erweitertes Zuhause. Ein kleiner, schmaler Club mit roten Wänden und Möbeln aus Metallabfällen aus dem Hafen, designet von Lommel, die auch fantastische SM-Möbel herstellte. Ihre Freundin Miss Nico stand an den Plattentellern;

Mehr von diesem Beitrag lesen

Fast eine Lebensbeichte: Über die Unerträglichkeit der Hass-Ausbrüche in Essen

“1) Entscheide Dich für ein Lager: Da sowieso grad Fußball-WM ist, ist das eine ganz einfache Kiste, und die Auswahl der Mannschaft sollte für Dich kein Problem sein. Lass Dich auf keinen Fall davon verwirren, dass von Menschen und Medien gerne mal zwei monolithische Blöcke konstruiert werden. Das ist Part of the Game und sollte Dich auf keinen Fall verwundern!

2) Verwende in Deinen Postings möglichst schwammige Begriffe, die klar machen, dass Du zwar irgendwie ganz viel Herzblut für das Thema hast, aber auch irgendwie nur so mittelviel Ahnung. Verwende gezielt Schlagworte als Synonyme um falsche Sachverhalte zu konstruieren, wie zum Beispiel: Hamas = Palästinenser_innen, Jüdische Menschen = Israelis, Gaza = Westbank und Gaza zusammen bzw. Palästinenserstaat bzw. bekanntes und großzügiges Urlaubsressort am Mittelmeer. Usw. usf. Sollte Dir diese Taktik schwer fallen, lasse Dich einfach von deinen Facebook-Freund_innen inspirieren!”

 

***

Es war zu Beginn der 80er Jahre. Einen ernsthafteren Anschluss an linke, politische Gruppen hatte ich zumeist vermieden: Im Rahmen der Friedensbewegung, den größten Demonstrationen der Nachkriegsgeschichte, war ich engagiert demonstrierender Teilnehmer und verlas gar Gedichte mit Friedenslyrik im Keller des Jugend- und Freizeitheimes und schäme mich da bis heute nicht dafür.

Ich schreibe das nicht, weil meine Biographie nun so umwerfend wichtig wäre, dass ich sie bei tagesschau.de ausbreiten würde, schrübe ich dort; in mancherlei Hinsicht ist sie wohl symptomatisch; .

Sondern, weil so ein Blog ja vielleicht dazu da ist, das Persönliche auszubreiten, um da, wo man in Massenmedien Jobs erfüllt, sich auch klarer zu werden, welche Erfahrungen wie intervenieren in das, was man berichtet. Das dient dazu, sich denen anderer Menschen (hoffentlich) besser öffnen zu können. Versuchen zumindest kann man das ja.

Und schon in den frühen 80ern traf ich bei jedem Versuch, mich mal zu organisieren, auf irgendwelche geschulten Polit-Profis, zumeist weiß, hetero und männlich, die schnell manipulative Maschen entfalteten und alle Runden dominierten. Ich blieb draußen.

Als Ausweg erschien mir Literatur; Erweckungserlebnis war ein Buch über “Die verbrannten Dichter”, eben jene, die kaum noch wer kannte und kennt, weil sie von den Nationalsozialisten den Flammen übergeben wurden

Mehr von diesem Beitrag lesen

In Deutschland verhöhnt man halt die Deklassierten …

“Loser!”

“Opfer!”

So tönt es doch schon auf Schulhöfen.

Das trainiert man denen doch an.

In einem Land, da Hartz IV eigens erfunden wurde, um zu deklassieren, zu sanktionieren, zu demütigen, zu zermürben und so genannte “Unterschichten” im RTL-Nachmittagsmagazin vorzuführen.

Sich einfach mal so zu freuen, weil zusammen was erreicht wurde, wird ja nicht unbedingt trainiert, wenn von Kindesbeinen die Siebe regieren und später Exzellenz-Etiketten aufgeklebt werden, um andere Institutionen als Schrott für “Verlierer” zu brandmarken. Und sogar Volksentscheide von Elbvorortlern angestrengt werden, damit das so bleibt.

Wenn Status und Männlichkeit zur Einheit zusammen schießen und als das Nonplusultra gelten. Das ist nicht typisch deutsch, aber halt allgegenwärtig im Kapitalismus.

Da werden die Jungs einander ausstechend durch “Elite”-Internate geschleust, wo sie noch nicht mal flirten lernen, und alle sprechen noch von “Belebung” angesichts der krassen Konkurrenz.

Klar, es gibt in Fussball-Philosophien auch das “jeder rennt für den anderen”, Mehr von diesem Beitrag lesen

Wenn Fussballdeuter Mythen nähren …


“Doch so funktioniert Fußball natürlich nicht. Große Turniere haben immer ein identitätsstiftendes Moment. Es ist wie nach einem berührenden Kinofilm. Wenn man aus dem Halbdunkel des Filmsaals ins Licht des Alltags tritt, ist man immer noch derselbe Mensch wie vorher. Trotzdem fühlt es sich anders an. Was wir sahen, hält uns fest und manchmal wirkt es fort. So war es 1954, als die Deutschen auch mithilfe des identitätsstiftenden Fußballsiegs den Weg zurück in die Staatengemeinschaft fanden. So war es, als sie 2006 lernten, dass Fahnenschwenken nichts Nationalistisches an sich haben muss.”

Danach habe ich nicht mehr weiter lesen wollen.

Genau das ist ja die Katastrophe: Dieses Hinfort-Gelüge auf der Ebene geteilten Selbstverständnisses, von Weltendeutern angeheizt.

Genau DAS macht jede Antidiskriminierungsarbeit nahezu unmöglich, genau das zementiert Rassismus, Sexismus und Hass auf LGBT-People gleich mit und verkleistert die fatale Rolle deutscher Wirtschaftspolitik im europäischen Kontext, angekurbelt durch die Deklassierung breiter Bevölkerungsschichten hierzulande: Dieses oberflächliche Gesabbel in rein symbolischen Interpretationswelten. Genau DIESER Schleim sorgt dafür, dass rein gar nicht sich ändert,

Mehr von diesem Beitrag lesen

Momo on the radio: Tales of St. Pauli – Neues aus dem Metalustversum, Mo, 14. Juli, 14 – 16 h

Morgen, am Tag nach dem entfesselten nationalistischen Taumel, ich drücke Argentinien alle Daumen! Rettet mich!, geht mein monatliches Radio-Experiment einmal mehr über den Sender. Konkret: Ist beim FSK Hamburg zu hören. Wie jeden zweiten Montag im Monat von 14 – 16 h.

Auf dem Sendeplatz läuft ansonsten auch “Jenseits der Geschlechtergrenzen”, was angesichts der hochaggressiven, gewalthaltigen und -tätigen Propaganda mancher Hetero-Lobbies gegen eine verballhornte Version der “Gender-Theorie” viel wichtiger ist als meine plaudernde Suchbewegung quer durch Themen, die rund um die Fanszene des FC St. Pauli mir relevant erscheinen.

Diesmal gehe ich von Roland Barthes’ Konzeption des literarischen “Phantasma” aus, das er in den ganz und gar zauberhaften Vorlesungsvorbereitungsnotizen zu seinen Events im Collége de France (wie man das richtig französisch ausspricht, übe ich noch; mir geht es in der Sendung darum, dem Medium gerecht wirklich mit frei gesprochener Sprache – !!! – zu arbeiten, nicht irgendwas vorher aufzuschreiben und dann zu verlesen und so lange Takes aufzunehmen, bis alles sitzt) in den 70er Jahren entfaltete, die unter  dem Titel “Wie zusammen leben” veröffentlicht wurden. Um mich anschließend vermutlich viel zu platt und reduziert zu der sehr beeindruckenden Lesung Sharoon Dodua Otoos aus ihrem Roman “die Dinge, die ich denke, während ich höflich lächle” (unbedingt lesen!) im Café Timbuktu  zu äußern und die Reaktion der ISD auf das vom Senat initiierte, universitäre Programm zur Aufarbeitung der Hamburger Kolonialgeschichte zu verbreiten. Das Ausstellungs-Motto von 1910 e.V., “Fuck you, Freudenhaus!”, betrachte ich kritisch – um final mich zwei Werken schwuler Stadtgeschichte zuzuwenden. Einerseits Hubert Fichtes “St. Pauli-Geschichte”, eine Handschrift aus dessen Nachlass. Und Stephen Spenders “Der Tempel”, das im Hamburg der Weimarer Republik spielt und jüngst vom Männerschwarm-Verlag neu aufgelegt wurde. Das alles und noch viel mehr ist dann also morgen zu hören.

Da ich keinen Song ansage, hier wieder vorab die Playlist:

Greek Buck – Spunk (Thank You)
Donna Summer – On the radio (die Erkennungsmelodie)
Dennis Parker – Like an eagle
Kaine – Love saves the day (feat. Kathy Diamond)
Habib Koité – Baro
Mamami Keita & Marc Minelli – N’ka Willy
Michael Kiwanuka – Tell me a tale
George Adams – Send in the clowns
Randy Crawford – Everything must change
Boris Dlugosch – Look around you (featl Roisin Murphy)
Grace Jones – I’ve seen that face before (Libertango)
Hercules & Love Affaire – Think (feat. Rouge Mary)
Hildegard Knef – Anderthalb Millionen (Remixed by Hans Nieswandt)
Bedouin Soundclash – Brutal Hearts
Jabberwocky – Photomaton (feat. Elodie Wildstars)
Foals – Late night
Frankie Knuckles – Waiting on my angel
DeeDee Bridgewater – My loneley room

 

 

 

 

 

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 971 Followern an